{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/XI_ZS/2006/XI_ZR_259-06","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XI. Zivilsenat","decided":"2007-11-20","aktenzeichen":"XI ZR 259/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"BGB § 364 Abs. 2, § 488 Abs. 1 Satz 2 (Fassung vom 2. Januar 2002), § 607 Abs. 1 (Fassung vom 1. Januar 1964) Soll bei endfälligen Krediten mit Tilgungsaussetzung die Tilgung aus einer Kapitallebensversicherung erfolgen, so bezieht sich die Tilgungsabrede regelmäßig nur auf die Höhe der tatsächlich aus- gezahlten Lebensversicherungsleistungen. Das Risiko der Unter- deckung hat grundsätzlich der Darlehensnehmer zu tragen.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nXI ZR 259/06\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n20. November 2007 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nNachschlagewerk: ja \n\nBGHZ: nein \n\nBGHR: ja \n_____________________ \n\nBGB § 364 Abs. 2, § 488 Abs. 1 Satz 2 (Fassung vom 2. Januar \n2002), § 607 Abs. 1 (Fassung vom 1. Januar 1964) \n\nSoll bei endfälligen Krediten mit Tilgungsaussetzung die Tilgung \naus einer Kapitallebensversicherung erfolgen, so bezieht sich die \nTilgungsabrede regelmäßig nur auf die Höhe der tatsächlich aus-\ngezahlten Lebensversicherungsleistungen. Das Risiko der Unter-\ndeckung hat grundsätzlich der Darlehensnehmer zu tragen. \n\nBGH, Beschluss vom 20. November 2007 - XI ZR 259/06 - OLG Hamm \n LG Detmold \n\nDer XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 20. November 2007 \n\ndurch den Vorsitzenden Richter Dr. h.c. Nobbe, den Richter Dr. Joeres, \n\ndie Richterin Mayen \n\nund \n\ndie Richter Dr. Ellenberger \n\nund \n\nProf. Dr. Schmitt \n\nbeschlossen: \n\nDie Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulassung \n\nder Revision in dem Urteil des 31. Zivilsenats des Ober-\n\nlandesgerichts Hamm vom 3. Juli 2006 wird zurückge-\n\nwiesen, weil die Rechtssache keine grundsätzliche Be-\n\ndeutung hat und die Fortbildung des Rechts sowie die \n\nSicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Ent-\n\nscheidung des Revisionsgerichts nicht erfordern (§ 543 \n\nAbs. 2 Satz 1 ZPO). Eine Divergenz zum Urteil des \n\n15. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom \n\n4. April 2003 (WM 2003, 2412, 2413) liegt nicht vor. Die \n\ndort zu beurteilende Klausel ist wegen individueller Um-\n\nstände in einer Einzelfallwürdigung vom Oberlandesge-\n\nricht in einem Sinne ausgelegt worden, der nach den in-\n\nsofern zutreffenden Ausführungen des Oberlandesge-\n\nrichts nicht der üblichen Bankenpraxis entspricht. \n\nVon dieser Entscheidung haben sich inzwischen auch \n\nder 9. Zivilsenat \n\n(WM 2006, 1247, 1248) und der \n\n17. Zivilsenat (WM 2006, 1810, 1811 f.) des Oberlandes-\n\ngerichts Karlsruhe deutlich abgegrenzt. Die geltend ge-\n\nmachten Verstöße gegen Art. 103 Abs. 1 GG und Art. 3 \n\nAbs. 1 GG hat der Senat geprüft und nicht für durchgrei-\n\nfend erachtet. Die Auslegung der Darlehensverträge \n\ndurch das Berufungsgericht ist rechtlich nicht zu bean-\n\nstanden. Rechtsfehlerfrei hat das Berufungsgericht der \n\nTilgungsbestimmung entnommen, dass die Lebensversi-\n\ncherung lediglich ein Mittel zur Rückführung des Darle-\n\nhens ist, nicht aber unabhängig von der Höhe der Versi-\n\ncherungsleistung dessen vollständige Tilgung bewirkt. \n\nDer Kreditnehmer schuldet gemäß § 607 Abs. 1 \n\nBGB a.F., § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB n.F. die Rückerstat-\n\ntung der vollen Darlehenssumme. Soll bei endfälligen \n\nKrediten mit Tilgungsaussetzung die Tilgung aus einer \n\nKapitallebensversicherung erfolgen, so geschieht dies \n\nregelmäßig entsprechend § 364 Abs. 2 BGB erfüllungs-\n\nhalber und nicht an Erfüllungs statt. Die Tilgung erfolgt \n\ndaher nur in Höhe der tatsächlich ausgezahlten Lebens-\n\nversicherungsleistungen. Das Risiko, dass die Lebens-\n\nversicherungsleistungen zur vollständigen Tilgung des \n\nDarlehens nicht ausreichen, hat grundsätzlich der Darle-\n\nhensnehmer zu tragen. Von einer näheren Begründung \n\nwird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgese-\n\nhen. \n\nDie Kosten des Beschwerdeverfahrens tragen der Be-\n\nklagte zu 1) zu 49% und der Beklagte zu 2) zu 51%. \n\nDer Gegenstandswert für das Beschwerdeverfahren be-\n\nträgt 39.287,96 €. \n\nNobbe Joeres Mayen \n\n Ellenberger Schmitt \n\nVorinstanzen: \n\nLG Detmold, Entscheidung vom 05.12.2005 - 12 O 132/05 - \n\nOLG Hamm, Entscheidung vom 03.07.2006 - 31 U 6/06 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XI_ZS/2006/XI_ZR_259-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-11-20/xi-zr-259-06","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 364","ref_norm":"364","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 488","ref_norm":"488","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 607","ref_norm":"607","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XI_ZS/2006/XI_ZR_259-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XI_ZS/2006/XI_ZR_259-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-11-20/xi-zr-259-06","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XI_ZS/2006/XI_ZR_259-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 20:02:03.564618+00:00"}}