{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/XII_ZS/2004/XII_ZB_114-04","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XII. Zivilsenat","decided":"2004-09-08","aktenzeichen":"XII ZB 114/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nXII ZB 114/04 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n8. September 2004 \n\nin der Familiensache \n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 8. September 2004 durch die \n\nRichter Sprick, Prof. Dr. Wagenitz, Fuchs, die Richterin Dr. Vézina und den \n\nRichter Dose \n\nbeschlossen: \n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Antragsgegnerin werden der Be-\n\nschluß des 17. Zivilsenats - Senat für Familiensachen - des Ober-\n\nlandesgerichts Celle vom 30. März 2004 aufgehoben und der Be-\n\nschluß des Amtsgerichts \n\n- Familiengericht - Lüneburg vom \n\n27. August 2003 abgeändert und wie folgt neu gefaßt: \n\nZu Lasten der Anwartschaften des Antragstellers nach soldaten-\n\nversorgungsrechtlichen Grundsätzen bei der Wehrbereichsverwal-\n\ntung West (VS/261253-G-21118) werden auf dem Versicherungs-\n\nkonto Nr. 50 191152 K 552 der Antragsgegnerin bei der Bundes-\n\nversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin Rentenanwartschaf-\n\nten von monatlich 288,66 €, bezogen auf den 30. Septem ber \n\n2001, begründet. Der Monatsbetrag der Rentenanwartschaften ist \n\nin Entgeltpunkte umzurechnen. \n\nDie Kosten des Beschwerde- und des Rechtsbeschwerdeverfah-\n\nrens werden gegeneinander aufgehoben. \n\nBeschwerdewert: 662 € \n\nGründe: \n\nI. \n\nDie Parteien haben am 22. April 1977 geheiratet. Der Scheidungsantrag \n\ndes Ehemannes (Antragsteller; geboren am 26. Dezember 1953) ist der Ehe-\n\nfrau (Antragsgegnerin; geboren am 19. November 1952) am 29. Oktober 2001 \n\nzugestellt worden. Das Amtsgericht - Familiengericht - hat die Ehe geschieden \n\n(insoweit rechtskräftig) und den abgetrennten Versorgungsausgleich nachfol-\n\ngend dahin geregelt, daß es im Wege des Quasisplittings nach § 1587 b Abs. 2 \n\nBGB zu Lasten der Anwartschaften des Antragstellers nach soldatenversor-\n\ngungsrechtlichen Grundsätzen bei der Wehrbereichsverwaltung West (Wehrbe-\n\nreichsverwaltung; weitere Beteiligte zu 3) auf dem Versicherungskonto der An-\n\ntragsgegnerin bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA; weitere \n\nBeteiligte zu 2) Rentenanwartschaften von monatlich 302,88 €, bezogen auf \n\nden 30. September 2001, begründet hat. Auf die Beschwerde des Antragstel-\n\nlers hat das Oberlandesgericht die Entscheidung dahin abgeändert, daß Ren-\n\ntenanwartschaften in Höhe von monatlich 233,53 € begrü ndet werden. \n\nDabei ist das Oberlandesgericht nach den Auskünften der weiteren Be-\n\nteiligten zu 1 bis 3 von ehezeitlichen (1. April 1977 bis 30. September 2001; \n\n§ 1587 Abs. 2 BGB) Anwartschaften des Antragstellers bei der Wehrbereichs-\n\nverwaltung in Höhe von monatlich 1.383,50 € und der A ntragsgegnerin in der \n\ngesetzlichen Rentenversicherung bei der BfA, monatlich und bezogen auf das \n\nEnde der Ehezeit, in Höhe von 740,78 € ausgegangen. Die für die Antragsge-\n\ngnerin bei der VBL bestehenden Anwartschaften hat das Oberlandesgericht als \n\nvolldynamisch bewertet und daher ohne Umrechnung für die Antragsgegnerin \n\nmonatlich 175,67 € dem Versorgungsausgleich zugrunde ge legt. \n\nMit der zugelassenen Rechtsbeschwerde möchte die Antragsgegnerin \n\ndie Entscheidung des Familiengerichts wiederhergestellt wissen. Der An-\n\ntragsteller beantragt, die Rechtsbeschwerde zurückzuweisen. Die weiteren Be-\n\nteiligten haben sich im Rechtsbeschwerdeverfahren nicht geäußert. \n\nII. \n\nDie nach §§ 621 e Abs. 2 Satz 1 1. Halbs. Nr. 1, 2. Halbs. in Verbindung \n\nmit § 543 Abs. 2 ZPO zulässige Rechtsbeschwerde der Antragsgegnerin ist \n\nbegründet. \n\n1. Das Oberlandesgericht hat die für die Antragsgegnerin bei der VBL \n\nbestehenden Anwartschaften als volldynamisch beurteilt. Dies hält rechtlicher \n\nÜberprüfung nicht stand. Der Senat hat zwischenzeitlich entschieden, daß die \n\nVersorgungsanrechte aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes bei \n\nder VBL nach der Neufassung der Satzung zum 1. Januar 2002 als im Anwart-\n\nschaftsstadium statisch und im Leistungsstadium dynamisch zu bewerten sind \n\n(vgl. Senatsbeschluß vom 7. Juli 2004 - XII ZB 277/03 - FamRZ 2004, 1474). \n\n2. Entgegen der Auffassung des Oberlandesgerichts ist beim Antragstel-\n\nler hinsichtlich der Sonderzuwendung nicht der Bemessungsfaktor für 2002 von \n\n86,31 %, sondern der ab Januar 2004 gültige Bemessungsfaktor von 5 % jähr-\n\nlich anzuwenden (§ 2 Abs. 1 des Bundessonderzahlungsgesetzes - BSZG - \n\nvom 29. Dezember 2003, BGBl. I, 3076, 3077. Zur Anwendung des jeweils zur \n\nZeit der Entscheidung geltenden Bemessungsfaktors vgl. zuletzt Senatsbe-\n\nschluß vom 4. September 2002 - XII ZB 130/98 - FamRZ 2003, 437 ff. m.w.N.). \n\nDanach errechnet sich für den Antragsteller ein ehezeitlicher Versorgungsanteil \n\nvon 1.355,20 €. \n\n3. Damit ergibt sich folgende Berechnung: \n\nBei der Umwertung der VBL-Anwartschaften in eine dynamische Versor-\n\ngung kommt Tabelle 1 zu § 2 Abs. 2 BarwertVO zur Anwendung. Dies führt zur \n\nErhöhung des sich daraus ergebenden Faktors 4,4 (Alter der Antragsgegnerin \n\nbei Ende der Ehezeit: 48 Jahre) um 65 % auf 7,26 (§ 2 Abs. 2 Nr. 4 Barwert-\n\nVO). Aus der Jahresrente von 2.108,04 € errechnet sich de mnach ein Barwert \n\nvon 2.108,04 € x 7,26 = 15.304,37 €. Nach Multiplikati\n\non mit dem Umrech-\n\nnungsfaktor der Rechengrößenbekanntmachung für 2001 von 0,0000957429 \n\nergeben sich 1,4653 Entgeltpunkte und nach weiterer Multiplikation mit dem \n\nallgemeinen Rentenwert zum Ehezeitende von 25,31 € ein e dynamische Rente \n\nvon 37,09 €. \n\nDer in der Ehezeit erworbenen Versorgung des Antragsstellers in Höhe \n\nvon 1.355,20 € stehen somit Anwartschaften der Antragsge gnerin in Höhe von \n\ninsgesamt 740,78 € + 37,09 € = 777,87 € gegenüber, so\n\n daß sich eine Aus-\n\ngleichspflicht des Antragstellers in Höhe von 288,66 € errechnet (1.355,20 € ./. \n\n777,87 € = 577,33 €; 577,33 € : 2 = 288,66(5) €). \n\nNach § 1587 b Abs. 2 BGB hat der Versorgungsausgleich durch Quasi-\n\nsplitting zu erfolgen. Die Anordnung der Umrechnung in Entgeltpunkte folgt aus \n\n§ 1587 b Abs. 6 BGB. \n\nSprick \n\nWagenitz \n\nFuchs \n\nVézina \n\nDose","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2004/XII_ZB_114-04.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-09-08/xii-zb-114-04","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1587","ref_norm":"1587","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2004/XII_ZB_114-04.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2004/XII_ZB_114-04.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-09-08/xii-zb-114-04","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2004/XII_ZB_114-04.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 15:58:04.579835+00:00"}}