{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/XII_ZS/2000/XII_ZB_197-00","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XII. Zivilsenat","decided":"2004-11-17","aktenzeichen":"XII ZB 197/00","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"BGB § 1587 a Abs. 2 Nr. 4 lit. c), Abs. 3 Nr. 2; BarwertVO (i.d.F. der 2. VO zur Ände- rung der BartwertVO vom 26. Mai 2003 (BGBl. I 728)) Zur Bewertung von Anrechten der Bayerischen Ärzteversorgung, die vor/seit dem 1. Januar 1985 begründet worden sind.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n17. November 2004 \n\nin der Familiensache \n\nXII ZB 197/00 \n\nNachschlagewerk: ja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nBGB § 1587 a Abs. 2 Nr. 4 lit. c), Abs. 3 Nr. 2; BarwertVO (i.d.F. der 2. VO zur Ände-\n\nrung der BartwertVO vom 26. Mai 2003 (BGBl. I 728)) \n\nZur Bewertung von Anrechten der Bayerischen Ärzteversorgung, die vor/seit dem \n\n1. Januar 1985 begründet worden sind. \n\nBGH, Beschluß vom 17. November 2004 - XII ZB 197/00 - OLG Stuttgart \n\nAG Ulm \n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 17. November 2004 durch \n\ndie Vorsitzende Richterin Dr. Hahne und die Richter Sprick, Weber-Monecke, \n\nProf. Dr. Wagenitz und Dose \n\nbeschlossen: \n\nAuf die weitere Beschwerde des Antragstellers wird der Beschluß \n\ndes 16. Zivilsenats - Familiensenat - des Oberlandesgerichts \n\nStuttgart vom 23. Oktober 2000 aufgehoben. \n\nDie Sache wird zur erneuten Behandlung und Entscheidung, auch \n\nüber die Kosten der weiteren Beschwerde, an das Oberlandesge-\n\nricht zurückverwiesen. \n\nBeschwerdewert: 511 € (= 1.000 DM) \n\nGründe: \n\nI. \n\nDie am 14. August 1970 geschlossene Ehe der Parteien wurde auf den \n\ndem Ehemann (Antragsgegner) am 17. April 1997 zugestellten Antrag der Ehe-\n\nfrau (Antragstellerin) durch Verbundurteil des Amtsgerichts - Familiengericht - \n\nvom 28. Dezember 1999 (insoweit rechtskräftig seit 18. April 2000) geschieden \n\nund der Versorgungsausgleich geregelt. \n\nWährend der Ehezeit (1. August 1970 bis 31. März 1997; § 1587 Abs. 2 \n\nBGB) erwarb die am 3. November 1946 geborene Ehefrau Rentenanwartschaf-\n\nten in der gesetzlichen Rentenversicherung bei der Bundesversicherungsanstalt \n\nfür Angestellte (Verfahrensbeteiligte zu 1, BfA) in Höhe von 512,54 DM, monat-\n\nlich und bezogen auf den 31. März 1997. Der am 16. Juni 1940 geborene Ehe-\n\nmann erwarb während der Ehezeit Rentenanwartschaften bei der Bayerischen \n\nÄrzteversorgung, und zwar bis zum 31. Dezember 1984 \n\nin Höhe von \n\n(16.472,76 DM : 12 =) 1.372,73 DM und seit dem 1. Januar 1985 in Höhe von \n\nweiteren (13.134,99 DM : 12 =) 1.094,58 DM, jeweils monatlich und bezogen \n\nauf den 31. März 1997. \n\nDas Amtsgericht hat die bis zum 31. Dezember 1984 erworbenen Ver-\n\nsorgungsanrechte des Mannes bei der Bayerischen Ärzteversorgung als im \n\nAnwartschaftsstadium statisch und im Leistungsstadium dynamisch angesehen \n\nund anhand der BarwertVO in der Fassung der Verordnung vom 22. Mai 1984 \n\n(BGBl. I S. 692) in volldynamische Anrechte in Höhe von 608,12 DM monatlich \n\nund bezogen auf den 31. März 1997 umgerechnet. Die seit dem 1. Januar 1985 \n\nerworbenen Anrechte des Ehemannes bei der Bayerischen Ärzteversorgung \n\nhat es als in beiden Stadien dynamisch angesehen und mit ihrem Nominalbe-\n\ntrag in die Ausgleichsbilanz eingestellt. Den Versorgungsausgleich hat das \n\nAmtsgericht sodann dahin geregelt, daß es zu Lasten der bei der Bayerischen \n\nÄrzteversorgung bestehenden Anrechte des Ehemannes für die Ehefrau Ren-\n\ntenanwartschaften bei der BfA begründet hat, und zwar aus dem bis zum \n\n31. Dezember 1984 erworbenen (nicht-volldynamischen) Teil der Versorgung \n\ndes Ehemannes in Höhe von 212, 53 DM und aus dem seit dem 1. Januar 1985 \n\nerworbenen (volldynamischen) Teil dieser Versorgung in Höhe von 382,55 DM, \n\njeweils monatlich und bezogen auf den 31. März 1997. Das Oberlandesgericht \n\nist der Berechnung des Amtsgerichts gefolgt und hat die Beschwerde der Ehe-\n\nfrau zurückgewiesen. \n\nMit der zugelassenen weiteren Beschwerde rügt die Ehefrau die Anwen-\n\ndung der BarwertVO (i.d.F. der Verordnung vom 22. Mai 1984, BGBl. I S. 692). \n\nII. \n\nDas Rechtsmittel führt zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung \n\nund zur Zurückverweisung der Sache an das Oberlandesgericht. \n\n1. Zu Recht hat das Oberlandesgericht die bis zum 31. Dezember 1984 \n\nerworbenen Versorgungsanrechte des Ehemannes bei der Bayerischen Ärzte-\n\nversorgung als im Anwartschaftsteil statisch bewertet, da sich ihre Höhe aus \n\neinem Vom-Hundert-Satz (20 %) der geleisteten Beiträge ergibt (Senatsbe-\n\nschlüsse BGHZ 85, 194, vom 21. September 1988 - IVb ZB 70/85 - FamRZ \n\n1988, 1254, 1255 und vom 28. September 1994 - XII ZB 82/93 - FamRZ 1994, \n\n1583, 1584). Auch die weitere Beschwerde erinnert hiergegen nichts. \n\n2. Die danach erforderliche Umwertung dieser Anrechte hat das Ober-\n\nlandesgericht mit Hilfe der BarwertVO a.F. vorgenommen. Das entsprach der \n\nRechtslage im Zeitpunkt der angefochtenen Entscheidung (vgl. Senatsbeschluß \n\nBGHZ 148, 351). Mit der Zweiten Verordnung zur Änderung der Barwert-\n\nVerordnung (vom 26. Mai 2003, BGBl. I S. 728) hat der Verordnungsgeber die \n\nBarwertbildung allerdings inzwischen auf eine neue Grundlage gestellt. Die \n\nNeufassung trägt den Bedenken des Senats gegen die bisherige Fassung der \n\nBarwertVO Rechnung und ist jedenfalls derzeit nicht zu beanstanden (Senats-\n\nbeschluß vom 23. Juli 2003 - XII ZB 152/01 - FamRZ 2003, 1639). Die Umrech-\n\nnung der Versorgungsanwartschaft des Ehemannes bei der Bayerischen Ärzte-\n\nversorgung hat deshalb nunmehr anhand der Neufassung der Barwertverord-\n\nnung zu erfolgen (zur Maßgeblichkeit des zur Zeit der Entscheidung geltenden \n\nRechts auch für die Höhe des Versorgungsausgleichs vgl. etwa Senatsbe-\n\nschluß vom 9. Februar 2000 - XII ZB 24/96 - FamRZ 2000, 748, 749). \n\n3. Die angefochtene Entscheidung kann danach nicht bestehen bleiben. \n\nDer Senat vermag allerdings in der Sache nicht abschließend zu entscheiden. \n\nDas Oberlandesgericht ist davon ausgegangen, daß die bis zum 31. Dezember \n\n1984 erworbenen Anrechte des Ehemannes bei der Bayerischen Ärzteversor-\n\ngung im Leistungsstadium dynamisch und die dort seit dem 1. Januar 1985 er-\n\nworbenen Anrechte sowohl im Anwartschafts- als auch im Leistungsstadium \n\ndynamisch sind, ihr Wert also in gleicher oder nahezu gleicher Weise steigt wie \n\nder Wert einer Versorgung der gesetzlichen Rentenversicherung oder der \n\nBeamtenversorgung (offengelassen in den Senatsbeschlüssen vom 21. Sep-\n\ntember 1988 aaO und vom 28. September 1994 aaO). Diese für die Zeit ab \n\n1. Januar 1985 vorgenommene Bewertung des Oberlandesgerichts beruht auf \n\nMitteilungen der Bayerischen Ärzteversorgung vom 7. August 1997 über die in \n\nden Jahren 1986 bis 1997 erfolgten Anpassungen der Anwartschaften und Lei-\n\nstungen. Diese Übersicht erscheint für eine aktuelle Beurteilung der Versor-\n\ngungsentwicklung nicht mehr hinreichend aussagekräftig. Der Senat hält es \n\ndeshalb für geboten, die Entwicklung der Bayerischen Ärzteversorgung anhand \n\nzeitnaher Daten zu überprüfen. Hinsichtlich der Frage, welche Steigerungsraten \n\neiner Versorgung die Annahme rechtfertigen, daß der Wert dieser Versorgung \n\nin gleicher oder nahezu gleicher Weise steigt wie der Wert einer Versorgung \n\nder gesetzlichen Rentenversicherung oder der Beamtenversorgung, verweist \n\nder Senat auf seinen Beschluß vom 7. Juli 2004 - XII ZB 277/03 - FamRZ 2004, \n\n1174 (zur Dynamik von Anrechten der VBL). Die Zurückverweisung gibt zu-\n\ngleich Gelegenheit, auch die aufgrund einer Auskunft der BfA vom 17. Juli \n\n1998 ermittelte Höhe der dort von der Ehefrau erworbenen Versorgungsanwart-\n\nschaft anhand einer aktuellen Auskunft der BfA zu kontrollieren. \n\nHahne \n\nSprick \n\n Weber-Monecke \n\nWagenitz \n\nDose","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2000/XII_ZB_197-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-11-17/xii-zb-197-00","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1587","ref_norm":"1587","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2000/XII_ZB_197-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2000/XII_ZB_197-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-11-17/xii-zb-197-00","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/2000/XII_ZB_197-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 16:10:57.490568+00:00"}}