{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/XII_ZS/1998/XII_ZR_167-98B","ecli":null,"court":"BGH","senate":"XII. Zivilsenat","decided":"2000-12-06","aktenzeichen":"XII ZR 167/98","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nXII ZR 167/98\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n6. Dezember 2000\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 6. Dezember 2000 durch\n\nden Vorsitzenden Richter Dr. Blumenröhr und die Richter Dr. Krohn, Dr. Hah-\n\nne, Gerber und Sprick\n\nbeschlossen:\n\nDie Revision des Beklagten gegen das Urteil des 23. Zivilsenats\n\ndes Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 20. Mai 1998 wird\n\nnicht angenommen.\n\nDer Beklagte trägt die Kosten des Revisionsverfahrens (§ 97\n\nAbs. 1 ZPO).\n\nStreitwert: 24.672 DM.\n\nGründe:\n\nDie Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung. Die Revision hat\n\nim Endergebnis auch keine Aussicht auf Erfolg (vgl. § 554 b ZPO in der Ausle-\n\ngung des Beschlusses des BVerfG vom 11. Juni 1980 - 1 PBvU 1/79 - BVerfGE\n\n54, 277). Die Parteien hatten den Mietvertrag bis zum 30. Juni 1995 befristet.\n\nEntgegen der Auffassung der Revision läßt sich dem Vertragstext keine\n\n- unabhängig von der Option getroffene - selbständige Vereinbarung über eine\n\nautomatische Vertragsverlängerung bis zum 30. Juni 2000 entnehmen. Dem\n\nMieter war lediglich eine Verlängerungsoption bis 2010 eingeräumt worden, für\n\nderen Ausübung jedoch keine bestimmte Frist vorgesehen war. Aus dem Um-\n\nstand, daß die Parteien auch die Höhe des Mietzinses für die Zeit bis 30. Juni\n\n2000 geregelt und für die anschließende Zeit bis 2010 einer neuen Vereinba-\n\nrung überlassen haben, kann noch nicht auf eine Verlängerung des Mietvertra-\n\nges geschlossen werden, da diese Regelung ihren Sinn auch dann behält,\n\nwenn sie nur vorsorglich für den Fall des § 568 BGB oder die rechtzeitige Opti-\n\nonsausübung getroffen wurde.\n\nNach Fristablauf hatte sich das Mietverhältnis zunächst gemäß § 568\n\nBGB auf unbestimmte Zeit fortgesetzt und war sodann vom Vermieter unter\n\nEinhaltung der normalen Kündigungsfristen gekündigt worden. Die vom Mieter\n\nerst nach regulärem Fristablauf ausgeübte Option war verspätet und konnte\n\nkeine Wirkungen mehr entfalten.\n\nHaben die Mietvertragsparteien - wie hier - eine feste Laufzeit des Ver-\n\ntrages vereinbart und dem Mieter eine Verlängerungsoption eingeräumt, ohne\n\nhierfür eine Frist zur Geltendmachung vorzusehen, so ist im Wege der ergän-\n\nzenden Vertragsauslegung davon auszugehen, daß die Option bis zum Ablauf\n\ndes befristeten Mietvertrages ausgeübt werden muß. Denn es liegt im schüt-\n\nzenswerten Interesse des Vermieters, der dem Mieter die Verlängerungsoption\n\neingeräumt hat, bis zum Ablauf des Mietvertrages zu wissen, ob er sich auf\n\neine Fortsetzung des Vertrages mit dem Mieter einstellen muß. Dies hat der\n\nBundesgerichtshof - in Modifizierung des Urteils vom 4. Dezember 1974\n\n(VIII ZR 160/73 MDR 1975, 397) - bereits ausgeführt (vgl. BGH, Urteil vom\n\n14. Juli 1982 - VIII ZR 196/81 - NJW 1982, 2770, 2771; und vom 20. März 1985\n\n- VIII ZR 64/84 - ZMR 1985, 260, 261; vgl. ferner bereits die ältere Rechtspre-\n\nchung RGZ 99, 154, 155 ff.; BGH, Urteil vom 17. Mai 1967 - V ZR 96/64 -\n\nWM 1967, 935, 936; OLG Düsseldorf MDR 1981, 847; OLG Düsseldorf\n\nZMR 1991, 378; OLG Köln ZMR 1996, 433; Erman/Jendrek BGB 10. Aufl. vor\n\n§ 535 Rdn. 69; Staudinger/Emmerich [13. Bearb. 1995] BGB Vorbem. zu\n\n§§ 535, 536 Rdn. 223, 225; Soergel/Kummer BGB 12. Aufl. vor § 535 Rdn. 33;\n\nEmmerich/\n\nSonnenschein Miete 7. Aufl. vor §§ 535, 536 BGB Rdn. 77, 78; Reinstorf in\n\nBub/Treier Handbuch der Geschäfts- und Wohnraummiete 3. Aufl. Kap. II\n\nRdn. 215, 216; a.A. wohl MünchKomm/Voelskow BGB 3. Aufl. §§ 535, 536\n\nRdn. 34, 35; Wolf/Eckert/Ball Handbuch des gewerblichen Miet-, Pacht- und\n\nLeasingrechts 8. Aufl. Rdn. 833).\n\nAus § 568 BGB folgt nichts anderes. Der Umstand, daß sich das Miet-\n\nverhältnis gemäß § 568 BGB mangels eines rechtzeitigen Widerspruchs des\n\nVermieters auf unbestimmte Zeit fortsetzt, führt nicht dazu, daß die Option\n\nnunmehr auch nach dem regulären Fristablauf ausgeübt werden könnte. § 568\n\nBGB will durch seine Fiktion lediglich den Eintritt eines vertragslosen Zustan-\n\ndes verhindern. Er bewirkt ein Fortbestehen des Mietvertrages mit dem verein-\n\nbarten Inhalt, allerdings mit Ausnahme der Regelungen, die sich auf den\n\nZeitablauf beziehen und der Fortsetzung auf unbestimmte Zeit entgegenstehen\n\nwürden. Daher kann auch die mit Fristablauf erloschene Option nicht wieder\n\naufleben (vgl. Palandt/Putzo BGB 59. Aufl. § 568 Rdn. 10 m.w.N.).\n\nBlumenröhr \n\nKrohn \n\nHahne\n\nGerber \n\nSprick","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/1998/XII_ZR_167-98B.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-12-06/xii-zr-167-98","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 568","ref_norm":"568","n":5},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 535","ref_norm":"535","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 536","ref_norm":"536","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/1998/XII_ZR_167-98B.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/1998/XII_ZR_167-98B.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-12-06/xii-zr-167-98","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/XII_ZS/1998/XII_ZR_167-98B.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 11:42:05.875580+00:00"}}