{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VI_ZS/2003/VI_ZR__78-03","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2003-09-30","aktenzeichen":"VI ZR 78/03","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"§§ 2, 3 ZPO; § 26 Nr. 8 EGZPO Bei Abweisung einer Schmerzensgeldklage besteht die vom Kläger mit der Revision geltend zu machende Beschwer im Sinne des § 26 Nr. 8 EGZPO äußerstenfalls in Höhe des in der Berufungsinstanz verlangten Mindestbetrages. Die Beschwerde ge- gen die Nichtzulassung der Revision ist deshalb unzulässig, wenn der Wert der Kla- geforderung unter Einschluß des Mindestbetrages 20.000 b- (cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:12)(cid:11)(cid:14)(cid:13)(cid:16)(cid:15)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:7)(cid:20)(cid:13)(cid:16)(cid:1) (cid:21)(cid:22)(cid:7)(cid:24)(cid:23)(cid:26)(cid:25)(cid:27)(cid:1) (cid:13)(cid:29)(cid:28) sicht, erstmals mit der Revision eine die Wertgrenze übersteigende Größenordnung des Schmerzensgeldes geltend zu machen, führt nicht zur Zulässigkeit der Nichtzu- lassungsbeschwerde.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n30. September 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nVI ZR 78/03\n\nNachschlagewerk: ja\n\nBGHZ:\n\nnein\n\nBGHR: ja\n\n§§ 2, 3 ZPO; § 26 Nr. 8 EGZPO\n\nBei Abweisung einer Schmerzensgeldklage besteht die vom Kläger mit der Revision\n\ngeltend zu machende Beschwer im Sinne des § 26 Nr. 8 EGZPO äußerstenfalls in\n\nHöhe des in der Berufungsinstanz verlangten Mindestbetrages. Die Beschwerde ge-\n\ngen die Nichtzulassung der Revision ist deshalb unzulässig, wenn der Wert der Kla-\n\ngeforderung unter Einschluß des Mindestbetrages 20.000 \n\nb-\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:12)(cid:11)(cid:14)(cid:13)(cid:16)(cid:15)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:7)(cid:20)(cid:13)(cid:16)(cid:1)\n\n(cid:21)(cid:22)(cid:7)(cid:24)(cid:23)(cid:26)(cid:25)(cid:27)(cid:1)\n\n(cid:13)(cid:29)(cid:28)\n\nsicht, erstmals mit der Revision eine die Wertgrenze übersteigende Größenordnung\n\ndes Schmerzensgeldes geltend zu machen, führt nicht zur Zulässigkeit der Nichtzu-\n\nlassungsbeschwerde.\n\nBGH, Beschluß vom 30. September 2003 - VI ZR 78/03 - OLG Dresden\n\nLG Leipzig\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. September 2003 durch\n\ndie Vorsitzende Richterin Dr. Müller, den Richter Wellner, die Richterin Diede-\n\nrichsen und die Richter Stöhr und Zoll\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revi-\n\nsion in dem Urteil des 15. Zivilsenats des Oberlandesgerichts\n\nDresden vom 14. Februar 2003 wird auf seine Kosten verworfen.\n\nStreitwert: 13.795,35 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDer Kläger hat die Beklagten nach einem Verkehrsunfall auf materiellen\n\nund immateriellen Schadensersatz in Anspruch genommen. Der Kläger hat den\n\nmateriellen Schaden in erster Instanz auf 6.662,33 \n\nauf\n\n(cid:1)(cid:31)(cid:0)! #\"$(cid:13)%(cid:1)\n\n(cid:7)(cid:20)(cid:13)(cid:16)(cid:15)’&((cid:0)(cid:12)(cid:17)(cid:19)(cid:7)*)(cid:16)(cid:0)(cid:8) \n\n(cid:11)(cid:12)(cid:13)(cid:22) (cid:12)(cid:1)\n\n+,+-(cid:13).(cid:15)*(cid:7)(cid:24)(cid:23)/(cid:25)(cid:27)(cid:1)(cid:4)(cid:13)1032(cid:16)(cid:5)(cid:8)(cid:13)!4(cid:2)(cid:13)(cid:2)(cid:17)657(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:2)89(cid:13):(cid:15)(cid:20) (cid:8)(cid:13):(cid:0)(cid:12)(cid:17);(cid:21)(cid:2)(cid:13)(cid:16)<(cid:4)4(cid:2)(cid:13)(cid:2)(cid:17)6(cid:5)=)(cid:22)(cid:7)94(cid:2)(cid:13).(cid:15)?>@<(cid:4)A(cid:14)(cid:21)(cid:2)(cid:13)(cid:16)(cid:15)B(cid:1)((cid:0)C4(cid:2))(cid:2)(cid:17)\n\n6.125,97 \n\nErmessen des Gerichts gestellt; jedoch hat er einen Betrag von mindestens\n\n+E(cid:9)(cid:2)(cid:15)F)(cid:16)(cid:0)(cid:12)(cid:21).(cid:13)(cid:16)89(cid:13)(cid:2)(cid:17);(cid:17);(cid:13)(cid:16)(cid:0)G(cid:21)(cid:2)(cid:13):(cid:5)(cid:12))(cid:16)<\n\n(cid:7)*(cid:13)(cid:16)(cid:0)(cid:2)(cid:23)H(cid:25)I)(cid:2)(cid:17)KJ(cid:8)).(cid:0)(cid:12)4(cid:2)(cid:21)(cid:2)(cid:13):(cid:15)(cid:24)(cid:1)(cid:4)(cid:3);(cid:5)(cid:6)(cid:7)9(cid:5)(cid:14))(cid:14)(cid:7)F4%(cid:1)\n\n15.000 DM (= 7.669,38 \n\nKlage abgewiesen. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers zu-\n\nrückgewiesen. Der Streitwert ist vom Landgericht auf 14.331,71 \n\n(cid:30)(cid:10)LNM\n\nu-\n\n8PO(cid:26)(cid:13)(cid:16)(cid:15)\n\n+(cid:20)(cid:13).(cid:17)(cid:19)(cid:7)(cid:20)(cid:21)(cid:2)(cid:13).(cid:17);(cid:13)(cid:14)(cid:7)Q (cid:19)(cid:7)%\"\n\n(cid:15)(cid:18)4(cid:2)(cid:13)(cid:16)(cid:0)R(cid:23)S(cid:25)I)(cid:2)(cid:17)’OT(cid:13)(cid:16)(cid:15)VU;+EU(cid:2)(cid:0)(cid:12)(cid:21)(cid:2)(cid:17);(cid:21)(cid:14)(cid:13)(cid:16)(cid:15)E(cid:1)\n\n(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:6)(cid:7)3(cid:5)(cid:8))(cid:14)(cid:7)@4(cid:16)(cid:1)(cid:4)(cid:13)\n\nfungsgericht auf 13.795,35 \n\nRevision nicht zugelassen. Dagegen richtet sich die Beschwerde des Klägers.\n\n(cid:30)\nD\n(cid:13)\nM\n\nII.\n\nDie Beschwerde ist unzulässig, weil der Wert der von dem Kläger mit ei-\n\nner Revision geltend zu machenden Beschwer zwanzigtausend Euro nicht\n\nübersteigt (§ 26 Nr. 8 EGZPO, § 544 ZPO).\n\nDer Kläger hat in erster und zweiter Instanz den Mindestbetrag des von\n\nihm verlangten Schmerzensgeldes auf 15.000 DM beziffert. Bei dieser Sachla-\n\nge kann mit der Revision betreffend das Schmerzensgeld äußerstenfalls eine\n\nBeschwer in Höhe des aberkannten Anspruchs von 7.669,38 \n\n(cid:21)(cid:14)(cid:13)%<\n\n(cid:7)(cid:20)(cid:13):(cid:0)(cid:12)4W(cid:21)(cid:14)(cid:13)(cid:16)89)(cid:2)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)\n\nwerden. Die mit der Beschwerde geäußerte Schmerzensgeldvorstellung von\n\n+(cid:24)(cid:9).(cid:5)(cid:2)(cid:15)*(cid:7)(cid:2) (cid:8)UYXZ(cid:13)(cid:16)(cid:1)((cid:0)(cid:12)(cid:13).(cid:15)7[S(cid:15)E(cid:5)(cid:12)2:(cid:5)(cid:12)U.(cid:0)(cid:12)(cid:21)Y4(cid:2)(cid:13)\n\n20.000 \n\nr geltend zu machenden Beschwer.\n\n§ 26 Nr. 8 EGZPO stellt nicht darauf ab, in welcher Höhe der Beschwer-\n\ndeführer die Klageforderung in der Revisionsinstanz (erstmals) beziffern will,\n\nsondern darauf, welche Beschwer aus dem Berufungsurteil er geltend machen\n\nkann und will (vgl. dazu BGH, Beschluß vom 27. Juni 2002 - V ZR 148/02 -\n\nNJW 2002, 2720 f.). Eine klagende Partei ist durch eine gerichtliche Entschei-\n\ndung nur insoweit beschwert, als diese von dem in der unteren Instanz gestell-\n\nten Antrag zum Nachteil der Partei abweicht, ihrem Begehren also nicht voll\n\nentsprochen worden ist (vgl. Senatsurteile BGHZ 140, 335, 338 und vom\n\n2. Oktober 2001 - VI ZR 356/00 - VersR 2001, 1578 f. m.w.N.). Verlangt der\n\nKläger ein angemessenes Schmerzensgeld, so ist für seine Beschwer als\n\nRechtsmittelkläger nicht der angemessene Schmerzensgeldbetrag, sondern die\n\nvom Kläger geäußerte Größenvorstellung maßgebend (vgl. Senatsurteil BGHZ\n\n140, 335, 340 f. m.w.N.). Gibt der Kläger - wie hier - einen Mindestbetrag an, so\n\nist die Beschwer danach zu bestimmen, inwieweit der Urteilsausspruch der\n\nVorinstanz dahinter zurückbleibt (vgl. Senatsurteile BGHZ 132, 341, 351 f.; 140,\n\n335, 340 f. sowie vom 2. Oktober 2001 - VI ZR 356/00 - aaO; so auch\n\nStein/Jonas/Roth, 22. Aufl., § 2 Rn. 107; MünchKommZPO/Schwerdtfeger,\n\n2. Aufl., § 3 Rn. 121; Schneider/Herget, Streitwert-Kommentar, 11. Aufl.,\n\nRn. 4401). Wird der Mindestbetrag zuerkannt, ist der Kläger nicht beschwert.\n\nWird ihm ein unter dem geäußerten Mindestbetrag liegendes Schmerzensgeld\n\nzugesprochen, ergibt sich die Beschwer aus der Differenz zwischen dem Min-\n\ndestbetrag und dem Zugesprochenen (so zuletzt auch BGH, Urteil vom\n\n10. Oktober 2002 - III ZR 205/01 - VersR 2002, 1521, 1522, sub I 1). Wird die\n\nKlage - wie hier - insgesamt abgewiesen, ist der Kläger in voller Höhe des ge-\n\näußerten Mindestbetrages beschwert.\n\nDie in der Beschwerdebegründung geäußerte Ansicht, auf die Betrags-\n\nvorstellung des Geschädigten komme es nur an, wenn der Mindestbetrag zuge-\n\nsprochen, der Klage also stattgegeben werde, ist nicht zutreffend. Erhält der\n\nKläger das zugesprochen, was er (mindestens) verlangt hat, besteht kein An-\n\nlaß, den Zugang zur Rechtsmittelinstanz mit dem Ziel der Durchsetzung einer\n\nhöheren Klageforderung zu eröffnen (vgl. Senatsurteile BGHZ 140, 335, 338\n\nund vom 2. Oktober 2001 - VI ZR 356/00 - aaO, S. 1579 m.w.N.). Entsprechen-\n\ndes gilt aber auch für den Fall der - vollen oder teilweisen - Abweisung der Kla-\n\nge. Ungeachtet der Frage, wie die Geltendmachung eines höheren Schmer-\n\nzensgeldes rechtlich zu qualifizieren ist (vgl. dazu BGH, Urteil vom 10. Oktober\n\n2002 - III ZR 205/01 - aaO, S. 1522), und ungeachtet der Tatsache, daß eine\n\nmöglicherweise darin liegende Klageerweiterung im Rechtsmittelverfahren nur\n\nin eingeschränktem Umfang (im Berufungsverfahren) oder überhaupt nicht (im\n\nRevisionsverfahren) möglich ist, setzt eine Erweiterung des Anspruchsumfangs\n\njedenfalls voraus, daß das Rechtsmittel als solches zulässig eingelegt werden\n\nkann. Dies erfordert aber, daß - zumindest auch - die Beseitigung einer Be-\n\nschwer verlangt werden kann (Senatsurteile aaO). Soweit die Revision nur auf\n\neine Nichtzulassungsbeschwerde hin zugelassen werden kann, ist dies nur der\n\nFall, wenn die gesetzlich bestimmte Wertgrenze des § 26 Nr. 8 EGZPO über-\n\nschritten ist.\n\nDie Beschwerde ist demnach mit der Kostenfolge aus § 97 Abs. 1 ZPO\n\nals unzulässig zu verwerfen.\n\nMüller\n\nWellner\n\nDiederichsen\n\nStöhr\n\nZoll","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2003/VI_ZR__78-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-09-30/vi-zr-78-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPOEG","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":5},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2003/VI_ZR__78-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2003/VI_ZR__78-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-09-30/vi-zr-78-03","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2003/VI_ZR__78-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 14:45:09.156978+00:00"}}