{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR__91-02","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2002-07-23","aktenzeichen":"VI ZR 91/02","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"ZPO § 544 Abs. 2 Satz 3 Im Rahmen der Nichtzulassungsbeschwerde nach § 544 ZPO prüft der Bundesge- richtshof nur die Revisionszulassungsgründe, die in der Beschwerdebegründung schlüssig und substantiiert dargelegt sind.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n23. Juli 2002\n\nin dem Rechtsstreit\n\nVI ZR 91/02\n\nNachschlagewerk: ja\n\nBGHZ:\n\nja\n\nBGHR: ja\n\nZPO § 544 Abs. 2 Satz 3\n\nIm Rahmen der Nichtzulassungsbeschwerde nach § 544 ZPO prüft der Bundesge-\n\nrichtshof nur die Revisionszulassungsgründe, die in der Beschwerdebegründung\n\nschlüssig und substantiiert dargelegt sind.\n\nBGH, Beschl. vom 23. Juli 2002 - VI ZR 91/02 - OLG München\n LG Ingolstadt\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Vorsitzende Richterin\n\nDr. Müller und die Richter Dr. Greiner, Wellner, Pauge und Stöhr\n\nam 23. Juli 2002\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revi-\n\nsion in dem Urteil des 31. Zivilsenats des Oberlandesgerichts\n\nMünchen vom 21. Januar 2002 wird zurückgewiesen.\n\nDie Kosten des Beschwerdeverfahrens trägt der Kläger.\n\nStreitwert: 67.712 €.\n\nGründe:\n\nI.\n\nDer Kläger verlangt von den Beklagten Schadensersatz aus einem Unfall\n\nam 24. November 1998 auf einer Baustelle, auf der der Kläger mit Bohrarbeiten\n\nam Boden beschäftigt war. Die Beklagten hatten Eisenträger entlang einer\n\nLängswand in Höhe von etwa sechs Metern zu demontieren. Ein Träger löste\n\nsich und verletzte den Kläger erheblich. Das Oberlandesgericht hat die Klage\n\ninsgesamt abgewiesen; es hat die Voraussetzungen des § 106 Abs. 3 Alternati-\n\nve 3 SGB VII bejaht. Eine entgegenstehende Entscheidung der Berufsgenos-\n\nsenschaft, die Leistungen abgelehnt habe, binde das Gericht nicht. Es hat die\n\nRevision nicht zugelassen.\n\nHiergegen wendet sich der Kläger mit der Nichtzulassungsbeschwerde.\n\nEr meint, der Fall gebe dem Bundesgerichtshof Gelegenheit, seine Rechtspre-\n\nchung zur „gemeinsamen Betriebsstätte“ im Sinne des § 106 Abs. 3 Alternati-\n\nve 3 SGB VII zu präzisieren. Daneben bittet er um Nachprüfung, ob den Aus-\n\nführungen des Berufungsgerichts zu § 108 Abs. 1 SGB VII gefolgt werden kön-\n\nne.\n\nII.\n\nDie Nichtzulassungsbeschwerde ist statthaft und zulässig, aber unbe-\n\ngründet. Anzuwenden ist die Zivilprozeßordnung in der Fassung des Gesetzes\n\nzur Reform des Zivilprozesses vom 27. Juli 2001 (BGBl I 1887; vgl. § 26 Nr. 7\n\nEGZPO).\n\n1. Im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde nach § 544 ZPO prüft\n\nder Bundesgerichtshof nur die in der Beschwerdebegründung schlüssig und\n\nsubstantiiert dargelegten Revisionszulassungsgründe. Dies folgt aus dem\n\nWortlaut und der Systematik des Gesetzes. Der in der Literatur vertretenen Ge-\n\ngenmeinung, das Revisionsgericht sei wie im Revisionsverfahren nach § 557\n\nAbs. 3 Satz 1 ZPO nicht an die vorgetragenen Zulassungsgründe gebunden\n\n(Musielak/Ball, ZPO, 3. Aufl., § 544, Randnr. 22; Zöller/Gummer, ZPO, 23. Aufl.,\n\n§ 544, Randnr. 10), vermag der Senat nicht zu folgen.\n\nNach § 544 Abs. 2 Satz 3 ZPO muß der Beschwerdeführer darlegen, aus\n\nwelchem der in § 543 Abs. 2 ZPO genannten Gründe die Revision zuzulassen\n\nsein soll. Damit wird eine über das Begründungserfordernis des § 544 Abs. 2\n\nSatz 1 ZPO hinausgehende Darlegung gefordert.\n\nMit der Neufassung der Zivilprozeßordnung hat der Gesetzgeber die\n\nNichtzulassungsbeschwerde entsprechend den Regelungen in § 72a ArbGG,\n\n§ 133 VwGO, § 160a SGG, §§ 115 f. FGO geschaffen (vgl. auch Bundestags-\n\ndrucksache 14/4722, S. 105). Zu diesen Vorschriften entspricht es der Recht-\n\nsprechung der obersten Bundesgerichte, daß sich die Prüfung des Revisions-\n\ngerichts auf die bis zum Ablauf der Begründungsfrist vom Beschwerdeführer\n\nschlüssig und substantiiert dargelegten Revisionszulassungsgründe beschränkt\n\n(vgl. BFH, Beschlüsse vom 3. Mai 2001 - III B 60/00; vom 27. September 2001 -\n\nXI B 25/01; vom 28. Januar 2002 - VII B 41/01 - jeweils in Juris; BVerwG, Be-\n\nschlüsse vom 23. November 1995 - 9 B 362/95 - NJW 1996, 1554; vom\n\n19. August 1997 - 7 B 261/97 - NJW 1997, 3328; vom 26. März 1997 - I B 9/97 -\n\nJuris; vom 23. Januar 2001 - 6 B 35/00 - WissR 2001, 377 ff.; BAG, Beschluß\n\nvom 14. Februar 2001 - 9 AZN 878/00 - DB 2001, 876; BSG, Beschluß vom\n\n10. September 2001 - B 2 U 107/01 B - Juris; vgl. auch BGH, Beschluß vom\n\n27. Juni 2002 - V ZB 148/02 - zur Rechtsbeschwerdebegründung).\n\n§ 557 Abs. 3 Satz 1 ZPO gilt nur für die (zugelassene) Revision. Von\n\ndieser ist das Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde getrennt (vgl. auch\n\nBVerwG, Beschluß vom 19. August 1997 - 7 B 261/97 - aaO). § 544 ZPO ver-\n\nweist zudem nicht auf § 557 Abs. 3 Satz 1 ZPO.\n\nNach diesen Grundsätzen hat die Nichtzulassungsbeschwerde hier kei-\n\nnen Erfolg.\n\n2. Die Beschwerdebegründung legt zwar einen vermeintlichen Zulas-\n\nsungsgrund dar, soweit sie sich mit den Voraussetzungen auseinandersetzt,\n\nunter denen eine gemeinsame Betriebsstätte im Sinne des § 106 Absatz 3 Al-\n\nternative 3 SGB VII vorliegt. Insoweit hat das Berufungsgericht allerdings die\n\nvon der Rechtsprechung des Senats herausgearbeiteten Voraussetzungen (vgl.\n\nBGHZ 145, 331, 336; Senatsurteil vom 23. Januar 2001 - VI ZR 70/00 -\n\nVersR 2001, 372) zutreffend wiedergegeben. Der Senat hat bereits dazu Stel-\n\nlung genommen, daß eine „gemeinsame Betriebsstätte“ auch bei einer Ver-\n\nständigung über ein bewußtes Nebeneinander im Arbeitsablauf anzunehmen ist\n\n(vgl. OLG Schleswig, Urteil vom 4. Januar 2001 - 7 U 104/99 - r+s 2001, 197\n\nmit Nichtannahmebeschluß des Senats vom 10. Juli 2001 - VI ZR 53/01). Das\n\nBerufungsgericht hatte daher keinen Grund, im Hinblick auf diesen Aspekt die\n\nRevision zuzulassen.\n\n3. Das weitere Beschwerdevorbringen enthält keine hinreichende Darlegung\n\neines Zulassungsgrundes; insbesondere zeigt die Nichtzulassungsbeschwerde\n\nkeine grundsätzliche Bedeutung zu §§ 108 Abs. 1, 105 Abs. 2 SGB VII auf.\n\nDr. Müller Dr. Greiner Wellner\n\n Pauge Stöhr","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR__91-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-07-23/vi-zr-91-02","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":5},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 557","ref_norm":"557","n":3},{"jurabk":"SGB 7","ref":"§ 108","ref_norm":"108","n":2},{"jurabk":"SGG","ref":"§ 160a","ref_norm":"160a","n":1},{"jurabk":"ArbGG","ref":"§ 72a","ref_norm":"72a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"ZPOEG","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":1},{"jurabk":"FGO","ref":"§ 115","ref_norm":"115","n":1},{"jurabk":"SGB 7","ref":"§ 105","ref_norm":"105","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR__91-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR__91-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-07-23/vi-zr-91-02","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR__91-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 13:22:30.413883+00:00"}}