{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR_418-02","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2003-11-25","aktenzeichen":"VI ZR 418/02","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"ZPO §§ 2, 3, 5; EGZPO § 26 Nr. 8 Sind mehrere Beklagte als Gesamtschuldner zur Zahlung von Schadensersatz ver- urteilt, so beläuft sich der Wert der mit der angestrebten Revision aller verurteilten Beklagten geltend zu machenden Beschwer im Sinne des § 26 Nr. 8 EGZPO maxi- mal auf den (einfachen) Betrag der Verurteilung. Der Verurteilungsbetrag ist nicht mit der Anzahl der verurteilten Beklagten zu vervielfältigen.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n25. November 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nVI ZR 418/02\n\nNachschlagewerk: ja\n\nBGHZ:\n\nnein\n\nBGHR: ja\n\nZPO §§ 2, 3, 5; EGZPO § 26 Nr. 8\n\nSind mehrere Beklagte als Gesamtschuldner zur Zahlung von Schadensersatz ver-\n\nurteilt, so beläuft sich der Wert der mit der angestrebten Revision aller verurteilten\n\nBeklagten geltend zu machenden Beschwer im Sinne des § 26 Nr. 8 EGZPO maxi-\n\nmal auf den (einfachen) Betrag der Verurteilung. Der Verurteilungsbetrag ist nicht mit\n\nder Anzahl der verurteilten Beklagten zu vervielfältigen.\n\nBGH, Beschluß vom 25. November 2003 - VI ZR 418/02 - OLG Nürnberg\nLG Ansbach\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 25. November 2003 durch die\n\nVorsitzende Richterin Dr. Müller, den Richter Dr. Greiner, die Richterin Diede-\n\nrichsen und die Richter Pauge und Zoll\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde der Beklagten zu 2, 3 und 4 gegen die Nichtzu-\n\nlassung der Revision in dem Urteil des 3. Zivilsenats des Oberlan-\n\ndesgerichts Nürnberg vom 19. November 2002 wird auf ihre Ko-\n\nsten verworfen.\n\nStreitwert: 7.200,00 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDer Kläger hat die Beklagten zu 2, 3 und 4 als verantwortliche Mitarbeiter\n\neiner Zeitung anläßlich einer darin erschienenen Artikelserie als Gesamtschuld-\n\nner auf Schadensersatz in Anspruch genommen. Das Landgericht hat den An-\n\nträgen des Klägers insoweit teilweise stattgegeben. Das Berufungsgericht hat\n\ndie dagegen gerichtete Berufung der Beklagten zurückgewiesen. Den Streitwert\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)\n\nhinsichtlich der genannten Beklagten hat es auf insgesamt 7.200,00 \n\ne-\n\nsetzt. Das Berufungsgericht hat die Revision nicht zugelassen. Dagegen richtet\n\nsich die Beschwerde der Beklagten zu 2, 3 und 4.\n\nII.\n\nDie Beschwerde ist unzulässig, weil der Wert der von den Beklagten mit\n\neiner Revision geltend zu machenden Beschwer zwanzigtausend Euro nicht\n\nübersteigt (§ 26 Nr. 8 EGZPO, § 544 ZPO).\n\nDie Beschwerdeführer errechnen einen Wert der beiden noch im Streit\n\n(cid:1)(cid:15)(cid:14)(cid:16)(cid:1)(cid:4)(cid:17)(cid:18)(cid:5)(cid:19)(cid:17)(cid:2)(cid:1)(cid:20)(cid:5)(cid:21)(cid:1)(cid:23)(cid:22)(cid:25)(cid:24)\n\n(cid:1)(cid:27)(cid:26)(cid:29)(cid:28)(cid:30)(cid:0)(cid:21)(cid:0)(cid:18)(cid:31) (cid:3)(cid:30)(cid:3)!(cid:28) (cid:22)\"(cid:7)$#\n\nbefindlichen Anträge von insgesamt 12.425,84 \n\n(cid:9)(cid:11)(cid:10)(cid:13)(cid:12)\n\ndie Nichtzulassungsbeschwerde sei gleichwohl zulässig, weil dieser Wert für\n\njeden von ihnen in Ansatz zu bringen sei; der Wert des Beschwerdegegenstan-\n\n(cid:1)(cid:23)&(’)(cid:31)(cid:23)(cid:22) (cid:22)*(cid:22)\n\n(cid:5).(cid:7) (cid:1)!(cid:0)0/(cid:23)1\n\n(cid:7)2(cid:5)!34(cid:1)(cid:23)(cid:17)0(cid:24) (cid:1)(cid:23)(cid:22)\n\ndes betrage 30.677,52 \n\n(cid:9)(cid:4)%\n\n(cid:12),+!-\n\nNach § 26 Nr. 8 EGZPO ist maßgebend für die Zulässigkeit der Nichtzu-\n\nlassungsbeschwerde der Wert des Beschwerdegegenstandes aus dem ange-\n\nstrebten Revisionsverfahren (vgl. dazu BGH, Beschluß vom 27. Juni 2002\n\n- V ZR 148/02 - NJW 2002, 2720). Dabei kann nicht zweifelhaft sein, daß für die\n\nWertberechnung die allgemeinen Grundsätze der §§ 3 ff. ZPO gelten (Baum-\n\nbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 62. Aufl., § 544 Rn. 3, 4, § 511\n\nRn. 13 ff.; Anh § 511; MünchKommZPO/Wenzel, Aktualisierungsband, § 544\n\nRn. 21 ff.; Zöller/Gummer, ZPO, 24. Aufl., § 26 EGZPO Rn. 15). § 26 EGZPO\n\nenthält keine eigenen Wertvorschriften, sondern setzt deren Existenz und das\n\ndazu bestehende begriffliche Instrumentarium erkennbar voraus. Das Fehlen\n\nder - in der Beschwerdebegründung vermißten - Änderung des § 2 ZPO dahin,\n\ndaß die nachfolgenden Vorschriften auch dann gelten, wenn es auf den Be-\n\nschwerdegegenstand oder die Beschwer nach § 26 EGZPO ankommt, ist un-\n\nschädlich. Daraus läßt sich entgegen der in der Beschwerdebegründung ver-\n\ntretenen Auffassung insbesondere nicht herleiten, daß nach dem Willen des\n\nGesetzgebers gesicherte Bewertungsgrundsätze bei der Anwendung des § 26\n\nEGZPO nicht zur Anwendung kommen dürfen. Eine solche Absicht ergibt sich\n\n(cid:12)\n(cid:9)\n\nweder aus dem Gesetz selbst noch aus den Materialien zur ZPO-Reform. Die\n\nBeschwerde trägt auch keine dahin gehenden tragfähigen Anhaltspunkte vor.\n\nDemnach gilt auch bei Anwendung des § 26 Nr. 8 EGZPO der Grund-\n\nsatz, daß bei der Klage von Streitgenossen oder deren Inanspruchnahme durch\n\neine Klage eine Wertaddition nicht stattfindet, wenn die verfolgten Ansprüche\n\nwirtschaftlich identisch sind (vgl. RGZ 116, 306, 309; BGHZ 7, 152, 153 f.;\n\nBGH, Senatsbeschlüsse vom 28. Oktober 1980 - VI ZR 303/79 - NJW 1981,\n\n578 und vom 23. Oktober 1990 - VI ZR 135/90 - NJW-RR 1991, 186; BGH Be-\n\nschluß vom 23. Juni 1983 - IVa ZR 136/82 - NJW 1984, 927, 928; Urteil vom\n\n23. Mai 1989 - IVa ZR 88/88 - NJW-RR 1989, 1206; Frank, Anspruchsmehr-\n\nheiten im Streitwertrecht, S. 164 ff.).\n\nVon wirtschaftlicher Identität ist bei gegen Gesamtschuldner gerichteten\n\ngleichen Ansprüchen auszugehen (vgl. RGZ 116, 306, 309; BGHZ 7, 152, 154;\n\nSenatsbeschluß vom 23. Oktober 1990 \n\n- VI ZR 135/90 - aaO, Baum-\n\nbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, aaO, § 511 Rn. 17; Anh § 511 Rn. 7;\n\nMünchKommZPO/Wenzel, aaO, Rn. 23; MünchKommZPO/ Schwerdtfeger,\n\n2. Aufl., § 5 Rn. 3 f.; Stein/Jonas/Roth, ZPO, 22. Aufl., S. 5 Rn. 8, 13 ff.;\n\nSchneider/Herget, Streitwertkommentar, 11. Aufl., Rn. 3762 ff.; Zöller/Herget,\n\naaO, § 5 Rn. 8; Frank, aaO, S. 195 f.). Der Grund dafür liegt darin, daß der Klä-\n\nger die von den mehreren Beklagten geforderte Leistung aus Gründen des\n\nmateriellen Rechts insgesamt nur einmal verlangen kann (BGHZ 7, 152, 154).\n\nWegen dieses materiellrechtlichen Ansatzes können die auf § 2 ZPO und § 5\n\nZPO abstellenden Ausführungen in der Beschwerdebegründung nicht überzeu-\n\ngen. Das Additionsverbot stellt für die vorliegende Fallgestaltung gerade eine\n\nAusnahme zu der gesetzlichen Regelung in § 5 Halbsatz 1 ZPO dar. Es ergibt\n\nsich nicht unmittelbar aus dem Gesetz, sondern aus der Überlegung, daß eine\n\nWertaddition bei der Berechnung des Streitwerts oder der Beschwer nicht ge-\n\nrechtfertigt ist, wenn zwar mehrere Schuldner in Anspruch genommen werden\n\nund damit auch verschiedene Streitgegenstände vorliegen, die Leistung, auf die\n\njeder (Gesamt-) Schuldner in Anspruch genommen werden kann, indes nur\n\neinmal zu bewirken ist und die Erfüllung durch einen Gesamtschuldner auch für\n\ndie übrigen Gesamtschuldner wirkt (§§ 421 f. BGB). Da die mehreren in An-\n\nspruch genommenen Gesamtschuldner im Falle der Verurteilung insgesamt\n\nnicht mehr schulden als den eingeklagten Betrag (vgl. auch § 426 BGB), ist die-\n\nse Überlegung auch für die Bewertung ihrer Beschwer maßgebend.\n\nDanach kann hier dahinstehen, ob § 5 ZPO auf die Berechnung der\n\nRechtsmittelbeschwer überhaupt anwendbar ist (vgl. dazu BGH, Urteil vom\n\n28. September 1994 - XII ZR 50/94 - NJW 1994, 3292; E. Schneider, NJW\n\n1992, 2680 f.). Auch auf die in der Beschwerdebegründung herangezogenen\n\nAusführungen des Bundesgerichtshofs in dem Beschluß vom 27. Juni 2002\n\n(V ZR 148/02, aaO, S. 2721) kommt es hier nicht an.\n\nDie Beschwerde ist demnach mit der Kostenfolge aus § 97 Abs. 1 ZPO\n\nals unzulässig zu verwerfen.\n\nMüller\n\nGreiner\n\nDiederichsen\n\nPauge\n\nZoll","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR_418-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-11-25/vi-zr-418-02","cited_norms":[{"jurabk":"ZPOEG","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":8},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 5","ref_norm":"5","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 421","ref_norm":"421","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 426","ref_norm":"426","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR_418-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR_418-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-11-25/vi-zr-418-02","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZR_418-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 14:59:29.578709+00:00"}}