{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__29-02","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2003-01-28","aktenzeichen":"VI ZB 29/02","doktyp":"Beschluß","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nVI ZB 29/02\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n28. Januar 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 28. Januar 2003 durch die\n\nVorsitzende Richterin Dr. Müller und die Richter Dr. Greiner, Wellner, Pauge\n\nund Stöhr\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde der Klägerin gegen den Beschluß des\n\nLandgerichts Frankenthal (Pfalz) vom 3. Mai 2002 wird auf ihre\n\nKosten als unzulässig verworfen.\n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren beträgt\n\n2.556,45 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDie von der Klägerin erhobene Schmerzensgeldklage ist durch Urteil des\n\nAmtsgerichts G. vom 21. Februar 2002, ihr zugestellt am 22. Februar\n\n2002, abgewiesen worden.\n\nDer Prozeßbevollmächtigte der Klägerin fertigte am 21. März 2002 die\n\nBerufungsschrift und beabsichtigte, diese vorab per Telefax an das Landgericht\n\nF. zu senden. Versehentlich faxte er jedoch die an das zuständige\n\nLandgericht F. adressierte Berufungsschrift am Abend des 21. März\n\n2002 unter Verwendung der im \"Ortsverzeichnis\" aufgeführten Fax - Nummer\n\n(cid:0)\n\ndes Amtsgerichts F. . Er war beim Heraussuchen der Nummer in die\n\nfalsche Spalte geraten. Das Original der Berufungsschrift versandte er am\n\n22. März 2002 im Postwege. Dieses Original ging am 26. März 2002 beim\n\nLandgericht F. ein. Das am 21. März 2002 um 21.11 Uhr auf dem\n\nFaxgerät des Amtsgerichts F. eingetroffene Fax ist am 27. März 2002\n\nan das Landgericht gelangt.\n\nDas Landgericht hat die Berufung wegen Versäumung der Berufungsfrist\n\nals unzulässig verworfen. Maßgeblich sei der Eingang des Fax beim Landge-\n\nricht am 27. März 2002. Der von der Klägerin gestellte Antrag auf Wiederein-\n\nsetzung sei bereits wegen Versäumung der Frist des § 234 ZPO unzulässig.\n\nÜberdies sei er unbegründet. Auch bei umgehender Weiterleitung im normalen\n\nGeschäftsgang wäre das Berufungsfax frühestens am darauffolgenden Montag,\n\ndem 25. März 2002, und damit nach Fristablauf zum Berufungsgericht gelangt.\n\nII.\n\n1. Die Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. §§ 522\n\nAbs. 1 Satz 4, 238 Abs. 2 ZPO statthaft. Soweit sie sich gegen den die Beru-\n\nfung als unzulässig verwerfenden Teil des Beschlusses richtet, ist die Rechts-\n\nbeschwerde das nach § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO statthafte Rechtsmittel. Soweit\n\nmit ihr zugleich die Zurückweisung des Wiedereinsetzungsgesuchs angegriffen\n\nwird, folgt die Statthaftigkeit aus § 238 Abs. 2 ZPO, wonach ebenfalls § 522\n\nAbs. 1 Satz 4 ZPO anwendbar ist (vgl. BGH, Beschluß vom 29. Mai 2002\n\n- V ZB 11/02 - VersR 2002, 1257 f.). Der Statthaftigkeit steht auch nicht entge-\n\ngen, daß der Wert der geltend gemachten Beschwer 20.000 \n\n(cid:1)(cid:3)(cid:2)(cid:5)(cid:4)(cid:7)(cid:6)(cid:9)(cid:8)(cid:11)(cid:10)(cid:13)(cid:12)(cid:15)(cid:14)(cid:17)(cid:16)(cid:19)(cid:18)(cid:20)(cid:8)(cid:21)(cid:14)(cid:17)(cid:2)(cid:5)(cid:22)(cid:23)(cid:8)\n\nDiese Wertgrenze gilt nach § 26 Nr. 8 EGZPO nur für die Statthaftigkeit der\n\nNichtzulassungsbeschwerde nach § 544 ZPO und kann auf die Rechtsbe-\n\n(cid:0)\n\nschwerde gegen einen die Berufung als unzulässig verwerfenden Beschluß\n\nnicht entsprechend angewendet werden \n\n(vgl. BGH, Beschluß vom\n\n4. September 2002 - VIII ZB 23/02 - NJW 2002, 3783; vom 19. September 2002\n\n- V ZB 31/02 - NJW-RR 2003, 132; vom 31. Oktober 2002 - III ZB 17/02 -\n\nBGHReport 2003, 93).\n\n2. Die Rechtsbeschwerde ist aber nicht zulässig, da es an den Voraus-\n\nsetzungen des § 574 Abs. 2 ZPO fehlt.\n\na) Die Sache hat keine grundsätzliche Bedeutung, weil sie keine ent-\n\nscheidungserhebliche, klärungsbedürftige und klärungsfähige Rechtsfrage auf-\n\nwirft, die sich in einer unbestimmten Vielzahl von Fällen stellen kann oder ande-\n\nre Auswirkungen auf die Allgemeinheit hat, die deren Interessen im besonderen\n\nMaße berühren (vgl. BGH, Beschlüsse vom 4. Juli 2002 - V ZB 16/02 - NJW\n\n2002, 3029 und vom 1. Oktober 2002 - XI ZR 71/02 – NJW 2003, 65, 67). Die in\n\nder Rechtsbeschwerde aufgezeigten Fragen von grundsätzlicher Bedeutung\n\nsind nämlich durch die höchstrichterliche Rechtsprechung bereits geklärt.\n\naa) Aus dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung ergibt sich, daß es\n\nfür den rechtzeitigen Eingang darauf ankommt, wann das zuständige Gericht\n\ndie tatsächliche Verfügungsgewalt über das eingegangene Schriftstück erhalten\n\nhat (vgl. BGH, Senatsbeschluß vom 18. Februar 1997 - VI ZB 28/96 - NJW-RR\n\n1997, 892, 893 und Beschluß vom 13. Oktober 1982 - IVb ZB 154/82 - VersR\n\n1983, 59; BAG, Urteil vom 29. August 2001 - 4 AZR ZR 388/00 - NJW 2002,\n\n845, 846; BVerfG, Beschlüsse vom 29. April 1981 - 1 BvR 159/80, BVerfGE 57,\n\n117, 120 f. und vom 3. Oktober 1979 - 10 BvR 726/78, BVerfGE 52, 203,\n\n206 ff.). Daraus ergibt sich, daß die beim Faxgerät eines anderen Gerichts ein-\n\ngehende Berufungsschrift zum Zeitpunkt des Empfangs noch nicht bei dem zu-\n\nständigen Gericht eingegangen ist.\n\nbb) Im übrigen ist seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts\n\n(BVerfGE 93, 99, 115) in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs aner-\n\nkannt, daß ein unzuständiges Gericht grundsätzlich nur verpflichtet ist, fristge-\n\nbundende Schriftsätze für das Rechtsmittelverfahren, die bei ihm eingereicht\n\nwerden, im ordentlichen Geschäftsgang an das zuständige Rechtsmittelgericht\n\nweiterzuleiten. Zu Maßnahmen außerhalb des ordentlichen Geschäftsgangs\n\nbesteht dagegen keine Verpflichtung (vgl. BGH, Urteil vom 1. Dezember 1997\n\n- II ZR 85/97 - VersR 1998, 608, 609; Beschlüsse vom 11. Februar 1998\n\n- VIII ZB 50/97 – VersR 1998, 1437, 1438; vom 3. September 1998\n\n- IX ZB 46/98 - VersR 1999, 1170, 1171; vom 29. November 1999\n\n- NotZ 10/99 - NJW 2000, 737 f.; vom 27. Juli 2000 - III ZB 28/00 - NJW-RR\n\n2000, 1730, 1731; vom 26. Oktober 2000 - V ZB 32/00 - bei juris).\n\nOb im vorliegenden Fall nach diesen Grundsätzen verfahren worden ist,\n\nist eine Frage des Einzelfalls und bedarf keiner höchstrichterlichen Beurteilung.\n\nIm übrigen hat das Berufungsgericht festgestellt, daß das Berufungsfax auch\n\nbei umgehender Weiterleitung im normalen Geschäftsgang nicht rechtzeitig\n\nzum Berufungsgericht gelangt wäre.\n\nb) Aus diesen Gründen bedarf es entgegen der Auffassung der Rechts-\n\nbeschwerde auch keiner Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts zur\n\nFortbildung des Rechts (§ 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO).\n\nIII.\n\nDie Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.\n\nMüller\n\nGreiner\n\nWellner\n\nPauge\n\nStöhr","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__29-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-01-28/vi-zb-29-02","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 238","ref_norm":"238","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 234","ref_norm":"234","n":1},{"jurabk":"ZPOEG","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__29-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__29-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-01-28/vi-zb-29-02","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__29-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 13:57:13.173058+00:00"}}