{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__27-02","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VI. Zivilsenat","decided":"2002-10-08","aktenzeichen":"VI ZB 27/02","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"ZPO §§ 238 Abs. 3, 574 Die Wiedereinsetzung bleibt trotz Zulassung der Rechtsbeschwerde durch das Aus- gangsgericht unanfechtbar. Die Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n8. Oktober 2002\n\nin dem Rechtsstreit\n\nVI ZB 27/02\n\nNachschlagewerk: ja\n\nBGHZ:\n\nnein\n\nBGHR: ja\n\nZPO §§ 238 Abs. 3, 574\n\nDie Wiedereinsetzung bleibt trotz Zulassung der Rechtsbeschwerde durch das Aus-\n\ngangsgericht unanfechtbar. Die Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft.\n\nBGH, Beschluß vom 8. Oktober 2002 - VI ZB 27/02 - AG Nürtingen\n\nLG Stuttgart\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 8. Oktober 2002 durch die\n\nVorsitzende Richterin Dr. Müller, den Richter Wellner, die Richterin Diederich-\n\nsen und die Richter Pauge und Stöhr\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß der 13. Zivilkammer\n\ndes Landgerichts Stuttgart vom 7. Februar 2002 wird auf Kosten\n\nder Klägerin verworfen.\n\nDer Gegenstandswert \n\nfür das Beschwerdeverfahren beträgt\n\n689,74 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDie Klägerin begehrt vom Beklagten Zahlung von Schadensersatz. Sie\n\nhat für ihre Forderung beim Amtsgericht N. am 19. September 2001 den Erlaß\n\neines Vollstreckungsbescheides erwirkt, gegen den der Beklagte verspätet Ein-\n\nspruch eingelegt und zugleich Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen\n\ndie Versäumung der Einspruchsfrist beantragt hat. Das Amtsgericht N. hat die\n\nbegehrte Wiedereinsetzung am 28. Dezember 2001 versagt und den Einspruch\n\ngegen den Vollstreckungsbescheid als unzulässig verworfen. Auf die Be-\n\nschwerde des Beklagten hat das Landgericht St. mit Beschluß vom 7. Februar\n\n2002 die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der\n\nEinspruchsfrist gewährt. Mit der vom Landgericht St. zugelassenen Rechtsbe-\n\n(cid:0)\n\nschwerde begehrt die Klägerin die Versagung der Wiedereinsetzung in den vo-\n\nrigen Stand für den Beklagten.\n\nII.\n\nDie Rechtsbeschwerde ist trotz der Zulassung durch das Beschwerdege-\n\nricht nicht statthaft nach § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO. Die Wiedereinsetzung ist ge-\n\nmäß § 238 Abs. 3 ZPO unanfechtbar. Daran ändert auch der Umstand nichts,\n\ndaß das Beschwerdegericht die Rechtsbeschwerde zugelassen hat. Eine Ent-\n\nscheidung, die vom Gesetz der Anfechtung entzogen ist, bleibt auch bei\n\n- irriger - Rechtsmittelzulassung unanfechtbar (vgl. BVerfG, DtZ 1993, 85; BGH,\n\nUrteil vom 18. März 1992 - VIII ZR 112/91 - ZIP 1992, 579 f. m.w.N.; Zöl-\n\nler/Gummer, ZPO, 23. Aufl. § 574 Rdn. 9; Musielak/Ball, ZPO, 3. Aufl. § 543\n\nRdn. 17 und 19 zur vergleichbaren Problematik für die Zulässigkeit der Revisi-\n\non).\n\nDer Senat ist an die Zulassung der Rechtsbeschwerde durch das Be-\n\nschwerdegericht nicht gebunden. Durch die Zulassung wird dem Beschwerde-\n\nführer die Rechtsbeschwerde zugänglich gemacht, wenn sie nach dem Gesetz\n\ngrundsätzlich gegeben ist. Sie wird aber nicht in den Fällen eröffnet, in denen\n\ndie Anfechtbarkeit gesetzlich ausgeschlossen ist (vgl. BGHZ 3, 244, 246 ff.).\n\nEine nach dem Gesetz unanfechtbare Entscheidung kann nicht durch den Aus-\n\nspruch eines Gerichts der Anfechtung unterworfen werden (vgl. BGH, Be-\n\nschlüsse vom 12. September 2002 - III ZB 43/02 - zur Veröffentlichung be-\n\nstimmt; vom 28. März 1984 - IVb ZB 774/81 - MDR 1984, 922 und vom 13. Juni\n\n1979 - IV ZB 122/78 - FamRZ 1979, 696). Erfolgt etwa bei Urteilen im Sinne\n\ndes § 542 Abs. 2 ZPO (Arrest und einstweilige Verfügung) eine Revisionszulas-\n\nsung, obwohl diese ausdrücklich ausgeschlossen ist, so ist in der Rechtspre-\n\nchung zur insoweit entsprechenden Vorschrift in § 545 Abs. 2 ZPO a.F. aner-\n\nkannt, daß eine solche gesetzwidrige Revisionszulassung das Revisionsgericht\n\nnicht bindet (BGH, Urteil vom 25. Mai 1970 - II ZR 118/69 - NJW 1970, 1549;\n\nBAG NJW 1984, 254 f.; Thomas/Putzo, ZPO, 23. Aufl., § 546 Rdn. 31).\n\nDie Rechtsbeschwerde ist deshalb gemäß § 577 Abs. 1 ZPO als unzu-\n\nlässig zu verwerfen.\n\nIII.\n\nDie Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.\n\nMüller Wellner Diederichsen\n\n Pauge Stöhr","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__27-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-10-08/vi-zb-27-02","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 238","ref_norm":"238","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 542","ref_norm":"542","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__27-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__27-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-10-08/vi-zb-27-02","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VI_ZS/2002/VI_ZB__27-02.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 13:37:38.541597+00:00"}}