{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VII_ZS/2005/VII_ZR_139-05","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VII. Zivilsenat","decided":"2006-03-30","aktenzeichen":"VII ZR 139/05","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nVII ZR 139/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n30. März 2006 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. März 2006 durch den \n\nVorsitzenden Richter Dr. Dressler, die Richter Dr. Wiebel, Dr. Kuffer, \n\nProf. Dr. Kniffka und die Richterin Safari Chabestari \n\nbeschlossen: \n\nDer Beschwerde des Klägers wird stattgegeben. \n\nDas Urteil des 4. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Naumburg \n\nvom 12. Mai 2005 wird gemäß § 544 Abs. 7 ZPO aufgehoben. \n\nDie Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch \n\nüber die Kosten des Beschwerdeverfahrens, an das Berufungsge-\n\nricht zurückverwiesen. \n\nGegenstandswert: 29.541,36 € \n\nGründe: \n\nI. \n\n1 \n\nDas Berufungsgericht hat zu Unrecht das Vorbringen des Klägers im \n\nSchriftsatz vom 9. April 2005 als verspätet zurückgewiesen. Damit hat es in \n\nentscheidungserheblicher Weise den Anspruch des Klägers auf rechtliches Ge-\n\nhör (Art. 103 Abs. 1 GG) verletzt. \n\n2 \n\n1. Verfehlt ist die Erwägung des Berufungsgerichts, die Nichteinhaltung \n\n3 \n\n4 \n\nder Wochenfrist des § 132 Abs. 1 ZPO rechtfertige die Zurückweisung des Vor-\n\nbringens aus diesem Schriftsatz. Die bloße Nichteinhaltung dieser Frist genügt \n\nnach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht, um Angriffsmit-\n\ntel nach §§ 296 Abs. 2, 282 Abs. 2 ZPO zurückzuweisen (BGH, Urteil vom \n\n20. März 1997 - VII ZR 205/96, Baurecht 1997, 693 = ZfBR 1997, 200 = NJW \n\n1997, 2294; Urteil vom 28. September 1988 - IVa ZR 88/87, NJW 1989, 716 = \n\nMDR 1989, 49). \n\n2. Zudem hat die Prozessbevollmächtigte des Klägers entgegen der An-\n\nsicht des Berufungsgerichts auch nicht grob nachlässig gehandelt. \n\nGrob nachlässig im Sinne des § 296 Abs. 2 ZPO handelt die Partei, \n\nwenn sie ihre Prozessförderungspflicht in besonders hohem Maße vernachläs-\n\nsigt, also dasjenige unterlässt, was jeder Partei nach dem Stand des Verfah-\n\nrens alles notwendig hätte einleuchten müssen (BGH, Urteil vom 20. März 1997 \n\n- VII ZR 205/96, aaO). Unter Berücksichtigung des Verhaltens des Gerichts, \n\ndas auch bei der Beurteilung der groben Nachlässigkeit zu beachten ist, kann \n\nvon grober Nachlässigkeit der Prozessbevollmächtigten des Klägers keine Re-\n\nde sein. Der Kläger hat nach Hinweis des Berufungsgerichts vom 24. November \n\n2004 mit Schriftsatz vom 27. Dezember 2004 zu den ersparten Aufwendungen \n\nvorgetragen und diesen Vortrag nach Erwiderung des Gegners mit weiterem \n\nSchriftsatz vom 3. Februar 2005 erläutert. Im weiteren Beschluss des Beru-\n\nfungsgerichts vom 3. Februar 2005 wird unter Nr. IV. 3 ausgeführt, der Kläger \n\nhabe nunmehr seine Kalkulationsgrundlage für die von ihm angesetzten erspar-\n\nten Aufwendungen hinreichend dargelegt. Im Widerspruch hierzu hat das Beru-\n\nfungsgericht in der Verfügung (des Vorsitzenden) vom 24. März 2005 darauf \n\nhingewiesen, dass der Vortrag zu den ersparten Aufwendungen nicht ausrei-\n\nchend ist und ergänzenden Vortrag \"anheim gestellt\" der \"allerdings auch recht-\n\nzeitig erfolgen müsste\". Auf diese Verfügung, die ausweislich der Akten am \n\n29. März 2005 ausgefertigt wurde und die daher der Prozessbevollmächtigten \n\ndes Klägers frühestens am 30. März 2005 zugehen konnte, hat diese mit \n\nSchriftsatz vom 9. April 2005, eingegangen bei Gericht am 11. April 2005 Stel-\n\nlung genommen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Prozessbe-\n\nvollmächtigte des Klägers auch Rücksprache mit ihrem Mandanten halten \n\nmusste, ist nicht erkennbar, worin deren grobe Nachlässigkeit liegen soll. \n\nII. \n\n5 \n\nFür das weitere Verfahren wird darauf hingewiesen, dass gegen die Auf-\n\nfassung des Berufungsgerichts durchgreifende rechtliche Bedenken bestehen, \n\nder Kläger habe in den Schriftsätzen vom 27. Dezember 2004 und 3. Februar \n\n2005 noch nicht hinreichend substantiiert zu den ersparten Aufwendungen vor- \n\ngetragen. Im Allgemeinen genügt der Unternehmer den Anforderungen, die sich \n\naus dem Rechtsbewahrungsinteresse des Bestellers ergeben, wenn er ersparte \n\nAufwendungen unter Zugrundelegung seiner Kalkulation vorträgt, die nach Sys-\n\ntem und Differenzierung für Aufträge der vorliegenden Art gebräuchlich sind \n\n(BGH, Urteil vom 14. Januar 1999 - VII ZR 277/97, BGHZ 140, 230). \n\nDressler Wiebel Kuffer \n\n Kniffka Safari Chabestari \n\nVorinstanzen: \n\nLG Halle, Entscheidung vom 28.05.2004 - 5 O 539/03 - \n\nOLG Naumburg, Entscheidung vom 12.05.2005 - 4 U 153/04 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2005/VII_ZR_139-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-03-30/vii-zr-139-05","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 296","ref_norm":"296","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 132","ref_norm":"132","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 282","ref_norm":"282","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2005/VII_ZR_139-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2005/VII_ZR_139-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2006-03-30/vii-zr-139-05","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2005/VII_ZR_139-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 20:26:20.555433+00:00"}}