{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VII_ZS/2001/VII_ZR_373-01","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VII. Zivilsenat","decided":"2003-11-13","aktenzeichen":"VII ZR 373/01","doktyp":"Beschluß","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nVII ZR 373/01\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n13. November 2003\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 13. November 2003 durch\n\nden Vorsitzenden Richter Dr. Dressler und die Richter Hausmann, Dr. Kuffer,\n\nProf. Dr. Kniffka und Bauner\n\nbeschlossen:\n\nDie Klägerin trägt die Kosten des Rechtsstreits.\n\nDer Streitwert wird bis zum 24. September 2003 auf 86.919,62 \n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:9)(cid:1)(cid:10)(cid:3)(cid:11)(cid:1)(cid:9)(cid:5)(cid:13)(cid:12)(cid:11)(cid:5)(cid:15)(cid:14)\n\nund ab 25. September 2003 auf 24.975,92 \n\nGründe:\n\nI.\n\nDie Klägerin hat von der Beklagten die Herausgabe der Urkunde über ei-\n\nne von ihr gestellte Vertragserfüllungsbürgschaft auf erstes Anfordern über\n\n170.000 DM verlangt.\n\nDas Landgericht hat der Klage stattgegeben, das Berufungsgericht hat\n\nsie abgewiesen. Der Senat hat die dagegen gerichtete Revision der Klägerin\n\nangenommen. In der Folgezeit hat die Beklagte der Klägerin und der Bürgin\n\ngegenüber schriftlich erklärt, daß sie die Bürgschaft nicht auf erstes Anfordern,\n\nsondern nur als selbstschuldnerische Bürgschaft geltend machen werde.\n\nDaraufhin haben die Parteien übereinstimmend den Rechtsstreit in der Haupt-\n\nsache für erledigt erklärt und beantragt, jeweils der anderen Partei die Kosten\n\naufzuerlegen.\n\nII.\n\n1. Die Beurteilung richtet sich nach den bis zum 31. Dezember 2001\n\ngeltenden Gesetzen (Art. 229 § 5 EGBGB).\n\n2. Gemäß § 91 a ZPO ist über alle bisher entstandenen Kosten des\n\nRechtsstreits einschließlich derjenigen der Vorinstanzen nach billigem Ermes-\n\nsen unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstandes zu ent-\n\nscheiden. Dabei ist der mutmaßliche Ausgang des Revisionsverfahrens und\n\nseine Auswirkungen auf die Kostenentscheidungen der Vorinstanzen festzu-\n\nstellen (BGH, Beschluß vom 13. Februar 2003 - VII ZR 121/02, BauR 2003,\n\n1075, 1076 = ZfBR 2003, 453).\n\nDanach sind die Kosten in vollem Umfang der Klägerin aufzuerlegen.\n\nNach dem bisherigen Sach- und Streitstand hätte die Revision der Klägerin im\n\nErgebnis keinen Erfolg gehabt. Die Beklagte hätte die Bürgschaftsurkunde nicht\n\nherausgeben müssen, wäre es nicht zur übereinstimmenden Erledigungserklä-\n\nrung gekommen.\n\nDie Verpflichtung der Klägerin, eine Vertragserfüllungsbürgschaft auf er-\n\nstes Anfordern zu stellen, war gemäß § 9 AGBG unwirksam (vgl. BGH, Urteile\n\nvom 4. Juli 2002 - VII ZR 502/99, BGHZ 151, 229 und vom 18. April 2002\n\n- VII ZR 192/01, BGHZ 150, 299). Es handelte sich bei dieser Vertragsbestim-\n\nmung um eine von der Beklagten gestellte Allgemeine Geschäftsbedingung und\n\nnicht um eine Individualvereinbarung. Die Feststellungen des Berufungsgerichts\n\nbelegen nicht, daß die Beklagte bei den Vertragsverhandlungen den \"gesetzes-\n\nfremden Kerngehalt\" der Klausel inhaltlich ernsthaft zur Disposition gestellt und\n\nder Klägerin Gestaltungsfreiheit zur Wahrung eigener Interessen eingeräumt\n\nhätte mit zumindest der realen Möglichkeit, die inhaltliche Ausgestaltung der\n\nKlausel zu beeinflussen (vgl. BGH, Urteil vom 23. Januar 2003 - VII ZR 210/01,\n\nBauR 2003, 870, 874 = ZfBR 2003, 447, 449 = NZBau 2003, 321, 323).\n\nDie ergänzende Auslegung des lückenhaften Vertrags ergibt, daß die\n\nKlägerin eine unbefristete selbstschuldnerische Bürgschaft ohne das Merkmal\n\n\"auf erstes Anfordern\" schuldete (vgl. BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - VII ZR\n\n502/99, BGHZ 151, 229). Sie konnte von der Beklagten von vornherein nicht die\n\nim vorliegenden Rechtsstreit von ihr begehrte Herausgabe der Bürgschaftsur-\n\nkunde verlangen, sondern nur die Abgabe einer schriftlichen Erklärung der Be-\n\nklagten, die Bürgschaft nicht auf erstes Anfordern, sondern nur als selbst-\n\nschuldnerische Bürgschaft geltend zu machen (vgl. BGH, Urteil vom 10. April\n\n2003 - VII ZR 314/01, BauR 2003, 1385, 1388 = ZfBR 2003, 672, 674 = NZBau\n\n2003, 493, 494).\n\n3. Eine andere Kostenverteilung ergibt sich auch nicht daraus, daß der\n\nKlägerin in den Instanzen keine Gelegenheit gegeben worden ist, den Klagean-\n\ntrag auf Abgabe der Erklärung umzustellen. Denn wie das Verhalten der Be-\n\nklagten gezeigt hat, hätte diese die geforderte Erklärung unverzüglich abgege-\n\nben. Das hätte zur Anwendung des § 93 ZPO geführt.\n\nDressler\n\nHausmann\n\nKuffer\n\nKniffka\n\nBauner","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2001/VII_ZR_373-01.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-11-13/vii-zr-373-01","cited_norms":[{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 229 § 5","ref_norm":"229-5","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91a","ref_norm":"91a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 93","ref_norm":"93","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2001/VII_ZR_373-01.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2001/VII_ZR_373-01.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2003-11-13/vii-zr-373-01","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VII_ZS/2001/VII_ZR_373-01.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 14:54:26.200682+00:00"}}