{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VIII_ZS/2006/VIII_ZR_189-06","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VIII. Zivilsenat","decided":"2007-03-13","aktenzeichen":"VIII ZR 189/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"ZPO §§ 8, 9 Der Wert der Beschwer einer Verurteilung zur Räumung einer Mietwohnung be- stimmt sich nach § 8 ZPO. Zur Bestimmung der \"streitigen Zeit\" ist dabei auf den Zeitpunkt abzustellen, zu dem das Mietverhältnis jedenfalls geendet hätte. Lässt sich ein solcher Zeitpunkt nicht sicher feststellen, bemisst sich die Beschwer nach dem dreieinhalbfachen Wert des einjährigen Bezuges (im Anschluss an BGH, Beschluss vom 25. Oktober 1995 - XII ZR 7/94, WM 1996, 187, unter II 1; Beschluss vom 14. April 2004 - XII ZB 224/02, WuM 2004, 353, unter II; Beschluss vom 16. Februar 2005 - XII ZR 46/03, WuM 2005, 350, unter 2; Urteil vom 17. März 2005 - III ZR 342/04, NJW-RR 2005, 867, unter 2 b; BVerfG NZM 2006, 578).","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n13. März 2007 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nVIII ZR 189/06 \n\nNachschlagewerk: \n\nja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nZPO §§ 8, 9 \n\nDer Wert der Beschwer einer Verurteilung zur Räumung einer Mietwohnung be-\n\nstimmt sich nach § 8 ZPO. Zur Bestimmung der \"streitigen Zeit\" ist dabei auf den \n\nZeitpunkt abzustellen, zu dem das Mietverhältnis jedenfalls geendet hätte. Lässt sich \n\nein solcher Zeitpunkt nicht sicher feststellen, bemisst sich die Beschwer nach dem \n\ndreieinhalbfachen Wert des einjährigen Bezuges (im Anschluss an BGH, Beschluss \n\nvom 25. Oktober 1995 - XII ZR 7/94, WM 1996, 187, unter II 1; Beschluss vom \n\n14. April 2004 - XII ZB 224/02, WuM 2004, 353, unter II; Beschluss vom 16. Februar \n\n2005 - XII ZR 46/03, WuM 2005, 350, unter 2; Urteil vom 17. März 2005 - III ZR \n\n342/04, NJW-RR 2005, 867, unter 2 b; BVerfG NZM 2006, 578). \n\nBGH, Beschluss vom 13. März 2007 - VIII ZR 189/06 - LG Düsseldorf \n\nAG Düsseldorf \n\nDer VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 13. März 2007 durch den \n\nVorsitzenden Richter Ball, den Richter Dr. Frellesen, die Richterin Dr. Milger, \n\nden Richter Dr. Koch und die Richterin Dr. Hessel \n\nbeschlossen: \n\nDie Nichtzulassungsbeschwerde des Beklagten gegen das Urteil \n\nder 21. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf vom 9. März \n\n2006 wird auf seine Kosten als unzulässig verworfen. \n\nStreitwert für das Beschwerdeverfahren: 4.047,21 €. \n\nGründe: \n\n1 \n\nDie Beschwerde ist unzulässig, weil die mit der Revision geltend zu ma-\n\nchende Beschwer von über 20.000 € nicht erreicht ist (§ 26 Nr. 8 EGZPO). Die \n\n(Rechtsmittel-) Beschwer des Beklagten beträgt 12.388,11 € und setzt sich aus \n\ndem in der Revisionsinstanz noch streitigen Zahlungsanspruch in Höhe von \n\n710,85 € sowie einem Wert von 11.677,26 € für den Räumungsanspruch zu-\n\nsammen. \n\n2 \n\nHinsichtlich des Räumungsanspruchs bestimmt sich der Wert der Be-\n\nschwer nach § 8 ZPO, weil das Bestehen eines Mietverhältnisses streitig ist. \n\nDie \"streitige Zeit\" im Sinne dieser Vorschrift beginnt grundsätzlich mit der Kla-\n\ngeerhebung und endet mit dem regulären Ende der Vertragslaufzeit. § 8 ZPO \n\nist nach seinem Wortlaut und Sinn auf Fälle zugeschnitten, in denen sich die \n\n\"streitige Zeit\" entweder - wie bei einem Vertrag von bestimmter Dauer - von \n\nvornherein genau bestimmen lässt oder in denen - bei Mietverhältnissen von \n\nunbestimmter Dauer - feststeht, dass und wann das Mietverhältnis aufgrund der \n\nKündigung jedenfalls endet; insoweit wird der Wert lediglich durch das 25-fache \n\ndes Jahresentgeltes begrenzt (BGH, Urteil vom 1. April 1992 - XII ZR 200/91, \n\nNJW-RR 1992, 1359, unter 2; BGH, Urteil vom 17. März 2005 - III ZR 342/04, \n\nNJW-RR 2005, 867, unter 2 b). Demgegenüber kommt § 8 ZPO nach der \n\nRechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht die Aufgabe zu, den Wert bei \n\nVerträgen von unbestimmter Dauer oder in Fällen, in denen der Nutzungsbe-\n\nrechtigte eine Fortsetzung des Vertragsverhältnisses verlangen kann, zu \n\nbestimmen (BGH, Urteil vom 17. März 2005, aaO). In diesen Fällen ist auf den \n\nZeitpunkt abzustellen, den der Nutzungsberechtigte für sich als den günstigsten \n\nin Anspruch nimmt; hat er keinen konkreten Zeitpunkt genannt oder sich auf ein \n\nlebenslanges Nutzungsrecht berufen, ist in entsprechender Anwendung des § 9 \n\nZPO auf einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren abzustellen (BGH, Beschluss \n\nvom 25. Oktober 1995 - XII ZR 7/94, WM 1996, 187, unter II 1; Beschluss vom \n\n14. April 2004 - XII ZB 224/02, WuM 2004, 353, unter II; Beschluss vom \n\n16. Februar 2005 - XII ZR 46/03, WuM 2005, 350, unter 2; Urteil vom 17. März \n\n2005, aaO; BVerfG NZM 2006, 578). \n\n3 \n\nBei einem auf unbestimmte Zeit abgeschlossenen Mietvertrag über \n\nWohnraum lässt sich ein Zeitpunkt, zu dem das Mietverhältnis jedenfalls been-\n\ndet wäre, meist schon deshalb nicht sicher feststellen, weil eine ordentliche \n\nKündigung des Vermieters nur zulässig ist, wenn der Vermieter an der Been-\n\ndigung des Mietverhältnisses ein berechtigtes Interesse hat (§ 573 Abs. 1 \n\nBGB). Derartige Umstände sind aber regelmäßig - wie auch hier - nicht abseh-\n\nbar oder streitig, so dass sich das Ende der Mietzeit nicht verlässlich bestim-\n\nmen lässt. Gemäß § 9 ZPO bemisst sich die Beschwer deshalb in diesen Fällen \n\nnach dem dreieinhalbfachen Wert der Jahresnettomiete. Ausgehend von einer \n\nNettomiete von 278,03 € im Monat ergibt sich eine Summe von 11.677,26 € als \n\nmaßgeblicher Wert (42 Monate x 278,03 €). \n\nBall \n\nRiBGH Dr. Frellesen ist \nerkrankt und daher gehindert, \nseine Unterschrift beizufügen. \nKarlsruhe, 27.03.2007 \nBall \n\nDr. Milger \n\nDr. Koch \n\nDr. Hessel \n\nVorinstanzen: \n\nAG Düsseldorf, Entscheidung vom 19.07.2005 - 33 C 13560/04 - \n\nLG Düsseldorf, Entscheidung vom 01.06.2006 - 21 S 331/05 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2006/VIII_ZR_189-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-03-13/viii-zr-189-06","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 8","ref_norm":"8","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 9","ref_norm":"9","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 573","ref_norm":"573","n":1},{"jurabk":"ZPOEG","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2006/VIII_ZR_189-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2006/VIII_ZR_189-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-03-13/viii-zr-189-06","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2006/VIII_ZR_189-06.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 21:26:57.972572+00:00"}}