{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/VIII_ZS/2003/VIII_ZR__34-03","ecli":null,"court":"BGH","senate":"VIII. Zivilsenat","decided":"2004-03-10","aktenzeichen":"VIII ZR 34/03","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nIM NAMEN DES VOLKES\n\nVIII ZR 34/03\n\nURTEIL\n\nin dem Rechtsstreit\n\nVerkündet am:\n10. März 2004\nKirchgeßner,\nJustizhauptsekretärin\nals Urkundsbeamtin\nder Geschäftsstelle\n\nDer VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung\n\nvom 10. März 2004 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Deppert und die Richter\n\nDr. Hübsch, Dr. Beyer, Dr. Leimert und Dr. Wolst\n\nfür Recht erkannt:\n\nAuf die Revision der Beklagten wird das Urteil der 1. Zivilkammer\n\ndes Landgerichts Hagen vom 10. Januar 2003 aufgehoben.\n\nDie Berufung des Klägers gegen das Urteil des Amtsgerichts Ha-\n\ngen vom 24. Oktober 2002 wird zurückgewiesen.\n\nDer Kläger hat die Kosten der Rechtsmittelverfahren zu tragen.\n\nVon Rechts wegen\n\nTatbestand:\n\nMit Vertrag vom 9. Januar 1995 mieteten der Kläger und eine Mitmieterin\n\neine Wohnung der Beklagten in H. auf unbestimmte Dauer mit einer Min-\n\ndestlaufzeit des Vertrages von einem Jahr ab dem 1. Februar 1995. § 2 Nr. 1\n\ndes Mietvertrages enthält folgende vorformulierte Regelung:\n\n\"Das Mietverhältnis ... kann von jedem Teil unter Einhaltung der\ngesetzlichen Kündigungsfrist2, die für beide Vertragsteile ver-\nbindlich ist, zum Ende eines Kalendermonats ... gekündigt wer-\nden.\"\n\nFußnote 2 lautet auszugsweise:\n\n\"Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt:\na) Für Wohnraum gemäß § 565 BGB:\n\n3 Monate, wenn das Mietverhältnis weniger als 5 Jahre gedauert hat;\n6 Monate, wenn das Mietverhältnis mehr als 5 Jahre, aber noch keine\n8 Jahre gedauert hat;\n9 Monate, wenn das Mietverhältnis mehr als 8 Jahre, aber noch keine\n10 Jahre gedauert hat;\n12 Monate, wenn das Mietverhältnis mehr als 10 Jahre gedauert hat.\"\n\nDer Kläger und die Mitmieterin kündigten das Mietverhältnis mit Schrei-\n\nben vom 29. August 2001 und 2. September 2001 jeweils zum 30. November\n\n2001. Die Beklagte wies die Kündigungen als nicht fristgerecht zurück und be-\n\nstand auf einer Beendigung des Mietverhältnisses zum 28. Februar 2002.\n\nDer Kläger ist der Auffassung, daß die Beklagte von der Kaution zu Un-\n\nrecht die Miete für die Monate Januar und Februar 2002 in Höhe von zusam-\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:7)(cid:0)(cid:9)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:11)\n\n(cid:12)(cid:13)(cid:0)(cid:9)(cid:3)(cid:14)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:5)(cid:15)(cid:0)(cid:2)(cid:16)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:3)(cid:7)(cid:20)(cid:22)(cid:21)(cid:24)(cid:23)(cid:9)(cid:25)(cid:24)(cid:20)(cid:26)(cid:0)(cid:9)(cid:25)(cid:27)(cid:12)(cid:29)(cid:28)(cid:30)(cid:1)\n\n(cid:12) (cid:31)!(cid:0)(cid:9)(cid:1)\"(cid:3)(cid:7)(cid:0)(cid:9)(cid:25)$#%(cid:11)(cid:4)(cid:10)(cid:26)&(cid:19)(cid:0)(cid:14)(cid:20)(cid:9)(cid:1)\n\n(cid:0)(’)(cid:10)(cid:9)(cid:8)(cid:19)(cid:11)\"(cid:17)(cid:19)(cid:3)(cid:15)&(cid:14)(cid:20)(cid:9)(cid:1)\n\nmen 930,54 \n\nses Betrages nebst Zinsen.\n\ne-\n\nDas Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Auf die Berufung des Klä-\n\ngers hat das Landgericht der Klage stattgegeben. Dagegen richtet sich die vom\n\nBerufungsgericht zugelassene Revision der Beklagten, mit der diese die Wie-\n\nderherstellung des amtsgerichtlichen Urteils begehrt.\n\nEntscheidungsgründe:\n\nI.\n\nDas Berufungsgericht hat ausgeführt:\n\nDer Beklagten stehe ein Anspruch auf Mietzins für die Monate Januar\n\nund Februar 2002 nicht zu, weil das zwischen den Parteien bestehende Miet-\n\nverhältnis durch die der Beklagten am 3. September 2001 zugegangene Kündi-\n\ngung vom 2. September 2001 aufgrund der für diese Kündigung maßgeblichen\n\nFrist des § 573 c Abs. 1 BGB zum 30. November 2001 beendet worden sei. Die\n\nvon § 573 c Abs. 1 BGB zum Nachteil des Klägers abweichende Regelung in\n\n§ 2 Nr. 1 des Mietvertrages sei nach § 573 c Abs. 4 BGB unwirksam. Dem ste-\n\nhe die Übergangsvorschrift des Art. 229 § 3 Abs. 10 EGBGB nicht entgegen.\n\nDiese finde auf eine formularmäßige Regelung der Kündigungsfristen keine\n\nAnwendung.\n\nII.\n\nDie Ausführungen des Berufungsgerichts halten rechtlicher Nachprüfung\n\nnicht stand. Die Revision der Beklagten hat Erfolg und führt zur Wiederherstel-\n\nlung des Urteils des Amtsgerichts. Der Kläger hat keinen Anspruch auf Aus-\n\nzahlung des Restbetrages der Kaution, den die Beklagte in Höhe des Mietzin-\n\nses für die Monate Januar und Februar 2002 einbehalten hat. Denn die Kündi-\n\ngung des Klägers und seiner Mitmieterin vom 2. September 2001 beendete das\n\nMietverhältnis nicht, wie das Berufungsgericht angenommen hat, bereits zum\n\n30. November 2001, sondern erst zum 28. Februar 2002.\n\nAufgrund des insoweit vorformulierten Mietvertrags vom 9. Januar 1995\n\nbetrug die Kündigungsfrist - entsprechend der damals geltenden gesetzlichen\n\nKündigungsfrist, auf die in § 2 Nr. 1 des Vertrags verwiesen wurde - sechs Mo-\n\nnate, weil das Mietverhältnis zum Zeitpunkt der Kündigung mehr als fünf Jahre,\n\naber noch keine acht Jahre gedauert hatte. Diese Formularklausel ist nicht nach\n\n§ 573 c Abs. 4 BGB deshalb unwirksam, weil die aus dem Vertrag sich erge-\n\nbende Kündigungsfrist von der Kündigungsfrist nach § 573 c Abs. 1 BGB zum\n\nNachteil des Mieters abweicht. Denn § 573 c Abs. 4 BGB findet nach Art. 229\n\n§ 3 Abs. 10 EGBGB auf den vorliegenden Fall keine Anwendung, weil die Kün-\n\ndigungsfristen in § 2 Abs. 1 Buchst. b des Mietvertrages vor dem 1. September\n\n2001 durch Vertrag vereinbart worden sind.\n\nNicht nur Individualvereinbarungen, sondern auch vorformulierte Ver-\n\ntragsbestimmungen, nach denen für das Mietverhältnis die damals geltenden\n\nKündigungsfristen des § 565 Abs. 2 BGB a.F. maßgeblich sein sollen, enthalten\n\neine die Kündigungsfristen betreffende mietvertragliche Vereinbarung im Sinne\n\ndes Art. 229 § 3 Abs. 10 EGBGB (Senatsurteil vom 18. Juni 2003 - VIII ZR\n\n240/02, NJW 2003, 2739 unter II 3 a, zur Veröffentlichung in BGHZ 155, 178,\n\n182 f. bestimmt). Die Übergangsvorschrift des Art. 229 § 3 Abs. 10 EGBGB ist,\n\nwie der Senat entschieden hat, nicht einschränkend dahin auszulegen, daß\n\n§ 573 c Abs. 4 BGB auf Formularklauseln in einem vor dem 1. September 2001\n\nabgeschlossenen Mietvertrag, die hinsichtlich der Kündigungsfristen die dama-\n\nlige gesetzliche Regelung des § 565 Abs. 2 BGB a.F. sinngemäß wiedergeben,\n\nanzuwenden wäre (Senatsurteil vom 18. Juni 2003 aaO unter II). Dies gilt un-\n\nabhängig davon, ob die dispositive gesetzliche Regelung der Kündigungsfristen\n\nin § 565 Abs. 2 BGB a.F. - wie in der dem Senatsurteil vom 18. Juni 2003\n\nzugrundeliegenden Fallgestaltung - in einer Formularklausel im laufenden Ver-\n\ntragstext sinngemäß wiedergegeben wird, oder ob - wie im vorliegenden Fall -\n\neine Vereinbarung über die Geltung der gesetzlichen Kündigungsfristen im\n\nvorformulierten Vertragstext durch Verweisung auf eine Fußnote konkretisiert\n\nwird, in der die Kündigungsfristen des § 565 Abs. 2 BGB a.F. sinngemäß wie-\n\ndergegeben werden. Auch durch eine solche Vertragsgestaltung haben die\n\nKündigungsfristen des § 565 Abs. 2 BGB a.F. einen von der gesetzlichen Re-\n\ngelung losgelösten, vertraglichen Geltungsgrund erhalten (vgl. Senatsurteil vom\n\n18. Juni 2003, aaO, sowie Senatsurteil vom heutigen Tag in der Parallelsache\n\nVIII ZR 64/03).\n\nDa die Sache zur Endentscheidung reif ist, hat der Senat in der Sache\n\nselbst entschieden (§ 563 Abs. 3 ZPO).\n\nDr. Deppert \n\nDr. Hübsch \n\nDr. Beyer\n\nDr. Leimert \n\nDr. Wolst","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2003/VIII_ZR__34-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-03-10/viii-zr-34-03","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 573c","ref_norm":"573c","n":7},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 565","ref_norm":"565","n":6},{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 229 § 3","ref_norm":"229-3","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 563","ref_norm":"563","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2003/VIII_ZR__34-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2003/VIII_ZR__34-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-03-10/viii-zr-34-03","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/VIII_ZS/2003/VIII_ZR__34-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 15:19:42.753557+00:00"}}