{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01C","ecli":null,"court":"BGH","senate":"I. Zivilsenat","decided":"2002-08-15","aktenzeichen":"I ZA 1/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nI ZA 1/01\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n15. August 2002\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 15. August 2002 durch\n\nden Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Ullmann und die Richter Prof. Starck, Prof.\n\nDr. Bornkamm, Dr. Büscher und Dr. Schaffert\n\nbeschlossen:\n\nDie Erinnerung der Klägerin gegen den Kostenansatz der Kosten-\n\nrechnung vom 1. März 2002 wird zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\nI. Die Klägerin hat gegen den Beschluß des 6. Zivilsenats des Oberlan-\n\ndesgerichts Frankfurt am Main vom 26. März 2001 außerordentliche Beschwer-\n\nde eingelegt, die der Senat mit Beschluß vom 17. Mai 2001 als unzulässig ver-\n\nworfen hat. Mit der Kostenrechnung vom 1. März 2002 ist gegen die Klägerin\n\neine Beschwerdegebühr in Höhe von 166,17 \n\n 11, 49,\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:9)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:10)(cid:1)(cid:11)(cid:5)(cid:13)(cid:12)(cid:14)(cid:5)(cid:16)(cid:15)(cid:18)(cid:17)(cid:20)(cid:19)(cid:22)(cid:21)(cid:9)(cid:1)(cid:20)(cid:23)(cid:25)(cid:24)(cid:8)(cid:26)(cid:9)(cid:26)\n\n54, 61 GKG i.V. mit Nr. 1953 des Kostenverzeichnisses a. F.). Dagegen wendet\n\nsich die Klägerin mit der Begründung, das Oberlandesgericht hätte ihre nicht\n\nvon einem Rechtsanwalt eingelegte Beschwerde nicht an den Bundesgerichts-\n\nhof weiterleiten dürfen, weil sie offensichtlich unzulässig gewesen sei.\n\nII. Der Rechtsbehelf der Klägerin, bei dem es sich der Sache nach um\n\neinen Antrag gemäß § 8 GKG handelt, wegen unrichtiger Sachbehandlung\n\ndurch das Oberlandesgericht keine Gerichtskosten zu erheben, ist nach Zugang\n\nder Kostenrechnung als Erinnerung gegen den Kostenansatz nach § 5 GKG\n\nanzusehen (vgl. BGH, Beschl. v. 17.3.1997 - II ZR 314/95, NJW-RR 1997, 831,\n\n832; Hartmann, Kostengesetze, 31. Aufl., § 8 GKG Rdn. 54, m.w.N.).\n\nDie zulässige Erinnerung gegen den Kostenansatz ist nicht begründet.\n\nVon der Erhebung der zutreffend berechneten Gerichtskosten für das Be-\n\nschwerdeverfahren ist nicht nach § 8 GKG abzusehen. Die Vorlage der von der\n\nKlägerin eingelegten außerordentlichen Beschwerde durch das Oberlandesge-\n\nricht an den Bundesgerichtshof stellt keine unrichtige Sachbehandlung dar.\n\nDie Klägerin hatte gegen den Beschluß des Oberlandesgerichts vom\n\n26. März 2001 mit Schriftsatz vom 15. April 2001 neben der von ihr erhobenen\n\nGegenvorstellung Beschwerde wegen greifbarer Gesetzeswidrigkeit des ange-\n\nfochtenen Beschlusses eingelegt, über die der Bundesgerichtshof zu entschei-\n\nden hatte. Das Oberlandesgericht war vor der Weiterleitung der Beschwerde-\n\nschrift an den Bundesgerichtshof nicht gehalten, die Klägerin auf den beste-\n\nhenden Anwaltszwang hinzuweisen. Eine Pflicht des Gerichts, eine Partei über\n\ndie Formerfordernisse eines Rechtsmittels zu belehren, besteht anders als in\n\nWohnungseigentumssachen (vgl. BGH, Beschl. v. 2.5.2002 - V ZB 36/01, NJW\n\n2002, 2171, 2172) im Zivilprozeß in der Regel nicht (vgl. BVerfGE 93, 99, 108;\n\nBGH, Beschl. v. 19.3.1997 - XII ZB 139/96, NJW 1997, 1989; zweifelnd: Bek-\n\nker, BGH Rep 2002, 619, 620). Die formellen Rechtsmittelerfordernisse im Zi-\n\nvilprozeß sind nicht derart kompliziert und schwer zu erfassen, daß der\n\nRechtsuchende sich nicht in zumutbarer Weise rechtzeitig Aufklärung ver-\n\nschaffen könnte. Der Gesetzgeber, der mit der Novellierung der Zivilprozeßord-\n\nnung durch das Gesetz zur Reform des Zivilprozesses vom 27. Juli 2001\n\n(BGBl. I 1887) das Ziel verfolgte, das Zivilverfahren durch eine grundlegende\n\nStrukturreform bürgernäher, effizienter und transparenter zu gestalten, hat\n\nebenfalls keinen Anlaß gesehen, eine Belehrung über die Formerfordernisse\n\nder Rechtsmittel im Zivilprozeß vorzusehen.\n\nIm Streitfall hatte das Oberlandesgericht um so weniger Veranlassung,\n\nauf den Anwaltszwang für das Beschwerdeverfahren zum Bundesgerichtshof\n\nhinzuweisen, als die Klägerin, die Geschäftsführerin einer GmbH war, in rechtli-\n\nchen Dingen schon nach dem Inhalt der Beschwerdeschrift erfahren und ihr\n\ndurch das Klageverfahren vor dem Landgericht und das Berufungsverfahren vor\n\ndem Oberlandesgericht bekannt war, daß vor diesen Gerichten regelmäßig eine\n\nVertretung durch Rechtsanwälte erforderlich ist (§ 78 Abs. 1 ZPO).\n\nDie Entscheidung über die Erinnerung der Klägerin ergeht gebührenfrei\n\n(§ 5 Abs. 6 Satz 1 GKG).\n\nUllmann\n\nStarck\n\nBornkamm\n\n Büscher\n\n Schaffert","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01C.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-08-15/i-za-1-01","cited_norms":[{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 8","ref_norm":"8","n":3},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 5","ref_norm":"5","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01C.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01C.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-08-15/i-za-1-01","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01C.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 13:28:02.908419+00:00"}}