{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01A","ecli":null,"court":"BGH","senate":"I. Zivilsenat","decided":"2001-05-17","aktenzeichen":"I ZA 1/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nI ZA 1/01\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n17. Mai 2001\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 17. Mai 2001 durch\n\nden Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Erdmann und die Richter Starck,\n\nProf. Dr. Bornkamm, Dr. Büscher und Dr. Schaffert\n\nbeschlossen:\n\nDas Rechtsmittel der Klägerin vom 15. April 2001 gegen den Be-\n\nschluß des 6. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am\n\nMain vom 26. März 2001 wird auf ihre Kosten als unzulässig ver-\n\nworfen.\n\nDer Gegenstandswert der Beschwerde wird auf 15.000,-- DM\n\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\nDie außerordentliche Beschwerde der Klägerin ist als unzulässig zu\n\nverwerfen.\n\nI. Die Klägerin hat die Beschwerde nicht wirksam erhoben, weil diese\n\ndem Anwaltszwang unterliegt, § 569 Abs. 2, § 78 Abs. 1 ZPO \n\n(vgl.\n\nMünchKomm. ZPO/Krüger, 2. Aufl., § 569 Rdn. 5) und die Klägerin die Be-\n\nschwerde persönlich eingelegt hat.\n\nII. Darüber hinaus liegen die besonderen Voraussetzungen der außeror-\n\ndentlichen Beschwerde wegen greifbarer Gesetzeswidrigkeit nicht vor.\n\nDas im Gesetz nicht vorgesehene Rechtsmittel der außerordentlichen\n\nBeschwerde wegen greifbarer Gesetzeswidrigkeit kann nur in Betracht kom-\n\nmen, wenn die angegriffene Entscheidung jeder rechtlichen Grundlage entbehrt\n\noder mit der geltenden Rechtsordnung schlechthin unvereinbar ist, weil sie\n\ndem Gesetz inhaltlich fremd ist (BGH, Beschl. v. 26.5.1994 - I ZB 4/94, WRP\n\n1994, 763, 764 - greifbare Gesetzeswidrigkeit II, m.w.N.). Davon kann hier\n\nnicht ausgegangen werden.\n\nMit Recht hat das Berufungsgericht in der angefochtenen Entscheidung\n\nüber den Antrag der Klägerin vom 19. März 2001, die Zwangsvollstreckung aus\n\ndem gerichtlichen Vergleich vom 11. März 1999 einzustellen, in entsprechen-\n\nder Anwendung des § 707 ZPO entschieden (vgl. BGH, Beschl. v. 22.2.2001\n\n- I ZA 1/01, Umdr. S. 5). Soweit das Berufungsgericht keinen Anlaß zur einst-\n\nweiligen Einstellung der Zwangsvollstreckung gesehen hat, weil ein beim Bun-\n\ndesgerichtshof gestellter Einstellungsantrag nach § 719 Abs. 2 ZPO wegen\n\nFehlens eines Vollstreckungsschutzantrags nach § 712 ZPO keinen Erfolg ha-\n\nben könnte, vermag dies jedenfalls eine greifbare Gesetzeswidrigkeit nicht zu\n\nbegründen. Die Klägerin hat im Berufungsrechtszug keinen Vollstreckungs-\n\nschutzantrag gemäß § 712 ZPO gestellt, obwohl ihr dies möglich und zumutbar\n\nwar. Der von ihrem Prozeßbevollmächtigten mit Schriftsatz vom 23. August\n\n2000 gestellte Einstellungsantrag ist entgegen der Ansicht der Klägerin kein\n\nVollstreckungsschutzantrag nach § 712 ZPO, sondern ein Einstellungsantrag\n\nnach §§ 719, 707 ZPO, der einen Vollstreckungsschutzantrag nach § 712 ZPO\n\nauch nicht entbehrlich machte.\n\nZudem hat die Klägerin auch keinen Antrag auf Ergänzung des Beru-\n\nfungsurteils nach §§ 716, 321 ZPO gestellt. Denn eine Einstellung der Voll-\n\nstreckung nach § 719 Abs. 2 ZPO kommt auch nicht in Betracht, wenn die Klä-\n\ngerin einen Schutzantrag nach § 712 ZPO in der Berufungsinstanz gestellt\n\nhätte, dieser im Berufungsurteil aber übergangen worden wäre und die Kläge-\n\nrin es versäumt, gemäß §§ 716, 321 ZPO Urteilsergänzung zu beantragen (vgl.\n\nBGH, Beschl. v. 24.11.1999 - XII ZR 69/99, NJW-RR 2000, 746; MünchKomm.\n\nZPO/Krüger, aaO § 719 Rdn. 13; Zöller/Herget, ZPO, 22. Aufl., § 719 Rdn. 7).\n\nSchließlich zeigt die Klägerin auch nicht auf, inwiefern die angefochtene\n\nEntscheidung greifbar gesetzeswidrig ist, weil die Beklagte zu dem vom Beru-\n\nfungsgericht zurückgewiesenen Einstellungsantrag nicht gehört worden ist.\n\nDie Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.\n\nErdmann Starck Born-\n\nkamm\n\n Büscher Schaffert","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01A.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2001-05-17/i-za-1-01","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 712","ref_norm":"712","n":5},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 719","ref_norm":"719","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 707","ref_norm":"707","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 716","ref_norm":"716","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 321","ref_norm":"321","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01A.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01A.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2001-05-17/i-za-1-01","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2001/I_ZA___1-01A.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 12:08:58.771629+00:00"}}