{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/IXa_ZS/2003/IXa_ZB_299-03","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IXa. Zivilsenat","decided":"2004-01-30","aktenzeichen":"IXa ZB 299/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BGHR!\n\nBUNDESGERICHTSHOF\n\nIXa ZB 299/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n30. Januar 2004\n\nin dem Zwangsvollstreckungsverfahren\n\nDer IXa-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\n\nDr. Kreft, die Richter Raebel, Athing, Dr. Boetticher und die Richterin\n\nDr. Kessal-Wulf\n\nam 30. Januar 2004\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Schuldners auf Bewilligung von Prozeßkostenhilfe\n\nfür die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß der 9. Zivilkam-\n\nmer des Landgerichts Dortmund vom 10. Oktober 2003 wird ab-\n\ngelehnt.\n\nGründe:\n\nProzeßkostenhilfe kann dem Schuldner unabhängig von seiner nicht\n\nlückenlos dargelegten Bedürftigkeit nicht gewährt werden, weil seine Rechts-\n\nbeschwerde keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 ZPO).\n\n1. Es ist schon zweifelhaft, ob Prozeßkostenhilfe für eine Revision oder\n\nRechtsbeschwerde gewährt werden muß, wenn die Entscheidung in der Haupt-\n\nsache von einer schwierigen, bislang ungeklärten Rechtsfrage abhängt (be-\n\njahend BGH, Beschl. v. 26. Juni 2003 - III ZR 91/03, WM 2003, 2251; krit.\n\nBungeroth, ZIP 2003, 2280). Jedenfalls hindert die Zulassung der Rechtsbe-\n\nschwerde durch das Landgericht den Senat an einer abweichenden und hier\n\nzutreffenden Beurteilung der Schwierigkeit und Grundsätzlichkeit nicht (vgl.\n\nBGH, Beschl. v. 11. September 2002 - VIII ZR 235/02, NJW-RR 2003, 130,\n\n131).\n\n2. Das Landgericht hat dem Schuldner für zweimalige Hin- und Rück-\n\nfahrten im Monat zum Wohnort seines nichtehelichen Kindes einen weiteren\n\npfändbaren Teil in Höhe von 130 \n\n 850e ZPO zusammenge-\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:7)(cid:1)(cid:8)(cid:0)(cid:10)(cid:9)(cid:8)(cid:1)(cid:12)(cid:11)(cid:14)(cid:13)(cid:4)(cid:15)(cid:17)(cid:16)\n\nrechneten Einkommens aus Arbeitslosenhilfe und Erwerbsminderungsrente\n\nbelassen. Der Schuldner hält diesen Betrag gemäß § 850f Abs. 1 Buchst. b)\n\nZPO für ungenügend. Damit kann er nicht durchdringen.\n\nZwar ist der landgerichtliche Beschluß deshalb rechtsfehlerhaft, weil die\n\nBesuchsfahrten des Unterhaltsschuldners zur Ausübung des Umgangsrechts\n\nmit einem seiner Kinder nicht entsprechend den gesetzlichen Regelungen für\n\ndie notwendigen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (§ 76 Abs. 2\n\nNr. 4 BSHG, § 3 Abs. 4 Nr. 2, Abs. 6 Nr. 2 Buchst. b DV zu § 76 BSHG) be-\n\nhandelt werden dürfen. Es fehlt insoweit an einer Lücke im Gesetz.\n\nDie Rechtsbeschwerde wäre aber nach § 577 Abs. 3 ZPO zurückzuwei-\n\nsen. Sozialhilferechtlich hat der umgangsberechtigte Elternteil für die aufge-\n\nwendeten Fahrtkosten grundsätzlich Anspruch auf einmalige Leistungen nach\n\n§ 21 Abs. 1a BSHG oder besondere Leistungen nach § 22 Abs. 1 Satz 2 BSHG\n\n(vgl. BVerwG FEVS Bd. 46, 89, 93; siehe außerdem BVerfG NJW 1995, 1342;\n\nzur Neuregelung nach Ablauf des 31. Dezember 2004 siehe das Dritte Kapitel\n\nSGB XII, eingeführt durch Art. 1 des Gesetzes zur Einordnung des Sozialhilfe-\n\nrechts in das Sozialgesetzbuch v. 27. Dezember 2003, BGBl. I S. 3022). Es ist\n\nnicht erkennbar, daß der Schuldner einen solchen Sozialhilfeanspruch geltend\n\ngemacht hat, der ihm nach § 54 Abs. 2 SGB I oder nach § 850f Abs. 1\n\nBuchst. b) ZPO auf Antrag pfändungsfrei zu verbleiben hätte. Auf die Deckung\n\nseiner besonderen Bedürfnisse im Sinne des § 850f Abs. 1 Buchst. b) ZPO\n\ndurch Leistungen der Sozialhilfe muß sich der Schuldner im Vollstreckungsver-\n\nhältnis aber verweisen lassen, wenn überwiegende Belange der Gläubiger in-\n\nsoweit einer Belassung der nach den §§ 850c, 850d und 850i ZPO pfändbaren\n\nTeile des Arbeits- oder Arbeitsersatzeinkommens entgegenstehen. So liegt es\n\nauch hier. Denn unter den gegebenen Umständen hätte eine Anhebung der\n\nPfändungsfreigrenze wegen der Umgangskosten des Schuldners mit seinem\n\nnichtehelichen Sohn zur Folge, daß die Befriedigung des Unterhalts seiner\n\nbeiden ehelichen Kinder zurückstehen würde. Dies wäre durch nichts gerecht-\n\nfertigt. Das Beschwerdegericht hat sich - möglicherweise infolge des fehlerhaft\n\ngesetzten Normtextes in dem verbreiteten Kommentar zur Zivilprozeßordnung\n\nvon Thomas/Putzo - mit den Belangen der Gläubiger hier gar nicht befaßt.\n\n3. Soweit die Rechtsbeschwerde einen erhöhten Freibetrag auch wegen\n\ndes Beköstigungs- und Unterbringungsaufwandes für den nichtehelichen Sohn\n\ndes Schuldners während der Besuchstage erstrebt, können diese Leistungen\n\nmöglicherweise als Naturalunterhalt gegenüber dem Kind gewertet werden und\n\nwürden so gesehen nach § 850d Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 ZPO im Gleichrang mit\n\ndem vollstreckten Kindesunterhalt stehen. Aus diesem Grund kommt jedoch\n\neine Erhöhung des vom Landgericht festgesetzten Freibetrages nicht in Be-\n\n(cid:5)(cid:8)(cid:22)(cid:23)(cid:1)(cid:8)(cid:24)(cid:26)(cid:25)(cid:28)(cid:27)(cid:30)(cid:29)(cid:20)(cid:1)(cid:31)(cid:22)! (cid:7)(cid:24)(cid:26)\"#(cid:0)(cid:20)(cid:3)$(cid:24)(cid:26)(cid:25)(cid:28)(cid:27)%(cid:3)$(cid:9)(cid:20)(cid:27)&(cid:1)(’*)(cid:12)(cid:25)(cid:8)(cid:22)&(cid:27)(cid:23)\"#+(cid:8)(cid:0),(cid:27)&(cid:1)(cid:31)(cid:5)-(cid:1)(cid:31)(cid:5)(cid:26)(cid:27)(cid:23)(cid:25)(cid:7))/.\n\n(cid:27)&(cid:1)(cid:31)(cid:5)-(cid:0)(cid:20)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:7)0(cid:4)1\n\ntracht, weil hierin 130 \n\n(cid:18)(cid:20)(cid:19)(cid:10)(cid:21)\n\nDiesen Betrag übersteigende Leistungen des Schuldners an das nichteheliche\n\nKind sind nicht dargetan.\n\nKreft Raebel Athing\n\n Boetticher Kessal-Wulf","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IXa_ZS/2003/IXa_ZB_299-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-01-30/ixa-zb-299-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 850f","ref_norm":"850f","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 850d","ref_norm":"850d","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 850c","ref_norm":"850c","n":1},{"jurabk":"SGB 1","ref":"§ 54","ref_norm":"54","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 850i","ref_norm":"850i","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IXa_ZS/2003/IXa_ZB_299-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IXa_ZS/2003/IXa_ZB_299-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-01-30/ixa-zb-299-03","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IXa_ZS/2003/IXa_ZB_299-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 15:11:08.213752+00:00"}}