{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2009-03-05","aktenzeichen":"IX ZB 2/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"InsO § 295 Abs. 1 Nr. 1, § 296 Abs. 1 Wählt der verheiratete Schuldner ohne einen sachlichen Grund die Steuerklas- se V, kann dies einen Verstoß gegen die Erwerbsobliegenheit darstellen.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 2/07 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n5. März 2009 \n\nin dem Verbraucherinsolvenzverfahren \n\nNachschlagewerk: \n\nja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nInsO § 295 Abs. 1 Nr. 1, § 296 Abs. 1 \n\nWählt der verheiratete Schuldner ohne einen sachlichen Grund die Steuerklas-\n\nse V, kann dies einen Verstoß gegen die Erwerbsobliegenheit darstellen. \n\nBGH, Beschluss vom 5. März 2009 - IX ZB 2/07 - LG Wuppertal \n\nAG Wuppertal \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, den Richter Vill, die Richterin Lohmann und die Richter Dr. Fischer \n\nund Dr. Pape \n\nam 5. März 2009 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 6. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Wuppertal vom 15. Dezember 2006 wird auf \n\nKosten der Schuldnerin als unzulässig verworfen. \n\nDer Antrag auf Gewährung von Prozesskostenhilfe zur Durchfüh-\n\nrung der Rechtsbeschwerde gegen den vorgenannten Beschluss \n\nwird abgelehnt. \n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird \n\nauf 5.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\n1. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO, \n\n§§ 7, 6, 296 Abs. 3 Satz 1 InsO statthaft. Sie ist jedoch unzulässig, weil die \n\nRechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat und weder die Fortbildung \n\ndes Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Ent-\n\nscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordern (§ 574 Abs. 2 ZPO). \n\n2 \n\nDie von der Rechtsbeschwerde aufgeworfene Frage, ob ein verheirateter \n\nSchuldner verpflichtet ist, im Rahmen der Erwerbsobliegenheit auf die Wahl \n\neiner geeigneten Steuerklasse zu achten, ist geklärt. Wählt der verheiratete \n\nSchuldner ohne hinreichenden sachlichen Grund eine für den Gläubiger un-\n\ngünstige Steuerklasse, kann darin ein Verstoß gegen die Erwerbsobliegenheit \n\nliegen (Braun/Lang, InsO, 3. Aufl., § 295 Rn. 5; HK-InsO/Landfermann, 5. Aufl. \n\n§ 295 Rn. 6; FK-InsO/Ahrens, 5. Aufl. § 295 Rn. 14 c; Graf-Schlicker/Kexel, In-\n\nsO § 295 Rn. 4; Wenzel in Kübler/Prütting/Bork, InsO § 295 Rn. 6 im Anschluss \n\nan AG Duisburg ZVI 2002, 163, 164). Dies steht in Einklang mit der Ansicht des \n\nSenats zu § 4c Nr. 5 InsO. Danach ist dem Schuldner in Hinblick auf die Verfah-\n\nrenskostenstundung zuzumuten, in die Steuerklasse IV zu wechseln, um sein \n\nliquides Einkommen zu erhöhen, wenn er ohne einen sachlichen Grund die \n\nSteuerklasse V gewählt hat, um seinem nicht insolventen Ehegatten die Vorteile \n\nder Steuerklasse III zukommen zu lassen (BGH, Beschl. v. 3. Juli 2008 - IX ZB \n\n65/07, NZI 2008, 624, 625 Rn. 5). Nach den Grundsätzen der Individual-\n\nzwangsvollstreckung ist in entsprechender Anwendung von § 850h Abs. 2 ZPO \n\nebenfalls eine missbräuchliche Steuerklassenwahl den Gläubigern gegenüber \n\nunbeachtlich (vgl. BGH, Beschl. v. 4. Oktober 2005 - VII ZB 26/05, WM 2005, \n\n2324, 2325; BAG, NJW 2008, 2606, 2608 Rn. 25). Entgegen der Ansicht der \n\nRechtsbeschwerde verstoßen diese Grundsätze auch nicht gegen Art. 6 Abs. 1 \n\nGG. \n\n3 \n\nDas Beschwerdegericht hat unter Berücksichtigung der vorgenannten \n\nGrundsätze das Beibehalten der Steuerklasse V als Obliegenheitsverletzung \n\nnach § 295 Abs. 1 Nr. 1, § 296 Abs. 1 Satz 1 InsO beurteilt. Dies ist eine zuläs-\n\nsige tatrichterliche Bewertung, die einzelfallbezogen ist und jedenfalls keine \n\nsymptomatischen Rechtsfehler aufweist. \n\n4 \n\n5 \n\nVon einer weiteren Begründung wird gemäß § 4 InsO, § 577 Abs. 6 \n\nSatz 3 ZPO abgesehen. \n\n2. Da die Rechtsbeschwerde keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat, \n\nkommt die Gewährung von Prozesskostenhilfe nicht in Betracht (§ 4 InsO, \n\n§ 114 Satz 1 ZPO). \n\nGanter \n\nVill \n\nLohmann \n\nFischer \n\nPape \n\nVorinstanzen: \n\nAG Wuppertal, Entscheidung vom 17.08.2006 - 145 IK 193/03 - \n\nLG Wuppertal, Entscheidung vom 15.12.2006 - 6 T 548/06 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-03-05/ix-zb-2-07","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 296","ref_norm":"296","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4c","ref_norm":"4c","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 850h","ref_norm":"850h","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-03-05/ix-zb-2-07","retrieved":"2026-07-10 19:22:33.772675+00:00"},"card":{"id":"bgh/2009-03-05/ix-zb-2-07","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"IX. 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