{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZR_150-05B","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2009-03-05","aktenzeichen":"IX ZR 150/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZR 150/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n5. März 2009 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Ganter, die Richter Prof. Dr. Gehrlein und Vill, die Richterin Lohmann und \n\nden Richter Dr. Fischer \n\nam 5. März 2009 \n\nbeschlossen: \n\nDie Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem \n\nUrteil des 8. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Braunschweig \n\nvom 21. Juli 2005 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen; \n\ndiese tragen auch die Kosten der Nebenintervention. \n\nDer Streitwert des Beschwerdeverfahrens wird auf 375.021 € fest-\n\ngesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\nNachdem das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren über den Nach-\n\nlass des R. D. mit Beschluss vom 16. März 2007 aufgehoben hat, \n\nwas dem Senat am 25. November 2008 mitgeteilt wurde, ist das Verfahren ge-\n\nmäß § 240 Satz 1 ZPO nicht mehr unterbrochen. Deshalb ist über die Nichtzu-\n\nlassungsbeschwerde zu entscheiden. \n\n2 \n\nDie Beschwerde ist nach § 544 ZPO, § 26 Nr. 8 EGZPO zulässig; sie ist \n\njedoch unbegründet. Weder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung, \n\nnoch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen \n\n \n \n \n \n \n \n \n\n3 \n\n4 \n\n5 \n\nRechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 \n\nNr. 2 ZPO). \n\nAuf § 87 InsO kommt es jedenfalls deshalb nicht (mehr) an, weil das In-\n\nsolvenzverfahren inzwischen beendet ist. \n\n1. Das Berufungsgericht hat unter Auswertung des einschlägigen Schrift-\n\ntums zutreffend die grundsätzliche Verbürgung der Gegenseitigkeit (§ 723 \n\nAbs. 2 Satz 2, § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO) mit der kanadischen Provinz Ontario für \n\nZahlungsurteile festgestellt. \n\nNach allgemeiner Auffassung ist im Verhältnis zur Provinz Ontario die \n\nGegenseitigkeit der Anerkennung und Vollstreckung von Zahlungsurteilen je-\n\ndenfalls innerhalb von sechs Jahren ab Rechtskraft des ausländischen Urteils \n\nverbürgt (Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz vom \n\n8. August 1962 BayJMBl 1962, S. 123 f; Bachmann in Geimer/Schütze, Interna-\n\ntionaler Rechtsverkehr in Zivil- und Handelssachen, Bd. V 1065/28 f.; Schütze \n\nin Geimer/Schütze, Internationale Urteilsanerkennung Bd. I 2. Halbbd. § 246 \n\nKanada/Ontario S. 1860; MünchKomm-ZPO/Gottwald, 3. Aufl. § 328 Rdn. 130; \n\nNagel/Gottwald, Internationales Zivilprozessrecht 6. Aufl. § 11 Rdn. 203 und \n\n§ 14 Rdn. 53; Stein/Jonas/Roth, ZPO 22. Aufl. § 328 Rdn. 138; Wieczo-\n\nrek/Schütze, ZPO 3. Aufl. § 328 Rdn. 103 Stichwort \"Kanada\" Unterstichwort \n\n\"Ontario\" in Verbindung mit \"Alberta\"; Zöller/Geimer, ZPO 27. Aufl. Anh. V \n\nS. 3104 Stichwort \"Kanada\"; Tepper in Festgabe für Sandrock, S. 89 f; Martiny, \n\nHandbuch des \n\nInternationalen Zivilverfahrensrechts Band \n\nIII/1 Kap. \n\nI \n\nRdn. 1408). Im Unterschied z.B. zur Provinz British Columbia (vgl. dazu BGH, \n\nUrt. v. 24. Oktober 2000 - XI ZR 300/99, NJW 2001, 524, 525) ist lediglich für \n\ndie Vollsteckbarerklärung ausländischer Urteile im Wege der die Rechtsdurch-\n\nsetzung erleichternden Registrierung die Gegenseitigkeit zu Deutschland nicht \n\ngegeben; dadurch wird die Vollstreckbarerklärung im Wege des common \n\nlaw-Verfahrens aber nicht ausgeschlossen (Bachmann in Geimer/Schütze, In-\n\nternationaler Rechtsverkehr aaO, 1065/23 und 1065/27). Entgegen der Ansicht \n\nder Nichtzulassungsbeschwerde verneint Hartmann (in Baumbach/Lauter-\n\nbach/Albers/Hartmann, ZPO 63. Aufl. Anh. § 328 Rdn. 11, ebenso 67. Aufl.) nur \n\ndie Verbürgung der Gegenseitigkeit für die Provinz Québec. \n\n6 \n\n2. Der vom Berufungsgericht entschiedene Einzelfall gibt keinen Anlass \n\nzur Aufstellung weiterer höchstrichterlicher Leitsätze zu § 723 Abs. 2 Satz 2, \n\n§ 328 Abs. 1 Nr. 2 ZPO, zumal sich das Rechtsmittel nicht mit der vorhandenen \n\nRechtsprechung und Literatur zur Zustellung des verfahrenseinleitenden \n\nDokuments und späterer Schriftsätze auseinandersetzt (vgl. BGH, Beschl. v. \n\n10. Juli 1986 - IX ZB 27/86, WM 1986, 1370, 1371; v. 21. März 1990 - XII ZB \n\n71/89, NJW 1990, 2201, 2202, jeweils zu Art. 27 Nr. 2 EuGVÜ; MünchKomm-\n\nZPO/Gottwald, aaO § 328 Rdn. 80; Zöller/Geimer, aaO § 328 Rdn. 173 und \n\n187). Im Übrigen stellt die Nichtzulassungsbeschwerde nicht in Abrede, dass \n\nden Beklagten die Weiterführung des Rechtsstreits gegen den Nachlass be-\n\nkannt war und sie die Möglichkeit, dessen Fortgang zu beeinflussen, ungenutzt \n\ngelassen haben. \n\n7 \n\n3. Wie das Berufungsgericht mit Recht ausgeführt hat, ist ein Verstoß \n\ngegen den ordre public (§ 723 Abs. 2 Satz 2, § 328 Abs. 1 Nr. 4 ZPO) zu ver-\n\nneinen, weil die Erben sich im vorliegenden Fall an dem Verfahren gegen den \n\nNachlass in der Provinz Ontario hätten beteiligen können und ihre Haftung \n\n- günstiger als im deutschen Recht - von vornherein auf den Nachlass be-\n\nschränkt ist. Auch Art. 103 Abs. 1 GG gewährleistet im Rahmen des deutschen \n\nverfahrensrechtlichen ordre public nur die - von Staats wegen ungehinderte - \n\nzumutbare Gelegenheit, sich im Gerichtsverfahren zu beteiligen. Nimmt der Be-\n\nrechtigte sie nicht wahr, hindert das nicht die Anerkennung des ausländischen \n\nUrteils (BGHZ 141, 286, 297). \n\n8 \n\n4. Seine internationale Zuständigkeit durfte das kanadische Gericht aus \n\ndeutscher Sicht mit Recht schon im Hinblick auf § 261 Abs. 3 Nr. 2 ZPO an-\n\nnehmen (vgl. BGHZ 141, 286, 291; Zöller/Geimer, aaO § 328 Rdn. 140). Auch \n\nzur Frage, ob dem kanadischen Urteil zum Nachteil der jetzigen Beklagten \n\nDrittwirkung beigemessen werden durfte, zeigt die Beschwerde einen Zulas-\n\nsungsgrund nicht auf. \n\n9 \n\n5. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 \n\nHalbs. 2 ZPO abgesehen. \n\nGanter \n\nGehrlein \n\nVill \n\nLohmann \n\nFischer \n\nVorinstanzen: \nLG Göttingen, Entscheidung vom 12.02.2004 - 6 O 39/01 - \nOLG Braunschweig, Entscheidung vom 21.07.2005 - 8 U 52/04 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZR_150-05B.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-03-05/ix-zr-150-05","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 328","ref_norm":"328","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 240","ref_norm":"240","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 261","ref_norm":"261","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 87","ref_norm":"87","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"ZPOEG","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZR_150-05B.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZR_150-05B.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-03-05/ix-zr-150-05","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZR_150-05B.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 19:18:48.232391+00:00"}}