{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZB_120-05","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2007-02-22","aktenzeichen":"IX ZB 120/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"InsO § 290 Abs. 1 Nr. 6 Im Restschuldbefreiungsverfahren kann jeder Gläubiger, der Forderungen angemel- det hat, einen auf § 290 Abs. 1 Nr. 6 InsO gestützten Versagungsantrag stellen.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIX ZB 120/05 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n22. Februar 2007 \n\nin dem Insolvenzverfahren \n\nNachschlagewerk: \n\nja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nInsO § 290 Abs. 1 Nr. 6 \n\nIm Restschuldbefreiungsverfahren kann jeder Gläubiger, der Forderungen angemel-\n\ndet hat, einen auf § 290 Abs. 1 Nr. 6 InsO gestützten Versagungsantrag stellen. \n\nBGH, Beschluss vom 22. Februar 2007 - IX ZB 120/05 - LG Münster \n\nAG Münster \n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter \n\nDr. Gero Fischer und die Richter Dr. Ganter, Raebel, Dr. Kayser und \n\nDr. Detlev Fischer \n\nam 22. Februar 2007 \n\nbeschlossen: \n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 5. Zivilkammer \n\ndes Landgerichts Münster vom 23. März 2005 wird auf Kosten des \n\nSchuldners zurückgewiesen. \n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird \n\nauf 5.000 € festgesetzt. \n\nGründe: \n\n1 \n\n§ 7 \n\nDie Rechtsbeschwerde ist nach § 289 Abs. 2 Satz 1, § 6 Abs. 1, \n\nInsO, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr.1 ZPO statthaft und zulässig. In der Sache hat sie \n\nkeinen Erfolg. \n\n2 \n\n1. Die von der Rechtsbeschwerde aufgeworfene und für rechts-\n\ngrundsätzlich angesehene Frage, ob nur der durch die unvollständigen Anga-\n\nben betroffene Gläubiger hierauf einen Versagungsantrag stützen könne, wird \n\nin Rechtsprechung und Schrifttum zu § 290 Abs. 1 Nr. 6 InsO ganz überwie-\n\ngend verneint. Danach ist jeder Insolvenzgläubiger antragsberechtigt, der seine \n\nForderung angemeldet hat, nicht etwa nur der im Einzelfall betroffene (vgl. OLG \n\nCelle ZInsO 2000, 456, 457; HK-InsO/Landfermann, 4. Aufl. § 290 Rn. 22; \n\nHmbKomm-InsO/Streck § 290 Rn. 2; Wenzel in Kübler/Prütting, InsO § 290 Rn. \n\n5; MünchKomm-InsO/Stephan § 290 Rn. 14; Nerlich/Römermann, InsO § 290 \n\nRn. 17; Uhlenbruck/Vallender, InsO 12. Aufl. § 290 Rn. 15; Pape, in Mohrbut-\n\nter/Ringstmeier, Handbuch der Insolvenzverwaltung § 17 Rn. 52; a.A. AG Mön-\n\nchengladbach ZInsO 2001, 674, 676; AG Memmingen ZInsO 2004, 52 zu § 290 \n\nAbs. 1 Nr. 5 InsO; FK-InsO/Ahrens § 290 Rn. 51). \n\n3 \n\nDie herrschende Ansicht ist zutreffend. Der Versagungsgrund des \n\n§ 290 Abs. 1 Nr. 6 InsO normiert Verhaltensweisen, die nach Einschätzung des \n\nGesetzgebers typischerweise auf eine Unredlichkeit des Schuldners schließen \n\nlassen. Eine einengende Betrachtungsweise zu Gunsten des unredlichen \n\nSchuldners, wie sie die Rechtsbeschwerde vertritt, ist mit dem Normzweck nicht \n\nvereinbar. Die Bestimmung soll darauf hinwirken, dass der Schuldner die im \n\nRahmen des Verbraucherinsolvenzverfahrens vorzulegenden Verzeichnisse \n\nsorgfältig erstellt und insbesondere seine Gläubiger richtig und vollständig an-\n\ngibt (Begründung des Rechtsausschusses, BT-Drucks. 12/7302, S. 187 f zu \n\n§ 346e). \n\n4 \n\n2. Ein Verstoß gegen § 290 Abs. 1 Nr. 6 InsO liegt bei unrichtigen \n\noder unvollständigen Angaben auch dann vor, wenn sie sich nicht zum Nachteil \n\nder Gläubiger auswirken. Von Bedeutung könnte allenfalls sein, ob die unrichti-\n\ngen Schuldnerangaben von vorneherein als bedeutungslos für die Befriedigung \n\nder Insolvenzgläubiger erscheinen (BGH, Beschl. v. 23. Juli 2004 - IX ZB \n\n174/03, WM 2004, 1840, 1842; Beschl. v. 17. März 2005 - IX ZB 260/03, ZVI \n\n2005, \n\n641). Dies hat das Landgericht nach Würdigung des zu entscheidenden Einzel-\n\nfalles zutreffend verneint. Gleiches gilt für die Bewertung des Fehlverhaltens \n\ndes Schuldners als grob fahrlässig. \n\nDr. Gero Fischer \n\nDr. Ganter \n\nRaebel \n\nDr. Kayser \n\nDr. Detlev Fischer \n\nVorinstanzen: \n\nAG Münster, Entscheidung vom 21.05.2003 - 70 IK 12/01 - \n\nLG Münster, Entscheidung vom 23.03.2005 - 5 T 673/03 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZB_120-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-02-22/ix-zb-120-05","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 290","ref_norm":"290","n":5},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZB_120-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZB_120-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-02-22/ix-zb-120-05","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2005/IX_ZB_120-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 21:24:59.261302+00:00"}}