{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/IX_ZS/2003/IX_ZB__62-03","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2004-01-15","aktenzeichen":"IX ZB 62/03","doktyp":"Beschluß","leitsatz":"GesO § 20; ZPO § 574 Abs. 1 Nr. 2 In Gesamtvollstreckungsverfahren ist die Rechtsbeschwerde statthaft; sie richtet sich nach § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO (Ergänzung zu BGH ZIP 2002, 1589).","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nIX ZB 62/03\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n15. Januar 2004\n\nin dem Gesamtvollstreckungsverfahren\n\nNachschlagewerk:\n\nja\n\nBGHZ:\n\nnein\n\nGesO § 20; ZPO § 574 Abs. 1 Nr. 2\n\nIn Gesamtvollstreckungsverfahren ist die Rechtsbeschwerde statthaft; sie richtet\n\nsich nach § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO (Ergänzung zu BGH ZIP 2002, 1589).\n\nBGH, Beschluß vom 15. Januar 2004 - IX ZB 62/03 - LG Rostock\n\n AG Rostock\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Richter Dr. Fischer,\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:4)(cid:9)(cid:11)(cid:10)(cid:13)(cid:12)(cid:14)(cid:1)(cid:13)(cid:7)(cid:4)(cid:15)(cid:16)(cid:7)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:10)(cid:21)(cid:20)(cid:22)(cid:1)(cid:24)(cid:23)(cid:26)(cid:25)(cid:27)(cid:7)(cid:4)(cid:9)(cid:29)(cid:28)(cid:13)(cid:3)(cid:16)(cid:30) (cid:31)!(cid:7)(cid:13)\"(cid:6)#%$’&(cid:13)(\n\nDr.\n\nam 15. Januar 2004\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsmittel des weiteren Beteiligten werden unter Zu-\n\nrückweisung im übrigen der Beschluß des Landgerichts Rostock,\n\n2. Zivilkammer, vom 26. Februar 2003 und der Beschluß des\n\nAmtsgerichts Rostock vom 27. September 2001 teilweise abge-\n\nändert.\n\nDem weiteren Beteiligten wird gestattet, der Masse einen Vor-\n\nschuß einschließlich Umsatzsteuerausgleich von 180.881,21 \n\nentnehmen.\n\nVon den Kosten des Verfahrens hat der weitere Beteiligte\n\n79,44 v.H. zu tragen.\n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird\n\n(cid:7)(cid:13)(cid:25),(cid:5)(cid:8)-(cid:21)(cid:7)(cid:13)(cid:25)(cid:27)(cid:7)(cid:24)(cid:5)\n\n(cid:5)/.\n\nauf 11.640,51 \n\n)\n*\n(cid:28)\n+\n*\n\nGründe:\n\nI.\n\nDer weitere Beteiligte ist der Verwalter in dem am 15. September 1992\n\neröffneten Gesamtvollstreckungsverfahren über das Vermögen der Schuldne-\n\nrin. Mit Schriftsatz vom 9. Mai 2000 hat er beantragt, über den ihm bislang zu-\n\ngesprochenen Vorschuß von 326.325 DM zuzüglich 22.766,85 DM Umsatz-\n\nsteuerausgleich (dies entspricht 7,5 v.H. aus 303.558,14 DM) hinaus die volle\n\nUmsatzsteuer zu bewilligen, weil § 4 Abs. 5 VergVO nicht mehr anzuwenden\n\nsei. Die Vorinstanzen haben den Antrag zurückgewiesen. Mit der zugelassenen\n\nRechtsbeschwerde begehrt der Verwalter die Festsetzung weiterer 22.767 DM\n\n(= 11.640,58 \n\nII.\n\n1. a) Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO statthaft.\n\n§ 20 GesO sieht allerdings gegen Entscheidungen des Erstgerichts nur eine\n\nsofortige Beschwerde und kein weiteres Rechtsmittel vor. Daraus hat der Bun-\n\ndesgerichtshof unter Geltung des § 568 Abs. 2 Satz 1 ZPO a.F., der auch auf\n\ndas Verfahren der Gesamtvollstreckungsordnung anzuwenden war, geschlos-\n\nsen, daß es an einer für die Statthaftigkeit der weiteren Beschwerde erforderli-\n\nchen besonderen Bestimmung fehle. Für eine entsprechende Anwendung von\n\n§ 73 Abs. 3 KO, der im Anwendungsbereich der Konkursordnung die sofortige\n\nweitere Beschwerde eröffne, fehle es an einer ausfüllungsbedürftigen Rege-\n\n0\n.\n\nlungslücke (vgl. BGH, Beschl. v. 14. November 1996 - IX ZB 89/96, ZIP 1996,\n\n2174, 2175).\n\nDie Neufassung des Beschwerderechts durch das Zivilprozeßreform-\n\ngesetz vom 27. Juli 2001 (BGBl. I 1887) hat sowohl § 20 GesO als auch § 73\n\nKO unverändert gelassen. Eine Bestimmung, welche die Rechtsbeschwerde\n\nim Anwendungsbereich der Gesamtvollstreckungsordnung ausdrücklich aus-\n\nschließt, enthält das Übergangsrecht nicht. In der Begründung hat der Gesetz-\n\ngeber deutlich gemacht, daß mit der Einführung des Rechtsbeschwerdeverfah-\n\nrens die Vorschriften über die sofortige weitere Beschwerde generell ersetzt\n\nwerden sollten (vgl. BGH, Beschl. v. 11. Juli 2002 - IX ZB 80/02, ZIP 2002,\n\n1589).\n\nFür den Rechtsmittelzug in Verfahren nach der Konkursordnung hat der\n\nerkennende Senat daraus gefolgert, daß gegen Beschwerdeentscheidungen\n\ndes Landgerichts nur noch die Rechtsbeschwerde möglich ist, die sich nach\n\n§ 574 Abs. 1 Nr. 2 ZPO n.F. und nicht nach § 7 InsO richtet (BGH, Beschl. v.\n\n11. Juli 2002 aaO). Entsprechendes gilt nach Auffassung des Senats für den\n\nRechtsmittelzug in Verfahren nach der Gesamtvollstreckungsordnung. Der\n\nUmstand, daß diese zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Zivilprozeßreform\n\nschon seit drei Jahren aufgehoben war (vgl. Art. 2 Nr. 7 EGInsO) und sie nur\n\nnoch Bedeutung für Gesamtvollstreckungsverfahren hat, die vor dem 1. Januar\n\n1999 beantragt worden waren (vgl. Art. 103 EGInsO), gilt in gleicher Weise für\n\nVerfahren nach der Konkursordnung. Ebenso wie dort schließt dies ein Bedürf-\n\nnis an höchstrichterlicher Klärung zweifelhafter Rechtsfragen nicht generell\n\naus. Dies belegt gerade der vorliegende Fall. Nach Altrecht zu beurteilende\n\nRechtsfragen zum Vergütungsrecht des Verwalters können sich in Verfahren\n\nnach der Gesamtvollstreckungsordnung in gleicher Weise stellen wie in Ver-\n\nfahren nach der Konkursordnung. Es erscheint deshalb sachgerecht, die\n\nRechtsbeschwerde nach beiden Verfahrensordnungen gemäß § 574 Abs. 1\n\nNr. 2 ZPO als eröffnet anzusehen.\n\nb) Auch im übrigen ist die Rechtsbeschwerde zulässig.\n\n2. Sie ist nur zum Teil begründet. Der der Masse zu entnehmende Vor-\n\n(cid:28)1(cid:7)(cid:4)(cid:9)32(cid:16)4(cid:4)2(cid:16)(cid:7)5(cid:3)6.!798;:(cid:13)(cid:15)(cid:21)(cid:9)<(=-(cid:13)(cid:7)5(cid:3)>(cid:15)(cid:4)(cid:17)\n\n(cid:7)(cid:18)(?(cid:15)(cid:6)(cid:5)!(cid:30)@(=(cid:7)A(cid:12)!(cid:7)(cid:13)B(cid:6)2(cid:26)(cid:5)C(cid:25)(cid:6)(cid:15)(cid:16)(cid:7)(cid:13)(cid:25)(cid:27)B(cid:6)2,DE(cid:7)(cid:4)(cid:9)F(cid:30)(cid:13)(cid:7)\n\nschuß ist um 2.393,38 \n\nohne Erfolg.\n\n1. Wegen der maßgeblichen Berechnungsgrundlagen wird auf den zur\n\nVeröffentlichung bestimmten Senatsbeschluß vom 20. November 2003 (IX ZB\n\n469/02, z.V.b.) Bezug genommen. Danach entspricht auch im Streitfall die vor-\n\nläufige Berechnung der Vergütung und damit des Vorschusses durch die Vor-\n\ninstanzen nicht in vollem Umfang der Regelung des § 4 Abs. 5 VergVO, weil in\n\ndem nach § 3 Abs. 1 VergVO bemessenen Betrag lediglich der Umsatzsteuer-\n\nanteil nach dem ermäßigten Satz, der gemäß § 12 Abs. 2 UStG 7 v.H. beträgt,\n\nenthalten ist. Die Berechnung der Verwaltervergütung und des Ausgleichsbe-\n\ntrages nach § 4 Abs. 5 Satz 2 VergVO sind folglich entsprechend zu ändern.\n\nGemäß § 577 Abs. 5 Satz 1 ZPO kann der Senat die Neufestsetzung des Vor-\n\nschusses selbst vornehmen. Die (vorläufige) Vergütung gemäß § 3 Abs. 1\n\nVergVO beträgt 166.847,32 \n\nGFH(cid:24)I(cid:21)J\n\nH’I6K DM). Die um den Umsatzsteueranteil\n\nvon 7 v.H. verringerte Nettovergütung beläuft sich folglich auf 155.932,07 \n\nGemäß § 4 Abs. 5 Satz 2 VergVO ist die Vergütung gemäß § 3 Abs. 1 VergVO\n\n(cid:28)M(cid:7)(cid:4)(cid:9)32(cid:16)4(cid:4)2(cid:24)(cid:7)(cid:4)(cid:3)6(cid:10)(cid:24)(cid:25)(cid:27)$N(cid:30)(cid:13)(cid:1)@O (cid:25)(cid:24)(\n\nB(cid:6)2P(cid:7)@(Q(cid:3)(cid:16)(cid:7)P&(cid:26)$(cid:4)(cid:9)(cid:11)(cid:17)=R\n\num 14.033,89 \n\nGFL v.H. von 155.932,07 \n\n0@*\n\n(cid:7)(cid:4)(cid:9)F-@(Q(cid:15)(cid:26)(cid:5)3.TS!(cid:1)\n\nu-\n\nfige Gesamtvergütung von 180.881,21 \n\n das Insolvenzgericht den\n\n*\n.\n.\n\nVorschuß auf 326.325 DM nebst 22.766,85 DM Umsatzsteuerausgleich, also\n\n(cid:7)(cid:13)(cid:25),(cid:5)C-(cid:13)(cid:7)(cid:13)(cid:25)(cid:27)(cid:7)(cid:24)(cid:5)\n\n(cid:5)U2(cid:16)(cid:1)(cid:24)(cid:5)3(cid:10)@(=(cid:25),(cid:5)(cid:22)(cid:30)@(=(cid:7)PVW(cid:7)5(cid:9)X-5:(cid:26)(cid:5)F(cid:28)(cid:21)(cid:3)(cid:16)-\n\nauf insgesamt 349.091,85 DM (178.487,83 \n\n0@+\n\n(cid:28)Y(cid:7)(cid:4)(cid:9)32\n\num 2.393,38 \n\nöhen.\n\n2. Der Antrag des weiteren Beteiligten, die außergerichtlichen Kosten,\n\nsoweit die Rechtsbeschwerde erfolgreich war, der Staatskasse aufzuerlegen,\n\nist zurückzuweisen. Für die begehrte Auslagenüberbürdung gibt es keine ge-\n\nsetzliche Grundlage.\n\nFischer\n\nGanter\n\nRaebel\n\nKayser\n\n(cid:31)!(cid:7)(cid:13)\"(cid:6)#%$(cid:24)&(cid:13)(=)\n\n*\n*","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2003/IX_ZB__62-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-01-15/ix-zb-62-03","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":4},{"jurabk":"EGInsO","ref":"Art 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"EGInsO","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2003/IX_ZB__62-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2003/IX_ZB__62-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2004-01-15/ix-zb-62-03","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2003/IX_ZB__62-03.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 15:12:59.899753+00:00"}}