{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/IX_ZS/2000/IX_ZR_153-00","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IX. Zivilsenat","decided":"2002-02-28","aktenzeichen":"IX ZR 153/00","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BGHR!\n\nIX ZR 153/00\n\nBUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n28. Februar 2002\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\n\nDr. Kreft und die Richter Kirchhof, Dr. Fischer, Dr. Ganter und Kayser\n\nam 28. Februar 2002\n\nbeschlossen:\n\nDie Revision der Klägerin gegen das Urteil des 9. Zivilsenats des\n\nOberlandesgerichts Naumburg vom 21. März 2000 wird nicht an-\n\ngenommen.\n\nDie Klägerin hat die Kosten der Revision zu tragen.\n\nDer Streitwert für die Revisionsinstanz wird auf 69.000 DM\n\n(35.279,14 €) festgesetzt.\n\nGründe:\n\nDie Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung und die Revision\n\nim Ergebnis keine Aussicht auf Erfolg (§ 554 b ZPO a.F.).\n\n1. Die Bürgschaft ist nicht schon deshalb gemäß § 138 Abs. 1 BGB\n\nnichtig, weil der Beklagte, der als Mönch das Armutsgelübde abgelegt hat, da-\n\ndurch finanziell kraß überfordert wurde. Die für Gesellschafterbürgschaften\n\ngeltenden Grundsätze (BGHZ 137, 329 ff; BGH, Urt. v. 18. September 2001\n\n- IX ZR 183/00, WM 2001, 2156, 2157) kommen bei Krediten an gemeinnützige\n\nGesellschaften mit beschränkter Haftung ebenfalls zur Anwendung. Auch dort\n\ndarf der Gläubiger grundsätzlich annehmen, dem Gesellschafterbürgen sei es\n\npersönlich wichtig, daß die Gesellschaft ihre Aufgaben erfüllen kann und nicht\n\ninsolvent wird. Darin ist das eigene wirtschaftliche Interesse des Gesellschaf-\n\nters zu sehen; auf eine Absicht, Gewinn zu erzielen, kommt es nicht an. Infol-\n\ngedessen brauchte sich das Kreditinstitut mit der eigenen finanziellen Lei-\n\nstungsfähigkeit des Beklagten nicht zu befassen.\n\n2. Das angefochtene Urteil hat jedoch Bestand, weil der Vertreter der\n\nKlägerin den Beklagten über das mit der Bürgschaft verbundene Risiko unzu-\n\ntreffend informiert, insbesondere nicht darauf hingewiesen hat, daß die Aus-\n\nfallbürgschaft die volle Haftung des Beklagten nicht einschränkt (vgl. BGHZ 73,\n\n94, 96 f; BGH, Urt. v. 18. Oktober 1978 - VIII ZR 278/77, NJW 1979, 646).\n\nNach der Rechtsprechung des IX. und des XI. Zivilsenats des Bundesgerichts-\n\nhofs ist die Bürgschaft einer finanziell überforderten Person in der Regel ge-\n\nmäß § 138 Abs. 1 BGB nichtig, wenn der Gläubiger das den Bürgen treffende\n\nRisiko schuldhaft verharmlost hat; denn der Bürge wird dadurch in seiner Ent-\n\nschließungsfreiheit beeinträchtigt (vgl. BGHZ 120, 272, 277; 125, 206, 218;\n\nBGH, Urt. v. 24. Februar 1994 - IX ZR 227/93, WM 1994, 680, 682 ff; v.\n\n6. Oktober \n\n1998\n\n- XI ZR 244/97, WM 1998, 2366, 2367). In diesem Punkt ist auch der finanziell\n\nüberforderte Gesellschafterbürge schutzwürdig (vgl. BGH, Urt. v. 16. Januar\n\n1997 - IX ZR 250/95, WM 1997, 511, 513).\n\nKreft Kirchhof Fischer\n\n Ganter Kayser","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2000/IX_ZR_153-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-02-28/ix-zr-153-00","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 138","ref_norm":"138","n":2}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2000/IX_ZR_153-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2000/IX_ZR_153-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-02-28/ix-zr-153-00","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IX_ZS/2000/IX_ZR_153-00.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 12:55:55.795668+00:00"}}