{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/IV_ZS/2005/IV_ZR_160-05","ecli":null,"court":"BGH","senate":"IV. Zivilsenat","decided":"2007-05-09","aktenzeichen":"IV ZR 160/05","doktyp":"Urteile","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nIV ZR 160/05\n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n9. Mai 2007 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat durch den Vorsit-\n\nzenden Richter Terno, die Richter Dr. Schlichting, Wendt, die Richterin \n\nDr. Kessal-Wulf und den Richter Felsch \n\nam 9. Mai 2007 \n\nbeschlossen: \n\n1. Die Revision des Klägers gegen das Urteil des 10. Zi-\n\nvilsenats des Oberlandesgerichts Koblenz vom 24. Juni \n\n2005 wird zugelassen. \n\n2. Gemäß § 544 Abs. 7 ZPO wird das vorgenannte Urteil \n\naufgehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung \n\nund Entscheidung, auch über die Kosten des Revisi-\n\nonsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwie-\n\nsen. \n\nStreitwert: 72.723,87 €. \n\nGründe:\n\n1 \n\n1. Es verletzt bereits den Anspruch des Klägers auf rechtliches \n\nGehör (Art. 103 Abs. 1 GG), dass das Berufungsgericht den gerichtlich \n\nbestellten Sachverständigen Prof. Dr. W. entgegen dem Antrag des \n\nKlägers nicht zur ergänzenden Erläuterung seines schriftlichen Gutach-\n\ntens vom 30. Juli 2004 vorgeladen und angehört hat. Nach ständiger \n\nRechtsprechung ist es ungeachtet der nach § 411 Abs. 3 ZPO zu tref-\n\nfenden Ermessensentscheidung darüber, ob das Gericht einen Gutachter \n\nvon Amts wegen zur mündlichen Anhörung lädt, das Recht jeder Pro-\n\nzesspartei aus den §§ 397, 402 ZPO, zur Gewährleistung ihres rechtli-\n\nchen Gehörs einen Sachverständigen zu seinem schriftlichen Gutachten \n\nmündlich befragen zu können (vgl. u.a. BGHZ 6, 398, 400 f.; 24, 9, 14; \n\nBGH, Urteile vom 7. Oktober 1997 - VI ZR 252/96 - NJW 1998, 162 unter \n\nII 2 a; vom 22. Mai 2001 - VI ZR 268/00 - VersR 2002, 120 unter II 2 c, \n\njeweils m.w.N). Schon deshalb hätte das Berufungsgericht dem entspre-\n\nchenden Antrag des Klägers vom 2. November 2004 stattgeben und den \n\nSachverständigen ergänzend anhören müssen. \n\n2 \n\n2. Hierzu hätte im Übrigen auch wegen der Privatgutachten der \n\nden Kläger behandelnden Ärzte Dr. H. , mit dessen Stellungnahme sich \n\ndas Berufungsurteil an keiner Stelle auseinandersetzt, und Dr. F. \n\nbesonderer Anlass bestanden. Auch deshalb steht das Vorgehen des Be-\n\nrufungsgerichts im Widerspruch zu ständiger Rechtsprechung des Bun-\n\ndesgerichtshofs (vgl. u.a. Urteil vom 10. Dezember 1991 - VI ZR 234/90 - \n\nVersR 1992, 722 unter II 2 m.w.N.). Denn das insoweit nach § 411 \n\nAbs. 3 ZPO eröffnete Ermessen des Tatrichters ist dahin gehend auszu-\n\nüben, dass vorhandene Aufklärungsmöglichkeiten zur Beseitigung von \n\nZweifeln und Unklarheiten eines gerichtlich eingeholten Gutachtens nicht \n\nungenutzt bleiben dürfen (BGH aaO m.w.N.). Besonderer Anlass zur \n\nAuseinandersetzung mit dem Privatgutachten des Arztes Dr. H. be-\n\nstand hier deshalb, weil der weitere vom Gericht beauftragte Sachver-\n\nständige PD Dr. E. le sich einerseits mangels zeitnaher Feststellungen \n\nzum zurückliegenden Krankheitsverlauf der Schmerzsymptomatik des \n\nKlägers nicht imstande gesehen hatte, eine eigene Aussage über das \n\nMaß der Berufsunfähigkeit des Klägers in der Vergangenheit zu treffen, \n\nandererseits aber dem privaten Gutachten von Dr. H. in Fragen der \n\nDiagnose und Therapie weitgehend beigetreten war. Darüber hinaus er-\n\nscheint es denkbar, dass Dr. H. infolge zeitnaherer Feststellungen \n\nzum Krankheitsverlauf des Klägers überlegene Erkenntnismöglichkeiten \n\nzu dessen Befinden in der Vergangenheit besaß. Ebenso trifft das auf \n\ndas ebenfalls vom Kläger vorgelegte private Gutachten des behandeln-\n\nden Arztes Dr. F. zu, der den Kläger seit November 2003 kennt. \n\nTerno Dr. Schlichting Wendt \n\n Dr. Kessal-Wulf Felsch \n\nVorinstanzen: \n\nLG Trier, Entscheidung vom 26.06.2002 - 4 O 85/00 - \nOLG Koblenz, Entscheidung vom 24.06.2005 - 10 U 974/02 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IV_ZS/2005/IV_ZR_160-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-05-09/iv-zr-160-05","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 411","ref_norm":"411","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 397","ref_norm":"397","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 402","ref_norm":"402","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IV_ZS/2005/IV_ZR_160-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IV_ZS/2005/IV_ZR_160-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2007-05-09/iv-zr-160-05","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IV_ZS/2005/IV_ZR_160-05.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 21:41:20.595820+00:00"}}