{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/II_ZS/2008/II_ZR__52-08","ecli":null,"court":"BGH","senate":"II. Zivilsenat","decided":"2008-09-01","aktenzeichen":"II ZR 52/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nII ZR 52/08 \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n1. September 2008 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nDer II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat am 1. September 2008 \n\ndurch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Goette und die Richter Kraemer, \n\nDr. Strohn, Caliebe und Dr. Reichart \n\neinstimmig beschlossen: \n\nDer Antrag des Beklagten auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe \n\nfür das Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren wird abgelehnt. \n\nGründe: \n\n1 \n\nDas Gesuch des Beklagten auf Gewährung von Prozesskostenhilfe bleibt \n\nohne Erfolg, weil die besonderen Voraussetzungen des § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO \n\nnicht vorliegen. Zwar besteht Masseunzulänglichkeit (§ 116 Satz 1 Nr. 1, \n\n1. Halbsatz ZPO). Jedoch ist den am Gegenstand des Rechtsstreits wirtschaft-\n\nlich Beteiligten zuzumuten, die Prozesskosten aufzubringen (§ 116 Satz 1 Nr. 1, \n\n2. Halbsatz ZPO). \n\n2 \n\nVorschüsse auf die Prozesskosten sind nur solchen Beteiligten zuzumu-\n\nten, die die erforderlichen Mittel unschwer aufbringen können und für die der zu \n\nerwartende Nutzen bei vernünftiger, auch das Eigeninteresse sowie das Pro-\n\nzesskostenrisiko angemessen berücksichtigender Betrachtungsweise bei einem \n\nErfolg der Rechtsverfolgung voraussichtlich deutlich größer sein wird (Senat, \n\nBeschl. v. 6. Dezember 2007 - II ZA 12/07, Zit. nach juris Tz. 2; Beschl. v. \n\n6. März 2006 - II ZB 11/05, ZIP 2006, 682, 683; BGH, Beschl. v. 27. September \n\n1990 - IX ZR 250/89, ZIP 1990, 1490; BAG, Beschl. v. 28. April 2003 \n\n- 2 AZB 78/02, ZIP 2003, 1947, 1948). \n\n3 \n\n4 \n\nDiese Voraussetzungen liegen bei den am Insolvenzverfahren beteiligten \n\nGläubigern der Schuldnerin nach den eigenen Angaben des Antragstellers vor. \n\nDass die Prozessführung auch dazu dient, der Insolvenzmasse Mittel zur \n\nAufbringung der Verwaltervergütung zu verschaffen, rechtfertigt keine abwei-\n\nchende Beurteilung. Gegenteiliges lässt sich der von dem Antragsteller heran-\n\ngezogenen höchstrichterlichen Rechtsprechung (BGH, Beschl. v. 15. Januar \n\n1998 - IX ZB 122/97, ZIP 1998, 297, 298; Beschl. v. 18. September 2003 \n\n- IX ZB 460/02, ZIP 2003, 2036; Beschl. v. 14. Juli 2005 - IX ZB 224/04, \n\nZIP 2005, 1519) nicht entnehmen. Danach ist es allerdings dem Insolvenzver-\n\nwalter ausnahmslos nicht zuzumuten, die Kosten eines Rechtsstreits selbst \n\naufzubringen, den er im Interesse der Masse führt; der Insolvenzverwalter ist \n\nnicht \"wirtschaftlich Beteiligter\" i.S.v. § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO, und zwar auch \n\ndann nicht, wenn durch die Prozessführung nur die Verfahrenskosten und die \n\nVerwaltervergütung eingebracht werden sollen. \n\n5 \n\nDies ändert jedoch nichts daran, dass es - wie der Antragsteller ein-\n\nräumt - hier den am Gegenstand des Rechtsstreits wirtschaftlich beteiligten In-\n\nsolvenzgläubiger zuzumuten ist, die Prozesskosten zu finanzieren. Wirtschaft-\n\nlich betrachtet geht es in diesem Rechtsstreit um die Durchsetzung einer Insol-\n\nvenzforderung einschließlich Zinsen von rund 400.000,00 €, die die vom An-\n\ntragsteller bezifferten Verfahrenskosten, Masseverbindlichkeiten und Verwalter-\n\nvergütung bei weitem übersteigt. Für die Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist \n\ndeshalb kein Raum (§ 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO). \n\nGoette \n\nKraemer \n\nStrohn \n\nCaliebe \n\nReichart \n\nVorinstanzen: \n\nLG München I, Entscheidung vom 12.06.2007 - 20 O 1947/07 - \n\nOLG München, Entscheidung vom 29.01.2008 - 9 U 3939/07 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/II_ZS/2008/II_ZR__52-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-09-01/ii-zr-52-08","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 116","ref_norm":"116","n":3}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/II_ZS/2008/II_ZR__52-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/II_ZS/2008/II_ZR__52-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2008-09-01/ii-zr-52-08","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/II_ZS/2008/II_ZR__52-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 18:49:12.486420+00:00"}}