{"status":"available","doknr":"BGH-Zivilsenate/III_ZS/2008/III_ZR_200-08","ecli":null,"court":"BGH","senate":"III. Zivilsenat","decided":"2009-04-09","aktenzeichen":"III ZR 200/08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"GVG § 13; BRRG § 46 Abs. 1, § 126 Abs. 2; BeamtStG §§ 48, 54 Abs.1 Die Vorschriften über die Schadensersatzansprüche des Dienstherrn nach den Beamtengesetzen regeln die Haftung des Beamten im Innenverhältnis ab- schließend und lassen den Rückgriff auf die Vorschriften des allgemeinen Rechts, insbesondere auch auf die deliktsrechtlichen Anspruchsgrundlagen des bürgerlichen Rechts nicht zu. Zur Entscheidung über diese Ansprüche sind gemäß § 126 Abs. 2 BRRG bzw. § 54 Abs. 1 BeamtStG die Verwaltungs- gerichte berufen (im Anschluss an BVerwG NVwZ 1999, 77; 1996, 182).","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF \n\nBESCHLUSS \n\nvom \n\n9. April 2009 \n\nin dem Rechtsstreit \n\nIII ZR 200/08\n\nNachschlagewerk: \n\nja \n\nBGHZ: \n\nBGHR: \n\nnein \n\nja \n\nGVG § 13; BRRG § 46 Abs. 1, § 126 Abs. 2; BeamtStG §§ 48, 54 Abs.1 \n\nDie Vorschriften über die Schadensersatzansprüche des Dienstherrn nach den \n\nBeamtengesetzen regeln die Haftung des Beamten im Innenverhältnis ab-\n\nschließend und lassen den Rückgriff auf die Vorschriften des allgemeinen \n\nRechts, insbesondere auch auf die deliktsrechtlichen Anspruchsgrundlagen \n\ndes bürgerlichen Rechts nicht zu. Zur Entscheidung über diese Ansprüche \n\nsind gemäß § 126 Abs. 2 BRRG bzw. § 54 Abs. 1 BeamtStG die Verwaltungs-\n\ngerichte berufen (im Anschluss an BVerwG NVwZ 1999, 77; 1996, 182). \n\nBGH, Beschluss vom 9. April 2009 - III ZR 200/08 - OLG Brandenburg \n\n LG Potsdam \n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 9. April 2009 durch den \n\nVorsitzenden Richter Schlick und die Richter Dr. Herrmann, Wöstmann, Hucke \n\nund Seiters \n\nbeschlossen: \n\nDie Beschwerde des Beklagten gegen die Nichtzulassung der Re-\n\nvision in dem Urteil des 5. Zivilsenats des Brandenburgischen \n\nOberlandesgerichts vom 31. Juli 2008 - 5 U 176/06 - wird zurück-\n\ngewiesen. \n\nDie Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Beklagte zu tra-\n\ngen. \n\nStreitwert: 75.000 € \n\nGründe:\n\n1 \n\n2 \n\nDie Rechtssache hat weder grundsätzliche Bedeutung noch erfordern die \n\nRechtsfortbildung oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine \n\nEntscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 ZPO). \n\nInsbesondere macht die Beschwerde im Ergebnis zu Unrecht geltend, \n\ndas Berufungsurteil sei bereits deshalb aufzuheben, weil die Vorinstanzen ver-\n\nfahrensfehlerhaft über die Zulässigkeit des Rechtswegs durch Endurteil und \n\nnicht gemäß § 17a Abs. 3 Satz 2 GVG im Vorabverfahren entschieden hätten. \n\n3 \n\nAllerdings ist die Annahme des Berufungsgerichts, der Rechtsweg zu \n\nden ordentlichen Gerichten sei zulässig, der Sache nach unzutreffend. Für die \n\nBeurteilung, ob ein Rechtsstreit bürgerlich- oder öffentlich-rechtlichen Charakter \n\nhat, ist die wahre Natur des geltend gemachten Anspruchs maßgeblich, wie er \n\nsich nach dem Sachvortrag des Klägers darstellt, unabhängig davon, ob dieser \n\neine zivil- oder öffentlich-rechtliche Anspruchsgrundlage für einschlägig hält \n\n(z.B.: Senatsbeschlüsse BGHZ 162, 78, 80 und vom 17. September 2008 \n\n- III ZB 19/08 - WM 2008, 2153 Rn. 9 jew. m.w.N.). Deshalb ist es entgegen der \n\nAnsicht des Berufungsgerichts unbeachtlich, dass sich die Klägerin zur Begrün-\n\ndung ihres Anspruchs auf § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 266 Abs. 1 StGB bezogen \n\nhat. Der Schadensersatzanspruch des Dienstherrn gegen einen Beamten ist \n\nnach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ausschließlich öf-\n\nfentlich-rechtlicher Natur. Die Vorschriften über die Schadensersatzansprüche \n\ndes Dienstherrn nach den Beamtengesetzen (hier: § 44 Abs. 1 BbgLBG; siehe \n\nauch die inhaltsgleichen § 46 Abs. 1 BRRG bzw. - seit 1. April 2009 - § 48 \n\nBeamtStG und § 75 Abs. 1 BBG in der ab dem 12. Februar 2009 geltenden \n\nFassung = § 78 Abs. 1 BBG a.F.) regeln die Haftung des Beamten im Innenver-\n\nhältnis abschließend und lassen den Rückgriff auf die Vorschriften des allge-\n\nmeinen Rechts, insbesondere auch auf die deliktsrechtlichen Anspruchsgrund-\n\nlagen des bürgerlichen Rechts, nicht zu (BVerwG NVwZ 1999, 77, 78 m.w.N. zu \n\n§ 78 BBG a.F.; BVerwG NVwZ 1996, 182, 183 zu § 78 BBG a.F., § 34 ZDG und \n\n§ 24 SG; so auch OVG Rheinland-Pfalz NVwZ-RR 2005, 477, 478; OVG Nordh-\n\nein-Westfalen, Urteil vom 10. Februar 2000 - 12 A 739/97 - juris Rn. 6 zu den \n\njeweiligen Landesbeamtengesetzen; siehe ferner BVerwGE 52, 255, 256). Zur \n\nEntscheidung über diese Ansprüche sind die Verwaltungsgerichte berufen \n\n(§ 126 Abs. 2 BRRG bzw. § 54 Abs. 1 BeamtStG). \n\n4 \n\nIndes ist die Zulässigkeit des beschrittenen Rechtswegs gemäß § 17a \n\nAbs. 5 GVG nicht mehr zu prüfen. Diese Vorschrift käme zwar dann nicht zur \n\nAnwendung, wenn es die Vorinstanzen versäumt hätten, nach einer rechtzeitig \n\nerhobenen Rüge das nach § 17a Abs. 3 Satz 2 GVG zwingende Vorabent-\n\nscheidungsverfahren einzuleiten (z.B.: BGHZ 121, 367, 370 f; 132, 245, 247; \n\nBGH, Beschluss vom 18. September 2008 - V ZB 40/08 - NJW 2008, 3572, \n\n3573 Rn. 12; Urteil vom 18. November 1998 - VIII ZR 269/97 - NJW 1999, 651 \n\njew. m.w.N.). Dies ist hier jedoch nicht der Fall. Für die Rüge nach § 17a Abs. 3 \n\nSatz 2 GVG gilt § 282 Abs. 3 ZPO (BGHZ 121, 367, 369; BGH, Urteil vom \n\n18. November 1998 aaO; MünchKommZPO/Zimmermann, 3. Aufl., § 17a \n\nRn. 12; Musielak/Wittschier, ZPO, 6. Aufl., § 17a Rn. 12; Zöller/Lückemann, \n\nZPO, 27. Aufl., § 17a Rn. 6). Der Beklagte hat - ebenso wie der frühere Beklag-\n\nte zu 2 - Einwendungen gegen die Zulässigkeit des beschrittenen Rechtswegs \n\nnicht innerhalb der ihm gesetzten Klageerwiderungsfrist vorgebracht (§ 282 \n\nAbs. 3 Satz 2 ZPO). Vielmehr hat er eine - zudem unklar gefasste - Rüge erst \n\nmehrere Monate nach Fristablauf erhoben, nachdem das Landgericht auf Be-\n\ndenken gegen seine Rechtswegzuständigkeit hingewiesen hatte. \n\n5 \n\nDas Unterlassen der rechtzeitigen Rüge führt zwar nicht zum Rügever-\n\nzicht nach § 295 ZPO. Jedoch muss das Gericht nicht mehr nach § 17a Abs. 3 \n\nSatz 2 GVG zwingend vorab über die Zulässigkeit des beschrittenen Rechts-\n\nwegs entscheiden. Vielmehr greift Satz 1 dieser Bestimmung ein, wonach eine \n\nsolche Entscheidung im pflichtgemäßen Ermessen des Gerichts liegt (Münch-\n\nKommZPO/Zimmermann und Musielak/Lückemann jew. aaO). \n\n6 \n\nDa das Landgericht das - ihm hiernach freigestellte - Vorabverfahren \n\nnicht eingeleitet hat, war bereits das Oberlandesgericht nicht mehr befugt, das \n\nlandgerichtliche Urteil auf die Zulässigkeit des beschrittenen Rechtswegs hin zu \n\nüberprüfen (§ 17a Abs. 5 GVG). \n\n7 \n\nVon einer weiteren Begründung sieht der Senat gemäß § 544 Abs. 4 \n\nSatz 2, 2. Halbsatz ZPO ab. \n\nSchlick \n\nHerrmann \n\n Wöstmann \n\nHucke \n\nSeiters \n\nVorinstanzen: \n\nLG Potsdam, Entscheidung vom 23.08.2006 - 6 O 476/05 - \n\nOLG Brandenburg, Entscheidung vom 31.07.2008 - 5 U 176/06 -","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/III_ZS/2008/III_ZR_200-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-04-09/iii-zr-200-08","cited_norms":[{"jurabk":"GVG","ref":"§ 17a","ref_norm":"17a","n":6},{"jurabk":"BBG 2009","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 282","ref_norm":"282","n":2},{"jurabk":"BRRG","ref":"§ 126","ref_norm":"126","n":2},{"jurabk":"BeamtStG","ref":"§ 54","ref_norm":"54","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 295","ref_norm":"295","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"BBG 2009","ref":"§ 75","ref_norm":"75","n":1},{"jurabk":"ErsDiG","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1},{"jurabk":"BeamtStG","ref":"§ 48","ref_norm":"48","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 823","ref_norm":"823","n":1},{"jurabk":"SG","ref":"§ 24","ref_norm":"24","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 266","ref_norm":"266","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/III_ZS/2008/III_ZR_200-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/III_ZS/2008/III_ZR_200-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2009-04-09/iii-zr-200-08","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/III_ZS/2008/III_ZR_200-08.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 19:26:53.168357+00:00"}}