{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"5. Strafsenat","decided":"2000-02-08","aktenzeichen":"5 ARs 3/00","doktyp":"Beschluß","leitsatz":null,"text_plain":"5 ARs 3/00\n\nBUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\nvom 8. Februar 2000\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen schweren Bandendiebstahls u. a.\n\nDer 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 8. Februar 2000 durch die\n\nVorsitzende Richterin Harms, die Richter Häger, Basdorf, Nack und die\n\nRichterin Dr. Gerhardt beschlossen:\n\nDer Senat stimmt dem vom 3. Strafsenat im Tenor des Anfragebe-\n\nschlusses vom 22. Dezember 1999 – 3 StR 339/99 – genannten\n\nRechtssatz zu.\n\nDer Senat teilt die Ansicht des 3. Strafsenates zur Auslegung der Vorschrif-\n\nten des § 244 Abs. 1 Nr. 2 und des § 244a Abs. 1 i.V.m. § 243 Abs. 1\n\nSatz 2 StGB.\n\nEntgegenstehende Entscheidungen betreffend die genannten Vorschriften\n\nhat der Senat – soweit ersichtlich – nicht getroffen. Er hat vielmehr – bei ei-\n\nner Entscheidung zum Bandenraub auf der Grundlage der Vorschriften des\n\nStrafgesetzbuchs vor dem 6. Gesetz zur Reform des Strafrechts – ausdrück-\n\nlich dahingestellt sein lassen, „ob – uneingeschränkt – der Rechtsprechung\n\ndes Bundesgerichtshofs zu folgen ist, wonach ein bandenmäßig begangener\n\nRaub gem. § 250 Abs. 1 Nr. 4 StGB (und gleichermaßen ein Bandendieb-\n\nstahl gem. § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB) zur Voraussetzung hat, daß der Täter an\n\nder Tat unmittelbar mitgewirkt, also mit anderen Bandenmitgliedern örtlich\n\nund \n\nzeitlich \n\nzusammengewirkt \n\nhat“ \n\n(BGH, \n\nBeschluß \n\nvom\n\n19. März 1997 – 5 StR 18/97 – ). Ferner hat der Senat bei der Auslegung der\n\nparallel gestalteten Vorschrift des § 373 Abs. 2 Nr. 3 AO, wonach der Täter\n\nals Mitglied einer Bande unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitgliedes\n\ndie Tat ausgeführt haben muß, im Interesse einer Harmonisierung der bishe-\n\nrigen Auslegung der Vorschriften zum Bandendiebstahl und Bandenraub die\n\nrestriktive Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auf die genannte Vor-\n\nschrift der Abgabenordnung übertragen, dabei jedoch an seine Bedenken\n\naus der zuletzt genannten Entscheidung erinnert (BGHR AO § 373 Abs. 2\n\nNr. 3 – Schmuggel, bandenmäßiger 1). Der Senat würde diese Rechtspre-\n\nchung im Interesse einer einheitlichen Behandlung aller Fälle aufgeben, in\n\ndenen das Strafrecht die Täterschaft eines Bandenmitglieds unter Mitwirkung\n\neines anderen Bandenmitglieds voraussetzt.\n\nZudem merkt der Senat dreierlei an:\n\nIn erster Linie erscheint eine einheitliche Auslegung aller Bandenvorschriften\n\ndes Strafrechts einschließlich des Nebenstrafrechts erstrebenswert.\n\nÜber die Intentionen des Anfragebeschlusses hinausgehend, neigt der Senat\n\nzu der Ansicht, daß diejenigen Bandenvorschriften, die die Mitwirkung eines\n\n(so jeweils das Gesetz) anderen Bandenmitglieds zum Tatbestandsmerkmal\n\nhaben (§ 244 Abs. 1 Nr. 2, § 244a Abs. 1 i.V.m. § 243 Abs. 1 Satz 2, § 250\n\nAbs. 1 Nr. 2 StGB; § 52a Abs. 2 Satz 2 WaffG; § 22a Abs. 2 KWKG; § 373\n\nAbs. 2 Nr. 3 AO), nicht voraussetzen, daß die Tat von mindestens zwei (so\n\ndie bisherige Rechtsprechung) Bandenmitgliedern in zeitlichem und örtlichem\n\nZusammenwirken am sogenannten Tatort begangen worden ist. Die Bedeu-\n\ntung des Tatbestandsmerkmals „unter Mitwirkung eines anderen Bandenmit-\n\nglieds“ dürfte sich darin erschöpfen, diejenigen Fälle auszuscheiden, in de-\n\nnen ein Bandenmitglied allein oder einzig unter Mitwirkung von Bandenfrem-\n\nden handelt. Andernfalls müßte im Interesse effektiver Bekämpfung moder-\n\nner Kriminalitätsstrukturen eine andere Auslegung des Mitwirkungsbegriffs\n\ngefunden werden als von der bisherigen Rechtsprechung.\n\nSchließlich ist darauf hinzuweisen, daß die bisherige Rechtsprechung zu\n\ndem vorliegenden Problem einen besonders engen Begriff des Tatortes ver-\n\nwendet, der dem Strafrecht sonst fremd ist, insbesondere von der gesetzli-\n\nchen Definition des Tatortes in § 9 StGB abweicht.\n\nHarms Häger Basdorf\n\nNack Gerhardt","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-02-08/5-ars-3-00","cited_norms":[{"jurabk":"StGB","ref":"§ 250","ref_norm":"250","n":2},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 373","ref_norm":"373","n":2},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 9","ref_norm":"9","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 243","ref_norm":"243","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 244","ref_norm":"244","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-02-08/5-ars-3-00","retrieved":"2026-07-10 10:58:00.191309+00:00"},"card":{"id":"bgh/2000-02-08/5-ars-3-00","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"5. 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