{"status":"available","doknr":"BGH-Strafsenate/4_StS/2000/4_StR__24-00A","ecli":null,"court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"2000-05-30","aktenzeichen":"4 StR 24/00","doktyp":"Beschlüsse","leitsatz":"StPO § 397 a Abs. 1 Satz 1 StPO Die wirksam vorgenommene Bestellung eines Beistands nach § 397 a Abs. 1 Satz 1 StPO erstreckt sich auf die Hauptverhandlung vor dem Revisionsgericht.","text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\n4 StR 24/00\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n30. Mai 2000\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nwegen Zuhälterei u.a.\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. Mai 2000 beschlossen:\n\nDer Nebenklägerin Katarzyna P. wird Rechtsanwältin Heidi\n\nS. aus Bielefeld als Beistand bestellt.\n\nGründe:\n\nDer Nebenklägerin ist auf ihren Antrag Rechtsanwältin Heidi S. \n\nals Beistand zu bestellen, da die Voraussetzungen des § 397 a Abs. 1 Satz 1\n\nStPO i.V.m. § 395 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a StPO vorliegen.\n\nEiner ausdrücklichen Bestellung auch für die Hauptverhandlung vor dem\n\nSenat am 30. Mai 2000 bedarf es - ebenso wie in dem entsprechend § 237\n\nStPO zur gemeinsamen Verhandlung verbundenen Verfahren 4 StR 25/00, in\n\ndem bereits das Landgericht Rechtsanwältin Heidi S. als Beistand der-\n\nselben Nebenklägerin bestellt hat - nicht. Die Bestellung als Beistand gemäß\n\n§ 397 a Abs. 1 Satz 1 StPO gilt vielmehr stets auch für den Fall einer Haupt-\n\nverhandlung vor dem Revisionsgericht (offengelassen in BGH NStZ 2000, 218,\n\n219; a.A. Senge in KK 4. Aufl. § 397 a Rdn. 1 d); denn sie wirkt über die jewei-\n\nlige Instanz hinaus bis zum rechtskräftigen Abschluß des Verfahrens und er-\n\nstreckt sich somit auch auf das Revisionsverfahren (vgl. neben der zitierten\n\nEntscheidung BGHR StPO § 397 a Abs. 1 Beistand 2; BGH, Beschlüsse vom\n\n31. August 1999 - 1 StR 367/99, 21. September 1999 - 5 StR 408/99,\n\n8. Oktober 1999 - 4 StR 344/99 und 9. Februar 2000 - 5 StR 612/99; OLG Düs-\n\nseldorf NStZ-RR 2000, 148, 149). Eine solche umfassende Wirkung der Be-\n\nstellung ergibt sich nämlich unmittelbar aus § 397 a Abs. 1 StPO, der anders\n\nals Absatz 2 der Vorschrift nicht auf § 119 Abs. 1 Satz 1 ZPO verweist. Ein\n\nGrund, von dieser Rechtsfolge eine Ausnahme für die Revisionshauptver-\n\nhandlung zu machen, ist der Strafprozeßordnung nicht zu entnehmen.\n\nAllerdings ist die Rechtslage anders, wenn der Vorsitzende des Tatge-\n\nrichts (§ 141 Abs. 4 StPO) einen Pflichtverteidiger bestellt hat; diese Beiord-\n\nnung gilt - wie sich schon aus § 350 Abs. 3 StPO ergibt - nicht für die Mitwir-\n\nkung in der Hauptverhandlung vor dem Revisionsgericht (BGHSt 19, 258; BGH\n\nNJW 1984, 2480, 2481; Hanack in Löwe/Rosenberg StPO 25. Aufl. § 350\n\nRdn. 8 m.w.N.). Erst der Vorsitzende des Revisionsgerichts entscheidet, sofern\n\nnicht die Voraussetzungen des § 350 Abs. 3 StPO vorliegen, auf der Grundla-\n\nge des § 140 Abs. 2 StPO, ob dem Angeklagten für diese Verhandlung ein\n\nVerteidiger beigeordnet werden muß (vgl. näher BVerfG NJW 1978, 151; NStZ\n\n1984, 82; Kleinknecht/Meyer-Goßner StPO 44. Aufl. § 350 Rdn. 6 ff.; Laufhütte\n\nin KK 4. Aufl. § 140 Rdn. 6). Auf die Schwierigkeit der Sach- oder Rechtslage\n\nvor dem Tatrichter kommt es hierbei nicht an; vielmehr ist im Revisionsverfah-\n\nren aufgrund des jeweiligen Verfahrensstandes neu zu prüfen, ob bei Berück-\n\nsichtigung der Besonderheiten dieses Rechtsmittels auch in der Revisions-\n\nhauptverhandlung noch ein Fall notwendiger Verteidigung gegeben ist (BGHSt\n\n19, 258, 260; BGH NStZ 1997, 299; Kuckein in KK 4. Aufl. § 350 Rdn. 12).\n\nDie Bestellung eines Beistandes gemäß § 397 a Abs. 1 Satz 1 StPO\n\nhängt jedoch nicht davon ab, ob wertungsbedürftige, nach dem jeweiligen\n\nStand des Verfahrens zu prüfende Voraussetzungen erfüllt sind. Vielmehr ist\n\nder Beistand nach § 397 a Abs. 1 Satz 1 StPO auf Antrag schon dann zu be-\n\nstellen, wenn die Berechtigung zum Anschluß als Nebenkläger auf § 395\n\nAbs. 1 Nr. 1 Buchst. a (oder Nr. 2) StPO beruht und die zum Anschluß berech-\n\ntigende Tat ein Verbrechen ist. Hierbei ist die Frage, ob der Nebenkläger durch\n\ndie abschließend aufgezählten rechtswidrigen Taten verletzt ist, stets zu beja-\n\nhen, wenn auch nur die geringe Möglichkeit besteht, daß der Angeklagte eine\n\nsolche Straftat begangen hat \n\n(BGH NJW 1999, 2380; Hilger \n\nin\n\nLöwe/Rosenberg StPO 25. Aufl. § 397 a Rdn. 5; Kleinknecht/Meyer-Goßner\n\naaO § 395 Rdn. 4, § 396 Rdn. 10 m.w.N., § 397 a Rdn. 4).\n\nDie wirksam vorgenommene Bestellung eines Beistands nach § 397 a\n\nAbs. 1 Satz 1 StPO erstreckt sich daher auf die Hauptverhandlung vor dem\n\nRevisionsgericht. Dieses Ergebnis entspricht dem Gebot der Prozeßökonomie\n\nsowie dem Grundsatz der Rechtsklarheit und Rechtssicherheit im Verfahrens-\n\nrecht (vgl. BGH NJW 1999, 1647); die Verteidigungsposition des Angeklagten\n\nwird hierdurch nicht beeinträchtigt (§ 140 Abs. 2 Satz 1 StPO).\n\nMeyer-Goßner Tolksdorf Kuckein\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:11)(cid:0)(cid:13)(cid:12)(cid:14)(cid:1)(cid:16)(cid:15)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:7)(cid:20)(cid:1)(cid:20)(cid:21)(cid:22)(cid:5)(cid:24)(cid:23)\n\n(cid:25)(cid:27)(cid:26)(cid:28)(cid:7)(cid:10)(cid:29)(cid:19)(cid:30)(cid:31)(cid:17)(cid:19)(cid:7)(cid:22)(cid:7)\n\nNachschlagewerk: ja\n\nBGHSt: nein\n\nVeröffentlichung: ja\n\n____________________\n\nStPO § 397 a Abs. 1 Satz 1 StPO\n\nDie wirksam vorgenommene Bestellung eines Beistands nach § 397 a Abs. 1\n\nSatz 1 StPO erstreckt sich auf die Hauptverhandlung vor dem Revisionsgericht.\n\nBGH, Beschl. vom 30. Mai 2000 - 4 StR 24/00 - LG Paderborn","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/2000/4_StR__24-00A.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-05-30/4-str-24-00-2","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 397a","ref_norm":"397a","n":8},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 350","ref_norm":"350","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 140","ref_norm":"140","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 395","ref_norm":"395","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 141","ref_norm":"141","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 119","ref_norm":"119","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 237","ref_norm":"237","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/2000/4_StR__24-00A.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/2000/4_StR__24-00A.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-05-30/4-str-24-00-2","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/2000/4_StR__24-00A.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 11:09:18.387869+00:00"}}