{"status":"available","doknr":"BGH-Strafsenate/4_StS/1999/4_StR_446-99","ecli":null,"court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"2000-02-22","aktenzeichen":"4 StR 446/99","doktyp":"Beschlüsse","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\n4 StR 446/99\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n22. Februar 2000\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nwegen sexueller Nötigung\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbun-\n\ndesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 22. Februar\n\n2000 einstimmig beschlossen:\n\nDie Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landge-\n\nrichts Neubrandenburg vom 1. März 1999 wird als unbegründet\n\nverworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revi-\n\nsionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Ange-\n\nklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO). Jedoch wird der\n\nSchuldspruch dahin berichtigt, daß der Angeklagte der Verge-\n\nwaltigung in vier Fällen und der sexuellen Nötigung in drei Fäl-\n\nlen schuldig ist; denn das in den Fällen II 2. a, b, e und g der\n\nUrteilsgründe verwirklichte Regelbeispiel ist auch im Urteilstenor\n\nals ”Vergewaltigung” zu bezeichnen (vgl. BGH NJW 1998, 2987;\n\nBGH, Beschlüsse vom 26. Mai 1998 – 4 StR 184/98 - und vom\n\n20. Mai 1999 - 4 StR 168/99).\n\nZu der Besetzungsrüge (§ 338 Nr. 1 StPO) bemerkt der Senat\n\nergänzend:\n\nDie Rüge bleibt unbeschadet der Frage, ob sie den Anforderun-\n\ngen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO genügt, jedenfalls deshalb\n\nohne Erfolg, weil nicht dargetan ist, daß die Wahl der Hilfs-\n\nschöffen bei dem Landgericht Neubrandenburg an einem be-\n\nsonders schwer wiegenden, bei verständiger Würdigung aller in\n\nBetracht kommenden Umstände offenkundigen Fehler leidet und\n\ndeshalb ungültig ist (vgl. BGHSt 29, 283, 287; 33, 261, 268).\n\nSoweit die Revision die Auflegung der Vorschlagsliste für die\n\nSchöffenwahl beim Amtsgericht Neubrandenburg beanstandet,\n\nkann dahinstehen, ob Verstöße gegen § 36 Abs. 3 GVG nur\n\ndann revisibel sind, wenn der Beschwerdeführer zugleich gel-\n\ntend machen kann, bei dem Schöffen, dessen Mitwirkung gerügt\n\nwird, liege einer der in §§ 32 bis 34 GVG genannten Gründe vor\n\n(vgl. BGHR GVG § 36 Abs. 3 Vorschlagsliste 1). Die Vor-\n\nschlagsliste hat im Rathaus der Stadt Neubrandenburg inner-\n\nhalb der hierfür bestimmten Woche vom 13. bis zum 20. Mai\n\n1996 zwar nur am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag auf-\n\ngelegen. Donnerstag, der 16. Mai 1996, war aber ein gesetzli-\n\ncher Feiertag (Christi – Himmelfahrtstag; § 2 Abs. 1 Nr. 5 Feier-\n\ntagsgesetz Mecklenburg – Vorpommern GVOBL. M-V 1992\n\nS. 342), so daß die Liste an allen Werktagen, an denen das\n\nRathaus in dieser Woche für den Publikumsverkehr geöffnet\n\nwar, eingesehen werden konnte. Die Entscheidung des zustän-\n\ndigen Richters beim Amtsgericht, die Auflegung der Vorschlags-\n\nliste nicht zu beanstanden (§ 39 Satz 2 GVG), war daher jeden-\n\nfalls nicht willkürlich (vgl. BGHR GVG § 36 Abs. 3 Vorschlagsli-\n\nste 1; BayObLG StV 1998, 8 mit abl. Anm. Bockemühl). Im Hin-\n\nblick auf den Zweck der Offenlegung der Vorschlagsliste nach\n\n§ 36 Abs. 3 GVG kann es sich allerdings empfehlen, den Zeit-\n\npunkt für die Auflegung so zu bestimmen, daß die Liste an fünf\n\nWerktagen eingesehen werden kann.\n\nDaß in die Vorschlagsliste für das Amtsgericht Neubrandenburg\n\nnur Personen aus den Gemeinden Neubrandenburg, Burg Star-\n\ngard und Friedland aufgenommen wurden, macht die Wahl der\n\nHilfsschöffen aus dieser Liste ebenfalls nicht ungültig, da zu\n\nHilfsschöffen ohnehin Personen zu wählen sind, die am Sitz des\n\nAmtsgerichts oder in dessen nächster Umgebung wohnen (§ 42\n\nAbs. 1 Nr. 2 Satz 2 GVG; vgl. auch Kleinknecht/Meyer-Goßner\n\n44. Aufl. § 77 GVG Rdn. 3). Ob die beanstandeten Mängel der\n\nVorschlagslisten für die Amtsgerichte Waren und Neubranden-\n\nburg die Gültigkeit der Wahl der Hauptschöffen berührt (vgl.\n\nBGHSt 33, 290), bedarf hier keiner Entscheidung. Der Senat\n\nbemerkt jedoch, daß es sich empfiehlt, möglichst alle Gemein-\n\nden des Bezirks des Amtsgerichts (vgl. § 36 Abs. 4 GVG) bei der\n\nAufstellung der Vorschlagslisten zu beteiligen.\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tra-\n\ngen.\n\nMeyer-Goßner Maatz Kuckein\n\n(cid:0)(cid:2)(cid:1)(cid:4)(cid:3)(cid:6)(cid:5)(cid:8)(cid:7)(cid:10)(cid:9)(cid:11)(cid:0)(cid:13)(cid:12)(cid:14)(cid:1)(cid:16)(cid:15)(cid:18)(cid:17)(cid:19)(cid:7)(cid:10)(cid:1)(cid:21)(cid:20)(cid:22)(cid:5)(cid:24)(cid:23)\n\n Athing","source":"bgh","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/1999/4_StR_446-99.pdf?__blob=publicationFile&v=1","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-02-22/4-str-446-99","cited_norms":[{"jurabk":"GVG","ref":"§ 36","ref_norm":"36","n":3},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 39","ref_norm":"39","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 344","ref_norm":"344","n":1},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 338","ref_norm":"338","n":1},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 77","ref_norm":"77","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/1999/4_StR_446-99.pdf?__blob=publicationFile&v=1","attribution":{"source":"bundesgerichtshof.de","source_url":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/1999/4_StR_446-99.pdf?__blob=publicationFile&v=1"},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2000-02-22/4-str-446-99","upstream":"https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/1999/4_StR_446-99.pdf?__blob=publicationFile&v=1","retrieved":"2026-07-10 10:56:03.896443+00:00"}}