{"status":"available","doknr":"BGH-Strafsenate/2_StS/2002/2_ARs_239-02","ecli":null,"court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2002-11-27","aktenzeichen":"2 ARs 239/02","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"StPO §§ 464 b Satz 3, 310 Abs. 2; GVG § 135 Eine Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof in Kostenfestsetzungsverfah- ren in Strafsachen ist nicht statthaft.","text_plain":"Nachschlagewerk: ja\n\nBGHSt: ja\n\nVeröffentlichung: ja\n\nStPO §§ 464 b Satz 3, 310 Abs. 2; GVG § 135\n\nEine Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof in Kostenfestsetzungsverfah-\n\nren in Strafsachen ist nicht statthaft.\n\nBGH, Beschl. vom 27. November 2002 - 2 ARs 239/02 - LG\n\nBUNDESGERICHTSHOF\n\n2 ARs 239/02\n\nBESCHLUSS\n\nvom\n\n27. November 2002\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nwegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge\n\nVerteidiger: Rechtsanwalt\n\n- Rechtsbeschwerdegegnerin -\n\nhier: Rechtsbeschwerde der Bezirksrevisorin als Vertreterin der Landeskasse\n\n gegen den Beschluß des Landgerichts vom\n4. Juli 2002 (Qs 146/02 II LG ) über die sofortige Beschwerde\ngegen einen Kostenfestsetzungsbeschluß\n\nVerfahrensbevollmächtigte des Landes :\nRechtsanwälte ,\n\n- Rechtsbeschwerdeführer -\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. November 2002 be-\n\nschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß des Landgerichts\n\n vom 4. Juli 2002 (Qs 146/02 II LG ) wird als unzuläs-\n\nsig verworfen.\n\nDie im Rechtsbeschwerdeverfahren entstandenen Kosten und\n\nnotwendigen Auslagen der Rechtsbeschwerdegegnerin fallen der\n\nLandeskasse zur Last.\n\nGründe:\n\nI.\n\nDas Landgericht hat im Anschluß an ein Strafverfahren in einem\n\nVerfahren \n\nnach \n\n§ 81 \n\ng StPO \n\nin Verbindung mit \n\n§ 2 DNA-\n\nIdentitätsfeststellungsG auf Beschwerde der Rechtsbeschwerdegegnerin durch\n\nvollstreckbaren Beschluß vom 9. Juli 2001 der Landeskasse \n\n die Kosten und notwendigen Auslagen auferlegt.\n\nGestützt auf diesen Beschluß hat die Rechtsbeschwerdegegnerin Fest-\n\nsetzung der ihr zu erstattenden Kosten beim Amtsgericht beantragt.\n\nDas Amtsgericht hat durch Beschluß vom 18. Januar 2002 dem Antrag teilwei-\n\nse stattgegeben.\n\nAuf sofortige Beschwerde hat das Landgericht durch Beschluß\n\nvom 4. Juli 2002 (Qs 146/02 II LG ) den Kostenfestsetzungsbeschluß\n\ndes Amtsgerichts unter Verwerfung des Rechtsmittels im übrigen teil-\n\nweise abgeändert. In diesem Beschluß hat das Landgericht die Rechtsbe-\n\nschwerde des Vertreters der Landeskasse zugelassen und zur Begründung\n\nausgeführt: \"Die Entscheidung über die Zulassung der Rechtsbeschwerde be-\n\nruht angesichts der abweichenden Rechtsprechung des OLG auf\n\n§§ 464 b Satz 3 StPO, 574 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 2, Abs. 3 ZPO.\"\n\nDaraufhin hat der Vertreter der Kasse des Landes ,\n\ndie Bezirksrevisorin bei dem Landgericht , durch seine Verfahrens-\n\nbevollmächtigten Rechtsbeschwerde gegen den Beschluß des Landgerichts\n\n vom 4. Juli 2002 eingelegt mit dem Ziel, den angefochtenen\n\nBeschluß insoweit aufzuheben, als darin dem Verteidiger für die Vertretung der\n\nVerurteilten im Beschwerdeverfahren (des Verfahrens nach § 81 g StPO, § 2\n\nDNA-Identitätsfeststellungsgesetz) eine selbständige Gebühr nach § 91 Nr. 1\n\nBRAGO zuerkannt wird.\n\nII.\n\nDer 2. Strafsenat ist zur Entscheidung berufen. Das Präsidium des Bun-\n\ndesgerichtshofs hat in der Sitzung vom 13. November 2002 festgestellt, daß\n\nKostenrechtsbeschwerden \n\nin Strafsachen \n\nin die Zuständigkeit des\n\n2. Strafsenats fallen (Innominatzuständigkeit; vgl. Geschäftsverteilungsplan\n\ndes Bundesgerichtshofs für das Jahr 2002 A II S. 13 - 2. Strafsenat, Ziffer 2 am\n\nEnde).\n\nIII.\n\nDie Rechtsbeschwerde war als unzulässig zu verwerfen.\n\nDie Statthaftigkeit einer Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof im\n\nKostenfestsetzungsverfahren in Strafsachen ist nicht anzuerkennen.\n\n1. Für Rechtsbeschwerden in Kostenfestsetzungsverfahren in Strafsa-\n\nchen ist eine ausdrückliche Zuständigkeit des Bundesgerichtshofs im Gesetz\n\nnicht vorgesehen. Dies gilt sowohl für Vorschriften außerhalb des GVG als\n\nauch für dieses selbst. § 135 Abs. 2 GVG regelt die Beschwerdezuständigkeit\n\ndes Bundesgerichtshofs in Strafsachen. Danach gibt es insoweit keine Rechts-\n\nbeschwerde. Während § 133 GVG die Zuständigkeit für die Rechtsbeschwer-\n\nden in Zivilsachen ausdrücklich dem Bundesgerichtshof zuweist, enthält das\n\nGesetz eine entsprechende Regelung in Strafsachen nicht.\n\n2. Aus § 464 b StPO ergibt sich nicht, daß eine Rechtsbeschwerde in\n\nstrafprozessualen Kostenfestsetzungsverfahren statthaft ist. Nach Satz 3 die-\n\nser Bestimmung sind auf das Verfahren und auf die Vollstreckung der Ent-\n\nscheidung die Vorschriften der Zivilprozeßordnung (nur) entsprechend anzu-\n\nwenden. Deshalb finden auf das Verfahren (§§ 103 ff. ZPO) und die Vollstre-\n\nckung (§§ 794 ff. ZPO) der Kostenfestsetzung die ZPO-Vorschriften lediglich\n\ninsoweit Anwendung, als sie strafprozessualen Prinzipien nicht widersprechen.\n\nDemgemäß werden für das Beschwerdeverfahren - auch für den Ausschluß\n\neiner weiteren Beschwerde (§ 310 Abs. 2 StPO) - überwiegend die §§ 304 ff.\n\nStPO und nicht die entsprechenden Vorschriften der ZPO für anwendbar er-\n\nachtet (vgl. u.a. OLG Karlsruhe NStZ-RR 2000, 254 ff.; KG Rechtspfleger 2000,\n\n38 f.; OLG Düsseldorf Rechtspfleger 2000, 126; OLG Düsseldorf NStE Nr. 2 zu\n\n§ 464 b StPO; OLG Stuttgart MDR 1975, 248; OLG Saarbrücken Rechtspfleger\n\n1960, 342; Kleinknecht/Meyer-Goßner, StPO 45. Aufl. § 464 b Rdn. 6 ff.; KMR-\n\nStöckel StPO § 464 b Rdn. 4 und 25 jeweils auch mit Nachweisen zur Gegen-\n\nmeinung). Schon von daher kommt eine Geltung der Vorschriften der ZPO über\n\ndie Rechtsbeschwerde (§§ 574 ff. ZPO) nicht in Betracht.\n\n3. Das durch das Gesetz zur Reform des Zivilprozesses (Zivilprozeßre-\n\nformgesetz-ZPO-RG) vom 27.7.2001 (BGBl. I 1887) neu eingeführte Rechts-\n\nmittel der Rechtsbeschwerde (§§ 574 ff. ZPO) gilt nach den Intentionen des\n\nGesetzgebers nicht für das strafprozessuale Kostenfestsetzungsverfahren. Das\n\nZPO-RG regelt ausdrücklich nur die Rechtsbeschwerde in Zivilsachen und\n\nsieht notwendige Folgeänderungen lediglich im Rechtsmittelrecht des familien-\n\ngerichtlichen Verfahrens und des Verfahrens in Angelegenheiten der freiwilli-\n\ngen Gerichtsbarkeit (FGG) vor (vgl. auch BT-Drucks. 14/4722 S. 69). Da die\n\nRechtsbeschwerde an die Stelle der bisherigen weiteren Beschwerde getreten\n\nist, wurden die §§ 567 Abs. 3, 568 Abs. 2 und 3 ZPO geändert. Die Vorschrift\n\ndes § 310 StPO, in dem die weitere Beschwerde in Strafverfahren geregelt ist,\n\nwurde demgegenüber gerade nicht geändert. Dies läßt den Rückschluß zu,\n\ndaß die Einführung einer entsprechenden Rechtsbeschwerde in Strafsachen\n\nnicht beabsichtigt war. Daher wurden - wie oben III 1 ausgeführt - auch nur in\n\n§ 133 GVG, nicht aber in § 135 GVG die Rechtsbeschwerden aufgenommen.\n\nDie - fehlerhafte - Zulassung der Rechtsbeschwerde durch das Landge-\n\nricht im angefochtenen Beschluß führt nicht zur Statthaftigkeit des Rechtsmit-\n\ntels.\n\nDa das Rechtsmittel ohne Erfolg eingelegt wurde, waren insoweit der\n\nLandeskasse die Kosten und notwendigen Auslagen aufzuerlegen.\n\nRissing-van Saan Bode Otten\n\n Rothfuß Fischer","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-11-27/2-ars-239-02","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 464b","ref_norm":"464b","n":3},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 310","ref_norm":"310","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 135","ref_norm":"135","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 568","ref_norm":"568","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 81g","ref_norm":"81g","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 304","ref_norm":"304","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 567","ref_norm":"567","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 794","ref_norm":"794","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2002-11-27/2-ars-239-02","retrieved":"2026-07-10 13:44:27.824591+00:00"},"card":{"id":"bgh/2002-11-27/2-ars-239-02","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"2. 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