{"status":"available","doknr":"OLD365580","ecli":null,"court":"Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen","senate":null,"decided":"2024-09-30","aktenzeichen":"Vf. 65-V-24 (e.A.)","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Vf. 65-V-24 (e.A.) \n \n \n \n \n \n \n \n \nDER VERFASSUNGSGERICHTSHOF \n \nDES FREISTAATES SACHSEN \n \nIM NAMEN DES VOLKES \n \n \nBeschluss \n \nIn dem Verfahren \nüber den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung \n \n \n \ndes Herrn H., \n \n \n \n \nhat der Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen durch den Präsidenten des Verfas-\nsungsgerichtshofes Matthias Grünberg, den Richter Andreas Wahl, die Richterinnen Simone \nHerberger, Elisa Hoven und die Richter Dirk Kirst, Stefan Ansgar Strewe und Arnd Uhle \n \n \nam 30. September 2024 \n \nbeschlossen: \n \n \nDer Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt. \n \n \n\n \n \n2 \nG r ü n d e : \n \nI. \n \nMit seinem am 28. September 2024 eingegangenen Antrag auf Erlass einer einstweiligen An-\nordnung begehrt der Antragsteller die Aussetzung der Konstituierung des Sächsischen Land-\ntages am 1. Oktober 2024 bis zur Entscheidung über seinen Einspruch gegen das Wahlergeb-\nnis der Landtagswahl vom 1. September 2024, hilfsweise die Sicherung aller „relevanten Un-\nterlagen“ bis zur endgültigen Entscheidung sowie die Setzung einer geeigneten Frist an den \nWahlprüfungsausschuss zur Vorlage eines öffentlich zugänglichen Zwischenberichts. \n \nDer Verfassungsgerichtshof hat dem Präsidenten des Sächsischen Landtages Gelegenheit zur \nStellungnahme gegeben. \n \n \nII. \n \nDer Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung, über den in der Besetzung nach § 15 \nSatz 1 SächsVerfGHG entschieden werden kann, hat keinen Erfolg. \n \n1. Nach § 10 Abs. 1 SächsVerfGHG i.V.m. § 32 Abs. 1 BVerfGG kann der Verfassungsge-\nrichtshof einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur \nAbwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen \nwichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist (SächsVerfGH, Beschluss \nvom 4. Januar 2024 – Vf. 110-IV-23 [e.A.]; Beschluss vom 3. Dezember 2023 – Vf. 101-\nIV-23 [e.A.]; Beschluss vom 21. März 2006 – Vf. 25-IV-06 [e.A.]; Beschluss vom \n28. April 2005 – Vf. 17-IV-05; vgl. BVerfG, Beschluss vom 17. Januar 2019 – \n2 BvQ 1/19 – juris Rn. 21; Beschluss vom 13. Juli 2016 – 2 BvR 1341/16 – juris Rn. 8 \nm.w.N.). Um den Verfassungsgerichtshof in die Lage zu versetzen, die Voraussetzungen \ndes Erlasses einer einstweiligen Anordnung zu prüfen, ist der Antrag auf Erlass der einst-\nweiligen Anordnung nach § 10 Abs. 1 SächsVerfGHG i.V.m. §§ 32 und 23 Abs. 1 Satz 2 \nBVerfGG substantiiert zu begründen (SächsVerfGH, Beschluss vom 6. Juli 2023 – Vf. 31-\nIV-23 [e.A.]; Beschluss vom 2. Dezember 2021 – Vf. 42-IV-21 [e.A.]; Beschluss vom \n8. Juli 2021 – Vf. 50-IV-21 [e.A.]; Beschluss vom 14. Mai 2020 – Vf. 77-IV-20 [e.A.]; \nBeschluss vom 19. Dezember 2019 – Vf. 131-IV-19 [e.A.]; st. Rspr.). Dies erfordert ins-\nbesondere auch eine eingehende Darlegung der Gründe für die Eilbedürftigkeit \n(SächsVerfGH, Beschluss vom 6. Juli 2023 – Vf. 31-IV-23 [e.A.]; vgl. BVerfG, Beschluss \nvom 22. Dezember 2020, BVerfGE 156, 335 [337]; Beschluss vom 23. August 2017 – \n1 BvR 1783/17 – juris Rn. 8 ff.; Barczak in: ders., BVerfGG, 2018, § 32 Rn. 18). Bei der \nPrüfung dieser Voraussetzungen haben die Gründe, die der Antragsteller für die Verfas-\nsungswidrigkeit des angegriffenen Wahlaktes anführt, grundsätzlich außer Betracht zu \nbleiben, es sei denn, das Begehren in der Hauptsache erwiese sich als von vornherein un-\nzulässig oder als offensichtlich unbegründet (vgl. zur Verfassungsbeschwerde: \nSächsVerfGH, Beschluss vom 3. Mai 2021 – Vf. 38-IV-21 [e.A.]; Beschluss vom 25. Feb-\n\n \n \n3 \nruar 2021 – Vf. 19-IV-21 [e.A.]; Beschluss vom 6. August 2020 – Vf. 115-IV-20 [e.A.]; \nst. Rspr.). \n \n2. Ausgehend hiervon kann der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung schon des-\nhalb keinen Erfolg haben, weil das Hauptsachebegehren des Antragstellers, die – noch \nnicht erhobene – Wahlprüfungsbeschwerde zum jetzigen Zeitpunkt mangels Beschwerde-\nbefugnis von vornherein unzulässig wäre. Denn nach § 32 Satz 2 Nr. 2 SächsVerfGHG ist \nnur ein Wahlberechtigter beschwerdebefugt, dessen Einspruch vom Landtag verworfen \nworden ist. Nach dem eigenen Vortrag des Antragstellers steht eine Entscheidung des \nLandtages über seinen Einspruch gegen das Wahlergebnis jedoch noch aus. Der Antrag-\nsteller hat keine durchgreifenden Gründe vorgetragen, aus welchen ein Abweichen von \ndem im Sächsischen Wahlprüfungsgesetz vorgesehenen Verfahren aus verfassungsrechtli-\nchen Gründen zwingend geboten wäre. \n \n3. Soweit der Antragsteller hilfsweise die Sicherung von Unterlagen sowie die Setzung einer \nFrist an den Wahlprüfungsausschuss begehrt, hat er – ungeachtet der Frage, ob der Ver-\nfassungsgerichtshof hierzu befugt wäre – bereits keine Gründe für ein dahingehendes \nRechtsschutzbedürfnis dargelegt. \n \nIII. \n \nDer Verfassungsgerichtshof hat die Entscheidung einstimmig durch Beschluss nach § 15 \nSatz 1 SächsVerfGHG getroffen. \n \n \nIV. \n \nDie Entscheidung ist gemäß § 17 Abs. 4 GOVerfGH im Umlaufverfahren ergangen. \n \n \nV. \n \nDie Entscheidung ist kostenfrei (§ 16 Abs. 1 Satz 1 SächsVerfGHG). \n \n \n \ngez. Grünberg \n \n \ngez. Wahl \n \n \n \ngez. Herberger \n \n \ngez. Hoven \n \n \n \ngez. Kirst \n \n \n \ngez. Strewe \n \n \ngez. Uhle","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/365580","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/verfassungsgerichtshof-sachsen/2024-09-30/vf-65-v-24-e-a","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/365580","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/365580","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/verfassungsgerichtshof-sachsen/2024-09-30/vf-65-v-24-e-a","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/365580","retrieved":"2026-07-09 04:53:04.884951+00:00"}}