{"status":"available","doknr":"OLD365493","ecli":null,"court":"Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen","senate":null,"decided":"2025-09-11","aktenzeichen":"Vf. 72-IV-24","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Vf. 72-IV-24 \n \n \n \n \n \n \n \n \nDER VERFASSUNGSGERICHTSHOF \n \nDES FREISTAATES SACHSEN \n \nIM NAMEN DES VOLKES \n \n \nBeschluss \n \nIn dem Verfahren \nüber die Verfassungsbeschwerde \n \n \ndes Herrn M., \n \n \nhat der Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen durch den Präsidenten des Verfassungs-\ngerichtshofes Matthias Grünberg, den Richter Andreas Wahl, die Richterinnen Simone Herber-\nger, Elisa Hoven und die Richter Markus Jäger, Dirk Kirst, Klaus Schurig, Stefan Ansgar \nStrewe und Arnd Uhle \n \nam 11. September 2025 \n \n \nbeschlossen: \n \nDie Verfassungsbeschwerde wird verworfen. \n \n \n \n \n \n \n \n \n\n \n \n2 \nG r ü n d e : \n \nI. \n \nMit seiner am 12. November 2024 bei dem Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen \neingegangenen Verfassungsbeschwerde wendet sich der Beschwerdeführer gegen den Be-\nschluss des Landgerichts Leipzig vom 7. Oktober 2024 (06 T 372/24), mit welchem seine so-\nfortige Beschwerde gegen den Beschluss des Amtsgerichts Leipzig vom 12. Juli 2024 (EV 118 \nC 3113/24) zurückgewiesen wurde. \n \nDer Beschwerdeführer rügt die Verletzung von Art. 78 SächsVerf i.V.m. Art. 14 und 18 Abs. 1 \nSächsVerf. Sein Anspruch auf den gesetzlichen Richter sei durch die Zurückweisung seiner \nsofortigen Beschwerde verletzt. Gegen den zuständigen Richter beim Amtsgericht bestünde \nentgegen der ergangenen Beschlüsse die Besorgnis der Befangenheit und dadurch könne kein \ngerechtes Verfahren gewährleistet werden. Dies führe auch zu einer Verletzung seiner Grund-\nrechte aus Art. 14 und 18 Abs. 1 SächsVerf. \n \nDas Staatsministerium der Justiz hat Gelegenheit gehabt, zum Verfahren Stellung zu nehmen. \n \n \nII. \n \nDie Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil sie nicht den Begründungsanforderungen aus \nArt. 81 Abs. 1 Nr. 4 SächsVerf i.V.m. § 27 Abs. 1 und § 28 SächsVerfGHG genügt. \n \n1. Nach Art. 81 Abs. 1 Nr. 4 SächsVerf i.V.m. § 27 Abs. 1 und § 28 SächsVerfGHG ist eine \nVerfassungsbeschwerde nur zulässig, wenn der Beschwerdeführer substantiiert die Mög-\nlichkeit einer Verletzung eigener, durch die Verfassung des Freistaates Sachsen verbürgter \nGrundrechte darlegt. Hierzu muss er den Lebenssachverhalt, aus dem er die Grundrechts-\nverletzung ableitet, aus sich heraus verständlich wiedergeben und im Einzelnen aufzeigen, \nwelchen verfassungsrechtlichen Anforderungen die angegriffene Maßnahme nicht gerecht \nwerden soll (SächsVerfGH, Beschluss vom 10. Juli 2025 – Vf. 17-IV-25; Beschluss vom \n19. September 2024 – Vf. 89-IV-23; Beschluss vom 10. September 2020 – Vf. 87-IV-20; \nBeschluss vom 23. Februar 2010 – Vf. 114-IV-09; st. Rspr.). Neben der Bezeichnung des \nangegriffenen Hoheitsaktes und des als verletzt angesehenen Rechts sind die Tatsachen dar-\nzulegen, die es dem Verfassungsgerichtshof ohne weitere Ermittlungen ermöglichen, die \nZulässigkeit der Verfassungsbeschwerde zu prüfen. Dies setzt voraus, dass die angegriffene \nEntscheidung sowie alle zu ihrem Verständnis notwendigen Unterlagen mit der Verfas-\nsungsbeschwerde vorgelegt oder zumindest in ihrem wesentlichen Inhalt mitgeteilt werden \n(SächsVerfGH, Beschluss vom 10. Juli 2025 – Vf. 17-IV-25; Beschluss vom 19. Sep-\ntember 2024 – Vf. 104-IV-23; Beschluss vom 30. August 2023 – Vf. 19-IV-23 [HS]/Vf. \n37-IV-23 [e.A.]; Beschluss vom 16. August 2019 – Vf. 93-IV-19 [HS]/Vf. 94-IV-19 \n[e.A.]; Beschluss vom 26. März 2009 – Vf. 124-IV-08; vgl. auch BVerfG, Beschluss \n\n \n \n3 \nvom 18. Juli 2019 – 2 BvR 1301/19 – juris). In Fällen, in denen eine angegriffene Ent-\nscheidung auf eine vorangegangene andere gerichtliche Entscheidung, einen gerichtlichen \nHinweis, Stellungnahmen oder andere Quellen Bezug nimmt, reicht es nicht aus, wenn le-\ndiglich die angegriffene Entscheidung, nicht jedoch die in Bezug genommenen Entschei-\ndungen und sonstigen Dokumente vorgelegt werden (SächsVerfGH, Beschluss vom 10. Juli \n2025 – Vf. 17-IV-25; Beschluss vom 14. Februar 2025 – Vf. 28-IV-24; vgl. BVerfG, Be-\nschluss vom 8. Dezember 2017 – 2 BvR 2019/17 – juris Rn. 10; Beschluss vom 14. April \n2010 – 1 BvR 299/10 – juris Rn. 8; vgl. auch Barczak in: ders., BVerfGG, 2018, § 92 \nRn. 18; Magen in: Burkiczak/Dollinger/Schorkopf, BVerfGG, 2. Aufl., § 92 Rn. 39). Auf \nGrundlage der vorgelegten Unterlagen muss der Verfassungsgerichtshof ohne weitere \nNachforschungen in der Lage sein zu beurteilen, ob die behauptete Grundrechtsverletzung \nzumindest möglich erscheint (SächsVerfGH, Beschluss vom 10. Juli 2025 – Vf. 17-IV-25; \nBeschluss vom 14. Februar 2025 – Vf. 28-IV-24; Beschluss vom 19. September 2024 – \nVf. 4-IV-24; Beschluss vom 30. August 2023 – Vf. 19-IV-23 [HS]/Vf. 37-IV-23 [e.A.]; \nBeschluss vom 14. Oktober 2021 – Vf. 76-IV-21 [HS]/Vf. 77-IV-21 [e.A.];Beschluss vom \n17. Februar 2011 – Vf. 102-IV-10; st. Rspr.). \n2. Diesen Anforderungen wird die Verfassungsbeschwerde nicht gerecht. \nDer Beschwerdeführer hat nicht sämtliche zum Verständnis der angegriffenen Entschei-\ndung wesentlichen Unterlagen vorgelegt. So hat er weder den der angegriffenen Ent-\nscheidung des Landgerichts vorangegangenen Beschluss des Amtsgerichts Leipzig vom \n12. Juli 2024 noch das Sitzungsprotokoll vom 10. Juli 2024 eingereicht und beides auch \nnicht inhaltlich wiedergegeben. Eine Vorlage wäre hingegen erforderlich gewesen, weil \ndas Landgericht zur Begründung seiner angegriffenen Entscheidung auf den Beschluss \ndes Amtsgerichts Leipzig vom 12. Juli 2024 und das Sitzungsprotokoll vom 10. Juli 2024 \nBezug nimmt. Eine Prüfung der Möglichkeit von Grundrechtsverletzungen kann damit \nnicht erfolgen. \n \nIII. \n \nDer Verfassungsgerichtshof ist zu dieser Entscheidung einstimmig gelangt und trifft sie daher \ndurch Beschluss nach § 10 Abs. 1 SächsVerfGHG i.V.m. § 24 BVerfGG. \n \n \n \n \n\n \n \n4 \nIV. \n \nDie Entscheidung ist kostenfrei (§ 16 Abs. 1 Satz 1 SächsVerfGHG). \n \n \n \n \ngez. Grünberg \n \n \ngez. Wahl \n \n \n \ngez. Herberger \n \n \n \ngez. Hoven \n \n \n \ngez. Jäger \n \n \n \ngez. Kirst \n \n \n \n \ngez. Schurig \n \n \ngez. Strewe \n \n \n \ngez. Uhle","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/365493","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/verfassungsgerichtshof-sachsen/2025-09-11/vf-72-iv-24","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 24","ref_norm":"24","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/365493","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/365493","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/verfassungsgerichtshof-sachsen/2025-09-11/vf-72-iv-24","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/365493","retrieved":"2026-07-09 04:53:02.472767+00:00"}}