{"status":"available","doknr":"OLD365478","ecli":null,"court":"Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen","senate":null,"decided":"2025-11-13","aktenzeichen":"Vf. 41-IV-25","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Vf. 41-IV-25 \n \n \n \n \n \n \n \n \n \n \nDER VERFASSUNGSGERICHTSHOF \n \nDES FREISTAATES SACHSEN \n \nIM NAMEN DES VOLKES \n \n \nBeschluss \n \nIn dem Verfahren \nüber die Verfassungsbeschwerde \n \n \nder Frau Dr. L., \n \n \nhat der Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen durch den Präsidenten des Verfassungs-\ngerichtshofes Matthias Grünberg, den Richter Andreas Wahl, die Richterinnen Simone Herber-\nger, Elisa Hoven und die Richter Markus Jäger, Dirk Kirst, Klaus Schurig und Stefan Ansgar \nStrewe \n \nam 13. November 2025 \n \n \nbeschlossen: \n \n \nDie Verfassungsbeschwerde wird verworfen. \n \n \n \n \n \n \n\n \n \n2 \nG r ü n d e : \n \nI. \n \nMit ihrer am 26. Mai 2025 bei dem Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen eingegan-\ngenen Verfassungsbeschwerde wendet sich die Beschwerdeführerin gegen den im Feststel-\nlungsverfahren über das Vorliegen einer Behinderung und des Grades der Behinderung (GdB) \nnach dem Sozialgesetzbuch - Neuntes Buch (SGB IX) ergangenen Bescheid der Stadt L. (So-\nzialamt) vom 19. Mai 2025 (Az. 13/01/04736737). \n \nDie Beschwerdeführerin rügt die Verfassungswidrigkeit des Feststellungsverfahrens unter Hin-\nweis auf Art. 16 und 18 SächsVerf. Die Feststellung des GdB einer Einzelperson greife in diese \nRechte ein, weil durch das Verfahren Straftaten vertuscht und Ungleichbehandlungen gerecht-\nfertigt werden könnten. \n \nDas Staatsministerium der Justiz hat Gelegenheit gehabt, zum Verfahren Stellung zu nehmen. \n \n \nII. \n \nDie Verfassungsbeschwerde ist unzulässig. Es ist weder vorgetragen noch sonst ersichtlich, \ndass die Beschwerdeführerin gemäß § 27 Abs. 2 Satz 1 SächsVerfGHG den Rechtsweg \nerschöpft hat. \n \n1. Gemäß § 27 Abs. 2 Satz 1 SächsVerfGHG kann die Verfassungsbeschwerde erst nach Er-\nschöpfung des Rechtsweges erhoben werden, wenn gegen die Verletzung der Rechtsweg \nzulässig ist. Danach muss ein Beschwerdeführer vor der Erhebung der Verfassungsbe-\nschwerde alle bestehenden Möglichkeiten nutzen, um eine behauptete Grundrechtsverlet-\nzung zu verhindern oder zu beseitigen (SächsVerfGH, Beschluss vom 11. September 2025 \n– Vf. 65-IV-25 [HS]/Vf. 66-IV-25 [e.A.]; Beschluss vom 24. Oktober 2024 – Vf. 41-IV-24; \nBeschluss vom 28. April 2009 – Vf. 180-IV-08; st. Rspr.). Der Grundsatz der Subsidiarität \nerfordert dabei, vor Erhebung einer Verfassungsbeschwerde alle zur Verfügung stehenden \nprozessualen Möglichkeiten zu ergreifen, um eine Korrektur der geltend gemachten Verfas-\nsungsverletzung zu erwirken oder eine Grundrechtsverletzung zu verhindern (SächsVerfGH, \nBeschluss vom 11. September 2025 – Vf. 65-IV-25 [HS]/Vf. 66-IV-25 [e.A.]; Beschluss \nvom 16. Juni 2022 – Vf. 70-IV-21; st. Rspr.; vgl. BVerfG, Beschluss vom 21. Januar 2022 \n– 1 BvR 1296/21 – juris Rn. 9 f. m.w.N.). Besteht die Möglichkeit, ein Rechtsschutzbegeh-\nren wirksam vor den Fachgerichten zu verfolgen, kann eine Verfassungsbeschwerde erst \nnach Ausschöpfung dieser Möglichkeit erhoben werden (SächsVerfGH, Beschluss vom \n11. September 2025 – Vf. 65-IV-25 [HS]/Vf. 66-IV-25 [e.A.]; Beschluss vom 22. Juni 2018 \n– Vf. 39-IV-18; Beschluss vom 3. Dezember 2015 – Vf. 80-IV-15; st. Rspr.). \n \n2. Ausgehend hiervon ist dem Grundsatz der Rechtswegerschöpfung nicht Genüge getan. Ge-\ngen den mit der Verfassungsbeschwerde angegriffenen Bescheid der Stadt L. vom 19. Mai \n\n \n \n3 \n2025 stand der Beschwerdeführerin ausweislich der in dem Bescheid enthaltenen ordnungs-\ngemäßen Rechtsbehelfsbelehrung innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Bescheids \nder Widerspruch zu, um den Bescheid rechtlich überprüfen zu lassen. Bei Erfolglosigkeit \neines Widerspruchs hätte sie Klage vor dem Sozialgericht erheben können. Die Beschwer-\ndeführerin hat nicht vorgetragen, diese Rechtschutzmöglichkeiten ausgeschöpft zu haben. \n \n3. Gründe im Sinne des § 27 Abs. 2 Satz 2 SächsVerfGHG, vom Erfordernis der Erschöpfung \ndes Rechtswegs vorliegend ausnahmsweise abzusehen, sind weder dargelegt noch sonst er-\nsichtlich. \n \n \nIII. \n \nDer Verfassungsgerichtshof ist zu dieser Entscheidung einstimmig gelangt und trifft sie daher \ndurch Beschluss nach § 10 Abs. 1 SächsVerfGHG i.V.m. § 24 BVerfGG. \n \n \nIV. \n \nDie Entscheidung ist kostenfrei (§ 16 Abs. 1 Satz 1 SächsVerfGHG). \n \n \n \n \ngez. Grünberg \n \n \ngez. Wahl \n \n \n \ngez. Herberger \n \n \n \n \ngez. Hoven \n \n \n \ngez. Jäger \n \n \n \ngez. Kirst \n \n \n \n \ngez. Schurig \n \n \ngez. Strewe","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/365478","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/verfassungsgerichtshof-sachsen/2025-11-13/vf-41-iv-25","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 24","ref_norm":"24","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/365478","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/365478","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/verfassungsgerichtshof-sachsen/2025-11-13/vf-41-iv-25","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/365478","retrieved":"2026-07-09 04:53:02.173343+00:00"}}