{"status":"available","doknr":"OLD363744","ecli":null,"court":"Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen","senate":null,"decided":"2020-11-12","aktenzeichen":"4 WF 67/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen \n \nGeschäftszeichen: 4 WF 67/20 = 66 F 135/20 Amtsgericht Bremen \n \nerlassen durch Übergabe an die Geschäftsstelle: \nBremen, 16.11.2020 \n \ngez. […], Justizfachangestellte \nals Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle \n \n \nB e s c h l u s s \n \n \nIn der Familiensache \n \n[…], \n \n \nAntragsteller, \n \nVerfahrensbevollmächtigter: \nRechtsanwalt […] \n \ngegen \n \n[…], \n \n \nAntragsgegnerin, \n \nVerfahrensbevollmächtigter: \nRechtsanwältin […] \n \n \nhat der 4. Zivilsenat - Senat für Familiensachen - des Hanseatischen Oberlandesgerichts \nin Bremen durch den Richter am Oberlandesgericht Küchelmann Der Einzelrichter \n \nam 12.11.2020 beschlossen: \n \nDie Beschwerde der Antragsgegnerin gegen den Verfahrenswertbeschluss des \nAmtsgerichts – Familiengericht – Bremen vom 16.5.2020 wird zurückgewiesen. \n \nGründe: \n \n\n \n \n \n \nSeite 2 von 3 \n2\nI. \nDie Beteiligten sind getrennt lebende Ehegatten. Den Mietvertrag für die vormals \ngemeinsam bewohnte Ehewohnung hatten sie gemeinsam abgeschlossen. Im \nvorliegenden Verfahren ist die Antragsgegnerin mit Versäumnisbeschluss des \nAmtsgerichts Bremen vom 16.04.2020 auf Antrag des Antragstellers verpflichtet worden, \ngegenüber der Vermieterin ihre Zustimmung zur Kündigung des gemeinsam \ngeschlossenen Wohnraummietvertrages zu erteilen und/oder an einer solchen \nKündigung mitzuwirken. Mit Beschluss vom 16.05.2020 hat das Amtsgericht den \nVerfahrenswert auf 4.380 € festgesetzt. Gegen diese Wertfestsetzung wendet sich die \nAntragsgegnerin mit einer mit Schriftsatz vom 5.6.2020 eingelegten Beschwerde, mit \nwelcher sie beantragt, den Verfahrenswert auf lediglich 1.500 € festzusetzen, weil es \nsich im vorliegenden Fall um eine Ehewohnungssache im Sinne von § 200 Abs. 1 Nr. \nFamFG handele, so dass der Gegenstandswert gem. § 48 Abs. 1 FamGKG festzusetzen \nsei. Bei einer Zustimmung zur Kündigung anstelle der Zuweisung, zumal während der \nTrennungszeit, erscheine der volle Wert von 3.000 € allerdings unbillig, sodass in \nAnwendung des Rechtsgedankens aus § 41 FamGKG stattdessen der hälftige \nRegelwert angemessen sei. Der Antragsteller tritt der Beschwerde entgegen. \n \nII. \nDie gemäß § 59 FamGKG statthafte und auch im Übrigen zulässige Beschwerde hat in \nder Sache keinen Erfolg. \n \nDas Familiengericht hat den Verfahrenswert jedenfalls nicht zu hoch angesetzt. \n \n§ 48 FamGKG ist nicht anwendbar, weil es sich bei einem Antrag auf Mitwirkung an der \nKündigung des gemeinsam geschlossenen Wohnungsmietvertrages entgegen der \nAuffassung der Antragsgegnerin nicht um eine Ehewohnungssache im Sinne von § 200 \nAbs. Nr. 1 FamFG handelt, sondern um eine Familienstreitsache im Sinne von § 266 \nAbs. 1 Nr. 3 FamFG (OLG Köln, FamRZ 2011, 891; OLG Frankfurt, FamRZ 2018, 614; \nOLG Hamm, FamRZ 2015, 667; Zöller/Lorenz, ZPO, 33. Auflage, § 266 Rn. 18; \nHeinemann, in: Rahm/Künkel, Handbuch Familien- und Familienverfahrensrecht, 81. \nLieferung 09.2020, sonstige Familienstreitsachen, §§ 112 Nr. 3, 266 Abs. 1, 269 Abs. 2 \nFamFG, Rn. 40.5; Prütting/Helms/Heiter, FamFG, 5. Auflage, § 266 Rn. 54b; \nPrütting/Helms/Neumann, a.a.O., § 200 Rn. 7; Palandt/Brudermüller, BGB, 79. Auflage, \n§ 1568a Rn. 12 a.E.; Breidenstein in: Herberger/Martinek/Rüßmann/Weth/Würdinger, \njurisPK-BGB, 9. Aufl., § 1568a BGB (Stand: 15.10.2019) Rn. 2). \n \n\n \n \n \n \nSeite 3 von 3 \n3\nDer Verfahrenswert ist daher gemäß § 42 Abs. 1 FamGKG nach billigem Ermessen zu \nbestimmen. Maßgebend ist das Interesse des Antragstellers an der Abgabe der von der \nAntragsgegnerin verlangten Willenserklärung. Dieses Interesse ist wirtschaftlicher Natur, \ndenn der Antragsteller möchte nicht mehr aus dem Mietvertrag haften. Daher ist der \nGegenstandswert unter Beachtung des in § 41 Abs. 1 GKG zum Ausdruck gekommenen \nRechtsgedankens mit einer Jahresnettomiete zu bemessen (vgl. OLG Köln, FamRZ \n2007, 46, 47; KG, NJW-RR 1992, 1490, 1491). Die Jahresnettomiete beträgt im \nvorliegenden Fall ausweislich des mit der Antragsschrift vorgelegten Mietvertrages 6.360 \n€ (530 € × 12), sodass der vom Amtsgericht auf 4.380 € festgesetzte Gegenstandswert \naus Sicht der Antragsgegnerin nicht zu beanstanden ist. \n \n \ngez. Küchelmann","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/363744","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-bremen/2020-11-12/4-wf-67-20","cited_norms":[{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 266","ref_norm":"266","n":2},{"jurabk":"FamGKG","ref":"§ 48","ref_norm":"48","n":2},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 269","ref_norm":"269","n":1},{"jurabk":"FamGKG","ref":"§ 41","ref_norm":"41","n":1},{"jurabk":"FamGKG","ref":"§ 42","ref_norm":"42","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 41","ref_norm":"41","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1568a","ref_norm":"1568a","n":1},{"jurabk":"FamGKG","ref":"§ 59","ref_norm":"59","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 112","ref_norm":"112","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/363744","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/363744","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-bremen/2020-11-12/4-wf-67-20","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/363744","retrieved":"2026-07-09 04:51:55.632949+00:00"}}