{"status":"available","doknr":"OLD363735","ecli":null,"court":"Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen","senate":null,"decided":"2021-03-08","aktenzeichen":"1 U 48/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen \n \nGeschäftszeichen: 1 U 48/20 = 7 O 92/19 Landgericht Bremen \n \n \nB e s c h l u s s \n \nIn dem Rechtsstreit \n \n…., \n \n \n \nKläger, \nProzessbevollmächtigte: \nRechtsanwälte … \n \ngegen \n \n1. … \n \n2. … \n \n \n \nBeklagte, \nProzessbevollmächtigter zu 1: \nRechtsanwalt … \n \nProzessbevollmächtigte zu 2: \nRechtsanwältinnen und Rechtsanwälte … \n \nhat der 1. Zivilsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen durch den Vor-\nsitzenden Richter am Oberlandesgericht Dr. Schromek, den Richter am Oberlandesge-\nricht Dr. Böger und die Richterin am Amtsgericht Varelmann \n \nam 08.03.2021 beschlossen: \n \nI. \nDer Senat beabsichtigt, die Berufung des Klägers gegen das Urteil des \nLandgerichts Bremen vom 09.04.2020, Az.: 7 O 92/19, durch einstimmi-\ngen Beschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO zurückzuweisen. \nII. \nDem Kläger wird Gelegenheit zur Stellungnahme bis zum 26.03.2021 \ngegeben. \n\n \n \n \n \nSeite 2 von 34 \n2\nGründe \nI. \nDer Kläger macht gegen die Beklagten Schadensersatzansprüche aufgrund eines Un-\nfallereignisses geltend, welches sich am 27.07.2017 gegen 19:25 Uhr in Bremen in der \n…-Straße ereignet haben soll. \nHinsichtlich des Tatbestandes und des weiteren Vorbringens der Parteien in erster In-\nstanz einschließlich der dort gestellten Anträge wird Bezug genommen auf die Feststel-\nlungen im angefochtenen Urteil des Landgerichts Bremen vom 09.04.2020, Az.: 7 O \n92/19 (§ 540 Abs. 1 Nr. 1 ZPO). \nDer Kläger behauptet, der Unfall sei wie folgt verursacht worden: Er habe als Halter des \nüber die … Bank finanzierten Pkw … mit dem amtlichen Kennzeichen … am 26.07.2020 \ndiesen Pkw in der …-Straße geparkt. Der Beklagte zu 1. sei dann als Fahrer des bei \nder Beklagten zu 2. haftpflichtversicherten Pkw … mit dem amtlichen Kennzeichen …, \nden der Beklagte zu 1. für zwei Tage von der … angemietet habe, mit dem geparkten \nFahrzeug des Klägers kollidiert, wovon der Kläger aber erst Kenntnis erlangt habe, als \ner in der Nacht vom 27.07. auf den 28.07.2020 zurückgekehrt sei. Die durch diesen \nUnfall verursachten Schäden würden nach dem Privatgutachten des Sachverständigen \n… vom 13.02.2018 zu Nettoreparaturkosten von EUR 8.448,27 führen und es verbliebe \neine Wertminderung von EUR 1.750,-. Zudem macht der Kläger die Kosten des Privat-\nsachverständigen i.H.v. EUR 1.111,46 geltend sowie eine Schadenspauschale von \nEUR 20,-. \nDer Beklagte zu 1. hat erstinstanzlich im Rahmen seiner persönlichen Anhörung durch \ndas Landgericht angegeben, beim Kurvenfahren mit einer Geschwindigkeit von 20 bis \n30 km/h die Kurve nicht bekommen zu haben, da er den Radius der Kurve unterschätzt \nund daher nicht genügend eingelenkt habe, und dabei das Fahrzeug des Klägers be-\nrührt zu haben, wobei er erst nach Bemerken der Kollision gebremst habe und auch \nnicht mehr wisse, ob er noch aktiv versucht haben, noch nach links gegenzulenken. \nEinen Sachantrag hat der anwaltlich vertretene Beklagte zu 1. vor dem Landgericht \nnicht gestellt. \nDie Beklagte zu 2., die erstinstanzlich zugleich als Streithelferin für den Beklagten zu 1. \naufgetreten ist, bestreitet den vom Kläger behaupteten Unfallhergang und behauptet, \n\n \n \n \n \nSeite 3 von 34 \n3\nes habe sich, sofern es zu einer Kollision gekommen sein sollte, um ein absichtlich \nherbeigeführtes Schadensereignis gehandelt, um auf fiktiver Grundlage lukrativ abrech-\nnen zu können. Zudem bestreitet die Beklagte zu 2., dass der vom Kläger geltend ge-\nmachte Sachschaden durch das behauptete Unfallereignis verursacht worden sei. \nGegenüber der klagabweisenden Entscheidung des Landgerichts macht der Kläger gel-\ntend, dass das Landgericht aufgrund einer nicht ordnungsgemäßen und vollständigen \nGesamtwürdigung der vorliegenden Tatsachen und Beweise zu der Feststellung ge-\nkommen sei, dass der Beweis für eine planmäßige Vorbereitung und Herbeiführung des \nUnfalls erbracht sei. Der Kläger wendet sich im Einzelnen gegen die vom Landgericht \nseiner Entscheidung zugrunde gelegten Indiztatsachen sowie deren Würdigung durch \ndas Landgericht und macht im Übrigen geltend, dass das Landgericht nicht auch die \nzugunsten des Klägers sprechenden Umstände berücksichtigt habe. \nWeiter macht der Kläger geltend, dass der Klage jedenfalls gegen den Beklagten zu 1. \nhätte stattgegeben werden müssen, da der anwaltlich vertretene Beklagte zu 1. den \nvom Kläger behaupteten Unfallhergang eingeräumt habe, so dass sich die Beklagte \nzu 2. als Streithelferin für den Beklagten zu 1. mit ihren Prozesshandlungen unzulässi-\ngerweise in Widerspruch zu den Erklärungen und Handlungen des Beklagten zu 1. ge-\nsetzt habe. \nMit seiner Berufung beantragt der Kläger, unter Abänderung des angefochtenen klag-\nabweisenden Urteils die Beklagten als Gesamtschuldner zu verurteilen, \n1. an den Kläger einen Betrag in Höhe von EUR 11.329,73 nebst 5 % Zinsen \nüber dem Basiszinssatz ab dem 24.09.2018 zu zahlen, und zwar: \na) in Höhe von EUR 8.448,27 an die …, zur Darlehensvertrag-Nr. …, \nb) in Höhe von EUR 1.111,46 an das Kfz-Sachverständigenbüro …, zur \nGutachten-Nr. …, \nc) in Höhe von EUR 1.770,00 an den Kläger persönlich. \n2. an den Kläger einen weiteren Betrag in Höhe von EUR 958,19 nebst 5 % \nZinsen über dem Basiszinssatz ab Rechtshängigkeit zu zahlen, \nsowie hilfsweise, anstelle des Klagantrags zu 2, \n\n \n \n \n \nSeite 4 von 34 \n4\n2. an die … zur Schadennummer: … einen weiteren Betrag in Höhe von \nEUR 958,19 nebst 5 % Zinsen über dem Basiszinssatz ab Rechtshängigkeit zu \nzahlen. \nDie Beklagte zu 2. beantragt, dies zugleich auch als Streithelferin für den Beklagten \nzu 1., \n \ndie Berufung zurückzuweisen. \nHinsichtlich des weiteren Vorbringens der Parteien in der Berufungsinstanz wird auf die \ngewechselten Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen. \nII. \nDie Berufung ist form- und fristgerecht eingelegt worden; in der Sache hat sie aber keine \nAussicht auf Erfolg. Der Kläger kann sich nicht mit Aussicht auf Erfolg gegen die Fest-\nstellungen des Landgerichts wenden, wonach auf der Grundlage der durch die Kammer \nvorgenommenen Würdigung der relevanten Indizien als erwiesen anzusehen ist, dass \ndie geltend gemachten Beschädigungen nicht aufgrund eines Verkehrsunfalls bzw. ei-\nnes schädigenden Ereignisses im Sinne eines zumindest für den Geschädigten zufälli-\ngen, nicht gezielt herbeigeführten Ereignisses erfolgten und dass das Schadensereig-\nnis für den Kläger nicht unfreiwillig war, sondern er in dieses eingewilligt hat. Der Kläger \nrügt ohne Aussicht auf Erfolg, dass die durch das Landgericht vorgenommene Gesamt-\nwürdigung nicht ordnungsgemäß und vollständig gewesen sei und dass das Landge-\nricht fehlerhaft nicht auch die zugunsten des Klägers sprechenden Umstände berück-\nsichtigt habe. \n1. Ein von den Beteiligten unter Einschluss des Geschädigten vorsätzlich herbeigeführ-\ntes gestelltes bzw. manipuliertes Unfallgeschehen löst keine Ersatzpflicht des ver-\nmeintlichen Schädigers und seines Haftpflichtversicherers aus (vgl. BGH, Urteil vom \n13.12.1977 – VI ZR 206/75, juris Rn. 10, BGHZ 71, 339; Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR \n36/76, juris Rn. 9, VersR 1978, 865; Urteil vom 05.12.1978 – VI ZR 185/77, juris Rn. 9, \nVersR 1979, 281; Urteil vom 05.12.1978 – VI ZR 71/77, juris Rn. 8, VersR 1979, 281; \nUrteil vom 01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 7 ff., NJW 2020, 1072), wobei die Dar-\nlegungs- und Beweislast für diese Einwendung, dass der Geschädigte mit der Verlet-\nzung seines Rechtsguts einverstanden gewesen ist, beim (vermeintlichen) Schädiger \nund dessen Haftpflichtversicherer liegt (siehe BGH, Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR \n\n \n \n \n \nSeite 5 von 34 \n5\n206/75, juris Rn. 27, BGHZ 71, 339; Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR 36/76, juris Rn. 13, \nVersR 1978, 865; Urteil vom 05.12.1978 – VI ZR 185/77, juris Rn. 9, VersR 1979, 281; \nUrteil vom 05.12.1978 – VI ZR 71/77, juris Rn. 8, VersR 1979, 281; Urteil vom \n01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 7, NJW 2020, 1072). \n2. Der Nachweis eines gestellten Unfalls kann, wenn es an direkten Beweisen fehlt, \nauch im Wege des Indizienbeweises geführt werden. \na. Der Nachweis eines gestellten Unfalls ist nach der Rechtsprechung des Bundesge-\nrichtshofs im Wege eines Indizienbeweises zu führen, wenn sich typischerweise bei \ngestellten Unfällen auftretende Merkmale in auffälliger Weise häufen und die für eine \nUnfallmanipulation sprechenden Indizien in ihrer Gesamtschau nach der Lebenserfah-\nrung den Schluss zulassen, dass der Unfall auf einer Verabredung beruht und der Ge-\nschädigte mit der Herbeiführung des Schadens an seinem Fahrzeug einverstanden ge-\nwesen ist (vgl. BGH, Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR 206/75, juris Rn. 29, BGHZ 71, 339; \nUrteil vom 05.12.1978 – VI ZR 71/77, juris Rn. 9 f., VersR 1979, 281; Urteil vom \n28.03.1989 – VI ZR 232/88, juris Rn. 14, NJW 1989, 3161; Urteil vom 27.03.1990 – VI \nZR 115/89, juris Rn. 5, DAR 1990, 224; Urteil vom 01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris \nRn. 8 f., NJW 2020, 1072). Diesen Prinzipien folgt im Grundsatz die Rechtsprechung \nsämtlicher Oberlandesgerichte (siehe OLG Bamberg, Urteil vom 07.06.2016 – 5 U \n275/15, BeckRS 2016, 131165 Rn. 17; KG Berlin, Beschluss vom 09.03.2011 – 22 U \n10/11, juris Rn. 8; Beschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 4 f., MDR 2018, \n791; OLG Brandenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 5; OLG Braun-\nschweig, Beschluss vom 24.09.2014 – 7 U 99/13, juris Rn. 2; OLG Celle, Urteil vom \n08.10.2015 – 5 U 175/14, juris Rn. 18, NZV 2016, 275; Beschluss vom 30.03.2017 – 14 \nU 38/17, juris Rn. 1; Urteil vom 11.11.2020 – 14 U 119/19, juris Rn. 17; OLG Dresden, \nUrteil vom 15.08.2018 – 7 U 1421/13, juris Rn. 25, NJW-RR 2014, 1441; Urteil vom \n23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230; Urteil vom 11.06.2019 – 4 \nU 150/19, juris Rn. 7, NJ 2019, 444; OLG Düsseldorf, Urteil vom 05.05.2015 – I-1 U \n50/14, juris Rn. 15; Urteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris Rn. 52, NJW-RR 2018, \n605; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.12.2017 – 15 U 37/16, juris Rn. 23, NJW-RR 2018, \n538; Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 34; Hanseatisches OLG Hamburg, \nUrteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 25, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG \nHamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 14; Urteil vom 01.08.2017 – 9 U \n59/16, juris Rn. 20; Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 4; Urteil vom \n13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 32, NJW 2019, 3085; Urteil vom 12.02.2020 – 11 U \n44/19, juris Rn. 32; OLG Jena, Urteil vom 05.12.2001 – 4 U 231/00, juris Rn. 7, OLGR \n\n \n \n \n \nSeite 6 von 34 \n6\nJena 2002, 199; OLG Karlsruhe, Urteil vom 08.03.2007 – 19 U 54/06, juris Rn. 3, NJW-\nRR 2007, 1172; OLG Koblenz, Urteil vom 06.12.2013 – 10 U 255/13, juris Rn. 29; OLG \nKöln, Beschluss vom 01.06.2016 – I-7 U 53/16, juris Rn. 2, NZV 2017, 33; Urteil vom \n22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 57, NJW-RR 2017, 1370; OLG München, Urteil vom \n18.11.2016 – 10 U 1447/16, juris Rn. 27 f., Schaden-Praxis 2017, 451; Urteil vom \n08.09.2017 – 10 U 4665/16, juris Rn. 8; OLG Naumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U \n59/13, juris Rn. 25, NJW-RR 2015, 22; Urteil vom 21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 28, \nVerkMitt 2016 Nr 27; OLG Nürnberg, Urteil vom 19.12.2011 – 4 U 2659/10, juris Rn. 10, \nNJW-RR 2012, 720; OLG Rostock, Urteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 37, \nVRS 119, 57; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 25; Urteil \nvom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 28 ff., NZV 2018, 218; OLG Schleswig, Be-\nschluss vom 30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 3, SchlHA 2017, 351; Urteil vom \n08.05.2018 – 7 U 52/17, juris Rn. 36, SchlHA 2019, 276; Beschluss vom 23.10.2018 – \n7 U 18/18, juris Rn. 5 f., SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, Urteil vom 21.09.2018 – 10 \nU 137/18, juris Rn. 10; Urteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 6; OLG Zweibrü-\ncken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 10; siehe auch Hanseatisches OLG \nin Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 9, VersR 2003, 1553). \nb.aa. Die Führung des Indizienbeweises erfordert nach der Rechtsprechung des Bun-\ndesgerichtshofs nicht einen lückenlosen, mathematisch-naturwissenschaftlich zwin-\ngenden Beweis oder auch eine an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, sondern \nes genügt ein für das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit, der verblei-\nbenden Zweifeln Schweigen gebietet, ohne sie völlig auszuschließen (vgl. BGH, Urteil \nvom 13.12.1977 – VI ZR 206/75, juris Rn. 28, BGHZ 71, 339; Urteil vom 18.01.2000 – \nVI ZR 375/98, juris Rn. 18, VersR 2000, 503; Urteil vom 04.11.2003 – VI ZR 28/03, juris \nRn. 9, NJW 2004, 777; Urteil vom 22.11.2006 – IV ZR 21/05, juris Rn. 12, NJW-RR \n2007, 312; Urteil vom 12.02.2008 – VI ZR 221/06, juris Rn. 11, VersR 2008, 644; Urteil \nvom 19.10.2010 – VI ZR 241/09, juris Rn. 21, NJW 2011, 375; Urteil vom 16.04.2013 – \nVI ZR 44/12, juris Rn. 8, NJW 2014, 71; Urteil vom 11.11.2014 – VI ZR 76/13, juris \nRn. 23, NJW 2015, 411; Urteil vom 01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 8, NJW 2020, \n1072). Ähnlich wird dies formuliert, wenn es heißt, dass ein Indizienbeweis im Rahmen \ndes § 286 ZPO dann überzeugungskräftig ist, wenn andere Schlüsse aus den Indizien-\ntatsachen ernstlich nicht in Betracht kommen (siehe BGH, Urteil vom 14.01.1993 – IX \nZR 238/91, juris Rn. 21, NJW 1993, 935). \n\n \n \n \n \nSeite 7 von 34 \n7\nbb. Diese Aufforderung zur lebensnahen Würdigung einer Häufung von Beweisanzei-\nchen für eine Manipulation beinhaltet aber keine Absenkung des erforderlichen Beweis-\nmaßes der vollen Überzeugung. Auch im Rahmen des Indizienbeweises genügt daher \nzur Beweisführung nach § 286 ZPO nicht die Feststellung einer bloßen, wenn auch \nerheblichen Wahrscheinlichkeit des gestellten Unfallgeschehens (so aber KG Berlin, \nUrteil vom 09.03.2011 – 22 U 10/11, juris Rn. 8, Schaden-Praxis 2011, 358; OLG Celle, \nUrteil vom 08.10.2015 – 5 U 175/14, juris Rn. 18, NZV 2016, 275; OLG Naumburg, \nUrteil vom 03.04.2014 – 4 U 59/13, juris Rn. 25, NZV 2015, 193; OLG Saarbrücken, \nUrteil vom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 30, NZV 2018, 218). Vielmehr ist nach \nder allgemeinen Regelung des § 286 ZPO auch hier erforderlich, dass der Tatrichter \nselbst die Überzeugung von der Wahrheit einer Behauptung gewonnen hat, wobei dies \neine von allen Zweifeln freie Überzeugung nicht voraussetzt und die objektiv erhebliche \nWahrscheinlichkeit eines bestimmten Geschehens im Einzelfall zur Begründung der \npersönlichen Gewissheit des Tatrichters ausreichen kann, wenn dieser an sich mögli-\nche Zweifel überwindet (vgl. BGH, Urteil vom 17.02.1970 – III ZR 139/67, juris Rn. 72, \nBGHZ 53, 245; Urteil vom 16.04.2013 – VI ZR 44/12, juris Rn. 7, NJW 2014, 71; Urteil \nvom 01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 9, NJW 2020, 1072). Hält der Tatrichter ein \nbestimmtes Geschehen selbst nur für hinreichend oder überwiegend wahrscheinlich, \nohne sich dessen gewiss zu sein, kann dies für eine Überzeugungsbildung nur im Rah-\nmen des – hier nicht in Rede stehenden – § 287 ZPO genügen (siehe zuletzt u.a. BGH, \nUrteil vom 29.01.2019 – juris Rn. 12, VI ZR 113/17, BGHZ 221, 43; Urteil vom \n17.09.2019 – VI ZR 494/18, juris Rn. 13, Verkehrsrecht aktuell 2020, 2; Urteil vom \n01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 9, NJW 2020, 1072). \ncc. Etwas anderes ergibt sich auch nicht nach den Grundsätzen über den Beweis des \nersten Anscheins, da auch bei Vorliegen einer Häufung von Beweisanzeichen der \nNachweis einer Unfallmanipulation in der Regel nicht im Wege des Anscheinsbeweises \nzu führen ist (so BGH, Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR 206/75, juris Rn. 28, BGHZ 71, \n339; Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR 36/76, juris Rn. 15, VersR 1978, 865; Urteil vom \n05.12.1978 – VI ZR 185/77, juris Rn. 17, VersR 1979, 281; Urteil vom 01.10.2019 – VI \nZR 164/18, juris Rn. 9, NJW 2020, 1072; anders dagegen noch OLG Brandenburg, Ur-\nteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 5; OLG Braunschweig, Beschluss vom \n24.09.2014 – 7 U 99/13, juris Rn. 2; OLG Dresden, Urteil vom 11.06.2019 – 4 U 150/19, \njuris Rn. 7, NJ 2019, 444; OLG Naumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U 59/13, juris \nRn. 25, NJW-RR 2015, 22; Urteil vom 21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 28, VerkMitt \n2016 Nr 27; OLG Koblenz, Urteil vom 04.10.2005 – 12 U 1114/04, juris Rn. 24, NZV \n\n \n \n \n \nSeite 8 von 34 \n8\n2006, 262; OLG Köln, Urteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 57, NJW-RR 2017, \n1370; Hanseatisches OLG in Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 9, \nVersR 2003, 1553). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist diese Be-\nweiserleichterung vielmehr auf besondere Ausnahmefälle beschränkt, wenn eine für \neine Unfallmanipulation besonders typische Gestaltung des angeblichen Unfallgesche-\nhens vorliegt und dem Kreis der Beteiligten die Praktiken des Unfallbetruges nicht fremd \nsind (siehe BGH, Urteil vom 06.03.1978 – VI ZR 269/76, juris Rn. 11, 18 ff., VersR 1979, \n514; Urteil vom 05.12.1978 – VI ZR 185/77, juris Rn. 17, VersR 1979, 281; Urteil vom \n01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 10, NJW 2020, 1072). \nc.aa. Der Indizienbeweis erfordert eine Berücksichtigung sämtlicher sich aus dem ge-\nsamten Streitstoff ergebenden Umstände, deren indizieller Wert für oder gegen die Stüt-\nzung der Behauptungen der Parteien erkennbar ist (siehe BGH, Urteil vom 09.11.1977 \n– IV ZR 160/76, juris Rn. 26, VersR 1978, 74; Urteil vom 14.01.1993 – IX ZR 238/91, \njuris Rn. 16, WM 1993, 902; Urteil vom 27.01.1994 – I ZR 326/91, juris Rn. 52, 61, NJW \n1994, 2289; Urteil vom 22.11.2006 – IV ZR 21/05, juris Rn. 19, NJW-RR 2007, 312; \nUrteil vom 25.10.2012 – I ZR 167/11, juris Rn. 26, NJW-RR 2013, 743; Urteil vom \n01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 11, NJW 2020, 1072), wobei das Gericht auch \nnicht gegen allgemeine Denkgesetze und Erfahrungssätze verstoßen darf (siehe BGH, \nUrteil vom 14.01.1993 – IX ZR 238/91, juris Rn. 16, WM 1993, 902; Urteil vom \n23.01.1997 – I ZR 29/94, juris Rn. 43, NJW 1997, 2757; Urteil vom 22.11.2006 – IV ZR \n21/05, juris Rn. 11, NJW-RR 2007, 312; Urteil vom 11.06.2015 – I ZR 19/14, juris \nRn. 19, NJW 2016, 942). Das Gericht darf mithin nicht eine Beweisführung im Wege \ndes Indizienbeweises als nicht erbracht ansehen, ohne sämtliche für die betreffende \nBehauptung sprechenden Indizien berücksichtigt zu haben. Dabei genügt eine schlichte \nAddition bzw. Auflistung der im Einzelfall jeweils relevanten Indizien nicht (siehe BGH, \nBeschluss vom 30.01.2008 – IV ZR 18/07, juris Rn. 14, VersR 2008, 776; Urteil vom \n22.11.2006 – IV ZR 21/05, juris Rn. 18, NJW-RR 2007, 312), sondern es bedarf zur \nFührung eines Indizienbeweises einer Gesamtwürdigung der für und gegen eine be-\nstimmte Behauptung sprechenden Indizien (siehe BGH, Urteil vom 09.11.1977 – IV ZR \n160/76, juris Rn. 26, VersR 1978, 74; Urteil vom 27.01.1994 – I ZR 326/91, juris Rn. 52, \nNJW 1994, 2289; Urteil vom 22.11.2006 – IV ZR 21/05, juris Rn. 18, NJW-RR 2007, \n312; Urteil vom 01.10.2019 – VI ZR 164/18, juris Rn. 11, NJW 2020, 1072). Diese Vor-\nnahme dieser Gesamtwürdigung muss aus dem Urteil des Tatgerichts erkennbar sein \n(BGH, Urteil vom 09.11.1977 – IV ZR 160/76, juris Rn. 26, VersR 1978, 74; Urteil vom \n27.03.1990 – VI ZR 115/89, juris Rn. 5, DAR 1990, 224; Urteil vom 22.01.1991 - VI ZR \n\n \n \n \n \nSeite 9 von 34 \n9\n97/90, juris Rn. 24, NJW 1991, 1894; Urteil vom 27.01.1994 – I ZR 326/91, juris Rn. 52, \nNJW 1994, 2289; Urteil vom 24.01.1996 – IV ZR 270/94, juris Rn. 6, RuS 1996, 146; \nUrteil vom 22.11.2006 – IV ZR 21/05, juris Rn. 11 und 18, NJW-RR 2007, 312; Urteil \nvom 11.06.2015 – I ZR 19/14, juris Rn. 19, NJW 2016, 942). Es muss hieraus auch \ndeutlich werden, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit den betreffenden herangezo-\ngenen Kriterien eine indizielle Bedeutung für die jeweils zu beweisende Behauptung \nund nicht etwa lediglich zur Erschütterung der Glaubhaftigkeit der Darstellung der an-\nderen Prozesspartei zugemessen wird (siehe BGH, Beschluss vom 30.01.2008 – IV ZR \n18/07, juris Rn. 14, VersR 2008, 776). Hierbei bedarf es insoweit regelmäßig aber kei-\nner Ausweisung von Wahrscheinlichkeiten in Prozentsätzen, für die es häufig an einer \ngesicherten empirischen Grundlage fehlen dürfte (siehe BGH Urteil vom 28.03.1989 – \nVI ZR 232/88, juris Rn. 19, NJW 1989, 3161), und es gilt auch hier der allgemeine \nGrundsatz, dass das Gericht in der Urteilsbegründung nicht auf jedes Parteivorbringen, \njede Zeugenaussage oder jedes sonstige Beweismittel einzugehen, wenn sich nur \nergibt, dass eine sachentsprechende Würdigung stattgefunden hat (vgl. BGH, Urteil \nvom 27.09.1951 – IV ZR 155/50, juris Rn. 23, BGHZ 3, 162; Urteil vom 09.11.1977 – IV \nZR 160/76, juris Rn. 26, VersR 1978, 74), wobei aber die wesentlichen, der Rechtsver-\nfolgung oder Rechtsverteidigung dienenden Tatsachenbehauptungen einer Partei auch \nin den Gründen verarbeitet werden müssen (siehe BGH, Beschluss vom 13.03.2018 – \nVI ZR 281/16, juris Rn. 8, NJW 2018, 2133). \nbb. Dass einzelne Indizien auch eine andere plausible Erklärung finden mögen, steht \nim Rahmen dieser Gesamtwürdigung der Beweisführung im Wege eines Indizienbewei-\nses nicht entgegen, da der Indizienbeweis nach den vorstehenden Ausführungen kei-\nnen lückenlosen, zwingenden Beweis voraussetzt. Werden Indiztatsachen herangezo-\ngen, deren Vorliegen im Einzelnen sich mit dem gegensätzlichen Vortrag beider Par-\nteien vereinbaren lässt, dann läge ein Verstoß gegen die Denkgesetze aber dann vor, \nwenn diese Tatsachen in ihrer Ambivalenz nicht erkannt und als lediglich mit dem Vor-\ntrag einer Partei für vereinbar gehalten werden, und die betreffenden Indiztatsachen \nsind vielmehr allein im Rahmen dieser Gesamtwürdigung dahin zu prüfen, ob sie in ihrer \nGesamtheit und in Verbindung mit dem übrigen Prozessstoff, insbesondere dem un-\nstreitigen Sachverhalt, eine tragfähige Aussage für das Beweisthema begründen (siehe \nBGH, Urteil vom 22.01.1991 – VI ZR 97/90, juris Rn. 13, 24, NJW 1991, 1894; Urteil \nvom 14.01.1993 – IX ZR 238/91, juris Rn. 21, NJW 1993, 935; Urteil vom 23.01.1997 – \nI ZR 29/94, juris Rn. 43, NJW 1997, 2757). \n\n \n \n \n \nSeite 10 von 34 \n10\ncc. Indizien können allerdings im Rahmen der Überzeugungsbildung des Gerichts zur \nFührung eines Indizienbeweises nur dann herangezogen werden, wenn diese Indiztat-\nsachen als zutreffend zu behandeln sind (siehe BGH, Urteil vom 12.03.2019 – X ZR \n32/17, juris Rn. 71, GRUR 2019, 713), d.h. wenn sie unstreitig oder bewiesen sind. Das \nGericht ist aber bei der Behandlung von Anträgen zum Beweis von Indizien freier ge-\nstellt als bei sonstigen Beweisanträgen und es darf und muss bei einem Indizienbeweis \nvor der Beweiserhebung prüfen, ob es durch die vorgetragenen Indizien – ihre Richtig-\nkeit unterstellt – von der Wahrheit der Haupttatsache überzeugt wird (siehe BGH, Urteil \nvom 17.02.1970 – III ZR 139/67, juris Rn. 231, BGHZ 53, 245; Urteil vom 25.11.1992 – \nXII ZR 179/91, juris Rn. 7, NJW-RR 1993, 443; Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/10, \njuris Rn. 45, BGHZ 193, 159; Urteil vom 25.10.2012 – I ZR 167/11, juris Rn. 26, NJW-\nRR 2013, 743; Urteil vom 13.03.2018 – VI ZR 281/16, juris Rn. 9, NJW 2018, 2133; \nUrteil vom 12.03.2019 – X ZR 32/17, juris Rn. 71, GRUR 2019, 713; Urteil vom \n03.12.2019 – KZR 27/17, juris Rn. 52, NZKart 2020, 384). Dabei ist eine Beweisauf-\nnahme aber nicht mit der Begründung abzulehnen, dass es sich bei dem zu beweisen-\nden Umstand lediglich um einen nur mittelbaren Beweis für die Haupttatsache handelt, \nsofern diesem Umstand eine jedenfalls indizielle Relevanz im vorstehend beschriebe-\nnen Sinne nicht abzusprechen ist (siehe BGH, Urteil vom 02.05.1990 – IV ZR 310/88, \njuris Rn. 8, NJW-RR 1990, 1276). \nWird mithin die Behauptung des Vorliegens eines für die Annahme eines gestellten Un-\nfalls sprechenden Indizes bestritten, ist daher vom Gericht hierüber gegebenenfalls Be-\nweis zu erheben oder es ist darzulegen, dass es auf das Vorliegen dieses Umstandes \nnicht ankommt, d.h. dass das Gericht auch ohne das Vorliegen dieser Indiztatsache \nvon der Unfallmanipulation überzeugt ist (siehe BGH, Urteil vom 28.03.1989 – VI ZR \n232/88, juris Rn. 18, NJW 1989, 3161) oder dass das Gericht auch bei Vorliegen dieser \nIndiztatsache nicht von der Wahrheit der Haupttatsache überzeugt ist (siehe BGH, Urteil \nvom 29.06.1982 – VI ZR 206/80, juris Rn. 10, VersR 1982, 972; Urteil vom 04.07.1989 \n– VI ZR 309/88, juris Rn. 10, NJW 1989, 2947; Urteil vom 25.11.1992 – XII ZR 179/91, \njuris Rn. 7, NJW-RR 1993, 443; Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/10, juris Rn. 45, \nBGHZ 193, 159; Urteil vom 25.10.2012 – I ZR 167/11, juris Rn. 26, NJW-RR 2013, 743; \nUrteil vom 03.12.2019 – KZR 27/17, juris Rn. 52, NZKart 2020, 384). \nWird dagegen ein gegen die Annahme eines gestellten Verkehrsunfalls sprechendes \nIndiz behauptet, dessen Vorliegen von der Gegenseite, insbesondere von der Versi-\ncherung, bestritten wird, dann muss das Gericht, wenn es dennoch das Vorliegen einer \nUnfallmanipulation feststellt, darlegen, ob es entweder die Behauptung des Vorliegens \n\n \n \n \n \nSeite 11 von 34 \n11\ndieses Indizes aufgrund einer gegebenenfalls durchgeführten Beweisaufnahme als wi-\nderlegt ansieht oder ob es dieses Indiz im Rahmen der Gesamtwürdigung als nicht er-\nheblich ansieht (siehe BGH, Urteil vom 13.03.2018 – VI ZR 281/16, juris Rn. 9, NJW \n2018, 2133; Urteil vom 03.12.2019 – KZR 27/17, juris Rn. 52, NZKart 2020, 384). \ndd. Unmittelbar zum Hauptbeweis des Gegenteils angebotene Beweismittel sind dage-\ngen vom Gericht generell zu berücksichtigen und daraufhin zu würdigen, ob sie dem \nIndizienbeweis entgegenstehen, wobei eine vorweggenommene Beweiswürdigung \nnach den allgemeinen Grundsätzen ausgeschlossen ist und ein solcher Gegenbeweis-\nantritt nicht auf Grund der Würdigung von Indiztatsachen übergangen werden darf (vgl. \nBGH, Urteil vom 19.03.2002 – XI ZR 183/01, juris Ls., WM 2002, 1004; Beschluss vom \n07.12.2006 – IX ZR 173/03, juris Rn. 10, NJW-RR 2007, 500; Urteil vom 06.06.2013 – \nIX ZR 204/12, juris Rn. 17, NJW 2013, 2345; Urteil vom 03.12.2019 – KZR 27/17, juris \nRn. 53, NZKart 2020, 384). Eine angebotene gegenbeweisliche Beweisaufnahme darf \ndaher nicht mit der Begründung abgelehnt werden, dass das Gericht bereits aufgrund \nder sonstigen Indizien vom Vorliegen einer Unfallmanipulation überzeugt ist; dies betrifft \ninsbesondere ein etwaiges Angebot des Zeugenbeweises. Dagegen kann es im Einzel-\nfall entbehrlich sein, ein gegenbeweislich angebotenes Unfallrekonstruktionsgutachten \neinzuholen, wenn der äußere Unfallhergang als solcher unstreitig ist und auch die Plau-\nsibilität des Unfallgeschehens keiner weiteren Klärung und Beurteilung bedarf und le-\ndiglich streitig bleibt, ob subjektiv die Kollision absichtlich herbeigeführt wurde oder nicht \n(siehe OLG Celle, Beschluss vom 30.03.2017 – 14 U 38/17, juris Rn. 7; OLG Schleswig, \nUrteil vom 24.08.2017 – 7 U 8/17, juris Rn. 30; Urteil vom 08.05.2018 – 7 U 52/17, juris \nRn. 51, SchlHA 2019, 276). \n3. In der Rechtsprechung der Oberlandesgerichte sind eine Reihe von typischen Krite-\nrien herausgearbeitet worden, die als Indizien für das Vorliegen einer gestellten Unfall-\nsituation bewertet werden. Im Einzelnen wird hierbei den folgenden Umständen aus \nden jeweils sogleich darzulegenden Gründen eine solche indizielle Bedeutung zuge-\nmessen, wobei es sich hierbei weder um zwingend erforderliche Merkmale noch um \neine abschließende Aufzählung handelt: \na. Nicht nachvollziehbares Fahrverhalten beim Unfall: Ein wesentliches, wenn auch \nnicht notwendigerweise alleine hinreichendes Indiz für die Annahme eines gestellten \nUnfallgeschehens ist es, wenn das vom Gericht festgestellte oder nach dem Parteivor-\ntrag zugrunde zu legende Unfallgeschehen sich nicht als plausibel und nachvollziehbar \nzu erklärendes Fahrverhalten darstellt (so KG Berlin, Beschluss vom 12.04.2018 – 25 \n\n \n \n \n \nSeite 12 von 34 \n12\nU 148/17, juris Rn. 7, MDR 2018, 791; OLG Brandenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 \nU 70/17, juris Rn. 8; OLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 – 5 U 175/14, juris Rn. 20, NZV \n2016, 275; Urteil vom 11.11.2020 – 14 U 119/19, juris Rn. 25; OLG Frankfurt, Urteil vom \n08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 38; Hanseatisches OLG Hamburg, Urteil vom \n28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 25, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG Hamm, Be-\nschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 10; Urteil vom 22.02.2019 – 9 U \n111/17, juris Rn. 11, NJW-RR 2019, 801; OLG München, Urteil vom 07.07.2017 – 10 U \n4341/16, juris Rn. 13; Urteil vom 08.09.2017 – 10 U 4665/16, juris Rn. 12; OLG Nürn-\nberg, Urteil vom 19.12.2011 – 4 U 2659/10, juris Rn. 16, NJW-RR 2012, 720; OLG \nRostock, Urteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 48, VRS 119, 57; OLG Schleswig, \nBeschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 12, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, \nUrteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 12). Ist das Unfallgeschehen nicht durch \nein plausibles und nachvollziehbar normales Fahrverhalten zu erklären, so ist stattdes-\nsen eine gezielte Herbeiführung des Unfalls als umso wahrscheinlicher anzusehen. \nb. Keine plausible Erklärung der Anwesenheit am Unfallort: Ein Indiz für ein gestelltes \nUnfallgeschehen kann weiter darin gesehen werden, dass nicht plausibel erklärt wird, \naus welchen Gründen sich die unfallbeteiligten Personen mit ihren Fahrzeugen am kon-\nkreten Unfallort befanden (siehe OLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 – 5 U 175/14, juris \nRn. 22, NZV 2016, 275; Beschluss vom 30.03.2017 – 14 U 38/17, juris Rn. 3; OLG \nFrankfurt, Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 37; OLG Hamm, Urteil vom \n24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 21; Urteil vom 22.11.2016 – 9 U 1/16, juris Rn. 15, \nNJW-RR 2017, 601; Urteil vom 22.02.2019 – 9 U 111/17, juris Rn. 7, NJW-RR 2019, \n801; Urteil vom 13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 41, NJW 2019, 3085; OLG Nürnberg, \nUrteil vom 19.12.2011 – 4 U 2659/10, juris Rn. 19, NJW-RR 2012, 720; OLG Rostock, \nUrteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 55, VRS 119, 57; OLG Schleswig, Urteil \nvom 08.05.2018 – 7 U 52/17, juris Rn. 43, SchlHA 2019, 276; Beschluss vom \n23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 11, SchlHA 2019, 306; siehe auch Hanseatisches \nOLG in Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 13, VersR 2003, 1553). \nBei einem gestellten Unfallgeschehen wird es vielfach an einer neutralen und plausiblen \nErklärung dafür fehlen, warum sich die Beteiligten am Unfallort befanden, wenn tatsäch-\nlich allein der Zweck der Vortäuschung eines Unfalls der Anlass ihrer Anwesenheit am \nKollisionsort war, dies insbesondere bei abgelegenen und wegen der Abwesenheit von \nneutralen Zeugen gewählten Kollisionsorten. \nc. Abrechnung auf Gutachten- oder Totalschadenbasis: Typisch für ein gestelltes Un-\nfallgeschehen ist ferner, dass der Geschädigte seinen Schaden auf Gutachten- oder \n\n \n \n \n \nSeite 13 von 34 \n13\nTotalschadenbasis abrechnet, d.h. nicht aufgrund der in Rechnung gestellten Kosten \nfür eine tatsächlich erfolgte Reparatur (siehe KG Berlin, Beschluss vom 12.04.2018 – \n25 U 148/17, juris Rn. 14, MDR 2018, 791; OLG Brandenburg, Urteil vom 18.10.2018 \n– 12 U 70/17, juris Rn. 12; OLG Braunschweig, Beschluss vom 24.09.2014 – 7 U 99/13, \njuris Rn. 14; OLG Celle, Beschluss vom 13.09.2012 – 14 U 116/12, juris Rn. 11; Be-\nschluss vom 30.03.2017 – 14 U 38/17, juris Rn. 6; Urteil vom 11.11.2020 – 14 U 119/19, \njuris Rn. 22; OLG Dresden, Urteil vom 15.08.2018 – 7 U 1421/13, juris Rn. 23, NJW-\nRR 2014, 1441; OLG Düsseldorf, Urteil vom 05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 17; \nUrteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris Rn. 64, NJW-RR 2018, 605; OLG Frankfurt, \nUrteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 42; OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 \n– 9 U 28/16, juris Rn. 16; Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 7; Urteil \nvom 12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 38; OLG Köln, Urteil vom 22.06.2017 – 8 U \n19/16, juris Rn. 67, NJW-RR 2017, 1370; OLG München, Urteil vom 07.07.2017 – 10 U \n4341/16, juris Rn. 20; Urteil vom 08.09.2017 – 10 U 4665/16, juris Rn. 15; OLG \nRostock, Urteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 47, VRS 119, 57; OLG Saarbrü-\ncken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 34; Urteil vom 21.12.2017 – 4 U \n124/16, juris Rn. 41, NZV 2018, 218; OLG Schleswig, Beschluss vom 30.01.2017 – 7 \nU 120/16, juris Rn. 7, SchlHA 2017, 351; Beschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris \nRn. 7, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, Urteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris \nRn. 13; OLG Zweibrücken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 10), da sich \nhieraus ein mögliches finanzielles Motiv für das gestellte Unfallgeschehen ergeben \nkann. \nd. Leichte Wiederherstellbarkeit der Fahrtüchtigkeit, insbesondere Streifschaden: Ein \nweiteres Indiz für ein gestelltes Unfallgeschehen kann oftmals darin gesehen werden, \ndass nach den Unfallschäden am Geschädigtenfahrzeug eine (gegebenenfalls behelfs-\nmäßige) Reparatur zur Wiederherstellung von dessen Fahrtüchtigkeit ohne größeren \nAufwand erfolgen kann, gleichzeitig aber bei Zugrundelegung der Preise einer marken-\ngebundenen Fachwerkstatt erhebliche Reparaturkosten entstünden, wie dies insbeson-\ndere bei – v.a. großflächigen – Streifschäden der Fall ist (siehe KG Berlin, Beschluss \nvom 09.03.2011 – 22 U 10/11, juris Rn. 11; OLG Braunschweig, Beschluss vom \n24.09.2014 – 7 U 99/13, juris Rn. 13; OLG Düsseldorf, Urteil vom 05.05.2015 – I-1 U \n50/14, juris Rn. 16; Urteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris Rn. 64, NJW-RR 2018, \n605; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.12.2017 – 15 U 37/16, juris Rn. 31, NJW-RR 2018, \n538; OLG Hamm, Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 7; Urteil vom \n13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 60, NJW 2019, 3085; OLG Naumburg, Urteil vom \n\n \n \n \n \nSeite 14 von 34 \n14\n03.04.2015 – 4 U 59/13, juris Rn. 27, NJW-RR 2015, 22; OLG Saarbrücken, Urteil vom \n28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 34; Urteil vom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 44, \nNZV 2018, 218; OLG Schleswig, Beschluss vom 30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 10, \nSchlHA 2017, 351; Beschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 8, SchlHA 2019, \n306; OLG Stuttgart, Urteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 13; OLG Zweibrü-\ncken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 11 f.). \ne. Geschädigtenfahrzeug als hochpreisiger Fahrzeugtyp: Typisches Merkmal eines ge-\nstellten Unfallgeschehens ist zudem, dass es sich bei dem Fahrzeug des Geschädigten \num einen hochpreisigen Fahrzeugtyp handelt, bei dem auch leichtere (Blech-) Schäden \nzu hohen im Gutachten ausgewiesenen Reparaturkostenbeträgen führen (siehe KG \nBerlin, Beschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 12, MDR 2018, 791; OLG \nBrandenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 8; OLG Braunschweig, Be-\nschluss vom 24.09.2014 – 7 U 99/13, juris Rn. 9; OLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 – \n5 U 175/14, juris Rn. 22, NZV 2016, 275; OLG Dresden, Urteil vom 15.08.2018 – 7 U \n1421/13, juris Rn. 23, NJW-RR 2014, 1441; OLG Düsseldorf, Urteil vom 05.05.2015 – \nI-1 U 50/14, juris Rn. 17; Urteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris Rn. 63, NJW-RR \n2018, 605; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 42; Hansea-\ntisches OLG Hamburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 23, OLGR Ham-\nburg 2001, 283; OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 16; Beschluss \nvom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 7; Urteil vom 13.05.2019 – 6 U 144/17, juris \nRn. 60, NJW 2019, 3085; Urteil vom 12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 40; OLG Köln, \nUrteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 68, NJW-RR 2017, 1370; OLG München, \nUrteil vom 07.07.2017 – 10 U 4341/16, juris Rn. 20; OLG Naumburg, Urteil vom \n03.04.2015 – 4 U 59/13, juris Rn. 27, NJW-RR 2015, 22; OLG Rostock, Urteil vom \n05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 40, VRS 119, 57; OLG Saarbrücken, Urteil vom \n28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 34; Urteil vom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 43, \nNZV 2018, 218; OLG Schleswig, Beschluss vom 30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 7, \nSchlHA 2017, 351; Urteil vom 08.05.2018 – 7 U 52/17, juris Rn. 39, SchlHA 2019, 276; \nBeschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 6, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, \nUrteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 15; OLG Zweibrücken, Urteil vom \n05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 10; siehe auch Hanseatisches OLG in Bremen, Urteil \nvom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 11, VersR 2003, 1553). \nf. Wertminderung durch hohe Laufleistung oder Vorschäden am Geschädigtenfahrzeug \nbzw. Fahrzeug aus sonstigen Gründen schwer verkäuflich: Für das Vorliegen eines ge-\nstellten Unfallgeschehens ist typisch, dass das Fahrzeug des Geschädigten, wenn es \n\n \n \n \n \nSeite 15 von 34 \n15\nauch einem hochpreisigen Fahrzeugtyp zugehört, aufgrund von Alter oder hoher Lauf-\nleistung oder wegen des Vorhandenseins von Vorschäden im Wert gemindert ist (siehe \nKG Berlin, Beschluss vom 09.03.2011 – 22 U 10/11, juis Rn. 15; Beschluss vom \n12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 12, MDR 2018, 791; OLG Brandenburg, Urteil vom \n18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 8; OLG Braunschweig, Beschluss vom 24.09.2014 \n– 7 U 99/13, juris Rn. 9; OLG Celle, Beschluss vom 30.03.2017 – 14 U 38/17, juris \nRn. 6; OLG Dresden, Urteil vom 15.08.2018 – 7 U 1421/13, juris Rn. 23, NJW-RR 2014, \n1441; OLG Düsseldorf, Urteil vom 05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 17; OLG Frank-\nfurt, Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 42; Hanseatisches OLG Hamburg, \nUrteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 23, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG \nHamm, Urteil vom 12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 39; OLG Hamm, Urteil vom \n24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 16; Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris \nRn. 7; Urteil vom 13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 60, NJW 2019, 3085; OLG Köln, \nUrteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 68, NJW-RR 2017, 1370; OLG Saarbrü-\ncken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 34; OLG Schleswig, Beschluss vom \n30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 7, SchlHA 2017, 351; Urteil vom 08.05.2018 – 7 U \n52/17, juris Rn. 39, SchlHA 2019, 276; Beschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris \nRn. 6, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, Urteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris \nRn. 15; OLG Zweibrücken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 10; siehe auch \nHanseatisches OLG in Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 11, VersR \n2003, 1553). Alternativ ist vielfach aus sonstigen Gründen, z.B. aufgrund einer beson-\nderen Ausstattung oder der Eigenschaft eines Importfahrzeugs, festzustellen, dass das \nGeschädigtenfahrzeug schwer verkäuflich ist (siehe OLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 \n– 5 U 175/14, juris Rn. 22, NZV 2016, 275; OLG Frankfurt, Urteil vom 10.09.2015 – 22 \nU 150/14, juris Rn. 8, MDR 2016, 20). Diese Wertminderung bzw. schwere Veräußer-\nlichkeit kann einen besonderen Anreiz darstellen, das Fahrzeug statt durch einen Ver-\nkauf dann im Wege einer Unfallmanipulation lukrativ einzusetzen. \ng. Geringes finanzielles Interesse am Schädigerfahrzeug: Dem steht typischerweise \ngegenüber, dass nur ein geringes finanzielles Interesse der an der Unfallmanipulation \nbeteiligten Parteien am Schädigerfahrzeug besteht, wie insbesondere im Fall der Be-\nteiligung eines gestohlenen und von nicht bekannten Dritten geführten Pkw (sogenann-\ntes Berliner Modell, siehe OLG Celle, Beschluss vom 13.09.2012 – 14 U 116/12, juris \nRn. 2; OLG Frankfurt, Urteil vom 10.09.2015 – 22 U 150/14, juris Rn. 8, MDR 2016, \n20), eines älteren oder aus anderen Gründen nahezu wertlosen Pkw (siehe OLG Bran-\ndenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 12; OLG Düsseldorf, Urteil vom \n\n \n \n \n \nSeite 16 von 34 \n16\n05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 18; Urteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris Rn. 63, \nNJW-RR 2018, 605; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 42; \nOLG Hamm, Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 7; Urteil vom \n13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 61, NJW 2019, 3085; OLG München, Urteil vom \n07.07.2017 – 10 U 4341/16, juris Rn. 20; Urteil vom 08.09.2017 – 10 U 4665/16, juris \nRn. 16; OLG Naumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U 59/13, juris Rn. 27, NJW-RR \n2015, 22; OLG Rostock, Urteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 41, VRS 119, 57; \nOLG Saarbrücken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 34; Urteil vom \n21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 43, NZV 2018, 218; OLG Schleswig, Beschluss vom \n23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 6, SchlHA 2019, 306), eines von einem Angestellten \ngeführten Firmen-Pkw oder auch eines Mietfahrzeugs (siehe OLG Celle, Urteil vom \n08.10.2015 – 5 U 175/14, juris Rn. 22, NZV 2016, 275; Urteil vom 11.11.2020 – 14 U \n119/19, juris Rn. 19; OLG Dresden, Urteil vom 15.08.2018 – 7 U 1421/13, juris Rn. 23, \nNJW-RR 2014, 1441; Urteil vom 23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, \n230; OLG Frankfurt, Urteil vom 10.09.2015 – 22 U 150/14, juris Rn. 8, MDR 2016, 20; \nHanseatisches OLG Hamburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 18, OLGR \nHamburg 2001, 283; OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 17; \nUrteil vom 01.08.2017 – 9 U 59/16, juris Rn. 26; OLG Schleswig, Beschluss vom \n30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 8, SchlHA 2017, 351; OLG Zweibrücken, Urteil vom \n05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 10), insbesondere wenn im Mietvertrag eine Selbst-\nbeteiligung ausgeschlossen oder auf einen geringen Betrag reduziert wurde (siehe \nOLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 – 5 U 175/14, juris Rn. 22, NZV 2016, 275; Urteil \nvom 11.11.2020 – 14 U 119/19, juris Rn. 19; OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U \n28/16, juris Rn. 17; Urteil vom 01.08.2017 – 9 U 59/16, juris Rn. 26; OLG Schleswig, \nBeschluss vom 30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 8, SchlHA 2017, 351), oder eines \nvollkaskoversicherten Fahrzeugs (siehe KG Berlin, Beschluss vom 12.04.2018 – 25 U \n148/17, juris Rn. 9, MDR 2018, 791; OLG Stuttgart, Urteil vom 24.10.2019 – 1 U \n244/18, juris Rn. 18). Die Nutzung eines solchen Fahrzeugs entspricht deswegen dem \ntypischen Modell einer Unfallmanipulation, da auf diese Weise versucht werden kann, \neine finanzielle Einbuße der Beteiligten durch eine gegebenenfalls nicht ersatzfähige \nBeschädigung des Schädigerfahrzeugs im Zuge des gestellten Unfallgeschehens zu \nvermeiden bzw. möglichst gering zu halten. \nh. Kurze Zulassungszeit der beteiligten Fahrzeuge: Auch in einer nur kurzen Zulas-\nsungszeit der beteiligten Fahrzeuge, oftmals in Form einer Zulassung des Geschädig-\n\n \n \n \n \nSeite 17 von 34 \n17\nten- oder Schädigerfahrzeugs erst kurz vor dem Unfallereignis (siehe KG Berlin, Be-\nschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 13, MDR 2018, 791; OLG Branden-\nburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 12; OLG Düsseldorf, Urteil vom \n05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 18; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.04.2019 – 23 U \n112/17, juris Rn. 42; OLG Hamm, Urteil vom 12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 37; \nOLG München, Urteil vom 07.07.2017 – 10 U 4341/16, juris Rn. 25; OLG Naumburg, \nUrteil vom 03.04.2015 – 4 U 59/13, juris Rn. 27, NJW-RR 2015, 22; Urteil vom \n21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 29, VerkMitt 2016 Nr 27; OLG Rostock, Urteil vom \n05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 51, VRS 119, 57; OLG Saarbrücken, Urteil vom \n28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 37; siehe auch Hanseatisches OLG in Bremen, Urteil \nvom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 11, VersR 2003, 1553) ist ein typisches Merk-\nmal eines gestellten Unfallgeschehens zu erkennen, das auf ein nur temporäres, ge-\nrade auf den Zweck des Fingierens eines gestellten Unfalls bezogenes Nutzungsinte-\nresse hindeutet. \ni. Unmittelbar nach dem Unfall erfolgender Weiterverkauf bzw. Stilllegung: Dasselbe \ngilt für den Fall eines unmittelbar nach dem Unfall erfolgenden Weiterverkaufs bzw. \neiner Stilllegung, wobei hier noch hinzukommt, dass auf diese Weise das betreffende \nFahrzeug einer weiteren sachverständigen Begutachtung entzogen wird (siehe KG \nBerlin, Beschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 15, MDR 2018, 791; OLG \nBraunschweig, Beschluss vom 24.09.2014 – 7 U 99/13, juris Rn. 8; Hanseatisches \nOLG Hamburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 24, OLGR Hamburg \n2001, 283; OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 18; Beschluss \nvom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 8; OLG München, Urteil vom 08.09.2017 – 10 \nU 4665/16, juris Rn. 18; OLG Naumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U 59/13, juris \nRn. 43, NJW-RR 2015, 22; Urteil vom 21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 29, VerkMitt \n2016 Nr 27; OLG Rostock, Urteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 53, VRS 119, \n57; OLG Schleswig, Beschluss vom 30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 7, SchlHA 2017, \n351; siehe auch Hanseatisches OLG in Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, \njuris Rn. 15, VersR 2003, 1553). \nj. Beschädigung eines stehenden Fahrzeugs: Häufig finden – der besseren Kontrollier-\nbarkeit des Geschehens halber und wegen des damit einhergehenden Anscheins einer \nvermeintlich eindeutigen Unfallverantwortlichkeit – gestellte Unfallgeschehen derge-\nstalt statt, dass dabei eine Beschädigung eines stehenden Fahrzeugs durch ein ande-\nres Fahrzeug stattfindet, insbesondere in Form der Beschädigung eines geparkten Pkw \n\n \n \n \n \nSeite 18 von 34 \n18\n(siehe KG Berlin, Beschluss vom 09.03.2011 – 22 U 10/11, juris Rn. 12; OLG Celle, \nBeschluss vom 13.09.2012 – 14 U 116/12, juris Rn. 2; OLG Düsseldorf, Urteil vom \n05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 16; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.12.2017 – 15 U \n37/16, juris Rn. 31, NJW-RR 2018, 538; Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris \nRn. 37; Hanseatisches OLG Hamburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris \nRn. 19, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG Hamm, Urteil vom 01.08.2017 – 9 U 59/16, \njuris Rn. 26; Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 7; OLG Schleswig, \nBeschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 9, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, \nUrteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 10; OLG Zweibrücken, Urteil vom \n05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 11), durch Auffahren auf ein stehendes oder zumin-\ndest langsam geführtes Fahrzeug (siehe OLG Hamm, Urteil vom 12.02.2020 – 11 U \n44/19, juris Rn. 35) oder durch Kreuzungskollisionen, bei denen nur eines der Fahr-\nzeuge sich in Bewegung befindet (siehe OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U \n28/16, juris Rn. 24). \nk. Geringes Verletzungsrisiko, insbesondere bei geringer Kollisionsgeschwindigkeit: \nTypisch für ein gestelltes Unfallgeschehen ist es ferner, dass für die beteiligten Unfall-\nfahrer nur ein geringes Verletzungsrisiko bei dem Unfallgeschehen bestand, insbeson-\ndere wenn die Kollision mit geringer Geschwindigkeit stattfand (siehe KG Berlin, Be-\nschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 8, MDR 2018, 791; OLG Branden-\nburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 8; OLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 \n– 5 U 175/14, juris Rn. 22, NZV 2016, 275; Beschluss vom 30.03.2017 – 14 U 38/17, \njuris Rn. 6; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.12.2017 – 15 U 37/16, juris Rn. 31, NJW-RR \n2018, 538; OLG Hamm, Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 7; Urteil \nvom 12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 35; OLG Naumburg, Urteil vom 21.05.2015 – \n4 U 29/14, juris Rn. 29, VerkMitt 2016 Nr 27; OLG Schleswig, Beschluss vom \n23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 9, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, Urteil vom \n24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 10; OLG Zweibrücken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U \n142/12, juris Rn. 11) bzw. zwischen zwei Fahrzeugen mit geringer Geschwindigkeits-\ndifferenz stattfand (siehe OLG Köln, Urteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 59, \nNJW-RR 2017, 1370; OLG Saarbrücken, Urteil vom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris \nRn. 40, NZV 2018, 218;). Bei relativ hohen (Differenz-) Geschwindigkeiten mag die \nAussicht auf die Verursachung höherer Schäden bestehen, die dann fiktiv abgerechnet \nwerden könnten, wobei hier zu prüfen beurteilen bliebe, ob die Beteiligten gegebenen-\nfalls auch ein gewisses Verletzungsrisiko in Kauf genommen haben könnten (vgl. OLG \nHamm, Urteil vom 12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 43; OLG Köln, Beschluss vom \n\n \n \n \n \nSeite 19 von 34 \n19\n01.06.2016 – I-7 U 53/16, juris Rn. 5, NZV 2017, 33; siehe auch Hanseatisches OLG \nin Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 17, VersR 2003, 1553). \nl. Keine Benennung neutraler Zeugen: Bei einem gestellten Unfallgeschehen werden \ntypischerweise keine neutralen Zeugen benannt, was insbesondere – aber nicht aus-\nschließlich – oftmals mit dem Umstand in Zusammenhang steht, dass die Kollision zu \neiner solchen Uhrzeit bzw. an einem solchen Ort stattfindet, dass keine unbeteiligten \nZeugen des Geschehens zu erwarten sind (siehe KG Berlin, Beschluss vom \n12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 9, MDR 2018, 791; OLG Brandenburg, Urteil vom \n18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 8; OLG Braunschweig, Beschluss vom 24.09.2014 \n– 7 U 99/13, juris Rn. 17; OLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 – 5 U 175/14, juris Rn. 22, \nNZV 2016, 275; Urteil vom 11.11.2020 – 14 U 119/19, juris Rn. 20; OLG Dresden, Urteil \nvom 15.08.2018 – 7 U 1421/13, juris Rn. 23, NJW-RR 2014, 1441; Urteil vom \n23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230; OLG Düsseldorf, Urteil vom \n05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 16; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.12.2017 – 15 U \n37/16, juris Rn. 31, NJW-RR 2018, 538; Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris \nRn. 36; Hanseatisches OLG Hamburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris \nRn. 20, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U 28/16, \njuris Rn. 22; Urteil vom 01.08.2017 – 9 U 59/16, juris Rn. 26; Urteil vom 12.02.2020 – \n11 U 44/19, juris Rn. 36; OLG Köln, Urteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 63, \nNJW-RR 2017, 1370; OLG München, Urteil vom 08.09.2017 – 10 U 4665/16, juris \nRn. 14; OLG Rostock, Urteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 43, VRS 119, 57; \nOLG Saarbrücken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 31 f.; Urteil vom \n21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 42, NZV 2018, 218). Die Vermeidung der Benen-\nnung neutraler Zeugen liegt für ein gestelltes Unfallgeschehen deswegen besonders \nnahe, weil diese ein gegebenenfalls ungewöhnliches Fahrverhalten bzw. Absprachen \nder Beteiligten vor oder nach dem Kollisionsereignis bekunden könnten. \nm. Polizei wird nicht hinzugezogen oder ihr wird vermeintlich klare Haftungslage prä-\nsentiert: Vielfach wird auch die Nicht-Hinzuziehung der Polizei zur Unfallaufnahme als \ntypisches Anzeichen eines gestellten Unfallgeschehens anzusehen sein (siehe OLG \nBrandenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 9; OLG Dresden, Urteil \nvom 23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230; OLG Naumburg, Urteil \nvom 21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 29, VerkMitt 2016 Nr 27), dies insbesondere \ndeswegen, weil die Beteiligten auf diese Weise zu verhindern suchen, dass ein sich \nbereits nach dem äußeren Unfallbild aufdrängender Verdacht der Unfallmanipulation \n\n \n \n \n \nSeite 20 von 34 \n20\naktenkundig wird oder dass die Angaben neutraler Zeugen zur Akte genommen wer-\nden. Umgekehrt muss aber der Umstand der Hinzuziehung der Polizei nicht notwendi-\ngerweise der Annahme einer Unfallmanipulation entgegenstehen, insbesondere wenn \ndies mit einer gegenüber den Polizeibeamten suggerierten eindeutigen Unfallverursa-\nchung oder einer klaren Verantwortungsübernahme des vermeintlichen Schädigers \neinhergeht (siehe KG Berlin, Beschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 10, \nMDR 2018, 791; OLG Celle, Urteil vom 08.10.2015 – 5 U 175/14, juris Rn. 22, NZV \n2016, 275; Urteil vom 11.11.2020 – 14 U 119/19, juris Rn. 24; OLG Düsseldorf, Urteil \nvom 05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 16; Urteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris \nRn. 65, NJW-RR 2018, 605; OLG Köln, Urteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 65, \nNJW-RR 2017, 1370; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris \nRn. 28; Urteil vom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 47, NZV 2018, 218; OLG Stutt-\ngart, Urteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 31; OLG Zweibrücken, Urteil vom \n05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 13). \nn. Vorherige Bekanntschaft der unfallbeteiligten Parteien: Eine vorherige Bekannt-\nschaft der unfallbeteiligten Parteien kann vielfach als Indiz für das Vorliegen eines ge-\nstellten Unfallgeschehens angesehen werden (siehe OLG Celle, Beschluss vom \n13.09.2012 – 14 U 116/12, juris Rn. 2; Urteil vom 11.11.2020 – 14 U 119/19, juris \nRn. 18; OLG Dresden, Urteil vom 15.08.2018 – 7 U 1421/13, juris Rn. 23, NJW-RR \n2014, 1441; Urteil vom 23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230; OLG \nDüsseldorf, Urteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris Rn. 54, NJW-RR 2018, 605; OLG \nFrankfurt, Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris Rn. 42; Hanseatisches OLG Ham-\nburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 22, OLGR Hamburg 2001, 283; \nOLG Hamm, Urteil vom 12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 34; OLG Hamm, Urteil vom \n24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 19; Urteil vom 22.02.2019 – 9 U 111/17, juris Rn. 13, \nNJW-RR 2019, 801; Urteil vom 13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 62, NJW 2019, 3085; \nOLG München, Urteil vom 08.09.2017 – 10 U 4665/16, juris Rn. 16; OLG Naumburg, \nUrteil vom 21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 29, VerkMitt 2016 Nr 27; OLG Rostock, \nUrteil vom 05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 42, VRS 119, 57; OLG Schleswig, Urteil \nvom 08.05.2018 – 7 U 52/17, juris Rn. 51, SchlHA 2019, 276; OLG Stuttgart, Urteil vom \n21.09.2018 – 10 U 137/18, juris Rn. 14; siehe auch OLG Brandenburg, Urteil vom \n18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 10). Dass mehrere Beteiligte bei einem normalen \nUnfallgeschehen miteinander bereits vor dem Unfall bekannt sind, ist grundsätzlich als \neher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, anzusehen. Bei einem ge-\nstellten Unfallgeschehen wird dagegen die Unfallmanipulation direkte oder zumindest \n\n \n \n \n \nSeite 21 von 34 \n21\nindirekte Absprachen zwischen den Unfallbeteiligten voraussetzen, so dass das Vor-\nliegen einer solchen Bekanntschaft, die derartige Absprachen eher ermöglicht, eine \nUnfallmanipulation zumindest indiziell als naheliegender erscheinen lassen kann. In \nbesonderem Maße gilt dies, wenn die Bekanntschaft im Verfahren zunächst verschwie-\ngen oder gar wahrheitswidrig geleugnet wurde (siehe OLG Düsseldorf, Urteil vom \n20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris Rn. 54, NJW-RR 2018, 605; OLG Hamm, Urteil vom \n24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 19; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U \n96/15, juris Rn. 49; OLG Schleswig, Urteil vom 08.05.2018 – 7 U 52/17, juris Rn. 51, \nSchlHA 2019, 276; OLG Zweibrücken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U 142/12, juris \nRn. 16). Aus dem Umstand einer gemeinsamen Nationalität oder einer Beschäftigung \nin derselben Branche wird eine solche Bekanntschaft allerdings nicht ohne weiteres \nabgeleitet werden können (siehe OLG Hamm, Urteil vom 22.02.2019 – 9 U 111/17, \njuris Rn. 13, NJW-RR 2019, 801; offen OLG Stuttgart, Urteil vom 24.10.2019 – 1 U \n244/18, juris Rn. 30). Auch hier gilt aber zu beachten, dass der fehlende Nachweis \neiner Bekanntschaft für sich genommen kein gegen die Annahme einer Unfallmanipu-\nlation sprechendes Indiz darstellt, sondern ein lediglich neutraler Umstand ist, zumal \nUnfallmanipulationen auch ohne eine direkte Bekanntschaft zwischen den Beteiligten \nüber Dritte organisiert werden können (siehe KG Berlin, Beschluss vom 12.04.2018 – \n25 U 148/17, juris Rn. 19, MDR 2018, 791; OLG Nürnberg, Urteil vom 19.12.2011 – 4 \nU 2659/10, juris Rn. 21, NJW-RR 2012, 720; OLG Saarbrücken, Urteil vom 21.12.2017 \n– 4 U 124/16, juris Rn. 49, NZV 2018, 218). \no. Bezug der Beteiligten zur Kfz-Branche: Als typisch für die Konstellation eines ge-\nstellten Unfallgeschehens wird es ferner angesehen, dass eine oder auch mehrere der \nbeteiligten Parteien einen Bezug zur Kfz-Branche haben (siehe OLG Düsseldorf, Urteil \nvom 05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 17; OLG Hamm, Urteil vom 12.02.2020 – 11 U \n44/19, juris Rn. 35; OLG Schleswig, Beschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 8, \nSchlHA 2019, 306; OLG Zweibrücken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U 142/12, juris \nRn. 15), was insbesondere eine Kenntnis der technischen Aspekte eines gestellten Un-\nfalls sowie der Reparatur- und Abrechnungsmöglichkeiten nahelegt. Gleichwohl wird \naus diesem Umstand alleine bei einem im Übrigen unauffälligen Geschehen schwerlich \nauf eine unredliche Gesinnung im Sinne einer Unfallmanipulation zu schließen sein \n(siehe OLG Dresden, Urteil vom 15.08.2018 – 7 U 1421/13, juris Rn. 23, NJW-RR \n2014, 1441; OLG Koblenz, Urteil vom 06.12.2013 – 10 U 255/13, juris Rn. 33). \n\n \n \n \n \nSeite 22 von 34 \n22\np. Wiederholte Unfallbeteiligung der Parteien: Sind die Parteien oder auch die beteilig-\nten Fahrzeuge wiederholt an vergleichbaren Schadensfällen beteiligt, kann auch dies \nim konkreten Fall ein Indiz für ein gestelltes Unfallgeschehen darstellen (siehe KG Ber-\nlin, Beschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 13, MDR 2018, 791; OLG Dres-\nden, Urteil vom 23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 28, NJW-RR 2019, 230; OLG \nHamm, Beschluss vom 21.12.2018 – 26 U 172/18, juris Rn. 9; Urteil vom 12.02.2020 – \n11 U 44/19, juris Rn. 37; OLG Koblenz, Urteil vom 06.12.2013 – 10 U 255/13, juris \nRn. 34; OLG Naumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U 59/13, juris Rn. 42, NJW-RR \n2015, 22; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 39; OLG \nSchleswig, Beschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 11, SchlHA 2019, 306; \nOLG Stuttgart, Urteil vom 21.09.2018 – 10 U 137/18, juris Rn. 17), wobei wiederum \nauch hier aber aus dem Nichtvorliegen dieses Umstandes nicht ein gegen die An-\nnahme einer Unfallmanipulation sprechendes Indiz abzuleiten ist. Für die Indizwirkung \ndieses Umstands kommt es im Übrigen nicht notwendigerweise darauf an, dass hin-\nsichtlich dieser früheren Fälle eine Strafbarkeit wegen versuchten oder vollendeten \nVersicherungsbetrugs nachgewiesen wäre. Zum einen kann auch ohne einen entspre-\nchenden Nachweis für sämtliche der früheren Schadensereignisse bereits eine sonst \nnicht ohne weiteres zu erklärende Häufung ähnlicher Schadenskonstellationen den – \nwenn auch nicht alleine hinreichenden – Schluss zulassen, dass dem jeweiligen Betei-\nligten auch in der Vergangenheit ähnliche Unfallmanipulationen zur Last fielen (siehe \nBGH, Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR 206/75, juris Rn. 29, BGHZ 71, 339). Zum anderen \nentfällt auch dann nicht jegliche Indizwirkung dieses Umstands, wenn die früheren Fälle \neinen anderweitigen äußeren Ablauf aufwiesen bzw. wenn der betreffende Beteiligte \neine plausible neutrale Erklärung hierfür vorträgt: Es kann dann jedenfalls ein entspre-\nchendes Verdachtsmoment begründen, wenn mit dem streitgegenständlichen Unfall-\nereignis erneut und gegebenenfalls in kurzer zeitlicher Abfolge ein erneuter Schaden \ngeltend gemacht wird und es kann der vorherige Schadensfall zudem zumindest eine \nVertrautheit mit dem Verfahren der Abrechnung von Kfz-Schadensfällen belegen, wie \nsie bei einer Unfallmanipulation typischerweise zugrunde liegt. Nicht zu verkennen ist \naber, dass insbesondere im Fall des Vortrags einer plausiblen neutralen Erklärung die \nIndizwirkung dieses Umstandes gegebenenfalls deutlich verringert sein kann und die-\nser Umstand nur in der Gesamtwürdigung mit weiteren anderen Faktoren die tatrich-\nterliche Überzeugung vom Vorliegen einer Unfallmanipulation wird tragen können. \nq. Keine Rechtsverteidigung bzw. unbeteiligtes Verhalten des Schädigers: Typisch ist \nbei gestellten Unfallgeschehen festzustellen, dass der (vermeintliche) Schädiger sich \n\n \n \n \n \nSeite 23 von 34 \n23\nam Prozess nicht beteiligt zeigt, insbesondere auch der Schilderung des Unfallgesche-\nhens durch den (vermeintlichen) Geschädigten nicht entgegentritt (siehe KG Berlin, Be-\nschluss vom 12.04.2018 – 25 U 148/17, juris Rn. 7, MDR 2018, 791; OLG Celle, Be-\nschluss vom 30.03.2017 – 14 U 38/17, juris Rn. 6; OLG Hamm, Urteil vom 12.02.2020 \n– 11 U 44/19, juris Rn. 42; OLG Schleswig, Beschluss vom 30.01.2017 – 7 U 120/16, \njuris Rn. 5, SchlHA 2017, 351; OLG Stuttgart, Urteil vom 24.10.2019 – 1 U 244/18, juris \nRn. 25; siehe auch Hanseatisches OLG in Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, \njuris Rn. 11, VersR 2003, 1553) oder vom (vermeintlichen) Geschädigten bereits nicht \nmitverklagt wird (siehe Hanseatisches OLG Hamburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U \n78/00, juris Rn. 17, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG Rostock, Urteil vom 05.02.2010 – \n5 U 83/09, juris Rn. 54, VRS 119, 57). Im Normallfall eines nicht gestellten Unfallge-\nschehens wird der Schädiger vielfach ein Interesse haben, den Umfang seiner Unfall-\nverantwortung und das Ausmaß der von ihm zu ersetzenden Schäden gering darzu-\nstellen und einer zu weitgehenden Inanspruchnahme entgegenzutreten: Dieses Inte-\nresse fehlt dem Schädiger bei einer Unfallmanipulation, bei der es gerade um die Schaf-\nfung des Anscheins des Bestehens möglichst hoher Schadensersatzansprüche des \nvermeintlich Geschädigten geht. \nr. Vage und detailarme Angaben der Unfallbeteiligten: Für die Annahme eines gestell-\nten Unfallgeschehens kann es auch sprechen, wenn die Angaben der Unfallbeteiligten \nzur Kollision vage und detailarm sind (siehe OLG Celle, Beschluss vom 30.03.2017 – \n14 U 38/17, juris Rn. 4; OLG Düsseldorf, Urteil vom 20.02.2018 – I-1 U 59/17, juris \nRn. 65, NJW-RR 2018, 605; OLG Frankfurt, Urteil vom 08.04.2019 – 23 U 112/17, juris \nRn. 41; OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2016 – 9 U 28/16, juris Rn. 23; Urteil vom \n13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 42, NJW 2019, 3085; OLG Nürnberg, Urteil vom \n19.12.2011 – 4 U 2659/10, juris Rn. 18, NJW-RR 2012, 720; OLG Rostock, Urteil vom \n05.02.2010 – 5 U 83/09, juris Rn. 57, VRS 119, 57; OLG Saarbrücken, Urteil vom \n21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 33, NZV 2018, 218; OLG Schleswig, Urteil vom \n08.05.2018 – 7 U 52/17, juris Rn. 47, SchlHA 2019, 276). Ein solches Fehlen von De-\ntails kann insbesondere ein Anzeichen dafür sein, dass die Angaben nicht tatsächlich \nerlebnisgetragen sind und dass das Unfallgeschehen vielmehr in einer anderen Weise \nerfolgte, die von den Beteiligten nicht offenbart werden soll. \ns. Kläger bei Unfallgeschehen nicht anwesend: Ein für Konstellationen gestellter Unfall-\ngeschehen typischer Umstand ist es ferner, dass der Eigentümer des beschädigten \nFahrzeugs und vermeintliche Geschädigte bei dem Unfallereignis nicht selbst als Fahr-\n\n \n \n \n \nSeite 24 von 34 \n24\nzeugführer anwesend war, etwa weil sein Fahrzeug geparkt war (siehe dazu die Nach-\nweise oben unter j.) oder weil es durch einen Dritten geführt wurde (siehe OLG Hamm, \nUrteil vom 22.02.2019 – 9 U 111/17, juris Rn. 15, NJW-RR 2019, 801; Urteil vom \n12.02.2020 – 11 U 44/19, juris Rn. 41). Der Kläger macht auf diese Weise geltend, \nkeine Angaben aus eigener Wahrnehmung zum Unfallgeschehen machen zu können, \nund entzieht sich so der Gefahr, sich in Widersprüche zu verwickeln. Auch hier ist der \ngegenteilige Umstand, d.h. die Anwesenheit des Geschädigten, lediglich ein neutraler \nUmstand und kein gegen die Annahme einer Unfallmanipulation sprechendes Indiz, es \nsind in diesem Fall aber die Angaben des Geschädigten in seiner Anhörung durch das \nGericht zu würdigen. \nt. Diskrepanz zwischen Einkommensverhältnissen des Geschädigten und der Fahr-\nzeugklasse des beschädigten Fahrzeugs: Als Indiz für ein gestelltes Unfallgeschehen \nkann es auch zu bewerten sein, wenn ein auffälliges Missverhältnis zwischen den Ein-\nkommens- und sonstigen wirtschaftlichen Lebensverhältnissen des Geschädigten und \ndem Wert bzw. den Unterhaltskosten des beschädigten Fahrzeugs besteht, wenn mit-\nhin nicht plausibel erscheint, dass der Geschädigte sich unter regelmäßigen Umstän-\nden das betreffende Fahrzeug leistet (siehe OLG Hamm, Beschluss vom 21.12.2018 – \n26 U 172/18, juris Rn. 7; ähnlich auch Hanseatisches OLG in Bremen, Urteil vom \n05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 11, VersR 2003, 1553). \nu. Vermögenslosigkeit des Schädigers: Besonders beengte finanzielle Verhältnisse \nauch des vermeintlichen Schädigers mögen im Übrigen ebenfalls ein finanzielles Motiv \nfür die Unfallmanipulation nachvollziehbar erscheinen lassen, hier neben dem Erwerbs-\ninteresse auch in Form des faktischen Ausschlusses einer Rückgriffsmöglichkeit (siehe \nOLG Düsseldorf, Urteil vom 05.05.2015 – I-1 U 50/14, juris Rn. 19; OLG Schleswig, \nBeschluss vom 30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 8, SchlHA 2017, 351; Beschluss vom \n23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 10, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart, Urteil vom \n24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 19). Umgekehrt kann aber nicht angenommen wer-\nden, dass eine günstige finanzielle Situation eines Beteiligten als Indiz gegen die An-\nnahme einer Unfallmanipulation zu werten wäre (so aber offenbar OLG Hamm, Urteil \nvom 01.08.2017 – 9 U 59/16, juris Rn. 33), da die Lebenserfahrung nicht belegt, dass \nVersicherungsbetrug ein in wohlhabenden Kreisen weniger übliches Vergehen darstel-\nlen würde (so auch OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.04.2016 – 4 U 96/15, juris Rn. 46). \n\n \n \n \n \nSeite 25 von 34 \n25\nv. Widersprüchlicher oder widerlegter Sachvortrag des Geschädigten, insbesondere \nVerschweigen von Vorschäden oder widerlegte oder nach Gutachteneinholung ange-\npasste Angaben zum Unfallgeschehen: Ein wesentliches Indiz für die Annahme einer \nUnfallmanipulation kann auch darin erkannt werden, dass der Geschädigte wider-\nsprüchlich vorträgt, sein Sachvortrag durch die Beweisaufnahme widerlegt wird oder er \nin sonstiger Weise die wahrheitsgemäße Aufklärung des vermeintlichen Schadensfalls \nerschwert (siehe BGH, Urteil vom 13.12.1977 – VI ZR 206/75, juris Rn. 30, BGHZ 71, \n339). Dies kann beispielsweise das Verschweigen von vorhandenen Vorschäden be-\ntreffen (siehe KG Berlin, Beschluss vom 09.03.2011 – 22 U 10/11, juris Rn. 17 f.; OLG \nBraunschweig, Beschluss vom 24.09.2014 – 7 U 99/13, juris Rn. 10; OLG Celle, Urteil \nvom 11.11.2020 – 14 U 119/19, juris Rn. 23; OLG Schleswig, Beschluss vom \n30.01.2017 – 7 U 120/16, juris Rn. 9, SchlHA 2017, 351) oder auch die Eigentümer-\nstellung des Geschädigten (siehe OLG Hamm, Urteil vom 12.02.2020 – 11 U 44/19, \njuris Rn. 41; OLG Köln, Urteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 60, NJW-RR 2017, \n1370); ebenso kann dies auch dann angenommen werden, wenn die Angaben des \nGeschädigten zum Unfallgeschehen durch die Beweisaufnahme wiederlegt wurden \n(siehe OLG Dresden, Urteil vom 23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, \n230; Hanseatisches OLG Hamburg, Urteil vom 28.03.2001 – 14 U 78/00, juris Rn. 3, \nOLGR Hamburg 2001, 283; OLG Hamm, Urteil vom 22.02.2019 – 9 U 111/17, juris \nRn. 12, NJW-RR 2019, 801; Urteil vom 13.05.2019 – 6 U 144/17, juris Rn. 43, NJW \n2019, 3085; OLG Saarbrücken, Urteil vom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 39, NZV \n2018, 218) oder wenn der Sachvortrag des Geschädigten im Verlauf des Verfahrens – \ninsbesondere auf Einwendungen der Versicherung hin oder nach der Einholung eines \nSachverständigengutachtens – entsprechend angepasst wird (siehe OLG Saarbrü-\ncken, Urteil vom 21.12.2017 – 4 U 124/16, juris Rn. 34, NZV 2018, 218). Hieraus folgt \nzwar nicht ohne weiteres, dass das gesamte Unfallgeschehen auf einer vorsätzlichen \nManipulation beruht, es begründen diese Umstände aber zumindest Zweifel an der \nAufrichtigkeit des Vortrags des vermeintlich Geschädigten im Hinblick auf den konkre-\nten Schadensfall, so dass im Rahmen einer Gesamtbetrachtung auch die Möglichkeit \neines gestellten Unfalls als weniger fernliegend erscheinen kann. \nw. Früheres betrügerisches Verhalten der Beteiligten: Schließlich ist es auch als ein \nIndiz für die Annahme eines gestellten Verkehrsunfalls angesehen worden, wenn die \nBeteiligten bereits in der Vergangenheit durch betrügerisches Verhalten aufgefallen \nsind (siehe auch OLG Brandenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 10; \nOLG Köln, Urteil vom 22.06.2017 – 8 U 19/16, juris Rn. 61, NJW-RR 2017, 1370; OLG \n\n \n \n \n \nSeite 26 von 34 \n26\nNaumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U 59/13, juris Rn. 42, NJW-RR 2015, 22; OLG \nSchleswig, Urteil vom 08.05.2018 – 7 U 52/17, juris Rn. 45, SchlHA 2019, 276; Be-\nschluss vom 23.10.2018 – 7 U 18/18, juris Rn. 10, SchlHA 2019, 306; OLG Zweibrü-\ncken, Urteil vom 05.03.2014 – 1 U 142/12, juris Rn. 15; siehe auch Hanseatisches OLG \nin Bremen, Urteil vom 05.11.2002 – 3 U 106/01, juris Rn. 15, VersR 2003, 1553). Der \nBundesgerichtshof hat in der Vergangenheit in derartigen Fällen unter besonderen Vo-\nraussetzungen sogar die Grundsätze eines Anscheinsbeweises für die Annahme einer \nUnfallmanipulation zur Anwendung gebracht und ist hiervon – wenn auch für einen be-\ngrenzten Kreis von Fällen – auch in seiner jüngeren Rechtsprechung nicht abgerückt \n(siehe oben 2.b.cc). \n4. Neben diesen für die Annahme eines gestellten Unfallgeschehens sprechenden Um-\nständen sind in der Rechtsprechung der Oberlandesgerichte zudem auch eine Reihe \nvon typischen Indizien herausgearbeitet worden, deren Vorliegen gegen eine solche \nAnnahme spricht. Im Einzelnen wird hier den nachstehenden Faktoren eine indizielle \nBedeutung zugemessen: \na. Schadensabrechnung auf der Grundlage tatsächlich entstandener Reparaturkosten \nbei fachgerechter Reparaturausführung: Gegen die Annahme eines gestellten Unfalls \nspricht es, wenn der Geschädigte seinen Schaden auf der Grundlage tatsächlich an-\ngefallener Reparaturkosten bei einer tatsächlich ausgeführten und fachgerecht erfolg-\nten Reparatur abrechnet, da dies das typische finanzielle Motiv der lukrativen Abrech-\nnung auf Gutachten- oder Totalschadenbasis entfallen lässt (siehe OLG Frankfurt, Ur-\nteil vom 08.12.2017 – 15 U 37/16, juris Rn. 39, NJW-RR 2018, 538; OLG Koblenz, \nUrteil vom 06.12.2013 – 10 U 255/13, juris Rn. 40). \nb. Konsistente und glaubwürdige Angaben der Parteien und Zeugen: Weiter spricht es \ngegen die Annahme eines gestellten Unfallgeschehens, wenn die Unfallbeteiligten und \nsonstigen Zeugen konsistente und glaubwürdige Angaben zum Unfallgeschehen ma-\nchen (siehe OLG Brandenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 6; OLG \nDresden, Urteil vom 23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 24, NJW-RR 2019, 230; OLG \nMünchen, Urteil vom 18.11.2016 – 10 U 1447/16, juris Rn. 27, Schaden-Praxis 2017, \n451). \nc. Erhebung von Einwendungen des Schädigers gegen seine Haftung: Als ein weiteres \ngegen die Annahme eines gestellten Unfallgeschehens sprechendes Indiz ist es ange-\nsehen worden, wenn der Schädiger im Prozess Einwendungen gegen seine Haftung \n\n \n \n \n \nSeite 27 von 34 \n27\nerhebt und damit einem Ersatz des geltend gemachten Unfallschadens entgegentritt \n(siehe OLG Brandenburg, Urteil vom 18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 11; OLG Dres-\nden, Urteil vom 23.10.2018 – 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230). \nd. Entstehung eines erheblichen und auch im Fall eines nicht gestellten Unfalls nicht \ndurch eine Vollkaskoversicherung gedeckten Sachschadens auf Schädigerseite: Wei-\nter soll es gegen die Annahme eines gestellten Unfalls sprechen, wenn durch die Kol-\nlision auch auf Schädigerseite ein erheblicher Sachschaden entstand, der auch nicht \ndurch eine Vollkaskoversicherung abgedeckt ist (siehe OLG Stuttgart, Urteil vom \n24.10.2019 – 1 U 244/18, juris Rn. 16), wobei hier allerdings zu prüfen bleibt, ob es \nsich hierbei nicht lediglich um die unbeabsichtigte Folge eines nicht plangemäß verlau-\nfenen gestellten Unfallgeschehens handeln könnte. \ne. Plausibilität und Nachvollziehbarkeit des Unfallgeschehens, insbesondere auf der \nGrundlage der Feststellungen eines eingeholten Unfallrekonstruktionsgutachtens: Ist \ndas Unfallgeschehen als solches als plausibel und nachvollziehbar anzusehen, insbe-\nsondere auf der Grundlage der Feststellungen eines eingeholten Unfallrekonstruktions-\ngutachtens, dann kann auch dies als ein Indiz angesehen werden, welches gegen die \nAnnahme eines gestellten Unfalls spricht (siehe OLG Brandenburg, Urteil vom \n18.10.2018 – 12 U 70/17, juris Rn. 6; OLG Naumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U \n59/13, juris Rn. 38, NJW-RR 2015, 22; Urteil vom 21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 32, \nVerkMitt 2016 Nr 27). \nf. Benennung neutraler Zeugen: Gegen die Annahme eines gestellten Unfallgesche-\nhens spricht es sodann, wenn bei einem Unfall, der nach Örtlichkeit und Uhrzeit des \nGeschehens das Vorhandensein solcher Zeugen erwarten lässt, von den Parteien \nauch neutrale Zeugen benannt werden (siehe OLG Dresden, Urteil vom 23.10.2018 – \n4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230; OLG Koblenz, Urteil vom 06.12.2013 – \n10 U 255/13, juris Rn. 36; OLG Naumburg, Urteil vom 03.04.2015 – 4 U 59/13, juris \nRn. 37, NJW-RR 2015, 22; Urteil vom 21.05.2015 – 4 U 29/14, juris Rn. 31, VerkMitt \n2016 Nr 27; OLG Schleswig, Urteil vom 24.08.2017 – 7 U 8/17, juris Rn. 28). \ng. Vorliegen einer konkreten erheblichen Verletzungsgefahr beim Unfall: Ein weiteres \ntypisches Indiz, das gegen die Annahme eines gestellten Unfallgeschehens spricht, ist \nschließlich auch der Umstand, dass bei dem Unfall eine konkrete erhebliche Verlet-\nzungsgefahr bestand (siehe OLG Koblenz, Urteil vom 06.12.2013 – 10 U 255/13, juris \nRn. 35; OLG Köln, Beschluss vom 01.06.2016 – I-7 U 53/16, juris Rn. 5, NZV 2017, 33; \n\n \n \n \n \nSeite 28 von 34 \n28\nOLG Schleswig, Urteil vom 24.08.2017 – 7 U 8/17, juris Rn. 28; OLG Stuttgart, Urteil \nvom 21.09.2018 – 10 U 137/18, juris Rn. 15), da im Regelfall die Beteiligten einer Un-\nfallmanipulation derartige Verletzungen zu vermeiden suchen werden. Dies gilt insbe-\nsondere dann, wenn diese Verletzungsgefahr nicht lediglich als unbeabsichtigte Ne-\nbenfolge eines nicht wie geplant verlaufenen gestellten Unfallgeschehens entstanden \nist, sondern vielmehr nach der Art der Kollision ohne weiteres zu befürchten war. \n5.a. Das Landgericht ist auf der Grundlage der Würdigung der im konkreten Fall zur \nFrage des Vorliegens einer Unfallmanipulation relevanten Indizien zutreffend zu der \nÜberzeugung gekommen, dass der Kläger, wie von der Beklagten zu 2. behauptet, in \ndie Beschädigung seines Fahrzeugs eingewilligt hat. Das Landgericht hat sich hierzu \nzutreffend darauf gestützt, dass vorliegend eine Vielzahl von für eine Unfallmanipula-\ntion sprechenden Indizien vorliegen, namentlich ein nicht nachvollziehbares Fahrver-\nhalten beim Unfall (siehe zur indiziellen Relevanz dieses Umstands oben unter 3.a), \nkeine plausible Erklärung der Anwesenheit am Unfallort (3.b), Abrechnung auf Gutach-\nten- oder Totalschadenbasis (3.c), leichte Wiederherstellbarkeit der Fahrtüchtigkeit, \ninsbesondere Streifschaden (3.d), Geschädigtenfahrzeug als hochpreisiger Fahrzeug-\ntyp (3.e), Vorschäden am Geschädigtenfahrzeug (3.f), geringes finanzielles Interesse \nam Schädigerfahrzeug, wobei vorliegend auch im Mietvertrag eine Selbstbeteiligung \nim Schadensfall ausgeschlossen war (3.g), kurze Zulassungszeit der beteiligten Fahr-\nzeuge (3.h), Beschädigung eines stehenden Fahrzeugs (3.j), geringes Verletzungsri-\nsiko, insbesondere bei geringer Kollisionsgeschwindigkeit (3.k), keine Benennung \nneutraler Zeugen (3.l), der Polizei wird vermeintlich klare Haftungslage präsentiert \n(3.m), wiederholte Unfallbeteiligung der Parteien (3.p), Kläger bei Unfallgeschehen \nnicht anwesend (3.s) sowie Diskrepanz zwischen Einkommensverhältnissen des Ge-\nschädigten und der Fahrzeugklasse des beschädigten Fahrzeugs (3.t). Auch wenn das \nVorliegen jeweils einzelner dieser Indizien auch unverdächtig zu erklären sein mag, \nkann hier das Vorliegen dieser Vielzahl von Indizien in ihrer Gesamtwürdigung jeden-\nfalls mit einem für die Praxis brauchbaren Grad an Gewissheit Zweifel an der Annahme \neiner Unfallmanipulation ausschließen und es kommt somit auch der Senat zur Über-\nzeugung im Sinne des § 286 ZPO, dass die Behauptung der Beklagten zu 2. zutrifft, \ndass der Kläger in das Kollisionsgeschehen eingewilligt hat. \nb. Die vom Kläger in seiner Berufung erhobenen Rügen gegen diese Beweisführung \nim Wege des Indizienbeweises vermögen der Berufung keine Aussichten auf Erfolg zu \nverhelfen. \n\n \n \n \n \nSeite 29 von 34 \n29\naa. Soweit der Kläger der mangelnden Plausibilität seiner Erklärung zur Anwesenheit \nseines Fahrzeugs am Kollisionsort entgegenhält, dass er bei Abstellen seines Fahr-\nzeugs nicht bedacht habe, dass er nach zweieinhalb Jahren verpflichtet sein könnte, \ndie Umstände des Abstellens seines Fahrzeugs genau wiedergeben zu können, ver-\nmag dies der vom Landgericht vorgenommenen Würdigung dieses Umstandes als In-\ndiz für das Vorliegen einer Unfallmanipulation nicht entgegenzustehen. Die Führung \ndes Indizienbeweises schließt nach den obigen Ausführungen nicht aus, dass die ein-\nzelnen als Indiz herangezogenen Umstände nicht auch neutral erklärt werden könnten, \nhier im Sinne einer lediglich fehlenden oder lückenhaften Erinnerung aufgrund des Zei-\ntablaufs. Die Führung des Indizienbeweises kann sodann dennoch darauf gestützt wer-\nden, dass jedenfalls in ihrer Gesamtheit das Vorliegen einer Anzahl solcher Indizien \nnicht mehr ernstlich anders erklärt werden kann als im Sinne der jeweils behaupteten \nHauptsache. Hinzu kommt, dass vorliegend die Erklärung des Klägers zur Anwesenheit \nseines Fahrzeugs am Kollisionsort nicht nur lückenhaft, sondern vielmehr geradezu ins \nAuge springend unplausibel ist, wenn er darlegt, dass er das Fahrzeug dort über Nacht \nabgestellt habe, nachdem er zuvor zu Fuß und ohne konkreten Besichtigungstermin \ndie Gegend nach einer Immobilie „zum Kaufen oder Mieten“ abgesucht habe und dann \naber fast eine Stunde zu Fuß zu seiner Freundin gelaufen sei, um dort zu übernachten. \nZudem wäre eine Erinnerung auch nach Ablauf von mehreren Jahren jedenfalls im \nHinblick darauf zu erwarten gewesen wäre, dass es sich bei dem Schadensereignis \num ein für den Kläger nicht alltägliches Geschehen gehandelt haben dürfte. \nbb. Auch die Rügen des Klägers hinsichtlich der Berücksichtigung des Umstandes des \nVorhandenseins eines Vorschadens an seinem Fahrzeug als Indiz für eine Unfallma-\nnipulation vermögen der Berufung keine Aussicht auf Erfolg zu verleihen. Soweit der \nKläger in seiner Berufung vorträgt, dass dieser Vorschaden nicht auf einer Unfallmani-\npulation beruhe, sondern durch das alleinige Verschulden eines Dritten verursacht wor-\nden sei, handelt es sich hierbei um neues Vorbringen in zweiter Instanz (§ 531 Abs. 2 \nZPO). Auf den Novenausschluss kommt es aber letztlich nicht an: Nach den obigen \nallgemeinen Ausführungen begründen Vorschäden am beschädigten Fahrzeug nicht \nnur dann ein Indiz für ein gestelltes Unfallgeschehen, wenn sie ihrerseits auf einer Un-\nfallmanipulation beruhten bzw. ein solcher Verdacht besteht: Vielmehr kann zum einen \ngenerell das Vorhandensein eines Vorschadens mit der einhergehenden Wertminde-\nrung des beschädigten Fahrzeugs einen Anreiz für eine Unfallmanipulation plausibel \nmachen und zum anderen kann gerade die in naher zeitliche Folge erfolgende erneute \nBeschädigung desselben Fahrzeugs durch den streitgegenständlichen Unfall ein Indiz \n\n \n \n \n \nSeite 30 von 34 \n30\nfür die Annahme einer Unfallmanipulation begründen. Zwar wäre – sofern die Behaup-\ntung des Klägers zu einer plausiblen Erklärung des Vorschadens als unstreitig oder \nerwiesen zugrunde zu legen sein sollte – die indizielle Bedeutung dieses Umstands \nnach den obigen Ausführungen deutlich herabzusetzen. Selbst bei Hinwegdenken die-\nses Indizes bliebe im Rahmen der Gesamtwürdigung aber weiterhin die Überzeugung \nvom Vorliegen eines gestellten Unfalls zu bilden, so dass es auch einer weiteren ge-\nrichtlichen Aufklärung zum diesbezüglichen Vortrag des Klägers nicht bedürfte. \ncc. Dass das klägerische Fahrzeug zum Zeitpunkt des Kollisionsgeschehens erst eine \nLaufleistung von 27.000 km hatte und damit noch nicht als älteres Fahrzeug mit einer \nhohen Laufleistung anzusehen war und auch nicht zeitnah nach dem Unfall weiterver-\nkauft wurde, kann vom Kläger ebenfalls der Führung des Indizienbeweises nicht ent-\ngegengehalten werden. Die Führung des Indizienbeweises für eine Unfallmanipulation \nist nach den obigen Ausführungen nicht davon abhängig, dass sämtliche denkbaren \nAnhaltspunkte für ein gestelltes Unfallgeschehen vorliegen und das Nichtvorliegen der \nvom Kläger hier angesprochenen Umstände ist lediglich als neutral zu bewerten und \nnicht mit dem Vorliegen von Indizien gleichzusetzen, die gegen eine Unfallmanipulation \nsprechen würden. Ein Anreiz für aus lukrativen Zwecken geplante Unfallmanipulation \nkann auch bei jüngeren Fahrzeugen mit geringerer Laufleistung bestehen, insbeson-\ndere wenn wie hier ein Vorschaden vorlag, und der Weiterverkauf nach dem Unfall ist \nlediglich als ein zusätzliches Verdeckungsmanöver in Fällen der Unfallmanipulation an-\nzusehen, nicht aber als deren regelmäßiger Bestandteil. \ndd. Dem Kläger kann auch nicht darin gefolgt werden, dass ein finanzielles Motiv für \ndie Unfallmanipulation deswegen nicht bestanden habe, weil er die Zahlung des Scha-\ndensersatzes an die sein Fahrzeug finanzierende Bank beantragt habe und er durch \ndiese Zahlung nicht von seiner Darlehensschuld befreit worden wäre. Dem steht bereits \nentgegen, dass der Kläger vorprozessual Zahlung an sich selbst verlangte; im Übrigen \nsind regelmäßig auf die Beschädigung eines als dingliche Sicherheit dienenden Ge-\ngenstands entfallende Schadensersatzansprüche, wenn sie dem gesicherten Gläubi-\nger zufließen, auf das gesicherte Darlehen anzurechnen. Dies kommt auch im Klagan-\ntrag des Klägers zum Ausdruck, wenn er Zahlung an die sein Fahrzeug finanzierende \nBank „zur dortigen Darlehensvertrags-Nr.“ beantragt. \n\n \n \n \n \nSeite 31 von 34 \n31\nee. Ohne Aussicht auf Erfolg hält der Kläger der vom Landgericht zu Recht vorgenom-\nmenen Berücksichtigung des Umstands der Diskrepanz zwischen den Einkommens-\nverhältnissen des Geschädigten und der Fahrzeugklasse des beschädigten Fahrzeugs \nentgegen, dass der Kläger über ein geregeltes Einkommen verfüge, seinen Darlehens-\nverpflichtungen bisher nachgekommen sei und keine negativen Vertragsinformationen \nüber ihn vorlägen. Dass es dem Kläger möglich gewesen sein mag, das Fahrzeug zu \nunterhalten, steht nicht der indiziellen Bewertung entgegen, dass unter regelmäßigen \nUmständen nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des Klägers die Unterhaltung ei-\nnes Pkw dieser Klasse als nur wenig plausibel anzusehen ist. \nff. Ebenso vermögen die Rügen des Klägers gegen die Würdigung des Fahrverhaltens \ndes Beklagten zu 1. der Berufung keine Aussicht auf Erfolg zu verleihen. Das Landge-\nricht hat auf der Grundlage der Ausführungen des Sachverständigen festgestellt, dass \ndem Beklagten zu 1. bereits 1,5 Sekunden vor der Kollision der drohende Zusammen-\nstoß erkennbar gewesen sei und dass der Beklagte zu 1. auch durch ein weiteres Ein-\nlenken reagiert habe, nicht aber durch Abbremsen, was nicht dem zu erwartenden Ab-\nwehrverhalten entspreche. Dieses Verhalten kann entgegen dem Berufungsvorbringen \ngerade wegen des erfolgten Einlenkens auch nicht mit mangelnder Aufmerksamkeit \nplausibel erklärt werden. \ngg. Hinsichtlich der Bewertung des Umstandes der fehlenden neutralen Zeugen als \nIndiz für eine Unfallmanipulation rügt der Kläger mit seiner Berufung ohne Aussicht auf \nErfolg, dass nach den Angaben des Beklagten zu 1. die Kollision von neutralen Dritten \nbeobachtet worden sei, der Kläger selbst aber mangels Anwesenheit am Unfallort \nhierzu aus eigener Erkenntnis nichts vortragen könne. Die Bedeutung dieses Umstan-\ndes als Indiz für eine Unfallmanipulation besteht nach den obigen Ausführungen ge-\nrade auch darin, dass jedenfalls dem Gericht keine neutralen Zeugen benannt werden \nund so eine Sachaufklärung behindert wird, die auch das Vorgeschehen einschließt. \nDies gilt auch dann, wenn tatsächlich solche neutralen Zeugen vorhanden gewesen \nsein sollen, ohne dass deren Angaben aber in das Verfahren eingeführt werden wür-\nden. \nhh. Erfolgsaussichten für die Berufung des Klägers ergeben sich schließlich auch nicht \naus den weiteren von ihm genannten Indizien, die nach seiner Auffassung vom Land-\ngericht als gegen eine Unfallmanipulation sprechende Indizien zu berücksichtigen ge-\n\n \n \n \n \nSeite 32 von 34 \n32\nwesen wären. Dabei ist im Ausgangspunkt zutreffend, dass – wie oben allgemein aus-\ngeführt wurde – bei der Führung eines Indizienbeweises im Rahmen der hier gebote-\nnen Gesamtwürdigung sowohl die für wie auch gegen eine bestimmte Tatsache spre-\nchenden Indizien zu berücksichtigen sind. Allerdings handelt es sich bei den vom Klä-\nger hier angeführten Umständen nicht um solche, die gegen die Annahme einer Unfall-\nmanipulation sprechen, sondern lediglich um neutrale Umstände, d.h. um Umstände, \nwonach im konkreten Fall bestimmten Merkmale, die typischerweise für die Annahme \neiner Unfallmanipulation sprechen würden, nicht erfüllt sind, ohne dass dies als Anzei-\nchen gegen das Vorliegen einer Unfallmanipulation zu bewerten wäre. \nInsbesondere betrifft dies das Vorbringen des Klägers dazu, dass der Vorschaden an \nseinem Fahrzeug bereits repariert gewesen sei, dass die erneute Beschädigung nicht \nim selben Bereich stattfand und dass er in der Schadensanzeige auf den Vorschaden \nhingewiesen habe: Die erneute Beschädigung des Geschädigtenfahrzeugs im Bereich \nvorhandener Vorschäden und deren mangelnde Offenlegung durch den Geschädigten \nist nach den obigen Ausführungen ein Anzeichen, dass für die Annahme einer Unfall-\nmanipulation sprechen kann. Aus dem Nichtvorliegen auch dieses Merkmals ist aber \nnicht der Schluss zu ziehen, dass kein gestelltes Unfallgeschehen vorliegt, da ein sol-\nches zwanglos auch in Form der Beschädigung des Geschädigtenfahrzeugs an einer \nanderen Stelle denkbar ist. \nAuch hinsichtlich der nicht nachgewiesenen Bekanntschaft zwischen dem Kläger und \ndem Beklagten zu 1. handelt es sich wiederum lediglich um das Nichtvorliegen eines \nbesonderen Indizes für die Annahme einer Unfallmanipulation: Schon da eine Unfall-\nmanipulation auch ohne eine Bekanntschaft der unfallbeteiligten Personen über Dritte \nvermittelt werden kann, ist aus dem mangelnden Nachweis der Bekanntschaft nicht ein \ngegen die Annahme einer Unfallmanipulation sprechendes Indiz abzuleiten. \nAuf die weiteren vom Kläger hier als gegen eine Unfallmanipulation sprechende Indi-\nzien angeführten Umstände (insbesondere zu Alter und Laufleistung des Fahrzeugs, \nzum angeblich fehlenden finanziellen Vorteil des Klägers bei einer Zahlung an die fi-\nnanzierende Bank, zu seinen Einkommensverhältnissen und zum Vorhandensein von \nZeugen an der Unfallstelle) ist bereits in den vorstehenden Ausführungen eingegangen \nworden: Auch hierdurch werden weder für die Annahme einer Unfallmanipulation spre-\nchende Umstände widerlegt, noch ergeben sich hieraus Anzeichen, die gegen die An-\nnahme eines gestellten Unfallgeschehens sprechen. Sonstige Umstände, die gegen \n\n \n \n \n \nSeite 33 von 34 \n33\ndie Annahme eines gestellten Unfalls sprechen würden, insbesondere die von der \nRechtsprechung allgemein herausgearbeiteten Merkmale, wie sie oben unter 4. ge-\nnannt wurden, sind weder vorgetragen noch sonst ersichtlich. \nii. Die Feststellungen aus dem vom Landgericht eingeholten Sachverständigengutach-\nten stehen dem Beweis eines gestellten Unfallgeschehens nicht entgegen, zumal auch \nder Sachverständige das Fahrverhalten des Beklagten zu 1. als technisch nicht nach-\nvollziehbar bewertete. Weiteren Gegenbeweis gegen die Behauptung der Beklagten \nzu 2., dass er in die Beschädigung seines Fahrzeugs eingewilligt habe, ist der Kläger \nnicht angetreten und er hat vor dem Landgericht auf die Vernehmung der Zeugin Frau \nFrick verzichtet, so dass auch in zweiter Instanz die Vernehmung dieser Zeugin als \nneues Beweismittel nach § 531 Abs. 2 ZPO ausgeschlossen ist (siehe BGH, Beschluss \nvom 25.04.2019 – I ZR 170/18, juris Rn. 17, NZV 2020, 99). \n6. Der Kläger wendet sich auch ohne Erfolg dagegen, dass das Landgericht auf das \nVorbringen der Beklagten zu 2. als Streithelfer des Beklagten zu 1., welcher die Schil-\nderung des Schadensereignisses durch den Kläger bestätigt habe, die Klage auch ge-\ngen den Beklagten zu 1. abgewiesen hat. Nach der Rechtsprechung des Bundesge-\nrichtshofs kann es vielmehr dem Haftpflichtversicherer in Fällen einer geltend gemach-\nten Unfallmanipulation wegen des bestehenden Interessengegensatzes zwischen dem \nVersicherungsnehmer und dem Haftpflichtversicherer nicht verwehrt werden, sich ge-\ngen die gegen ihn gerichtete Klage umfassend zu verteidigen und zwar auch mit der \nBehauptung, das schadensbegründende Ereignis sei nicht – wie vom Geschädigten \nbehauptet – unfreiwillig erlitten, sondern von den angeblich Unfallbeteiligten einver-\nnehmlich herbeigeführt worden (siehe BGH, Urteil vom 15.09.2010 – IV ZR 107/09, \njuris Rn. 13 ff., NJW 2011, 377; Beschluss vom 29.11.2011 – VI ZR 201/10, juris Rn. 3, \nNJW-RR 2012, 233). Der Haftpflichtversicherer unterliegt dann auch als Nebeninterve-\nnient für den Versicherungsnehmer nicht den Schranken des § 67 Halbs. 2 ZPO, son-\ndern er darf auch abweichend vom Versicherungsnehmer argumentieren und ihm ge-\ngenüber eine Klagabweisung beantragen (siehe BGH, Beschluss vom 29.11.2011 – VI \nZR 201/10, juris Rn. 4 ff., NJW-RR 2012, 233). Dies gilt auch dann, wenn der Versi-\ncherungsnehmer selbst gegenteilige Sachanträge gestellt hat (vgl. BGH, Beschluss \nvom 29.11.2011 – VI ZR 201/10, juris Rn. 6, NJW-RR 2012, 233), damit auch unab-\nhängig von der Wirksamkeit der eigenen anwaltlichen Vertretung des Versicherungs-\nnehmers. \n\n \n \n \n \nSeite 34 von 34 \n34\n7. Der Senat beabsichtigt, gemäß § 522 Abs. 2 ZPO durch Beschluss statt durch Urteil \nzu entscheiden, da die Rechtssache weder grundsätzliche Bedeutung hat noch die \nFortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine \nEntscheidung durch Urteil erfordern. \nDem Kläger wird Gelegenheit zur Stellungnahme innerhalb der im Tenor genannten \nFrist gegeben. Es wird darauf hingewiesen, dass bei Rücknahme der Berufung Ge-\nrichtsgebühren gespart werden können (Ermäßigung der Gebühr für das Verfahren im \nAllgemeinen gemäß Nr. 1220, 1222 KV von 4,0 auf 2,0). \n \ngez. Dr. Schromek \ngez. Dr. Böger \ngez. Varelmann","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/363735","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-bremen/2021-03-08/1-u-48-20","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 286","ref_norm":"286","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 531","ref_norm":"531","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 287","ref_norm":"287","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 540","ref_norm":"540","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 67","ref_norm":"67","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/363735","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/363735","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-bremen/2021-03-08/1-u-48-20","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/363735","retrieved":"2026-07-09 04:51:55.373343+00:00"}}