{"status":"available","doknr":"OLD127660","ecli":null,"court":"Landgericht Saarbrücken","senate":null,"decided":"2016-08-31","aktenzeichen":"5 S 6/16","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\n1. Die Berufung und die Anschlussberufung werden zurückgewiesen.\n\n \n\n2. Von den Kosten des Berufungsverfahrens - einschließlich des Anschlussberufungsverfahrens - tragen die Klägerin 67 % und der Beklagte 33 %.\n\n \n\n3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.\n\n \n\n4. Beiden Parteien wird gestattet, die Zwangsvollstreckung der jeweils anderen Seite wegen der Kostenerstattung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung in Höhe von 120 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages abzuwenden, wenn nicht der jeweilige Gläubiger vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.\n\n \n\n5. Die Revision wird für beide Parteien zugelassen.\n\n \n\n6. Der Streitwert des gesamten Berufungsverfahrens wird festgesetzt auf insgesamt 722,53 EUR.\n\nGründe\n\nA.\n\n \n\nDer Beklagte kaufte bei der Klägerin am 9.7.2011 eine … Metallbandsäge … zum Preis von 486,79 EUR in dem Internetshop, den die Klägerin unter der Homepage … betreibt.\n\n \n\nDer Beklagte zahlte den Kaufpreis von 486,79 EUR über den Online-Zahlungsdienst PayPal; diese Art der Kaufpreiszahlung hat die Klägerin auf ihrer Internetseite zugelassen.\n\n \n\nDer Kaufpreis wurde am 11.7.2011 auf dem PayPal-Konto der Klägerin gutgeschrieben.\n\n \n\nDie dem Beklagten am 12.7.2011 durch die Klägerin gelieferte Metallbandsäge entsprach nicht den Lichtbildern, die die Klägerin zur Veranschaulichung des Kaufgegenstandes in ihre Internetseite eingestellt hatte.\n\n \n\nAuf die Reklamation des Beklagten lieferte ihm die Streitverkündete am 5.8.2011 Ersatzteile für die bei der Klägerin gekaufte Metallbandsäge. Außerdem verfasste die Streitverkündete unter dem Datum 9.9.2011 (Bl. 8 d.A.) eine Erklärung an den Geschäftsführer der Klägerin, dass es sich bei der gelieferten Maschine um eine Original-...-Maschine handele.\n\n \n\nDer Beklagte beantragte bei dem Zahlungsdienstleister PayPal unter Bezugnahme auf dessen Allgemeine Geschäftsbedingungen (vgl. Bl. 62 ff d.A.) Käuferschutz mit der Begründung, die gelieferte Maschine weiche erheblich von der zum Bestandteil des Kaufvertrages gewordenen Artikelbeschreibung ab.\n\n \n\nDaraufhin forderte PayPal den Beklagten auf (vgl. Bl. 42 d.A.), der Beklagte solle sich innerhalb der nächsten 10 Tage durch einen Händler, Sachverständigen, Gutachter oder eine andere anerkannte Organisation seines Vertrauens schriftlich das Ausmaß des Schadens bestätigen lassen und diese Bestätigung PayPal zuleiten.\n\n \n\nAnschließend beauftragte der Beklagte den Sachverständigen für Fahrzeugtechnik und Schadensanalysen ... mit der Erstellung eines schriftlichen Gutachtens.\n\n \n\nDer beauftragte Sachverständige führt in seinem schriftlichen Gutachten vom 24.8.2011 (Bl. 27 ff d.A.) aus, die durch die Klägerin gelieferte Maschine sei nur auf den ersten Blick mit der ...-Maschine zu vergleichen. Die gelieferte Maschine sei entgegen der Verkaufsanpreisung von sehr mangelhafter Qualität. Viele Details entsprächen nicht dem vereinbarten Zustand. Offensichtlich handele es sich vorliegend um einen billigen Import aus Fernost (offensichtlich China), wobei diese Ausführung offensichtlich eine Kopie der ...-Maschine darstelle. Es sei keine originale Maschine des Herstellers \"...\", sondern eine minderwertige Fernost-Qualität geliefert worden. Diese erfülle nicht die vereinbarten Anforderungen.\n\n \n\nPayPal teilte dem Beklagten durch E-Mail vom 7.9.2011 mit, der Fall sei abgeschlossen und es sei eine Entscheidung zugunsten des Beklagten getroffen worden. PayPal habe von der Klägerin 486,79 EUR zurückerlangen können. Dieser Betrag werde dem PayPal-Konto des Beklagten gutgeschrieben.\n\n \n\nParallel dazu belastete PayPal das Konto der Klägerin in Höhe eines Betrages von 486,79 EUR. Ein Betrag in gleicher Höhe wurde dem PayPal-Konto des Beklagten gutgeschrieben.\n\n \n\nDurch E-Mail vom 5.9.2011 forderte PayPal den Beklagten auf (Bl. 34 d.A.), PayPal einen Nachweis zukommen zu lassen, dass der entsprechende Artikel entsorgt oder vernichtet worden sei. PayPal wolle einen Rückversand ausschließen, da dieser gesetzeswidrig sei.\n\n \n\nDurch Schreiben vom 6.9.2011 (Bl. 35 d.A.) bestätigte der Beklagte PayPal, dass der Artikel Metallbandsäge ... in Übereinstimmung mit den Anweisungen von PayPal vernichtet und entsorgt worden sei.\n\n \n\nDer Beklagte hat Widerklage erhoben, mit der er von der Klägerin die Erstattung der an den Sachverständigen ... für die Erstellung des Gutachtens gezahlten Vergütung begehrt.\n\n \n\nDie Klägerin hat die Auffassung vertreten, der Beklagte sei ihr zur Zahlung des vereinbarten Kaufpreises von 486,79 EUR verpflichtet.\n\n \n\nDie Klägerin hat beantragt,\n\n \n \n \n\nden Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin 486,79 EUR nebst 5 Prozentpunkten Zinsen hieraus seit dem 7.9.2011 zu zahlen\n\n \n \n \n \n \n\nund\n\n \n \n \n \n \n\ndie Widerklage abzuweisen.\n\n \n \n \n\nDer Beklagte hat beantragt,\n\n \n \n \n\ndie Klage abzuweisen\n\n \n \n \n \n \n\nund\n\n \n \n \n \n \n\ndie Klägerin zu verurteilen, an den Beklagten 235,74 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen.\n\n \n \n \n\nEr hat behauptet, bei der ihm von der Klägerin gelieferten Metallbandsäge handele es sich um einen minderwertigen Nachbau.\n\n \n\nEr habe die Maschine auf die Aufforderung von PayPal hin verschrottet.\n\n \n\nEr hat die Auffassung vertreten, die Klägerin sei ihm zum Schadensersatz in Höhe der aufgewandten Sachverständigenkosten verpflichtet.\n\n \n\nDas Amtsgericht Merzig hat die Klage und die Widerklage durch sein am 17.12.2015 verkündetes Urteil (Bl. 392 ff d.A.) abgewiesen und die Berufung gegen sein Urteil zugelassen.\n\n \n\nEs hat ausgeführt, die Kaufpreisforderung der Klägerin sei durch Erfüllung erloschen, weil der Zahlungsdienstleister PayPal der Klägerin auf deren Konto einen entsprechenden Betrag gutgeschrieben habe. Durch diese Gutschrift habe die Klägerin die Möglichkeit erhalten, den gutgeschriebenen Betrag auf ihr Bankkonto umbuchen zu lassen. Die spätere Rückbuchung des Geldbetrages von dem Konto der Klägerin durch PayPal ändere daran nichts. Diese Verfügung von PayPal begründe allenfalls einen Anspruch der Klägerin gegenüber PayPal.\n\n \n\nAuch die Widerklage sei nicht begründet.\n\n \n\nDem Beklagten stehe gegen die Klägerin kein Schadensersatzanspruch zu.\n\n \n\nDas Gutachten sei von dem Beklagten nicht zur Verfolgung eventueller Gewährleistungsrechte gegenüber der Klägerin eingeholt worden, es habe lediglich der Untermauerung der gegenüber PayPal im Rahmen des Antrags auf Käuferschutz erhobenen Vorwürfe gedient.\n\n \n\nDie Einholung des Gutachtens sei auch nicht erforderlich gewesen. PayPal habe lediglich die schriftliche Stellungnahme eines unabhängigen Dritten verlangt, nicht jedoch die Vorlage eines Sachverständigengutachtens.\n\n \n\nAußerdem habe der Beklagte der Klägerin keine Gelegenheit zur Prüfung der gelieferten Säge gegeben und ihr auch keine Frist zur Nacherfüllung gesetzt.\n\n \n\nDie Klägerin hat gegen das ihr am 21.12.2015 zugestellte Urteil am 15.1.2016 Berufung eingelegt und diese am 5.2.2016 begründet.\n\n \n\nDer Beklagte hat gegen das ihm am 21.12.2015 zugestellte Urteil am 12.4.2016 Anschlussberufung eingelegt.\n\n \n\nDie Klägerin vertritt die Auffassung, der Beklagte habe seine Verpflichtung zur Kaufpreiszahlung nicht erfüllt, da ihr der Geldbetrag nicht endgültig zur freien Verfügung gestanden habe.\n\n \n\nDurch die von PayPal veranlasste Lastschrift sei die Erfüllungswirkung rückwirkend weggefallen.\n\n \n\nDem Beklagten stehe kein Schadensersatzanspruch zu, da er nicht berechtigt gewesen sei, die Maschine zu vernichten.\n\n \n\nIm Übrigen habe er der Klägerin nicht die Gelegenheit zur Nacherfüllung gegeben.\n\n \n\nDie Klägerin beantragt,\n\n \n \n \n\ndas Urteil des Amtsgerichts Merzig vom 17.12.2015 – Az.: 24 C 1358/11 (07) – abzuändern und den Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin 486,79 EUR nebst 5 Prozentpunkten Zinsen hieraus über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 7.9.2011 zu zahlen.\n\n \n \n \n\nDer Beklagte beantragt,\n\n \n \n \n\ndie Berufung zurückzuweisen\n\n \n \n \n \n \n\nund\n\n \n \n \n \n \n\ndie Klägerin unter Abänderung des Urteils des Amtsgerichts Merzig vom 17.12.2015 – Az.: 24 C 1358/11 (07) – zu verurteilen, an den Beklagten 235,74 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen.\n\n \n \n \n\nEr verteidigt hinsichtlich der Klageforderung das angefochtene amtsgerichtliche Urteil und ist der Auffassung, der Klägerin stünden allenfalls Ansprüche gegen PayPal zu.\n\n \n\nDie Sachverständigenkosten seien auch ohne eine Aufforderung zur Nacherfüllung zu ersetzen.\n\n \n\nDie Klägerin beantragt,\n\n \n \n \n\ndie Anschlussberufung zurückzuweisen.\n\n \n \n \n\nSie bestreitet Mängel der gelieferten Säge und ist der Auffassung, die Einholung eines Sachverständigengutachtens sei nicht erforderlich gewesen.\n\n \n\nIm Übrigen wird hinsichtlich der Sach- und Streitstandes auf den Tatbestand und die Entscheidungsgründe des angefochtenen Urteils sowie auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen, die Sitzungsprotokolle und die übrigen Unterlagen aus den Gerichtsakten verwiesen.\n\n \n\nB.\n\n \n\nI.\n\n \n\nDie Berufung der Klägerin ist infolge der Berufungszulassung in dem angefochtenen Urteil (vgl. § 511 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) statthaft und sie ist rechtzeitig eingelegt und begründet worden.\n\n \n\nDie nicht innerhalb der Berufungsfrist eingegangene Berufung des Beklagten ist als unselbstständige Anschlussberufung (vgl. § 524 Abs. 2 ZPO) zulässig.\n\n \n\nII.\n\n \n\nSowohl die Berufung der Klägerin, als auch die Anschlussberufung des Beklagten sind nicht begründet und deshalb zurückzuweisen.\n\n \n\n1. Das Amtsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, dass die streitgegenständliche Kaufpreisforderung der Klägerin durch Erfüllung (§ 362 Abs. 1 BGB) erloschen ist.\n\n \n\nDie Klägerin hat dem Beklagten die Möglichkeit eröffnet, den Kaufpreis mittels des Zahlungsdienstleisters PayPal zu entrichten. Von dieser Möglichkeit hat der Beklagte Gebrauch gemacht und dafür gesorgt, dass der Kaufpreis dem PayPal-Konto der Klägerin gutgeschrieben worden ist.\n\n \n\nMit der vorbehaltlosen Gutschrift des Zahlbetrages auf dem PayPal-Konto der Klägerin ist die Kaufpreisforderung erfüllt.\n\n \n\nEntgegen der Auffassung der Klägerin steht dem die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil vom 20. Juli 2010 – Az.: XI ZR 236/07 –; BGHZ 186, 269-295), zu dem \"SEPA-Lastschriftverfahren\" nicht entgegen. Danach wird bei einer Geldschuld der Leistungserfolg nur dann erzielt, wenn der Gläubiger den Geldbetrag, den er beanspruchen kann, endgültig zur freien Verfügung erhält (vgl. BGH a.a.O., juris, Rdnr. 22, m.w.N.).\n\n \n\nAllerdings soll die Erfüllung dann rückwirkend (§ 159 BGB) entfallen, wenn es infolge des Erstattungsverlangens des Schuldners zu einer Rückbelastung kommt (vgl. BGH a.a.O., juris, Rdnr. 25, m.w.N.).\n\n \n\nDiese Wertung des Bundesgerichtshofs beruht auf den Besonderheiten des \"SEPA-Basis-Lastschriftverfahrens\", bei dem es dem Schuldner gestattet ist, bis zu einer Frist von 8 Wochen nach der Belastungsbuchung ohne Angabe von Gründen von seiner Bank die Erstattung des Zahlbetrages zu verlangen (vgl. dazu BGH, a.a.O., juris, Rdnr. 24, m.w.N.).\n\n \n\nDiese Besonderheit der befristeten Rückrufmöglichkeit des Käufers besteht in dem streitgegenständlichen PayPal-Zahlverfahren nicht. Vielmehr ist der Käufer grundsätzlich an seine Kaufpreiszahlung gebunden.\n\n \n\nGemäß Ziffer 3.1 der PayPal-Nutzungsbedingungen (Bl. 49 d.A.) erteilt der Käufer PayPal einen Zahlungsauftrag, den PayPal ausführt, indem der angewiesene Betrag dem Empfänger gutgeschrieben wird. Diese Gutschrift kann der Zahlungsempfänger einlösen, indem er das sogenannte E-Geld auf sein Bankkonto abbuchen lässt (vgl. Ziffer 6.1 der PayPal-Nutzungsbedingungen; Bl. 52 d.A.).\n\n \n\nDiesen Leistungserfolg kann der Käufer – anders als der Zahlungsverpflichtete im SEPA-Lastschriftverfahren – nicht einseitig durch einen Widerruf zunichte machen.\n\n \n\nDie Möglichkeit des Käufers, über das von PayPal angebotene Käuferschutzverfahren den von ihm gezahlten Kaufpreisbetrag zurück zu erhalten, ist dem Erstattungsverlangen in dem SEPA-Lastschriftverfahren nicht vergleichbar.\n\n \n\nBei dem Käuferschutzverfahren handelt es sich um eine von PayPal angebotene gesonderte Dienstleistung. PayPal verspricht in seiner Käuferschutzrichtlinie (Bl. 62 ff d.A.), dem Käufer den Kaufpreis inklusive der Versandkosten zu erstatten, wenn ein Antrag auf PayPal-Käuferschutz erfolgreich ist. Wichtig ist, dass die Auszahlung des Kaufpreises inklusive der Versandkosten unabhängig davon erfolgen soll, ob PayPal den Erstattungsbetrag von dem Zahlungsempfänger zurückfordern kann (vgl. PayPal-Käuferschutzrichtlinie Ziffer 2, Satz 3). An dieser Ausgestaltung des Käuferschutzes wird deutlich, dass PayPal mit diesem Angebot den Käufern eine von ihrer Rechtsbeziehung zu dem Verkäufer unabhängige Dienstleistung verspricht, die davon abhängt, dass der Käufer einen Artikel gekauft und mit PayPal bezahlt hat (Ziffer 3.1 der PayPal-Käuferschutzrichtlinie). Dadurch will PayPal die Fälle absichern, in denen der mit PayPal bezahlte Artikel nicht durch den Verkäufer versandt worden ist (vgl. Ziffer 4.1 der Käuferschutzrichtlinie) oder dass der gelieferte Artikel erheblich von der Artikelbeschreibung abweicht (vgl. Ziffer 4.2 der Käuferschutzrichtlinie). In dem zuletzt genannten Fall entscheidet PayPal von Fall zu Fall anhand entsprechend einzureichender Nachweise, ob der Artikel tatsächlich entsprechend von der Artikelbeschreibung abweicht. PayPal's Entscheidung über den Antrag auf Käuferschutz ist endgültig und der Rechtsweg gegenüber PayPal wegen dieser Entscheidung soll ausgeschlossen sein (vgl. Ziffer 4.2 der Käuferschutzrichtlinie).\n\n \n\nDaran wird deutlich, dass dieses Institut des Käuferschutzes zunächst nur die Rechtsbeziehung des Käufers zu PayPal berührt. Wenn PayPal zugunsten des Käufers entscheidet und diesem den Kaufpreis erstattet, tritt der Käufer mit dem Empfang der Auszahlung des PayPal-Käuferschutzes alle gegenüber dem Verkäufer bestehenden Ansprüche aus dem Kaufvertrag, der dem PayPal-Käuferschutzverfahren zugrunde liegt, in Höhe des Auszahlungsbetrages an PayPal ab (vgl. Ziffer 6.1 der PayPal-Käuferschutzrichtlinie).\n\n \n\nDie Exklusivität dieses PayPal Käuferschutzes wird ferner dadurch untermauert, dass gemäß Ziffer 6.5 der PayPal-Käuferschutzrichtlinie die gesetzlichen Rechte des Käufers durch den Käuferschutz nicht berührt werden und dass PayPal nicht als Vertreter von Käufer, Verkäufer oder Zahlungsempfänger auftritt, sondern lediglich über den Antrag auf PayPal-Käuferschutz entscheidet.\n\n \n\nDie von PayPal veranlasste Rückbuchung auf dem Verkäuferkonto ist nicht von dem Käufer – im vorliegenden Fall also nicht von dem Beklagten, sondern von PayPal veranlasst. Wenn PayPal dem Antrag des Käufers auf Käuferschutz stattgibt und diesem den Kaufpreis erstattet – und zwar unabhängig davon, ob PayPal den Erstattungsbetrag von dem Zahlungsempfänger zurückfordern kann (vgl. Ziffer 2 der PayPal-Käuferschutzrichtlinie) –, hat sich PayPal durch Ziffer 10.1 b) und c) die Möglichkeit eröffnet, einen Betrag in Höhe des Kaufpreises und der ursprünglichen Versandkosten durch Einzug von dem etwaigen Guthaben des Empfängers auf seinem PayPal-Konto auszugleichen.\n\n \n\nDiese Belastung des Empfängerkontos ist eine Folge der Rechtsbeziehung des Zahlungsempfängers zu PayPal, sie entstammt nicht dem Kaufvertragsverhältnis der Parteien.\n\n \n\nDie Frage der Wirksamkeit der Allgemeinen Geschäftsbedingungen von PayPal, wonach PayPal auch dann zum Einzug berechtigt ist, wenn der Verkäufer die Ware nicht zurückerhält, weil diese auf Veranlassung von PayPal vernichtet worden ist, kann in dem vorliegenden Rechtsstreit offen bleiben.\n\n \n\nDieses Problem betrifft ausschließlich die Rechtsbeziehungen zwischen der Klägerin und PayPal.\n\n \n\nDa somit die Kaufpreisforderung (§ 433 Abs. 2 BGB) der Klägerin gegen den Beklagten durch Erfüllung erloschen ist, hat das Amtsgericht die Klage zu Recht abgewiesen.\n\n \n\n2. Die Entscheidung des Amtsgerichts, dem Beklagten stehe gegen die Klägerin kein Anspruch auf Erstattung der Gutachterkosten zu, ist ebenfalls nicht zu beanstanden.\n\n \n\nEin derartiger Anspruch kann dem Käufer als Schadensersatzanspruch im Sinne der §§ 437 Nr. 3, 440, 280 Abs. 1, 251 Abs. 1 BGB oder als verschuldensunabhängiger Erstattungsanspruch gemäß § 439 Abs. 2 BGB zustehen.\n\n \n\n§ 439 Abs. 2 BGB gewährt dem Käufer einen eigenständigen, von einem Verschulden des Verkäufers unabhängigen Anspruch auf Erstattung seiner notwendigen Aufwendungen, wozu auch die Kosten für ein die Schadensursache untersuchendes und der Vorbereitung des Nacherfüllungsverlangens dienendes Gutachten zählen (vgl. BGH, Urteil vom 30. April 2014 – Az.: VIII ZR 275/13 –; BGHZ 201, 83-90, zitiert nach juris, Rdnr. 16, m.w.N.).\n\n \n\nVorliegend sind jedoch weder die Voraussetzungen eines Schadensersatzanspruches, noch diejenigen eines Erstattungsanspruches aus § 439 Abs. 2 BGB erfüllt.\n\n \n\nDenn der Beklagte hat das Sachverständigengutachten nicht zum Zwecke der Durchsetzung von Gewährleistungsrechten gegenüber der Klägerin als Verkäuferin eingeholt, sondern zum Nachweis seiner Rechte gegenüber PayPal in dem Käuferschutzverfahren.\n\n \n\nEine teleologische Auslegung der vorgenannten Vorschriften des Kaufrechtes – unter Berücksichtigung der Wertungen des Artikels 3 der Richtlinie 1999/44/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 „zu bestimmten Aspekten des Verbrauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter“ (ABl EG Nr. L 171 Seite 12), die Unentgeltlichkeit der Nacherfüllung verschuldensunabhängig zu gewährleisten (vgl. dazu BGH a.a.O., juris, Rdnr. 17, m.w.N.) -, führt zu dem Ergebnis, dass Aufwendungen des Käufers von dem Verkäufer nur dann zu ersetzen sind, wenn diese zur Vorbereitung oder zum Nachweis von kaufrechtlichen Gewährleistungsrechten eingegangen worden sind.\n\n \n\nDa dies bei den streitgegenständlichen Sachverständigenkosten nicht der Fall ist, hat die Widerklage des Beklagten keinen Erfolg.\n\n \n\nIII.\n\n \n\nDie Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 92 Abs. 1, 97 Abs. 1, 708 Nr. 10, 711 ZPO.\n\n \n\nDer Streitwert des Berufungsverfahrens ergibt sich durch eine Addition des Klage- und des Widerklageanspruchs (§ 45 GKG).\n\n \n\nIm Hinblick darauf, dass es sich bei dem PayPal Zahlverfahren um eine verbreitete Form der Forderungserfüllung in Internetkaufverträgen handelt, hat diese Rechtssache grundsätzliche Bedeutung und die Fortbildung des Rechts sowie die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordern sowohl hinsichtlich der Klage als auch der Widerklage eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 ZPO).\n\n \n\nDeshalb hat die erkennende Kammer die Revision zugelassen.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/127660","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-saarbruecken/2016-08-31/5-s-6-16","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 439","ref_norm":"439","n":3},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 251","ref_norm":"251","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 280","ref_norm":"280","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 362","ref_norm":"362","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 433","ref_norm":"433","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 437","ref_norm":"437","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 440","ref_norm":"440","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 45","ref_norm":"45","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 524","ref_norm":"524","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 708","ref_norm":"708","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 711","ref_norm":"711","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 159","ref_norm":"159","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 511","ref_norm":"511","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/127660","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/127660","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-saarbruecken/2016-08-31/5-s-6-16","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/127660","retrieved":"2026-07-09 00:21:40.089209+00:00"}}