{"status":"available","doknr":"OLD199737","ecli":"ECLI:DE:VGD:2013:0326.24L581.13.00","court":"Verwaltungsgericht Düsseldorf","senate":null,"decided":"2013-03-26","aktenzeichen":"24 L 581/13","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDer Antrag wird einschließlich des Antrags auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe abgelehnt.\n\nDie Antragstellerin trägt die Kosten des Verfahrens.\n\nDer Wert des Streitgegenstandes wird auf 1.250,‑ Euro festgesetzt.\n\n1\n\nGründe:\n\n2\n\nDer am heutigen Tag gestellte Antrag,\n\n3\n\ndem Antragsgegner zu untersagen, die Antragstellerin während ihrer Schwangerschaft aus der Bundesrepublik Deutschland  abzuschieben,\n\n4\n\nhat keinen Erfolg. Er ist jedenfalls unbegründet.\n\n5\n\nDie Antragstellerin hat einen Anordnungsanspruch nicht glaubhaft gemacht (§§ 123 Abs. 3, 920 Abs. 2, 294 ZPO). Der Antragsgegner ist gemäß § 58 Abs. 1 AufenthG berechtigt, die am 1. August 2012 abgeschobene und in der Folgezeit illegal wieder in das Bundesgebiet eingereiste, aus Serbien stammende Antragstellerin abzuschieben. Die Antragstellerin ist gemäß § 50 Abs. 1 AufenthG zur Ausreise verpflichtet, da sie nicht im Besitz des nach § 4 Abs. 1 Satz 1 AufenthG erforderlichen Aufenthaltstitels ist. Die Ausreisepflicht ist auch vollziehbar. Die Ausreise bedarf schließlich, wie von § 58 Abs. 1 AufenthG vorausgesetzt, der Überwachung. Die Antragstellerin befindet sich aufgrund richterlicher Anordnung in Haft (§ 58 Abs. 3 Nr. 1 AufenthG). Soweit das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bundesamt) mit Bescheid vom 13. März 2013 auf den Folgeantrag der Antragstellerin vom 11. Februar 2013 hin eine (neue) Abschiebungsandrohung erlassen hat, gebietet dies keine abweichende Einschätzung. Denn die dort gesetzte Ausreisefrist von einer Woche nach Bekanntgabe der Entscheidung ist bereits abgelaufen. Nach den Erkenntnissen des Gerichts wurde der Bundesamtsbescheid am 17. März 2013 zugestellt.\n\n6\n\nEinen Anspruch auf vorübergehende Aussetzung der Abschiebung hat die Antragstellerin  nicht glaubhaft gemacht. Nach der insoweit nur in Betracht kommenden Vorschrift des § 60a Abs. 2 AufenthG ist die Abschiebung eines Ausländers auszusetzen, solange die Abschiebung aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen unmöglich ist. Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor. Insbesondere hindert die bei der Antragstellerin vorliegende Schwangerschaft ihre für den 27. März 2013 vorgesehene Rückführung auf dem Luftweg nicht. Nach der ärztlichen Bescheinigung des St. W-Krankenhauses Q vom 14. März 2013 ist die Antragstellerin trotz ihrer Risikoschwangerschaft flugfähig. Gleiches stellte der (Flughafen-)Arzt L am 21. März 2013 im Rahmen eines Confidential Medical Certificate of Fitness for Air Travel sowie am 25. März 2013 fest. Allerdings sei eine ärztliche Begleitung notwendig. Eine solche ärztliche Begleitung wird nach Auskunft des Antragsgegners ebenso gewährleistet sein wie ein Empfang durch einen Arzt am Belgrader Flughafen.\n\n7\n\nAndere Duldungsgründe sind weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.\n\n8\n\nSoweit vertreten wird, dass nach aktueller Rechtslage - insbesondere mit Blick auf die sogenannte Rückführungsrichtlinie 2008/115/EG - eine Befristungsentscheidung im Hinblick auf das durch die Abschiebung ausgelöste Einreiseverbot nach § 11 AufenthG spätestens in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Anordnung der Abschiebung,\n\n9\n\nVGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19. Dezember 2012 - 11 S 2303/12 -, Juris; vgl. auch VG Münster, Beschluss vom 17. Januar 2013 -  8 L 37/13 -, Juris,\n\n10\n\nbzw. jedenfalls im gleichsam letzten Moment vor der Abschiebung,\n\n11\n\nVG Düsseldorf, Beschluss vom 7. Januar 2013 - 24 L 2498/12 -, Juris,\n\n12\n\nzu erfolgen hat, gebietet dies keine abweichende Entscheidung. Denn der Antragsgegner hat noch bis zum morgigen Vollzug der Abschiebemaßnahme Zeit, eine Befristungsentscheidung zu erlassen und hat den Erlass einer solchen Entscheidung dem Gericht gegenüber auch zugesagt. Einen etwaigen Streit über die Rechtmäßigkeit der Dauer des Einreiseverbots kann die Antragstellerin ohne erkennbare Beeinträchtigung ihrer Belange auch vom Ausland aus führen.\n\n13\n\nVG Düsseldorf, Beschluss vom 7. Januar 2013 - 24 L 2498/12 -, Juris.\n\n14\n\nSoweit die Ansicht vertreten wird, der Betroffene müsse noch im Bundesgebiet von dem ihm durch Art. 13 der Richtlinie 2008/115/EG eingeräumten Rechtsbehelfen effektiv Gebrauch machen können,\n\n15\n\nVGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19. Dezember 2012 - 11 S 2303/12 -, Juris,\n\n16\n\nfolgt dem das erkennende Gericht nicht. Eine solche zeitliche Vorgabe ist Art. 13 der genannten Richtlinie nicht zu entnehmen.\n\n17\n\nDie Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO.\n\n18\n\nDer Antrag auf Gewährung von Prozesskostenhilfe war abzulehnen, da die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§§ 166 VwGO, 114 ZPO).\n\n19\n\nDie Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 53 Abs. 3 Nr. 1, 52 Abs. 2 GKG.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/199737","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-duesseldorf/2013-03-26/24-l-581-13","cited_norms":[{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 58","ref_norm":"58","n":3},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 166","ref_norm":"166","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 123","ref_norm":"123","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 294","ref_norm":"294","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 920","ref_norm":"920","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 52","ref_norm":"52","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1},{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 50","ref_norm":"50","n":1},{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 53","ref_norm":"53","n":1},{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 60a","ref_norm":"60a","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/199737","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/199737","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/vg-duesseldorf/2013-03-26/24-l-581-13","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/199737","retrieved":"2026-07-09 01:15:53.099209+00:00"}}