{"status":"available","doknr":"OLD383451","ecli":"ECLI:DE:OVGNRW:2023:0110.19B1030.22A.00","court":"Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen","senate":null,"decided":"2023-01-10","aktenzeichen":"19 B 1030/22.A","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDer Beschluss des Verwaltungsgerichts Aachen vom 3. Dezember 2021 ‑ 7 L 675/21.A ‑ wird geändert.\n\nDie aufschiebende Wirkung der Klage 7 K 2305/21.A VG Aachen (19 A 1804/22.A OVG NRW) gegen die in Ziffer 3 des Bescheids des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vom 25. Juni 2021 enthaltene Abschiebungsandrohung wird angeordnet.\n\nDie Antragsgegnerin trägt die Kosten des Verfahrens, für das Gerichtskosten nicht erhoben werden.\n\n1\n\nGründe:\n\n2\n\nDer Senat entscheidet über den Antrag des Antragstellers durch den Berichterstatter, weil sich die Beteiligten damit einverstanden erklärt haben (§ 87a Abs. 2 und 3 VwGO).\n\n3\n\nDer Antrag nach § 80 Abs. 7 VwGO hat Erfolg. Das Oberverwaltungsgericht ist für die Entscheidung über den Antrag zuständig. Nach Eingang des Antrags auf Zulassung der Berufung in dem zugehörigen Hauptsacheverfahren (19 A 1804/22.A) ist es das Gericht der Hauptsache, § 80 Abs. 7 Satz 1 VwGO.\n\n4\n\nDabei kann dahinstehen, ob vorliegend die Voraussetzungen des § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO gegeben sind. Der Beschluss des Verwaltungsgerichts vom 3. Dezember 2021 ‑ 7 L 675/21.A - ist jedenfalls von Amts wegen gemäß § 80 Abs. 7 Satz 1 VwGO abzuändern und die aufschiebende Wirkung der Klage gegen Ziffer 3 des Bescheids des Bundesamts vom 25. Juni 2021 anzuordnen. Nach § 80 Abs. 7 Satz 1 VwGO kann das Gericht der Hauptsache die Entscheidung über einen Eilantrag gemäß § 80 Abs. 5 VwGO jederzeit von Amts wegen nach pflichtgemäßer Ermessensausübung ohne weitere Voraussetzung – also insbesondere ohne veränderte Umstände im Sinn des § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO – ändern, wenn das Gericht zu einer anderen Beurteilung der Rechtslage gekommen ist oder die frühere Interessenabwägung nachträglich als korrekturbedürftig einstuft.\n\n5\n\nVgl. BVerwG, Beschlüsse vom 26. März 2018 ‑ 1 VR 1.18 ‑, NVwZ 2018, 1395, juris, Rn. 6, und vom 10. März 2011 ‑ 8 VR 2.11 ‑, juris, Rn. 7 f.; Bay. VGH, Beschluss vom 27. September 2019 ‑ 13a AS 19.32891 ‑, juris, Rn. 13.\n\n6\n\nDas ist hier der Fall, weil offen ist, ob die von dem Antragsteller im Verfahren 19 A 1804/22.A als grundsätzlich klärungsbedürftig aufgeworfene Frage, ob § 71a AsylG mit Art. 33 Abs. 2 lit. d RL 2013/32/EU vereinbar ist, weiter als „acte clair“ bejaht werden kann und ob der im Hauptsacheverfahren geltend gemachte Zulassungsgrund nach § 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylG vorliegt.\n\n7\n\nEinen „acte clair“ verneinend: OVG NRW, Beschlüsse vom 31. März 2022 ‑ 1 B 375/22.A -, juris, Rn. 7 ff., vom 17. Januar 2022 ‑ 13 B 829/21.A -, n. v., Beschlussabdruck, S. 2 f., und vom 9. Dezember 2021 ‑ 17 B 1728/21.A -, juris, Rn. 6; einen „acte clair“ – mit gewichtigen Gründen – bejahend: Sächs. OVG, Beschluss vom 27. Juli 2020 ‑ 5 A 638/19.A ‑, juris, Rn. 12; OVG Berlin-Bbg., Beschluss vom 13. Oktober 2020 ‑ 6 N 89/20 ‑, juris, Rn. 24; OVG Bremen, Urteil vom 3. November 2020 ‑ 1 LB 28/20 ‑, juris, Rn. 45 ff.; VG Düsseldorf, Beschluss vom 28. Juni 2022 ‑ 13 L 1373/22.A ‑, juris, Rn. 7 ff.; VG Köln, Beschluss vom 9. Juni 2022 ‑ 23 L 715/22.A -, juris, Rn. 5 ff.; grundsätzliche Europarechtskonformität annehmend Schlussanträge des Generalanwalts vom 18. März 2021 ‑ C-8/20 ‑, juris, Rn. 54 ff.; offen gelassen: BVerwG, Urteil vom 14. Dezember 2016 ‑ 1 C 4.16 ‑, BVerwGE 157, 18, juris, Rn. 26; EuGH, Urteile vom 22. September 2022 ‑ C-497/21 ‑, juris, Rn. 36, und vom 20. Mai 2021 ‑ C-8/20 ‑, juris, Rn. 29, 30 und 40.\n\n8\n\nDie Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO, § 83b AsylG.\n\n9\n\nDieser Beschluss ist unanfechtbar (§ 80 AsylG).","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/383451","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2023-01-10/19-b-1030-22-a","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 80","ref_norm":"80","n":7},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 83b","ref_norm":"83b","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 80","ref_norm":"80","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/383451","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/383451","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2023-01-10/19-b-1030-22-a","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/383451","retrieved":"2026-07-09 05:36:56.923805+00:00"}}