{"status":"available","doknr":"OLD244732","ecli":"ECLI:DE:OVGNRW:2009:0112.12A2357.07.00","court":"Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen","senate":null,"decided":"2009-01-12","aktenzeichen":"12 A 2357/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDer Antrag auf Zulassung der Berufung wird abgelehnt.\n\nDie Beklagte trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens. \n\nDer Streitwert wird für das Berufungszulassungsverfahren auf 73.335,80 EUR \nfestgesetzt.\n\n1\n\n G r ü n d e :\n\n2\n\nDer Antrag auf Zulassung der Berufung ist nicht begründet. \n\n3\n\nDas Zulassungsvorbringen führt nicht zu ernstlichen Zweifeln an der Richtigkeit \nder verwaltungsgerichtlichen Entscheidung i. S. d. als Zulassungsgrund allein \ngeltend gemachten § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO. Die Darlegungen im \nBegründungsschriftsatz vom 28. August 2007 vermögen nämlich die \nentscheidungstragende Annahme des Verwaltungsgerichts nicht zu erschüttern, \ndass ein - nach § 89c Abs. 1 Satz 1 SGB VIII einen Kostenersatzanspruch \ngegenüber der Beklagten begründender - Zuständigkeitswechsel i. S. v. § 86c Abs. 1 \nSatz 1 SGB VIII erst mit der Übertragung des Sorgerechts auf den Vater der Kinder \ndurch Beschluss des Amtsgerichts C. vom 24. Juni 2003 eingetreten und die \nörtliche Zuständigkeit nicht schon im Zeitraum vor Beginn der Leistung am 18. Juni \n2003 durch die vorläufige Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts auf den \nVater der Kinder mit Beschluss des Amtsgerichts S. vom 13. Juni 2003 \nbestimmt worden ist.\n\n4\n\nEntgegen der Auffassung der Beklagten hat sich das Verwaltungsgericht sehr \nwohl mit der Problematik befasst, inwieweit sich durch die vorläufige Übertragung \ndes Aufenthaltsbestimmungsrechts und des Rechts zur Beantragung von Jugendhilfe \nam 13. Juni 2003 eine andere als die anfängliche Zuständigkeit der Klägerin als dem \nOrt des gewöhnlichen Aufenthalts der Mutter, bei der die Kinder ihrerseits vor Beginn \nder Leistung zuletzt ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten, ergeben könnte. Auf die \ndurch entsprechende obergerichtliche Rechtsprechung belegte Auffassung des \nVerwaltungsgerichts, für die vorliegend in Frage kommende Zuständigkeit nach § 86 \nAbs. 2 Satz 2 SGB VIII komme es - ebenso wie für eine Zuständigkeit nach § 86 Abs. \n2 Satz 1 SGB VIII - auf den Umfang der dem Personensorgeberechtigten nach einem \nTeilentzug verbleibenden Befugnisse nach § 1631 BGB nicht an, geht die Beklagte \nmit ihrer Zulassungsbegründung jedoch in keiner Weise ein, so dass es insoweit \nschon an einer ausreichenden Darlegung i. S. v. § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO \nmangelt.\n\n5\n\nUngeachtet dessen sind sich - ohne dass es diesbezüglich ernsthafte \nGegenstimmen gibt - Rechtsprechung und Literatur insoweit einig, als im Rahmen \ndes § 86 Abs. 2 SGB VIII für den - nur sekundär der Bestimmung der örtlichen \nZuständigkeit dienenden - Anknüpfungspunkt der Personensorge ausreichen soll, \ndass dem be-treffenden Elternteil zumindest ein Rest an Personensorge verbleibt. \n\n6\n\nVgl. über die vom Verwaltungsgericht zitierte Rechtsprechung hinaus auch: \nBayVGH, Urteil vom 16. November 2004 - 12 B 00.3364 -, ZFSH/SGB 2005, 419; VG \nGelsenkirchen, Urteil vom 13. Dezember 2002 - 19 K 1259/00 -, NDV-RD 2003, 66; \nVG Karlsruhe, Urteil vom 26. Oktober 2006 - 8 K 2931/05 -, ZFSH/SGB 2007, 151; \nWiesner, in: Wies-ner, SGB VIII, 3. Aufl. 2006, § 86 Rn. 15; Kunkel, in: Kunkel, LPK-\nSGB VIII, 3. Aufl. 2006, § 86 Rn. 20; Schellhorn, in: Schellhorn/Fischer/Mann, SGB \nVIII, 3. Aufl. 2007, § 86 Rn. 32; Münder, FK-SGB VIII, 5. Aufl. 2006, § 86 Rn. 7; \nReisch, in: Jans/Happe/Saur-bier/Maas, Kinder- und Jugendhilferecht, Stand: Mai \n2008, KJHG Art. 1 Erl. § 86 Rn. 29; Grube in: Hauck/Noftz, SGB VIII, Stand: Januar \n2008, K § 86 Rn. 17.\n\n7\n\nDarauf, ob sich außerhalb von § 89c Abs. 1 Satz 1 SGB VIII ein \nKostenerstattungsanspruch der Klägerin begründen lässt, kommt es nach alledem \nhier nicht an. \n\n8\n\nDie Kostenentscheidung folgt aus §§ 154 Abs. 2, 188 Satz 2 Halbsatz 2 \nVwGO.\n\n9\n\nDie Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 52 Abs. 1 und 3, 43 Abs. 1 und 47 Abs. 1 \nund 3 GKG.\n\n10\n\nDieser Beschluss ist gem. § 152 Abs. 1 VwGO und - hinsichtlich der \nStreitwertfestsetzung - nach § 66 Abs. 3 Satz 3, 68 Abs. 1 Satz 5 GKG unanfechtbar. \nDas Urteil des Verwaltungsgerichts ist nunmehr rechtskräftig (§ 124a Abs. 5 Satz 4 \nVwGO). \n\n11","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/244732","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-01-12/12-a-2357-07","cited_norms":[{"jurabk":"SGB 8","ref":"§ 86","ref_norm":"86","n":3},{"jurabk":"SGB 8","ref":"§ 89c","ref_norm":"89c","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124a","ref_norm":"124a","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 152","ref_norm":"152","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 52","ref_norm":"52","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 43","ref_norm":"43","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1631","ref_norm":"1631","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 47","ref_norm":"47","n":1},{"jurabk":"SGB 8","ref":"§ 86c","ref_norm":"86c","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/244732","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/244732","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2009-01-12/12-a-2357-07","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/244732","retrieved":"2026-07-09 02:08:39.832407+00:00"}}