{"status":"available","doknr":"OLD298290","ecli":"ECLI:DE:OVGNRW:2002:0418.8A1405.02A.00","court":"Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen","senate":null,"decided":"2002-04-18","aktenzeichen":"8 A 1405/02.A","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDer Antrag der Beklagten gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts \nMinden vom 15. Februar 2002 wird abgelehnt.\n\nDie Beklagte trägt die Kosten des Antragsverfahrens, für das Gerichtskosten \nnicht erhoben werden.\n\n1\n\n G r ü n d e :\n\n2\n\nDer Antrag der Beklagten auf Zulassung der Berufung hat keinen Erfolg.\n\n3\n\nDie geltend gemachte Abweichung von der Rechtsprechung des \nBundesverwaltungsgerichts liegt nicht vor. Eine Divergenz i.S.d. § 78 Abs. 3 Nr. 2 \nAsylVfG ist nur gegeben, wenn das Urteil des Verwaltungsgerichts mit einem seine \nEntscheidung tragenden abstrakten Rechts- oder verallgemeinerungsfähigen \nTatsachensatz von einem in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, \ndes Oberverwaltungsgerichts, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe \ndes Bundes oder des Bundesverfassungsgerichts aufgestellten ebensolchen, die \nEntscheidung tragenden Rechts- oder Tatsachensatz abgewichen ist. Dies zeigt die \nAntragsschrift nicht auf. Entgegen der Auffassung der Beklagten hat das \nBundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 29. September 2000 - 9 C 12.00 - \n(NVwZ 2001, 335) lediglich entschieden, dass die Rücknahmevorschrift des § 48 \nVwVfG neben § 73 AsylVfG Anwendung findet. Dem vorgenannten Urteil ist jedoch \nnicht der entscheidungstragende Rechtssatz zu entnehmen, dass die Widerrufsfrist \ndes § 48 Abs. 4 VwVfG keine Anwendung auf die Rücknahme der Asylanerkennung \nnach § 73 Abs. 2 AsylVfG findet. Vielmehr hat das Bundesverwaltungsgericht die \nVoraussetzungen des § 73 AsylVfG im konkreten Fall schon aus anderen Gründen \nverneint.\n\n4\n\nDie Antragsbegründung führt auch nicht auf eine grundsätzliche Bedeutung der \nvorliegenden Rechtssache (§ 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylVfG). Die Frage, ob die Jahresfrist \ndes § 48 Abs. 4 Satz 1 VwVfG unmittelbar oder analog auch im Rahmen des § 73 \nAsylVfG anzuwenden ist, bedarf keiner Klärung in einem Berufungsverfahren. Sie \nlässt sich ohne weiteres unter Berücksichtigung der bisherigen Rechtsprechung \nverneinend beantworten.\n\n5\n\nEbenso: OVG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom \n20. Januar 2000 - 6 A 12169/99 -, InfAuslR 2000, \n468; OVG Hamburg, Urteil vom 20. Dezember 1993 \n- Bf VII 10/92 - (Juris); vgl. ferner VG Bremen, Urteil \nvom 28. Juni 1999 - 4 K 22063/95.A - (Juris).\n\n6\n\nDie §§ 72 - 73 a AsylVfG enthalten ein gestuftes System von gesetzlichen \nErlöschensgründen und zwingenden Aufhebungstatbeständen für die asylrechtliche \nAnerkennung nach Art. 16 a GG und § 51 Abs. 1 AuslG sowie für die Gewährung \nvon ausländerrechtlichem Abschiebungsschutz durch das Bundesamt für die \nAnerkennung ausländischer Flüchtlinge nach § 53 Abs. 1, 2, 4 oder 6 AuslG. Dieses \nRegelungssystem erfasst (nur) bestimmte, vom Gesetzgeber als spezialgesetzlich \nregelungsbedürftig angesehene Fallgruppen. § 73 Abs. 2 AsylVfG verschärft die \nallgemeine Regelung, welche die Rücknahme in das Ermessen der Behörde stellt \n(§ 48 VwVfG), zu einer Rücknahmepflicht für die Fallgruppe unrichtiger Angaben \noder verschwiegener Tatsachen.\n\n7\n\nBVerwG, Urteil vom 19. September 2000 \n- 9 C 12.00 -, NVwZ 2001, 335 (338).\n\n8\n\nSinn und Zweck der Sonderregelung einer uneingeschränkten Rücknahmepflicht \nnach § 73 Abs. 2 VwVfG ist es, dass die fehlende Verfolgungsgefahr im Falle \nunrichtiger Angaben oder verschwiegener Tatsachen regelmäßig auch zum Wegfall \nder Anerkennung als Asylberechtigter führt. Mit dieser gesetzlichen \nInteressenbewertung ist eine Anwendung des § 48 Abs. 4 Satz 1 VwVfG nicht \nvereinbar.\n\n9\n\nVgl. zu einer vergleichbaren \nInteressenbewertung auch BVerwG, Urteil vom \n8. September 1993 \n- 11 C 39.92 -, DVBl. 1994, 409.\n\n10\n\nDie Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, § 83 b Abs. 1 AsylVfG.\n\n11\n\nDieser Beschluss ist gemäß § 80 AsylVfG unanfechtbar.\n\n12","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/298290","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2002-04-18/8-a-1405-02-a","cited_norms":[{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 73","ref_norm":"73","n":5},{"jurabk":"VwVfG","ref":"§ 48","ref_norm":"48","n":5},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":2},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 80","ref_norm":"80","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 83b","ref_norm":"83b","n":1},{"jurabk":"VwVfG","ref":"§ 73","ref_norm":"73","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 16a","ref_norm":"16a","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/298290","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/298290","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ovg-nrw/2002-04-18/8-a-1405-02-a","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/298290","retrieved":"2026-07-09 03:21:55.140517+00:00"}}