{"status":"available","doknr":"OLD306219","ecli":"ECLI:DE:OLGK:1999:1220.2W273.99.00","court":"Oberlandesgericht Köln","senate":null,"decided":"1999-12-20","aktenzeichen":"2 W 273/99","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\n1\n\nG r ü n d e\n\n2\n\n1.\n\n3\n\nMit einem beim Amtsgericht Köln am 17. Juni 1999 eingegangenen\nSchreiben hat die Gläubigerin die Eröffnung des Insolvenzverfahrens\nüber das Vermögen der Schuldnerin beantragt. Durch notarielle\nUrkunde vom 18. Juni 1999 haben die früheren Gesellschafter der\nGmbH ihre Gesellschaftsanteile an den jetzigen Geschäftsführer der\nSchuldnerin veräußert. Zugleich hat die Gesellschaft beschlossen,\nihren Sitz von G. nach H. zu verlegen.\n\n4\n\nAuf Antrag der Gläubigerin hat sich das Amtsgericht durch\nBeschluß vom 12. August 1999 für örtlich unzuständig erklärt und\ndas Verfahren an das Amtsgericht Hannover verwiesen. Mit Verfügung\nvom 1. Oktober 1999 hat das Amtsgericht Hannover die Akten dem\nAmtsgericht Köln mit der \"Anregung\" zurückgesandt, den\nVerweisungsbeschluß wegen fehlender Bindungswirkung aufzuheben. Das\nAmtsgericht Köln hat die Akten gemäß § 36 Abs. 1 Nr. 6, Abs. 2 ZPO\ndem Senat vorgelegt.\n\n5\n\n2.\n\n6\n\nDas Oberlandesgericht ist zur Entscheidung des negativen\nZuständigkeitsstreits berufen, weil der Bundesgerichtshof das\nzunächst höhere gemeinschaftliche Gericht der beteiligten\nInsolvenzgerichte von Köln und Hannover wäre und das Amtsgericht\nKöln zuerst mit der Sache befaßt war (§§ 4 InsO, 36 Abs. 2\nZPO).\n\n7\n\nDie Voraussetzungen für eine Bestimmung des zuständigen Gerichts\ngemäß § 4 InsO in Verbindung mit § 36 Abs. 1 Nr. 6 ZPO sind nicht\ngegeben. Nach dieser Vorschrift wird das zuständige Gericht durch\ndas im Rechtszug zunächst höhere Gericht bestimmt, wenn\nverschiedene Gerichte, von denen eines für den Rechtsstreit\nzuständig ist, sich mit \"rechtskräftigen\" Entscheidungen für\nunzuständig erklärt haben. Hieran fehlt es.\n\n8\n\nDas Amtsgericht Hannover hat sich nicht rechtskräftig für\nunzuständig erklärt. Die Rückgabeverfügung vom 1. Oktober 1999\nerfüllt diese Voraussetzungen nicht. Die bloße Rücksendung der\nAkten an das Amtsgericht Köln mit der \"Anregung\" der Aufhebung des\nVerweisungsbeschlusses enthält bereits keine endgültige\nUnzuständigkeitserklärung des Amtsgerichts Hannover (vgl.\nallgemein: BGH, NJW-RR 1996, 254; BayObLG, ZIP 1999, 1714;\nZöller/Vollkommer, ZPO, 21. Auflage 1999, § 36 Rdnr. 24). Zudem hat\ndas Amtsgericht Hannover seiner Rückgabeverfügung keine\nAußenwirkung durch Bekanntgabe an die Schuldnerin verliehen (vgl.\nallgemein: BGH, NJW-RR 1992, 1154; BGH, NJW-RR 1995, 641; BayObLGZ\n1991, 280 [281]; BayObLG, ZIP 1999, 1714; BayObLG, InVo 1999, 137\n[138]).\n\n9\n\nHinzu kommt, daß der Verweisungsbeschluß des Amtsgerichts Köln\nvom 12. August 1999 ausweislich der Akte bisher der Schuldnerin\nnicht wirksam mitgeteilt und damit ihr gegenüber nicht wirksam\ngeworden ist (vgl. hierzu allgemein: BGH, NJW-RR 1995, 641 m.w.N.;\nBGH, NJW-RR 1996, 254; BGH, NJW-RR 1996, 1217; BGH, NJW-RR 1997,\n1161; BayObLG, BayObLGZ 1991, 387 [388]; BayObLG, BayObLGZ 1994,\n378 [380]; BayObLG, InVo 1999, 137 [138] m.w.N.; Zöller/Vollkommer,\na.a.O. § 36 Rdnr. 25 m.w.N.).\n\n10\n\nDie Sache ist daher an das vorlegende Amtsgericht\nzurückzugeben.\n\n11\n\nZur Vermeidung weiteren Zuständigkeitsstreits weist der Senat\nauf folgendes hin:\n\n12\n\nBisher ergeben sich aus der Akte keine Anhaltspunkte dafür, daß\nzum Zeitpunkt des Eingangs des Insolvenzantrages beim Amtsgericht\nKöln - am 17. Juni 1999 - der Mittelpunkt der selbständigen\nwirtschaftlichen Tätigkeit der Schuldnerin im Sinne des § 3 Abs. 1\nSatz 2 InsO außerhalb der örtlichen Zuständigkeit dieses\nInsolvenzgerichts lag.\n\n13\n\nSollte die Schuldnerin ihre werbende Tätigkeit eingestellt\nhaben, so bestimmt sich die Zuständigkeit nach dem allgemeinen\nGerichtsstand. Der allgemeine Gerichtsstand einer GmbH richtet sich\ngemäß §§ 4 InsO, 17 ZPO, 3 Abs. 1 Nr. 1, 7 Abs. 1 GmbHG nach dem in\ndem Gesellschaftsvertrag festgelegten Sitz (§ 4 a GmbHG). In diesem\nFall erfordert eine Sitzverlegung eine Satzungsänderung (§ 53\nGmbHG), die zum Handelsregister des alten Sitzes anzumelden (§ 54\nGmbHG) und vom Registergericht dem Gericht des neuen Sitzes\nmitzuteilen ist (Baumbach/Hueck, GmbHG, 16. Auflage, § 3 Rdnr. 8).\nDie Sitzverlegung wird gemäß § 54 Abs. 3 GmbHG erst mit Eintragung\nim Handelsregister wirksam (vgl.: BayObLG, ZIP 1999, 1714 = NZI\n1999, 457; OLG Hamm, ZInsO 1999, 533 [534]).","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/306219","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-koeln/1999-12-20/2-w-273-99","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":3},{"jurabk":"GmbHG","ref":"§ 54","ref_norm":"54","n":2},{"jurabk":"GmbHG","ref":"§ 4a","ref_norm":"4a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 36","ref_norm":"36","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"GmbHG","ref":"§ 53","ref_norm":"53","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/306219","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/306219","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-koeln/1999-12-20/2-w-273-99","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/306219","retrieved":"2026-07-09 03:34:06.777080+00:00"}}