{"status":"available","doknr":"OLD308510","ecli":"ECLI:DE:OLGK:1998:1208.27WF115.98.00","court":"Oberlandesgericht Köln","senate":null,"decided":"1998-12-08","aktenzeichen":"27 WF 115/98","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\n1\n\nG r ü n d e\n\n2\n\nDie nach Vorlage an den Senat als Beschwerde geltende Erinnerung\nist zulässig (§ 11 Abs. 2 RpflG) und hat auch in der Sache\nErfolg.\n\n3\n\nIn der Nichtabhilfeentscheidung des Amtsgerichts vom 12. Oktober\n1998 wird die Aufhebung des PKH-Beschlusses auf § 124 Ziff. 4 ZPO\ngestützt, weil die letzte Ratenzahlung des Antragsgegners am 24.\nOktober 1997 erfolgt war. Gemäß § 124 Nr. 4 ZPO kann das Gericht\ndie Bewilligung der Prozeßkostenhilfe aufheben, wenn die Partei\nlänger als 3 Monate mit der Zahlung einer Monatsrate in Rückstand\nist. Dabei kann dahinstehen, ob der Begriff \"Rückstand\" im Sinne\neines - schuldhaften - Verzuges auszulegen ist (so OLG Frankfurt\na.M. FamRZ 1993, 1046; OLG Köln Rpfl 1984, 200, 201; OLG Hamm FamRZ\n1986, 1127; OLG Düsseldorf JurBüro 1987, Sp. 914; OLG Bamberg\nJurBüro 1992, 250, 251) oder das Gericht lediglich im Rahmen der\nvon ihm zu treffenden Ermessensentscheidung zu berücksichtigen hat,\nob der Rückstand unverschuldet ist (so OLG Bremen FamRZ 1984,\n411,412; LAG Niedersachsen JurBüro 1985, Sp. 1575, 1576;\nZöller-Philippi, ZPO, 20. Aufl., § 124 Rz. 19). Unabhängig von der\nArt der Begründung ist ein Widerruf nach der genannten Bestimmung\njedenfalls unzulässig, wenn die Nichtzahlung der Raten nicht auf\neinem Verschulden des Bedürftigen beruht (vgl. BGH NJW 1997, 1077).\nDabei ist das Gericht nicht an die Feststellungen und Bewertungen\nim Rahmen des ursprünglichen Bewilligungsbeschlusses gebunden.\nJedenfalls für das Verschulden erwachsen die der früheren Anordnung\nzugrunde liegenden tatsächlichen Feststellungen nach allgemeinen\nRegeln nicht in Rechtskraft (vgl. BGH a.a.O.). Das Gericht darf die\nBewilligung also nicht allein mit der Begründung aufheben, der\nBedürftige habe keine nachträgliche Änderung der Verhältnisse\ndargetan.\n\n4\n\nIm vorliegenden Fall hatte der Antragsgegner nach der Anordnung\ndes Amtsgerichts ab 6. September 1995 Raten in Höhe von 60.- DM zu\nentrichten, obwohl er wirtschaftliche Verhältnisse glaubhaft\ngemacht hatte, die die Anordnung einer Ratenzahlung nicht\nrechtfertigten.\n\n5\n\nSein Einkommen berechnet sich auf der Grundlage der vorgelegten\nUnterlagen nach § 115 ZPO wie folgt:\n\n6\n\nBrutto\n2.625.-- DM\n\nLohnsteuer -\n338,75 DM\n\nKirchensteuer -\n30,48 DM\n\nSolidaritätszuschlag -\n25,40 DM\n\nKrankenversicherung -\n181,13 DM\n\nRentenversicherung -\n244,13 DM\n\nArbeitslosenversicherung -\n85,31 DM\n\nPflegeversicherung -\n13,13 DM\n\nNetto\n1.706,67 DM\n\nAbschlag für Erwerbstätigkeit (§ 115 Abs. 1 S. 3\nNr. 1 ZPO - i.V.m.§ 76 Abs. 2 a Ziff. 1 BSHG) -\n130,-- DM 130,-- DM\n\nSelbstbehalt (§ 115 Abs.1 S. 3 Ziff. 2 ZPO) -\n639.-- DM\n\nMiete (§ 115 Abs.1 S.3 Ziff. 3 ZPO) -\n893.-- DM\n\n-\n86.-- DM.\n\n7\n\nDaß sich die für die Prozeßkostenhilfe maßgebenden persönlichen\nund wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragsgegners nachträglich\nwesentlich verbessert hätten, ist nicht ersichtlich. Derzeit ist\nder Antragsgegner arbeitslos; er bezieht weder Arbeitslosenhilfe\nnoch Arbeitslosengeld.\n\n8\n\nDamit ist einerseits der Widerruf der Prozeßkostenhilfe mangels\nschuldhaften Verstoßes gegen die Ratenzahlungsverpflichtung\naufzuheben und diese gleichzeitig in Abänderung des Beschlusses vom\n6. September 1995 auf Null herabzusetzen. Einer Beschwerde gegen\ndie Ratenzahlungsanordnung bedarf es hierfür nicht (vgl. OLG\nDüsseldorf FamRZ 1993, 1474). Abgesehen davon hat der Antragsgegner\nauch unter dem 25. Juni 1998 beantragt, ihm ratenlose\nProzeßkostenhilfe zu bewilligen.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/308510","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-koeln/1998-12-08/27-wf-115-98","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 115","ref_norm":"115","n":2},{"jurabk":"RPflG 1969","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/308510","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/308510","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-koeln/1998-12-08/27-wf-115-98","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/308510","retrieved":"2026-07-09 03:37:40.357426+00:00"}}