{"status":"available","doknr":"OLD309708","ecli":"ECLI:DE:OLGK:1998:0424.SS519.97B366B.00","court":"Oberlandesgericht Köln","senate":null,"decided":"1998-04-24","aktenzeichen":"Ss 519/97 B - 366 B -","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\n1\n\nG r ü n d e\n\n2\n\nDie Generalstaatsanwaltschaft hat zur Begründung ihres Antrags\nausgeführt:\n\n3\n\n\"Das Amtsgericht hat mit dem angefochtenen Urteil den\nBetroffenen wegen einer am 17. September 1996 gegen 18.09 Uhr in\nH.-S. auf der K. St. außerhalb geschlossener Ortschaft begangenen\nfahrlässigen Überschreitung der dort zulässigen\nHöchstgeschwindigkeit um - bereinigt - 26 km/h nach §§ 41 Abs. 2\nNr. 7, 49 StVO zu einem Bußgeld von 130,00 DM sowie einem\nFahrverbot von 1 Monat verurteilt.\n\n4\n\nDie hiergegen gerichtete und zulässig eingelegte\nRechtsbeschwerde, mit der der Betroffene die allgemeine Sachrüge\nund eine Verfahrensrüge erhebt, hat (vorläufigen) Erfolg.\n\n5\n\nDie Rüge einer Verletzung der §§ 71 Abs. 1, 79 Abs. 3 OWiG\ni.V.m. §§ 338 Nr. 5, 140 Abs. 1 Nr. 5 StPO führt zur Aufhebung des\nUrteils in vollem Umfang und zur Zurückverweisung.\n\n6\n\nNach § 79 Abs. 3 Satz 1 OWiG haben auch die sogenannten\nabsoluten Revisionsgründe nach § 338 StPO grundsätzlich\nentsprechende Auswirkungen im Recht der Ordnungswidrigkeiten (vgl.\nSteindorf in Karlsruher Kommentar zum OWiG, § 79 Rdnr. 109; Göhler,\nOWiG, 11. Aufl., § 79 Rdnr. 27 e). Dies gilt grundsätzlich auch für\neine entsprechende Anwendung von § 338 Nr. 5 StPO. Danach ist die\nDurchführung einer Hauptverhandlung rechtsfehlerhaft, wenn sie\nzumindest in einem wesentlichen Teil (vgl. insoweit\nKleinknecht/Meyer-Goßner, StPO, 43. Aufl., § 338 Rdnr. 36 m.w.N.)\nin Abwesenheit einer Person erfolgt ist, die nach gesetzlichen\nVorschriften anwesend sein mußte.\n\n7\n\nNach § 46 Abs. 1 OWiG ist sinngemäß auch die Regelung der\nnotwendigen Verteidigung nach §§ 140, 141 StPO im gerichtlichen\nBußgeldverfahren anwendbar (vgl. Senge in KK-OWiG a.a.O., § 71\nRdnr. 17). Während eine Reihe der in § 140 Abs. 1 StPO genannten\nTatbestände auf das Ordnungswidrigkeitenverfahren nicht Anwendung\nfinden kann, gilt § 140 Abs. 1 Nr. 5 StPO auch im gerichtlichen\nBußgeldverfahren (vgl. BayObLG in NJW 1979, 771) jedenfalls dann,\nwenn es zu einer Hauptverhandlung kommt (so Senge a.a.O., § 71\nRdnr. 19; Göhler a.a.O., vor § 67 Rdnr. 14). Daß sich diesbezüglich\nim gerichtlichen Bußgeldverfahren Einschränkungen, namentlich bei\neinfach gelagerten Sachverhalten oder geringer Schwere der zu\nerwartenden Sanktionen, ergeben sollten (so aber Senge a.a.O., § 71\nRdnr. 21; ähnlich Steindorf a.a.O., § 79 Rdnr. 109), läßt sich\nweder aus dem Ordnungswidrigkeitengesetz noch aus §§ 140 Abs. 1 Nr.\n5 StPO, 46 Abs. 1 OWiG herleiten. Danach wäre im vorliegenden Fall,\nda der Betroffene zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung, am 22. Mai\n1997, bereits mehr als drei Monate in anderer Sache in\nUntersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt K. einsaß, von Amts\nwegen ein Pflichtverteidiger zu bestellen gewesen, § 141 StPO\ni.V.m. § 46 Abs. 1 OWiG. Da dies nicht geschehen ist, fehlte in\ndieser Hauptverhandlung eine Person, deren Mitwirkung gesetzlich\nvorgeschrieben ist.\n\n8\n\nDemzufolge ist die Rechtsbeschwerde begründet und führt zur\nZurückverweisung an das Amtsgericht Brühl, § 79 Abs. 6 OWiG.\"\n\n9\n\nDem stimmt der Senat mit der Einschränkung zu, daß hier\ndahinstehen kann, ob - wie Senge (a.a.O.) meint - \"bei einfach\ngelagerten Sachverhalten mit Bagatellcharakter, namentlich\nsolchen\n\n10\n\naus dem Bereich der Verkehrsordnungswidrigkeiten\" die Bestel-\nlung eines Pflichtverteidigers nur in Ausnahmefällen erforderlich\nist. Denn wegen des angeordneten Fahrverbots liegt hier kein\nSachverhalt mit Bagatellcharakter vor.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/309708","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-koeln/1998-04-24/ss-519-97-b-366-b","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 140","ref_norm":"140","n":5},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 338","ref_norm":"338","n":3},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 79","ref_norm":"79","n":3},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 46","ref_norm":"46","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 141","ref_norm":"141","n":2},{"jurabk":"StVO 2013","ref":"§ 49","ref_norm":"49","n":1},{"jurabk":"StVO 2013","ref":"§ 41","ref_norm":"41","n":1},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 71","ref_norm":"71","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/309708","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/309708","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-koeln/1998-04-24/ss-519-97-b-366-b","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/309708","retrieved":"2026-07-09 03:39:25.584536+00:00"}}