{"status":"available","doknr":"OLD277974","ecli":"ECLI:DE:OLGHAM:2005:0906.3SS.OWI555.05.00","court":"Oberlandesgericht Hamm","senate":null,"decided":"2005-09-06","aktenzeichen":"3 Ss OWi 555/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDas angefochtene Urteil wird mit den zugrundeliegenden Feststellungen aufgehoben. Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsbeschwerde, an das Amtsgerichts Minden zurückverwiesen.\n\n1\n\nGründe:\n\n 2\n\n I.\n\n 3\n\nDas Amtsgericht Minden hat die Betroffenen wegen fahrlässiger Geschwindigkeitsüberschreitung außerhalb geschlossener Ortschaften zu einer Geldbuße von 150,- Euro und einem Fahrverbot von einem Monat verurteilt.\n\n 4\n\nDas Amtsgericht hat zur Sache die folgenden Feststellungen getroffen: \n\n 5\n\n\"Die Betroffene hat den Inhalt des Bußgeldbescheides der lautet:\n\n 6\n\nDer Betroffenen wird zur Last gelegt, am 15.2.2004 um 22.53 Uhr in Q, B #1, südl. der Einmündung der Straße W-Straße, als Führerin des PKW Volvo (S) mit dem amtlichen Kennzeichen ##-## ## folgende Verkehrsordnungswidrigkeit nach § 24 StVG begangen zu haben: Sie überschritten die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften um 49 km/h.\n\n 7\n\nZulässige Geschwindigkeit: 70 km/h\n\n 8\n\nFestgestellte Geschwindigkeit (abzgl. Toleranz) : 119 km/h”\n\n 9\n\n(Wort fehlt)\n\n 10\n\n.......... \n\n 11\n\nGegen dieses Urteil wendet sich der Betroffen mit seiner Rechtsbeschwerde, die er mit der Verletzung formellen und materiellen Rechts näher begründet hat.\n\n 12\n\nDie Generalstaatsanwaltschaft hat beantragt, die Rechtsbeschwerde zu verwerfen\n\n 13\n\n II.\n\n 14\n\nDie zulässige Rechtsbeschwerde hat zumindest vorläufig Erfolg.\n\n 15\n\nSie führt bereits auf die Sachrüge hin zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zu einer Zurückverweisung der Sache an das Amtsgericht Minden.\n\n 16\n\nZwar sind an die Urteilsgründe im Bußgeldverfahren keine hohen Anforderungen zu stellen. Die Gründe müssen jedoch so beschaffen sein, dass das Rechtsbeschwerdegericht zur Nachprüfung einer richtigen Rechtsanwendung hinsichtlich aller objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale entnehmen kann, welche Feststellungen der Tat-\n\n 17\n\nrichter getroffen hat (zu vgl. Göhler, 13. Auflg., § 71 OWiG, Rn. 42 m.w.N.). Unerlässlich ist die Angabe der für erwiesen erachteten Tatsachen, in denen die gesetzlichen Merkmale der Ordnungswidrigkeit gesehen werden, und zwar hinsichtlich des Sachverhalts und grundsätzlich auch zur Schuldform (Göhler, a.a.O., Rdn. 42 a m.w.N.). \n\n 18\n\nDas Urteil muss in der Regel auch erkennen lassen, auf welche Tatsachen das Gericht seine Überzeugung gestützt hat, wie sich der Betroffene eingelassen hat und ob das Gericht dieser Einlassung folgt oder ob und inwieweit es seine Einlassung für widerlegt ansieht (Göhler, a.a.O., Rn. 43 m.w.N.).\n\n 19\n\nDiesen Anforderungen wird das angefochtene Urteil nicht gerecht.\n\n 20\n\nBei der Verurteilung wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung kann sich der Tatrichter im Urteil, soweit keine konkreten Einwendungen gegen die Zuverlässigkeit der Geschwindigkeitsmessung erhoben werden entweder auf ein uneingeschränktes, glaubhaftes Geständnis des Betroffenen oder auf die Mitteilung des Messverfahrens und der nach Abzug der Messtoleranz ermittelten Geschwindigkeit stützen. Von einem uneingeschränkt glaubhaften Geständnis ist nur dann auszugehen, wenn der Betroffene uneingeschränkt einräumt, Fahrer des Fahrzeuges gewesen und die maßgebliche Geschwindigkeit mindestens gefahren zu sein ( OLG Thüringen VRS 107, 301,304).\n\n 21\n\nAus den Urteilsgründen geht aber nicht hervor, ob der Betroffene \"den Inhalt des Bußgeldbescheides” - gemeint ist offensichtlich die Tat selbst - eingeräumt oder abgestritten hat.\n\n 22\n\nDa auch die Messmethode den Urteilsgründen nicht zu entnehmen ist, ist das Urteil lückenhaft.\n\n 23\n\nDa das angefochtene Urteil auf dem aufgezeigten Mangel beruht, war es aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Amtsgericht Minden zurückzuverweisen.\n\n 24\n\nFür die neue Hauptverhandlung weist der Senat noch auf Folgendes hin:\n\n 25\n\nDie Formulierung, \"der Betroffene hat den Inhalt des Bußgeldbescheides .. \" ist zumindest unklar und stellt nicht zwangsläufig ein von der obergerichtlichen Rechtssprechung gefordertes glaubhaftes Geständnis im oben genannten Sinne dar.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/277974","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-hamm/2005-09-06/3-ss-owi-555-05","cited_norms":[{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 71","ref_norm":"71","n":1},{"jurabk":"StVG","ref":"§ 24","ref_norm":"24","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/277974","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/277974","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-hamm/2005-09-06/3-ss-owi-555-05","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/277974","retrieved":"2026-07-09 02:51:05.202423+00:00"}}