{"status":"available","doknr":"OLD397775","ecli":"ECLI:DE:LSGNIHB:2022:1028.L16KR433.22B.ER","court":"Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen","senate":null,"decided":"2022-10-28","aktenzeichen":"L 16 KR 433/22 B","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor: \n\nDer Beschluss des Sozialgerichts Osnabrück vom 7. September 2022 wird aufgehoben.\n\nDer Rechtsweg zu den Gerichten der Sozialgerichtsbarkeit wird für zulässig erklärt.\n\nGründe\n\n1\n\nDie gemäß § 17a Abs 4 Satz 3 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG), §§ 172 f Sozialgerichtsgesetz (SGG) zulässige Beschwerde der Antragsgegnerin ist begründet. Der Rechtsweg zu den Gerichten der Sozialgerichtsbarkeit ist eröffnet.\n \n\n2\n\nNach § 51 Abs 1 Nr 2 SGG entscheiden die Gerichte der Sozialgerichtsbarkeit über öffentlich-rechtliche Streitigkeiten in Angelegenheiten der gesetzlichen Krankenversicherung. Hierunter fallen Angelegenheiten, die sich aus der Wahrnehmung und Erfüllung der nach dem Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) zugewiesenen öffentlich-rechtlichen Aufgaben ergeben.\n \n\n3\n\nBei der zugrundeliegenden Untätigkeitsklage, welche die Auskehrung von Vergütungsansprüchen gemäß der Coronavirus-Testverordnung (TestV) zum Gegenstand hat, handelt es sich um eine solche Angelegenheit der gesetzlichen Krankenversicherung, da sich die TestV mit der Norm des § 20i Abs 3 SGB V auf eine Verordnungsermächtigung im SGB V stützt. Darüber hinaus erfolgt die Finanzierung aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds gemäß § 14 Abs 1 Satz 3 TestV. Die Antragstellerin wiederum ist Leistungserbringerin im Sinne des § 6 Abs 1 Nr 2 TestV, welche die Vergütung einer Leistung nach § 7 TestV begehrt. Für die gerichtliche Geltendmachung eines solchen Anspruches ist daher der Sozialrechtsweg gegeben (Verwaltungsgericht Osnabrück, Beschluss vom 17. Januar 2022, 3 B 80/21; Schlegel/Meßling/Bockholdt, COVID-19 Corona-Gesetzgebung - Gesundheit und Soziales, 1. Auflage 2020, § 11 Rdnr 34).\n\n4\n\nEine abweichende Rechtswegzuweisung ergibt sich auch nicht aus den Normen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Denn § 68 Abs 1a lfSG ist als aufdrängende Sonderzuweisung hinsichtlich des Verwaltungsrechtswegs nicht einschlägig. Nach dieser Norm ist für Streitigkeiten über Ansprüche nach einer auf Grund des § 20i Abs 3 Satz 2 Nr 1 lit a, auch in Verbindung mit Nr 2 des SGB V sowie des § 5 Abs 2 Satz 1 Nr 4 lit c lfSG erlassenen Rechtsverordnung der Verwaltungsrechtsweg gegeben. Die streitgegenständliche Verordnung zum Anspruch auf Testung in Bezug auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus SARS-CoV2 (Coronavirus-Testverordnung - TestV) wurde allerdings nicht aufgrund von § 20i Abs 3 Satz 2 Nr 1 lit a SGB V oder § 5 Abs 2 Satz 1 Nr 4 lit c lfSG, sondern aufgrund von § 20i Abs 3 Satz 2 Nr 1 lit b SGB V erlassen (vgl Eingangsformel der TestV). Mit § 68 Abs 1a lfSG hat der Gesetzgeber den Verwaltungsgerichten damit ausschließlich die Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronavirus-Impfverordnung – CoronaImpfV) betreffende Ansprüche zugewiesen.\n \n\n5\n\nMithin ist der Beschwerde antragsgemäß zu entsprechen.\n\n6\n\nDieser Beschluss ist unanfechtbar (§ 177 SGG).\n \n\nHinweis:\n\nHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/397775","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lsg-niedersachsen-bremen/2022-10-28/l-16-kr-433-22-b","cited_norms":[{"jurabk":"SGB 5","ref":"§ 20i","ref_norm":"20i","n":3},{"jurabk":"SGG","ref":"§ 177","ref_norm":"177","n":1},{"jurabk":"CoronaTestV 2021-10","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1},{"jurabk":"CoronaTestV 2021-10","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":1},{"jurabk":"CoronaTestV 2021-10","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1},{"jurabk":"SGG","ref":"§ 51","ref_norm":"51","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/397775","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/397775","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lsg-niedersachsen-bremen/2022-10-28/l-16-kr-433-22-b","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/397775","retrieved":"2026-07-09 05:49:50.362582+00:00"}}