{"status":"available","doknr":"OLD263750","ecli":"ECLI:DE:LGMS:2007:0601.16O558.06.00","court":"Landgericht Münster","senate":null,"decided":"2007-06-01","aktenzeichen":"16 O 558/06","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDer Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 14.226,49 € nebst Zinsen in Höhe\n\nvon 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus 13.460,41 € für die Zeit vom\n\n19.08.2005 bis zum 28.01.2007, aus 14.141,59 € für die Zeit vom 29.01.2007\n\nbis zum 15.04.2007 und aus 14.226,49 € seit dem 16.04.2007 zu zahlen.\n\nEs wird festgestellt, dass der Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin sämtliche\n\nweiteren materiellen Schäden zu ersetzen, die der Versicherten C\n\naus Anlass des Reitunfalls vom 14.01.2005 auf der Anlage des Beklagten\n\nkünftig entstehen werden, soweit sie auf die Klägerin übergegangen sind oder\n\nübergehen werden.\n\nDer Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits.\n\nDas Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils beizutreibenden Betrages vorläufig vollstreckbar\n\n1\n\nTatbestand\n\n2\n\nDie Klägerin ist Sozialversicherungsträgerin der Geschädigten C. Der\n\n3\n\nBeklagte, ein Zucht-, Reit- und Fahrverein, hält mehrere vereinseigene Pferde, welche er im Rahmen seiner Vereinstätigkeit seinen Mitgliedern zu Reitzwecken zur Verfügung stellt. Zu diesen Pferden gehört auch der Hengst \"Q\". Die Geschädigte C ist sowohl Vereins- als auch Vorstandsmitglied des Beklagten. Im Vorstand\n\n4\n\nübt sie das Amt der Schriftführerin aus. Zur Zusammensetzung des Vorstands und zur Vertretung des Vereins regelt § 8 der Vereinssatzung folgendes:\n\n5\n\n\"§ 8 Der Vorstand\n\n6\n\n(1) Der Vorstand besteht aus:\n\n7\n\na) dem 1. Vorsitzenden\n\n8\n\nb) dem 2. Vorsitzenden\n\n9\n\nc) dem 1. Schriftführer\n\n10\n\nd) dem 2. Schriftführer\n\n11\n\ne) dem 1 . Kassierer\n\n12\n\nf) dem 2. Kassierer\n\n13\n\ng) dem Jugendwart\n\n14\n\n(2) Der Verein wird gerichtlich und außergerichtlich von je 2 Vorstandsmitgliedern\n\n15\n\ngemeinsam vertreten.\"\n\n16\n\nAm 14.01.2005 ritt Frau C den Hengst \"Q\" in der Reithalle des Beklagten\n\n17\n\nab. Wegen eines knackenden Geräusches scheute das Pferd und buckelte. Die\n\n18\n\nGeschädigte konnte sich nicht mehr halten und fiel vom Pferd in den Sand des Reithallenbodens.\n\n19\n\nDurch den Sturz erlitt sie einen instabilen Bruch des 12. Brustwirbelknochens\n\n20\n\nder stationär behandelt wurde. Die Klägerin wandte für die Heilbehandlung der\n\n21\n\nGeschädigten Kosten i.H.v.13.838,59 € auf.\n\n22\n\nDie Klägerin übersandte mit Schreiben vom 19.07.2005 den Prozessbevollmächtigten des Beklagten per Telefax eine Zwischenabrechnung der von ihr als Sozialversicherungsträgerin zugunsten der Geschädigten erbrachten Leistungen und bat um Überweisung eines Betrages in Höhe von 13.460,41 € innerhalb von vier Wochen (BI. 25 d.A.). Die Klägerin begehrte mit Schreiben vom 04.09.2006 von dem Beklagten Erstattung von weiteren 378,18 € für in der Zwischenzeit weiter geleistete Heilbehandlungskosten (BI. 34 d. A.).\n\n23\n\nWegen der Einzelheiten wird auf die Zwischenabrechnung der Klägerin vom\n\n24\n\n19.07.2005 (BI. 25 d. A.), sowie auf die Abrechnung vom 04.09.2006 (BI. 34 d. A.) verwiesen.\n\n25\n\nDer Beklagte hat im Rahmen eines Sportversicherungsvertrages als Tierhalter eigener Pferde eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Der Haftpflichtversicherer lehnte eine Haftung unter Hinweis auf § 4 II 2 e) der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung (AHB) ab. Diese Regelung lautet:\n\n26\n\n\"II. Ausgeschlossen von der Versicherung bleiben:\n\n27\n\n1. ...\n\n28\n\n2. Haftpflichtansprüche\n\n29\n\na) ...\n\n30\n\n...\n\n31\n\ne) von gesetzlichen Vertretern juristischer Personen des privaten oder\n\n32\n\n     öffentlichen Rechts sowie nicht rechtsfähiger Vereine,\n\n33\n\nf) ...\"\n\n34\n\nDie Klägerin begehrt des weiteren Erstattung vorprozessual angefallener, nicht anrechenbarer Anwaltskosten i. H. v. 387,90 €. Mit Kostennote ihres Prozessbevollmächtigten vom 04.01.2007 sind ihr 755,80 € in Rechnung gestellt worden (BI. 90 d.A.).\n\n35\n\nDie Klägerin ist der Ansicht, die Geschädigte, gehöre zu dem durch § 833 BGB geschützten Personenkreis. Ihre Stellung als Vorstandsmitglied des Beklagten stehe der Tierhalterhaftung nicht entgegen. Schließlich habe der Beklagte auch sein Haftungsrisiko bei einem Versicherer in Deckung gebracht. Auf einen angeblichen Haftungsausschluss könne sich der Versicherer nicht berufen.\n\n36\n\nSie beantragt,\n\n37\n\n1. den Beklagten zu verurteilen, an sie 14.226,49 € nebst 5% Zinsen\n\n38\n\nin Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz aus\n\n39\n\n13.460,41 € vom 19.08.2005 bis zum 28.01.2007, aus 14.141,59 €\n\n40\n\nvom 29.01.2007 bis zum 15.04.2007 und aus 14.226,49 € seit dem\n\n41\n\n16.04.2007 zu zahlen;\n\n42\n\n2. festzustellen, dass der Beklagte der Klägerin sämtliche weiteren\n\n43\n\nmateriellen Schäden, die der Versicherten C aus Anlass des Reitunfalls vom 14.01.2005 in der Anlage des Zucht-, Reit- und Fahrvereins D künftig entstehen werden, zu ersetzen hat, soweit sie auf die Klägerin übergehen.\n\n44\n\nDer Beklagte beantragt, \n\n45\n\ndie Klage abzuweisen.\n\n46\n\nEr ist der Ansicht, dass die Geschädigte als Vorstandsmitglied des Beklagten für die\n\n47\n\nBetreuung und Verwendung des schadensstiftenden Pferdes und damit auch für die\n\n48\n\nEntfaltung der Tiergefahr mitverantwortlich sei. Die Geschädigte falle nicht in den\n\n49\n\nSchutzbereich des § 833 8GB, der nur \"Dritte\" erfasse.\n\n50\n\nWegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen.\n\n51\n\nEntscheidungsgründe\n\n52\n\nDie zulässige Klage ist begründet.\n\n53\n\nI.\n\n54\n\nDer Klägerin steht ein Anspruch aus § 833 S. 1 BGB, § 116 Abs. 1 SGB X auf Zahlung eines Betrages i. H. v. 13.838,59 € zu.\n\n55\n\n1.\n\n56\n\nDie Versicherte C ist durch das Reitpferd \"Q\", dessen Halter der\n\n57\n\nBeklagte war, an Körper und Gesundheit beschädigt worden. Bei dem Reitunfall hat\n\n58\n\nsich auch eine spezifische Tiergefahr des Pferdes verwirklicht. Diese äußert sich in\n\n59\n\neinem der tierischen Natur entsprechenden unberechenbaren und selbständigen Verhalten (st. Rspr.; vgl. BGHZ 67, 129, 130, BGH, NJW 1999, 3119 m. w. N.). Nicht jeder Sturz des Reiters vom Pferd ist auf tierisches Verhalten zurückzuführen (BGH, NJW 1982, 763, 764). Jedoch kann sich bei einem Reitpferd eine typische Tiergefahr realisieren, wenn das Pferd aufgrund eines knackenden Geräusches scheut und buckelt und der Reiter dadurch vom Pferd fällt. Sowohl das Scheuen eines Pferdes als auch das Buckeln stellen eine typische Tiergefahr dar (vgl. BGH, NJW 1986, 2883, 2884, sowie BGH, NJW 1992, 2474, 2474). Pferde neigen dazu, auf ein knackendes Geräusch mit Scheuen und Buckeln zu reagieren. Die Tierhalterhaftung ist jedoch dann ausgeschlossen, wenn der Reiter bei der Leitung des Pferdes die erforderliche Sorgfalt nicht beachtet hat und ein Mangel an Sorgfalt für den Schadenseintritt ursächlich geworden ist (BGH, NJW 1982, 763, 764). Dies ist hier nicht der Fall. Die Unfallursache ging damit von einem Verhalten des Pferdes und nicht von einer gewollten Einwirkung der Reiterin aus. Das Verhalten des Pferdes erfolgte unkontrolliert. Die Zeugin C war nicht (mehr) in der Lage, mit Erfolg auf das Pferd einzuwirken.\n\n60\n\n2.\n\n61\n\nDer Beklagte ist als Halter des Pferdes \"Q\" auch gegenüber der Geschädigten\n\n62\n\nnach § 833 S.1 BGB haftbar.\n\n63\n\na) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes kommt die Gefährdungshaftung des Tierhalters grundsätzlich auch dem Reiter zugute, der ein von einem anderen geliehenes Pferd im eigenen Interesse nutzt (vgl. BGH, NJW 1992, 2474 m. w.N.; NJW 1999, 3119, 3120 m. w. N.). Eine Haftungsfreistellung des Tierhalters gegenüber dem Reiter unter dem Gesichtspunkt des \"Handelns auf eigene Gefahr\" kommt nur dann in Betracht, wenn der Reiter im Einzelfall Risiken übernommen hat, die über die gewöhnlich mit einem Ritt verbundene Gefahr hinausgehen (BGH, NJW 1992, 2474, 2474). Solche besonderen Risiken lagen hier nicht vor. Der Unfall hat sich während des Abreitens in der Halle ereignet. Dieses bringt keine besonderen Gefahren mit sich. Allein die Tatsache, dass die Geschädigte sich in die mit jedem Ritt verbundene Gefahr vom Pferd zu fallen begab, reicht nicht aus, um ein \"Handeln auf eigene Gefahr\" zu bejahen (BGH, NJW 1982, 2158 m. w. N.).\n\n64\n\nDem Verhalten der Geschädigten kann auch keineswegs der Wille entnommen werden, auf eine Haftung verzichten zu wollen. Das gilt insbesondere dann, wenn, wie hier, hinter dem Tierhalter eine Versicherung steht, denn ein Haftungsverzicht, der lediglich den Versicherer entlastet, entspricht in der Regel nicht dem Willen der Beteiligten und ihrem wohlverstandenen Interesse (BGH, NJW 1992, 2474, 2475). Dass der Geschädigten die streitige Haftungsausschlussregelung bekannt war, ist weder vorgetragen, noch ersichtlich.\n\n65\n\nb) Die damit grundsätzlich gegebene Gefährdungshaftung des Tierhalters entfällt im\n\n66\n\nStreitfall nicht deshalb, weil es sich bei der Geschädigten um ein Vorstandsmitglied\n\n67\n\ndes Beklagten handelt.\n\n68\n\n(1) Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann auch ein Vorstandsmitglied eines\n\n69\n\nVereins gegen diesen Schadensersatz- bzw. Schmerzensgeldansprüche gelten machen, wenn er durch das Verhalten eines Organs, für das der Vorstand gem. § 31 BGB haftet, in seinen Rechten verletzt wurde (BGH 1978, 2390; BGH, NJW 1984, 1884).\n\n70\n\n\"Dritter\" i. S. d. § 31 BGB kann auch ein Vorstandsmitglied sein (BGH, NJW 1978,\n\n71\n\n2390). Dabei spielt es keine entscheidende Rolle, dass der Vorstand notwendiger Bestandteil der Vereinsorganisation ist (BGH a. a. 0.). Dies schließt Drittbeziehungen\n\n72\n\nzwischen Verein und Vorstand nicht aus (BGH a. a. 0.). Im vorliegenden Fall handelt\n\n73\n\nes sich jedoch nicht um eine Haftung des Beklagten gem. § 31 BGB, sondern um eine Gefährdungshaftung. Der § 31 BGB, mit seiner Einschränkung Ansprüche nur einem \"Dritten\" zuzubilligen, findet keine Anwendung. Vielmehr ist, wie oben ausgeführt, § 833 S. 1 BGB einschlägig, der nach seinem Wortlaut schon jedem \"Verletzten\" einen Schadensersatzanspruch einräumt. Wenn aber ein Vorstandsmitglied schon \"Dritter\" i. S. d. § 31 BGB ist, so steht seine Stellung als Vorstandmitglied erst recht nicht einer Haftung aus § 833 S. 1 BGB, der nur einen \"Verletzten\" voraussetzt, entgegen. Der Grund für die Tierhalterhaftung liegt in der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens und der dadurch hervorgerufenen Gefährdung von Leben, Gesundheit und Eigentum (BGH 67, 129). Eine Einschränkung kann lediglich dann geboten sein, wenn der eingetretene\n\n74\n\nSchaden nach den Umständen durch diesen Schutzzweck nicht gedeckt ist\n\n75\n\n(BGH, NJW 1974, 234).·Der Schaden der Geschädigten entstand jedoch, als sie das\n\n76\n\nPferd \"Q\" in der Halle des Beklagten abritt. Dabei handelte es sich nicht um eine mit ihrer Stellung als Vorstandsmitglied verbundene Tätigkeit. Sie nahm vielmehr nur das jedem Vereinsmitglied von dem Beklagten eingeräumte Mitgliedschaftsrecht in Anspruch, die vereinseigenen Pferde zu reiten. Die Geschädigte war damit in gleicher Weise wie jedes Vereinsmitglied der spezifischen Tiergefahr, die durch \n\n77\n\n§ 833 BGB dem Tierhalter auferlegt wird, ausgesetzt. Diese hat sich, wie oben ausgeführt, auch in dem Unfall realisiert.\n\n78\n\n(2) Der Bundesgerichtshof sieht allerdings dann ein Vorstandsmitglied nicht als Dritten i. S. d. § 31 BGB an, wenn es für die schadensstiftende Handlung oder Unterlassen (mit)verantwortlich ist (BGH, NJW 1978, 2390). Diese Ausschlussmöglichkeit trägt dem Tatbestandserfordernis des Verschuldens Rechnung. Bei der verschuldensunabhängigen Haftung gem. § 833 S. 1 BGB ist ein solches Korrektiv nicht erforderlich. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist für die Frage, ob der Tatbestand\n\n79\n\neiner Gefährdungshaftung vorliegt nicht von Bedeutung, inwieweit ein Verhalten\n\n80\n\ndes Geschädigten möglicherweise zu dem Unfall beigetragen hat (BGH, NJW 1982,\n\n81\n\n763, 765; NJW 1992, 2474, 2474; BGH, VersR 1986, 1206, 1207). Selbst vorwerfbare Fehler können allenfalls als Mitverschulden (§ 254 BGB) berücksichtigt werden (BGH, NJW 1999, 3119 m. w. N.). Selbst, wenn jedoch eine Mitverantwortlichkeit des Geschädigten grundsätzlich zu einem Ausschluss der Tierhalterhaftung nach § 833 S. 1 BGB führen könnte, stünde dies im vorliegenden Fall einer Haftung des Beklagten nicht entgegen. Dies ist schon deshalb der Fall, weil die Geschädigte als Schriftführerin nicht ausreichend Einfluss auf die Betreuung und Verwendung des schädigenden Pferdes hatte. Im Übrigen verursachte die Geschädigte auch nicht durch ein Verhalten oder Unterlassen in ihrer Stellung als Vorstandsmitglied den Reitunfall am 14.01.2005.\n\n82\n\nDer Sturz wurde vielmehr allein durch das Scheuen und Buckeln des Pferdes ausgelöst, nicht durch eine mangelhafte Betreuung oder falsche Verwendung des Tieres, was als Teil der laufenden Geschäfte des Beklagten u. U. in den Aufgabenbereich des Vorstandes fiele.\n\n83\n\n3.\n\n84\n\nFür die Haftung des Beklagten greift auch nicht die Entlastungsmöglichkeit des § 833\n\n85\n\nS. 2 BGB ein. Das Pferd \"Q\" ist kein Haustier, das dem Beruf oder der Erwerbstätigkeit des Beklagten zu dienen bestimmt ist. Der Beklagte ist ein ldealverein. Die von ihm gehaltenen Pferde dienen ausschließlich den sportlichen Zwecken seiner Mitglieder. Reitpferde, die nur zur Ausübung des Reitsportes gehalten werden, ohne dass der Halter aus deren Vermietung oder dergleichen seinen Erwerb bezieht, sind von der Privilegierung des § 833 S. 2 BGB ausgeschlossen (vgl. BGH, NJW 1982, 763, 763).\n\n86\n\nDie Pferde werden allein dadurch, dass die Haftung auf den Verein verlagert ist, nicht\n\n87\n\nzu Nutztieren i. S. d. § 833 S. 2 BGB (BGH a. a. 0.). Dies gilt auch dann; wenn der\n\n88\n\nVerein seinen Mitgliedern die Pferde gegen Entgelt zur Verfügung stellt (OLGR Hamm 2001, 259).\n\n89\n\n4.\n\n90\n\nAuch der Gesichtspunkt von Treu und Glauben (§ 242 BGB) ist nicht geeignet, eine\n\n91\n\ngenerelle Haftungsfreistellung des Beklagten gegenüber der Geschädigten zu begründen.\n\n92\n\nUm die Geltendmachung von Ansprüchen aus § 833 S. 1 BGB als treuwidrig oder\n\n93\n\ngar als rechtmissbräuchlich erscheinen zu lassen bedarf es besonderer Umstände, die im Einzelfall dem Schadensersatzbegehren des Geschädigten ein treuwidriges Gepräge geben (BGH, VersR 1978, 625). Das kann der Fall sein, wenn sich der Geschädigte, wäre an ihn ein ausdrückliches Ansinnen eines Haftungsverzichtes gestellt worden, sich diesem billigerweise nicht hätte verschließen können (vgl. BGHZ 9, 273, 278).\n\n94\n\nDerartige Umstände sind hier nicht erkennbar.\n\n95\n\nEntgegen der Auffassung der Beklagten ist seine Haftung auch nicht deshalb treuwidrig und unbillig, weil das streitgegenständliche Risiko nicht versicherbar sei, was zur Folge habe, dass ein großes finanzielles Risiko für einen Verein bestehe und zukünftig Vorstandmitglieder darauf verzichten müssten, selbst zu reiten, was nicht förderlich für das ehrenamtliche Engagement als Vorstandmitglied sei.\n\n96\n\nUnabhängig von der Frage, ob sich nicht auch ein Versicherer findet, der auf die fragliche Ausschlussklausel zu verzichten bereit sei, kann der Verein sein Risiko zumindest dadurch mindern, dass er den Kreis der den Verein vertretungsberechtigten Vorstandsmitglieder beschränkt. Nur diejenigen Mitglieder des Vorstandes, die den Verein gerichtlich und außergerichtlich vertreten dürfen, sind vertretungsberechtigt im Sinne des § 26 BGB (vgl. Palandt/Heinrichs, BGB, 66. Aufl., § 26 RN 2) und sind damit auch die \"gesetzlichen Vertreter\" im Sinne des § 4 II 2 e) AHB. Insgesamt lässt dies eine grobe Unbilligkeit nicht erkennen.\n\n97\n\n5.\n\n98\n\nEin Mitverschulden der Geschädigten, welches gem. § 254 BGB zu einer Anspruchskürzung führen könnte, liegt nicht vor. Sie war weder als Reiterin des Pferdes, noch als Vorstandsmitglied für den Unfall (mit)verantwortlich.\n\n99\n\n6.\n\n100\n\nDer Schadensersatzanspruch der Geschädigten i. H. v. 13.838,59 € ist gem. § 116\n\n101\n\nAbs. 1 SGB X auf die Klägerin übergegangen.\n\n102\n\nII.\n\n103\n\nDie Klägerin hat gegen den Beklagten Anspruch auf Erstattung der vorprozessual aufgewandten Anwaltskosten i. H. v. 387,90 € aus Verzug gem. §§ 280 Abs. 1, Abs. 2, 286 BGB.\n\n104\n\nIII.\n\n105\n\nDie Zinsansprüche ergeben sich aus den §§ 288 Abs. 1, 291 BGB. Insbesondere befand sich der Beklagte mit Ablauf der von der Klägerin in ihrer Zwischenabrechnung vom 19.07.2005 gesetzten Frist, ab dem 19.08.2005 in Zahlungsverzug bzgl. der Heilbehandlungskosten i. H. v. 13.460,41 €.\n\n106\n\nIV.\n\n107\n\nDer Feststellungsantrag ist zulässig und begründet, da nach den gegebenen Umständen zukünftige materielle Schäden der Versicherten C, die auf die\n\n108\n\nKlägerin übergehen nicht auszuschließen sind.\n\n109\n\nV.\n\n110\n\nDie Nebenentscheidungen folgen aus den §§ 91 Abs. 1 S. 1, 709 S. 1 ZPO.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/263750","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-muenster/2007-06-01/16-o-558-06","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 833","ref_norm":"833","n":11},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 31","ref_norm":"31","n":6},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 254","ref_norm":"254","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 291","ref_norm":"291","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 709","ref_norm":"709","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":1},{"jurabk":"SGB 10","ref":"§ 116","ref_norm":"116","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 242","ref_norm":"242","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 288","ref_norm":"288","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/263750","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/263750","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-muenster/2007-06-01/16-o-558-06","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/263750","retrieved":"2026-07-09 02:30:41.164840+00:00"}}