{"status":"available","doknr":"OLD253558","ecli":"ECLI:DE:LGK:2008:0703.15O6.08.00","court":"Landgericht Köln","senate":null,"decided":"2008-07-03","aktenzeichen":"15 O 6/08","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDas Versäumnisurteil der Kammer vom 31.03.2008 – 15 O 6/08 – bleibt aufrechterhalten.\n\nEs wird festgestellt, dass die im Versäumnisurteil der Kammer vom 31.03.2008 ausgeurteilte Forderung aus einer vorsätzlichen unerlaubten Handlung des Beklagten herrührt.\n\nEs wird festgestellt, dass der Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger alle künftigen Aufwendungen zu erstatten, die er aufgrund der im Urteil des Landgerichts Köln vom 16.12.2005 – 111-19/05 – festgestellten Straftat des Beklagten für die Geschädigte A zu erbringen hat, soweit die Schadensersatzansprüche auf den Kläger übergegangen sind.\n\nDie Kosten des Rechtsstreits trägt der Beklagte.\n\nDie Fortsetzung der Zwangsvollstreckung aus dem Versäumnisurteil ist nur gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden Geldbetrages zulässig.\n\n1\n\nT a t b e s t a n d:\n\n \n 2\n\nDer Kläger ist überörtlicher Träger der Kriegs- und Gewaltopferfürsorge und macht gegen den Beklagten Schadensersatzansprüche aus übergegangenem Recht gem. §§ 5 OEG, 81a BVG, 823 ff. BGB geltend.\n\n \n 3\n\nDie Geschädigte A wurde am 07.01.2005 in ihrer Wohnung schwer verletzt. Sie wurde bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend wurde ihr Bett in Brand gesteckt. Das Landgericht Köln verurteilte den Beklagten wegen dieser Tat durch Urteil vom 16.12.2005 – 111-19/05 – wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung, schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Urteil ist rechtskräftig. Durch die Tat erlitt sie folgende Verletzungen:\n\n \n 4\n\n-         Lähmung des linken Armes\n\n 5\n\n-         Lähmung des linken Beines mit Schwellneigung des linken Beines nach tiefer Venenthrombose \n\n 6\n\n-         Hirnfunktionsstörung\n\n 7\n\n-         Narben über der Schädelkalotte nach Schädeltrepanation\n\n 8\n\n-         Harnblasenentleerungsstörungen\n\n 9\n\n-         Sehbehinderung\n\n \n 10\n\nDas Versorgungsamt Köln erkannte die Geschädigte durch Bescheid vom 13.09.2005/19.09.2005 mit Wirkung ab 01.01.2005 als Opfer einer Gewalttat nach den Bestimmungen des Opferentschädigungsgesetzes an. Wegen der Einzelheiten wird auf die Bescheide Blatt 69 -77 der Akten Bezug genommen. Danach war die Geschädigte berechtigt, Leistungen nach Maßgabe des Bundesversorgungsgesetzes in Anspruch zu nehmen. Die Hauptfürsorgestelle des Klägers ist für Leistungen gem. §§ 25 ff. BVG i.V.m. § 2 Abs. 2 DG-KoFSchwbG zuständig. Im Rahmen dieser Zuständigkeit hat der Kläger an die Geschädigte bisher Leistungen in Höhe von 41.070,56 € erbracht.\n\n \n 11\n\nDer Kläger behauptet, der Beklagte habe die Tat begangen. Er sei in das von der Geschädigten, seiner Ehefrau, bewohnte Haus in B eingedrungen, habe sie so lange gewürgt, bis sie bewusstlos gewesen sei und er geglaubt habe, sie sei tot. Anschließend habe der Beklagte das Bett, auf dem die Geschädigte lag, in Brand gesteckt. Wegen der weiteren Einzelheiten des Tathergangs nimmt der Kläger auf die tatsächlichen Feststellungen des rechtskräftigen Strafurteils, Blatt 13 ff. der Akten Bezug. Da nicht auszuschließen sei, dass die Geschädigte aufgrund der fortbestehenden Behinderungen auch in Zukunft Leistungen in Anspruch nehme, sei der Feststellungsantrag gerechtfertigt.\n\n \n 12\n\nDer Kläger beantragt,\n\n 13\n\ndas Versäumnisurteil der Kammer vom 31.03.2008 – 15 O 6/08 –                                           aufrechtzuerhalten.\n\n \n 14\n\nfestzustellen, dass die im Versäumnisurteil der Kammer vom                                           31.03.2008 ausgeurteilte Forderung aus einer vorsätzlichen                                           unerlaubten Handlung des Beklagten herrührt.\n\n \n 15\n\nfestzustellen, dass der Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger alle                                           künftigen Aufwendungen zu erstatten, die er aufgrund der im                                           Urteil des Landgerichts Köln vom 16.12.2005 – 111-19/05 –                                           festgestellten Straftat des Beklagten für die Geschädigte                                           A zu erbringen hat, soweit die Schadensersatzansprüche                                           auf den Kläger übergegangen sind.\n\n \n 16\n\nDer Beklagte beantragt,\n\n 17\n\ndie Klage abzuweisen.\n\n \n 18\n\nDer Beklagte bestreitet die Tat und behauptet, er sei in der Tatnacht bei seiner Lebensgefährtin gewesen. Zudem habe sich der Gesundheitszustand der Geschädigten deutlich gebessert, so dass sie dauerhaft keine weiteren Leistungen des Klägers werde in Anspruch nehmen müssen.\n\n \n 19\n\nDas Landgericht hat den Beklagten durch Versäumnisurteil vom 31.03.2008 (Blatt 99, 100 der Akten) antragsgemäß zu Zahlung verurteilt, über die übrigen Klageanträge ist bisher noch nicht entschieden worden.\n\n \n 20\n\nWegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den vorgetragenen Inhalt der wechselseitigen Schriftsätze der Parteien und der von ihnen überreichten Urkunden Bezug genommen.\n\n \n \n 21\n\nE n t s c h e i d u n g s g r ü n d e:\n\n \n 22\n\nDie Klage ist begründet, so dass das Versäumnisurteil aufrechtzuerhalten und der Beklagte im übrigen antragsgemäß zu verurteilen war.\n\n \n 23\n\nDem Kläger steht aus übergegangenem Recht gem. §§ 5 OEG, 81a BVG, 823 ff. BGB der geltendgemachte Zahlungsanspruch zu, so dass das Versäumnisurteil aufrechtzuerhalten war. \n\n \n 24\n\nUnter Berücksichtigung der tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil des Landgerichts Köln ist davon auszugehen, dass der Beklagte die Tat begangen hat. Zwar ist eine Bindungswirkung des Zivilrichters an strafrechtliche Urteile im deutschen Verfahrensrecht nicht normiert, auch eine Beweislastumkehr findet nicht statt. Jedoch müssen sich Parteien und Zivilgericht nach den Regeln der Darlegungs- und Beweislast mit dem Inhalt des vorgetragenen Strafurteils auseinandersetzen (vergl. Urteil des OLG München vom 16.04.2007, 9 U 3865/06 – bei juris).\n\n \n 25\n\nDer Kläger hat sich zulässigerweise auf die Feststellungen im Strafurteil berufen. Er hat das vollständige Urteil seiner Klageschrift beigefügt und darauf Bezug genommen, so dass es nicht erforderlich war, den Inhalt im Einzelnen nochmals schriftsätzlich vorzutragen. Da der Kläger durch die Bezugnahme auf das den Beklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilenden Urteils substantiiert zur Täterschaft vorgetragen hat, hat sich auch die Darlegungslast des Beklagten erhöht. Sein einfaches Bestreiten der Tat und des von der Strafkammer festgestellten Tathergangs reicht im Hinblick auf die ausführlichen Ausführungen zum Tathergang und zur Täterschaft des Beklagten im Urteil vom 16.12.2005 nicht aus, um den substantiierten Darlegungen des Klägers entgegenzutreten. Neue Tatsachen und Beweismittel hat der Beklagte nicht vorgetragen. Insofern ist auch im vorliegenden Verfahren davon auszugehen, dass der Beklagte die Tat begangen hat. Die Kammer hat unter Berücksichtigung der Feststellungen im Strafurteil keinen begründeten Zweifel daran, dass der Beklagte der Geschädigten die erheblichen Verletzungen zugefügt hat.\n\n \n 26\n\nAuch der Feststellungsantrag ist begründet. Eine vollständige Genesung der Geschädigten behauptet der Beklagte selbst nicht, so dass nicht auszuschließen ist, dass der Kläger auch in der Zukunft weitere Leistungen zu erbringen hat.\n\n \n 27\n\nDer Zinsanspruch folgt aus §§ 288 Abs. 1, 291 BGB.\n\n \n 28\n\nDie Kostenentscheidung beruht auf § 91 Abs. 1 ZPO.\n\n \n 29\n\nDie Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 709 ZPO.\n\n \n 30\n\nStreitwert: 51.070,56 €","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/253558","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-koeln/2008-07-03/15-o-6-08","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 288","ref_norm":"288","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 291","ref_norm":"291","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 709","ref_norm":"709","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/253558","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/253558","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-koeln/2008-07-03/15-o-6-08","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/253558","retrieved":"2026-07-09 02:16:53.897921+00:00"}}