{"status":"available","doknr":"OLD295619","ecli":"ECLI:DE:LGDO:2002:1031.8O565.01.00","court":"Landgericht Dortmund","senate":null,"decided":"2002-10-31","aktenzeichen":"8 O 565/01","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDer Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 508.788,15 €(in Worten: fünf-\n\nhundertachttausendsiebenhundertachtundachtzig 15/100 Euro)\n\n(= 995.103,12 DM) nebst 4 % Zinsen seitdem 04.03.2001 zu zahlen.\n\nDer Beklagte wird außerdem verurteilt, an den Klägerweitere 92.019,02 €\n\n(in Worten: zweiundneunzigtausendneunzehn 02/100 Euro)\n\n(= 179.973,56 DM) nebst 4 % Zinsen seit dem 04.03.2001 zu zahlen, Zug\n\num Zug gegen Abtretung etwaiger Forderungen des Klägers nach Insol-\n\nvenzanfechtung betreffend die Zahlungen vom 27.09.1999 in Höhe von\n\n13.920,00 DM, vom 30.09.1999 in Höhe von 53.813,56 DM, vom\n\n02.11.1999 in Höhe von 13.920,00 DM und vom 23.11.1999 in Höhe von\n\n13.920,00 DM an X und C (anhängig in dem Rechtsstreit 9 0 471/01\n\nLG Bielefeld) sowie die Zahlung vom 22.10.1999 in Höhe von 84.400,00\n\nDM an die Firma C2 (anhängig in dem Rechtsstreit 1 0 1688/01 LG Zwickau).\n\nDie Kosten des Rechtsstreits werden dem Beklagten auferlegt.\n\nDas Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des jeweils bei-\n\nzutreibenden Betrages vorläufig vollstreckbar.\n\n1\n\nTatbestand\n\n 2\n\nMit Beschluss des Amtsgerichts Jena vom 01.03.2000 wurde über das Vermö-\n\n 3\n\ngen der B GmbH (im Folgenden: B GmbH) wegen Zahlungs-\n\n 4\n\nunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Kläger ist\n\n 5\n\nder Insolvenzverwalter, der Beklagte der Geschäftsführer der B GmbH.\n\n 6\n\nGegenstand des Unternehmens war die Entwicklung, Fertigung und Vermark-\n\n 7\n\ntung von Betriebsmitteln und Maschinen für die Automobilindustrie. Die B\n\n 8\n\nGmbH war u.a. an der Herstellung des Unterbaus des Audi Hunter beteiligt.\n\n 9\n\nTeilaufträge wurden hierbei von der Generaluntemehmerin E an die\n\n 10\n\nB GmbH vergeben. Diese schaltete wiederum die Firma L für die Konstruktion der Werkzeuge und die Firma T GmbH für die Herstellung der konstruierten Werkzeuge ein. Wegen Konstruktions- und Fertigungsfehlem der Firmen L und T GmbH und wegen Terminverzugs kam es zwischen der B GmbH und der Firma E zu einem\n\n 11\n\nRechtsstreit vor dem Landgericht Heilbronn (Az.: 3 KFH 0 291/99), der mit folgendem Vergleich beendet wurde:\n\n 12\n\n1. \"Die Antragstellerin verpflichtet sich, der Antragsgegnerin die vertraglich ge-\n\n 13\n\nschuldete Dokumentation vollständig mit dazu gehörigen Zeichnungen und\n\n 14\n\nDatenband entsprechend der Audi-Spezifikation bis spätestens Dienstag,\n\n 15\n\n14.09.1999, 12.00 Uhr, zur Verfügung zu stellen.\n\n 16\n\n2. Die Antragsgegnerin zahlt bis spätestens 15.09.1999\n\n 17\n\nDM 700.000,00 netto an die Antragstellerin,\n\n 18\n\n3. Die Antragsgegnerin zahlt an die Antragstellerin weitere\n\n 19\n\nDM 700.000,00 netto bis spätestens 30.09.1999.\n\n 20\n\n4. Erweist sich die vorgelegte Dokumentation bei stichprobenartiger Prüfung\n\n 21\n\ndurch die Antragsgegnerin ganz oder teilweise als nicht der Audi-\n\n 22\n\nSpezifikation in Ordnung entsprechend, ist die Antragsgegnerin nach qualifi-\n\n 23\n\nzierter Rüge berechtigt, aus dem Zahlbetrag von vorstehender Ziffer 3. einen\n\n 24\n\nBetrag von DM 400.000,00 zurückzubehalten.\n\n 25\n\nMit diesem Vergleich vom 09.09.1999 verzichtete die Firma B GmbH auf einen\n\n 26\n\nGroßteil ihrer zunächst geltend gemachten Forderungen. Die Firma E zahlte auf diesen Vergleich insgesamt 1.000.000,00 DM. Davon wurden\n\n 27\n\n305.090,70 DM unmittelbar an die Gläubigerin der Gemeinschuldnerin N ausbezahlt. Weitere 400.000,00 DM behielt die Firma E ein, weil sie die von der B GmbH gelieferte Dokumentation für mangelhaft hielt.\n\n 28\n\nDie B GmbH hatte nach den eigenen Buchhaltungsunterlagen zum\n\n 29\n\n31.08.1999 Verbindlichkeiten in Höhe von 2.695.677,25 DM (Anl. K2 z. Klage-\n\n 30\n\nschrift, Bl. 17 d.A.). Nach Abzug der bereits gebuchten Zahlungen ergaben sich\n\n 31\n\ndamit zum 09.09.1999 Verbindlichkeiten in Höhe von 2.659.151,79 DM. Zu die-\n\n 32\n\nsen Verbindlichkeiten zählten auch Forderungen der Firmen T GmbH und L,\n\n 33\n\ndie der Beklagte selbst in einem Schreiben vom 14.09. mit 559.568,01 DM und\n\n 34\n\n537.618,28 DM bezifferte. In diesem Schreiben vom 14.09.1999 stellte der Be-\n\n 35\n\nklagte selbst fest, dass die Verbindlichkeiten das zur Verfügung stehende Geld\n\n 36\n\nüberstiegen und führte Rechenbeispiele durch, die zumindest eine teilweise\n\n 37\n\nBefriedigung der Gläubiger ermöglichen sollten. Wegen der Einzelheiten wird\n\n 38\n\nauf die Anlage K6 zur Klageschrift, Bl. 23 ff. d.A., Bezug genommen. Zur Kon-\n\n 39\n\nkurstabelle wurden später seitens der Firma L Konstruktionen und T GmbH\n\n 40\n\nweitaus höhere Forderungen angemeldet und auch festgestellt. Wegen der\n\n 41\n\nEinzelheiten wird auf die als Anlage K 8 zum Schriftsatz des Klägers vom\n\n 42\n\n22.04.2002 zu den Akten gereichte Konkurstabelle Bezug genommen. Zu den\n\n 43\n\nVerbindlichkeiten zählten auch Forderungen der Firma K in Höhe\n\n 44\n\nvon 7.499,52 DM, der Firma N2 GmbH in Höhe von\n\n 45\n\n122.673,91 DM, der Firma D in Höhe von 63.171,64 DM und der Fir-\n\n 46\n\nma J in Höhe von 39.092,09 DM.\n\n 47\n\nDer Firma B GmbH standen zum 09.09.1999 dagegen lediglich verfügbare Zah-\n\n 48\n\nlungsmittel in Höhe von 1.122.323,04 DM. Wegen der Zusammensetzung die-\n\n 49\n\nser kurzfristig verfügbaren Mittel wird auf die Aufstellung auf S. 5 der Klage-\n\n 50\n\nschrift vom 12.11.2001 (Bl. 10 d.A.) Bezug genommen.\n\n 51\n\nAls weiteres Vermögen standen der B GmbH noch Vorräte und Anlagevermögens-\n\n 52\n\ngegenstände mit einem Liquidationswert von 11.124,00 DM und einem Fortfüh-\n\n 53\n\nrungswert von 8.245,00 DM zur Verfügung.\n\n 54\n\nDer Beklagte nahm in der Zeit vom 16.09.1999 bis zum 31.12.1999 Auszahlun-\n\n 55\n\ngen in Höhe von insgesamt 1.175.076,68 DM vor.\n\n 56\n\nEs handelt sich dabei um folgende Zahlungen:\n\n 57\n\nl. D2 AG K3, Konto: 258333400\n\n 58\n\n16.09.99 P 1.610,70 DM\n\n \n 59\n\n17.09.99 S 98,60 DM\n\n 60\n\nS2 278,11 DM\n\n 61\n\nF 290,00 DM\n\n 62\n\nF2 290,94 DM\n\n 63\n\nJ2 611,07 DM\n\n 64\n\nF 11.298,52 DM\n\n 65\n\nT2\n\n 66\n\nVergleich vom 16.09.1999 28.218,77 DM\n\n \n 67\n\nX2\n\n 68\n\nVergleich vom 16.09.1999 60.423,00 DM\n\n \n 69\n\nK2 1.967,78 DM\n\n 70\n\n30.09.99 Scheck 9922, F3, 0602740174768 1.000,00 DM\n\n \n \n 71\n\n01.10.99 M Rate 10.99 895,52 DM\n\n \n 72\n\n01.10.99 M2\n\n 73\n\nRate 10.99 1.228,60 DM\n\n 74\n\n06.10.99 U 466,43 DM\n\n 75\n\n08.10.99 F 145,00 DM\n\n 76\n\nF (Löhne) 11.443,52 DM\n\n 77\n\nScheck 9216 0960110210995 98.804,13 DM\n\n 78\n\n13.10.99 C3 3.312,40 DM\n\n 79\n\n14.10.99 C4 149,31 DM\n\n 80\n\nB2 999.12 DM\n\n 81\n\nU2 899.80 DM\n\n 82\n\n18.10.99 N2 132,50 DM\n\n 83\n\n19.10.99 P 1.610,70 DM\n\n 84\n\n20.10.99 K2 1.967,78 DM\n\n 85\n\nScheck 9201 0960210106481 170.035,11 DM\n\n 86\n\n22.10.99 Scheck 9202 0960250108135 84.400,00 DM\n\n 87\n\n26.10.99 Scheck 9203, X3 , 0603000186955 2.000,00 DM\n\n 88\n\n01.11..99 M\n\n 89\n\nRate 11.99 895,52 DM\n\n 90\n\nM2\n\n 91\n\nRate 11.99 1.228,60 DM\n\n \n 92\n\n02.11.99 Scheck 9218 096030106980 13.920,00 DM\n\n 93\n\n08.11.99 F 145,00 DM\n\n 94\n\nF (Löhne) 11.235,47 DM\n\n 95\n\nU 446,61 DM\n\n 96\n\n10.11.99 C3 3.312,40 DM\n\n 97\n\nScheck 9204, M4, 0960110303489 2.000,00 DM\n\n 98\n\n12.11.99 C4 149,31 DM\n\n 99\n\nB2 1.000,74 DM\n\n 100\n\n15.11.99 U2 1.267,90 DM\n\n 101\n\nN2 305,67 DM\n\n 102\n\n16.11.99 P 1.610,70 DM\n\n 103\n\n17.11.99 C3 2.261,78 DM\n\n 104\n\nScheck 9205, X4, 0603220091851 3.300,00 DM\n\n 105\n\n01.12.99 M\n\n 106\n\nRate 12.99 895,52 DM\n\n 107\n\nM2\n\n 108\n\nRate 12.99 1.228,60 DM\n\n 109\n\n08.12.99 U 528,13 DM\n\n 110\n\n14.12.99 C3 3.312,40 DM\n\n 111\n\nB2 999,66 DM\n\n 112\n\n15.12.99 U2 1.022,50 DM\n\n 113\n\nLohn X5 1.584,57 DM\n\n 114\n\n15.12.99 Lohn M4 1.759,42 DM\n\n 115\n\nLohn Q2 1.768,17 DM\n\n 116\n\nLohn I 2.756,77 DM\n\n 117\n\nLohn X4 3.101,41 DM\n\n 118\n\n16.12.99 P 1.610,70 DM\n\n 119\n\n20.12.99 N2 164,09 DM\n\n 120\n\n22.12.99 C4 149,31 DM\n\n 121\n\nK2 2.765,95 DM\n\n 122\n\n23.12.99 K2 815,15 DM\n\n 123\n\n27.12.99 N3 1. 809 60 DM\n\n 124\n\nZwischensumme l: 553. 929, 06 DM\n\n 125\n\n2. Sparkasse I2, Konto: 220266969\n\n 126\n\n20.09.99 W 3.000,00 DM\n\n 127\n\n22.09.99 H 2.305,17 DM\n\n 128\n\nT2 906, 87 DM\n\n 129\n\nU 521,54 DM\n\n 130\n\nU 464,00 DM\n\n 131\n\nE2 65,00 DM\n\n 132\n\nE2 101,61 DM\n\n 133\n\nU 33,33 DM\n\n 134\n\n23.09.99 F3 70.991,00 DM\n\n 135\n\nI3 9.861,00 DM\n\n 136\n\nN4 2.597,51 DM\n\n 137\n\n27.09.99 X und C 13.920,00 DM\n\n 138\n\n28.09.99 I4 30.989,52 DM\n\n 139\n\n29.09.99 K2 912,00 DM\n\n 140\n\nC3 870,00 DM\n\n 141\n\nS2 631,62 DM\n\n 142\n\nD2 510,00 DM\n\n 143\n\nU3 455,47 DM\n\n 144\n\nQ3 443,36 DM\n\n 145\n\nG 193,26 DM\n\n 146\n\nG 193,26 DM\n\n 147\n\nQ3 167,56 DM\n\n 148\n\nF2 158,62 DM\n\n 149\n\nN4 144,22 DM\n\n 150\n\nM5 118,41 DM\n\n \n 151\n\nF2 111,42 DM\n\n 152\n\nL2 74,65 DM\n\n 153\n\nF2 68,28 DM\n\n 154\n\nX5 32,57 DM\n\n 155\n\nX5 24,13 DM\n\n 156\n\n30.09.99 X und X 53.813,56 DM\n\n 157\n\n01.10.99 D 10.000,00 DM\n\n 158\n\nT2 7.093,15 DM\n\n 159\n\nU4 2.299,21 DM\n\n 160\n\nE2 1.700,00 DM\n\n 161\n\nS3 820,31 DM\n\n \n 162\n\nU5 696,00 DM\n\n \n 163\n\nC4 250,56 DM\n\n 164\n\nC4 215,76 DM\n\n 165\n\n01.10.99 S3 185,60 DM\n\n 166\n\n05.10.99 G3 4.553,76 DM\n\n 167\n\nC5 4.523,06 DM\n\n 168\n\n07.10.99 T 10.000,00 DM\n\n 169\n\n08.10.99 S 98,60 DM\n\n 170\n\n12.10.99 A 6.465,00 DM\n\n 171\n\n13.10.99 T 3.500,00 DM\n\n 172\n\n18.10.99 E3 5.114,00 DM\n\n 173\n\n19.10.99 N5 2.702,17 DM\n\n 174\n\nM 164,44 DM\n\n 175\n\n21.10.99 O 3.321,54, DM\n\n 176\n\nX6 3.000,00 DM\n\n 177\n\nM6 1.444,10 DM\n\n 178\n\nI5 1.000,00 DM\n\n 179\n\nQ4 417,60 DM\n\n 180\n\n22.10.99 S3 533,00 DM\n\n 181\n\nT3 527,22 DM\n\n 182\n\nT4 500,00 DM\n\n 183\n\nW2 396,56 DM\n\n 184\n\nF2 311,48 DM\n\n 185\n\nO 205,90 DM\n\n 186\n\nF2 141,29 DM\n\n 187\n\nF2 139,20 DM\n\n 188\n\n02.11.99 N6 2.252,06 DM\n\n 189\n\nS 2.000,00 DM\n\n 190\n\nN6 193,93 DM\n\n 191\n\nF2 111,42 DM\n\n 192\n\nL2 87,00 DM\n\n 193\n\nS 42,69 DM\n\n 194\n\n03.11.99 I6 9.208,00 DM\n\n 195\n\nF2 87,52 DM\n\n 196\n\n11.11.99 T GmbH 1.000,00 DM\n\n 197\n\nX7 517,13 DM\n\n 198\n\n23.11.99 Scheckeinlösung 13.920,00 DM\n\n 199\n\n29.11.99 C4 2.000,00 DM\n\n 200\n\n02.12.99 X8 7.227,57 DM\n\n 201\n\n09.12.99 J3 134,02 DM\n\n 202\n\nS4 50,00 DM\n\n 203\n\n15.12.99 W 5.880,29 DM\n\n 204\n\n28.12. 99 X4 2.870,88 DM\n\n 205\n\nZwischensumme lI: 316.056,92 DM\n\n 206\n\n21.09.1999 Zahlung der Firma E\n\n 207\n\naufgrund des\n\n 208\n\nzwischen ihr und der\n\n 209\n\nB GmbH geschlossenen\n\n 210\n\nVergleichs an die Firma N 305.090,70 DM\n\n 211\n\nZwischensumme III: 305.090,70 DM\n\n 212\n\nI + II + III = 1.175.076,68 DM\n\n 213\n\nDer Kläger führte inzwischen Insolvenzanfechtungen durch und erhielt dabei\n\n 214\n\neinen Betrag von 25.352,06 DM zurück, der in der o.g. Aufstellung bereits be-\n\n 215\n\nrücksichtigt und abgezogen wurde.\n\n 216\n\nDarüber hinaus ist bei dem LG Bielefeld, Az.: 9 U 471/01, ein Rechtsstreit an-\n\n 217\n\nhängig, in dem der Kläger die Zahlungen an X und C vom 27.09.1999,\n\n 218\n\n30.09.1999, 02.11.1999 und 23.11.1999 in Höhe von insgesamt 95.573,56 DM\n\n 219\n\nangefochten hat.\n\n 220\n\nEin weiterer Rechtsstreit vor dem LG Zwickau (1 0 1688/01) betrifft die An-\n\n 221\n\nfechtung der Zahlung vom 22.10.1999 in Höhe von 84.400,00 DM an die Firma\n\n 222\n\nC2 . Eine Entscheidung wurde in diesem Verfahren noch nicht getroffen. Die Summe der anhängigen Forderungen ergibt den Betrag von 179.973,56 DM.\n\n 223\n\nDer Kläger ist der Auffassung, dass die Firma B GmbH bereits am 09.09.1999 zah-\n\n 224\n\nlungsunfähig und überschuldet gewesen sei und der Beklagte als Geschäfts-\n\n 225\n\nführer der Firma B GmbH dies gewusst habe. Es hätten noch lediglich liquide Mittel\n\n 226\n\nin Höhe von 1.122.233,04 DM zur Verfügung gestanden. Der weitere Betrag in\n\n 227\n\nHöhe von 400.000,00 DM, den die Firma E zurückgehalten hatte,\n\n 228\n\nsei hierbei nicht zu berücksichtigen. Dagegen seien bei den Verbindlichkeiten\n\n 229\n\ndie Forderungen der Firma T GmbH und L zu berücksichtigen.\n\n 230\n\nDer Kläger beantragt,\n\n 231\n\nden Beklagten zu verurteilen, an den Kläger 1.175.076,68 DM nebst 4 %\n\n 232\n\nZinsen seit dem 04.03.2001 zu zahlen.\n\n 233\n\nDer Beklagte beantragt,\n\n 234\n\ndie Klage abzuweisen.\n\n 235\n\nDer Beklagte ist der Auffassung ,dass zum 09.09.1999 weder Überschuldung\n\n 236\n\nnoch Zahlungsunfähigkeit vorgelegen hätten. Jedenfalls sei dies dem Beklag-\n\n 237\n\nten nicht bekannt gewesen. Der Kläger habe das Vermögen und die Verbind-\n\n 238\n\nlichkeiten nicht richtig bewertet. Auf Seiten der Liquidität sei nämlich der Einbe-\n\n 239\n\nhalt in Höhe von 400.000,00 DM hinzuzurechnen, auf der anderen Seite habe\n\n 240\n\ndie Firma B GmbH erhebliche Gegenansprüche gegen die Firmen L und\n\n 241\n\nT GmbH, so dass deren Forderungen nicht zu berücksichtigen seien. Auch seien\n\n 242\n\ndie Forderungen der K, N2 , D und J zu dem Zeitpunkt noch nicht fällig gewesen.\n\n 243\n\nDie Fortführungsprognose habe sich als positiv dargestellt, deshalb habe der\n\n 244\n\nBeklagte die Tätigkeit fortsetzen müssen, um eine Insolvenz abwenden zu kön-\n\n 245\n\nnen. Dies sei auch erforderlich gewesen, um die Voraussetzungen für die Zah-\n\n 246\n\nlungen weiterer 400.000,00 DM durch die Firma E zu schaffen. Dar-\n\n 247\n\nüber hinaus seit die Firma B GmbH noch akquisitorisch in erheblichem Umfang tätig\n\n 248\n\ngewesen.\n\n 249\n\nDer Beklagte ist auch der Auffassung, dass die Konkursquote von der Klage-\n\n 250\n\nforderung abzuziehen sei.\n\n 251\n\nWegen der weiteren Einzelheiten wird auf die zwischen den Parteien gewech-\n\n 252\n\nselten Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen.\n\n 253\n\nEntscheidungsgründe\n\n 254\n\nDie Klage ist begründet.\n\n 255\n\nDer Kläger hat gegen den Beklagten einen Anspruch auf Zahlung in Höhe von\n\n 256\n\n508.788,15 sowie auf Zahlung weiterer 92.019,02 E Zug um Zug gegen Ab-\n\n 257\n\ntretung der Forderungen, die sich noch aufgrund der Insolvenzanfechtungen\n\n 258\n\nergeben können, aus § 64 Abs. 2 GmbHG.\n\n 259\n\nDie Firma B GmbH war nämlich zum Stichtag 09.09.1999 bereits zahlungsunfähig\n\n 260\n\nund überschuldet.\n\n 261\n\nEs bestand Zahlungsunfähigkeit i.S.d. § 17 InsO, weil die B GmbH nicht\n\n 262\n\nmehr in der Lage war, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Der Firma B\n\n 263\n\nGmbH standen zum 09.09.1999 liquide Mittel von 1.122.323,04 DM zur Verfü-\n\n 264\n\ngung. Soweit der Beklagte einen um 400.000,00 DM höheren Betrag errechnet\n\n 265\n\nhat, ist dies darauf zurückzuführen, dass er auch den Betrag eingerechnet hat,\n\n 266\n\nden die Firma E aufgrund des Vergleichs vom 09.09.1999 schulde-\n\n 267\n\nte, jedoch einbehalten durfte, weil sie die Dokumentation als mangelhaft gerügt\n\n 268\n\nhatte. Entgegen der Auffassung des Beklagten ist diese Forderung aber nicht\n\n 269\n\nzu berücksichtigen. Zu den liquiden Mitteln zählen nämlich nur solche Beträge,\n\n 270\n\ndie kurzfristig zur Verfügung stehen. Hinsichtlich der 400.000,00 DM ist zu be-\n\n 271\n\nrücksichtigen, dass diese von der Firma E nur bei Vorlage einer ord-\n\n 272\n\nnungsgemäßen Dokumentation geschuldet wurden und die schlichte Rüge aus-\n\n 273\n\nreichte, um den Einbehalt zu rechtfertigen. Insoweit ist der Betrag in Höhe von\n\n 274\n\n400.000,00 DM nicht kurzfristig realisierbar gewesen und danach nicht zu be-\n\n 275\n\nrücksichtigen.\n\n 276\n\nDiesen liquiden Mitteln in Höhe von 1.122.323,04 DM standen mindestens Ver-\n\n 277\n\nbindlichkeiten in Höhe von 1.309.515,50 DM gegenüber. Diese Summe ergibt\n\n 278\n\nsich, wenn zugunsten des Beklagten die von ihm errechneten Forderungen in\n\n 279\n\nHöhe von 559.568,01 DM und 537.618,28 DM der Firmen T GmbH und L\n\n 280\n\nsowie die weiteren von ihm als zweifelhaft gerügten Forderungen in Höhe von\n\n 281\n\ninsgesamt 252.450,00 DM von den sich aufgrund der Buchführungsunterlagen\n\n 282\n\nergebenden Verbindlichkeiten in Höhe von 2.659.151,79 DM abgezogen wer-\n\n 283\n\nden. Selbst ohne Berücksichtigung der streitigen Forderung übersteigen bei\n\n 284\n\nZugrundelegung der Zahlen, die auch der Beklagte kannte, die Verbindlichkei-\n\n 285\n\nten die liquiden Mittel deutlich, es hätten bei dieser Berechnung maximal 86 %\n\n 286\n\nerfüllt werden können. Soweit der Beklagte geltend macht, dass die Forderun-\n\n 287\n\ngen der Firmen T GmbH und L überhaupt nicht berücksichtigt werden dürf-\n\n 288\n\nten, ist dies nicht zutreffend. Ein sorgfältiger Geschäftsmann ist vielmehr ver-\n\n 289\n\npflichtet, bzgl. streitiger Forderungen Rückstellungen vorzunehmen. Es kann\n\n 290\n\ndahingestellt bleiben, in welcher Höhe hier Rückstellungen für streitige Forde-\n\n 291\n\nrungen in Höhe von insgesamt 1.814.415,50 DM hätten vorgenommen werden\n\n 292\n\nmüssen. Selbst wenn man nur einen Bruchteil dieser Forderungen als Rück-\n\n 293\n\nstellung zugrunde legen würde, würde sich die Diskrepanz zwischen Aktiva und\n\n 294\n\nPassiva noch weiter vergrößern.\n\n 295\n\nDie B GmbH war damit zum 09.09.1999 zahlungsunfähig.\n\n 296\n\nDarüber hinaus war sie auch gemäß § 19 InsO überschuldet, weil auch das\n\n 297\n\nVermögen die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckte. Zu den liqui-\n\n 298\n\nden Mittel in Höhe von 1.122.323,04 DM waren nämlich nur noch Vermögens-\n\n 299\n\ngegenstände zu einem Fortführungswert in Höhe von 11.124,00 DM vorhan-\n\n 300\n\nden. Selbst unter Berücksichtigung dieses für den Beklagten günstigeren Fort-\n\n 301\n\nführungswertes übersteigen die Verbindlichkeiten immer noch das Vermögen\n\n 302\n\nder Gesellschaft.\n\n 303\n\nDie von dem Beklagten veranlassten Zahlungen in Höhe der Klageforderung\n\n 304\n\nentsprechen auch nicht der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes.\n\n 305\n\nAuch wenn der Beklagte hier vorträgt, die Fortführungsprognose sei positiv ge-\n\n 306\n\nwesen und er habe auch weiter Akquisitionen betrieben, kann dies den Be-\n\n 307\n\nklagten hier nicht entlasten. Zu berücksichtigen ist nämlich dabei, dass die\n\n 308\n\nAkquisitionen nicht kurzfristig zu einer Steigerung der liquiden Mittel geführt\n\n 309\n\nhätten. Insoweit war es für die Beachtung der Sorgfalt eines ordentlichen Ge-\n\n 310\n\nschäftsmanns erforderlich, ein ordentliches Fortführungskonzept aufzustellen.\n\n 311\n\nEin solches hatte der Beklagte nicht. Ein besonderes öffentliches Interesse an\n\n 312\n\nder Erhaltung des Unternehmens hat er ebenfalls nicht dargelegt.\n\n 313\n\nDer Beklagte hatte auch die erforderliche Kenntnis. Bereits aus seinem Schrei-\n\n 314\n\nben vom 14.09.1999 ergibt sich, dass ihm die prekäre finanzielle Situation des\n\n 315\n\nUnternehmens bekannt war. Selbst nach seinen eigenen Berechnungen ergab\n\n 316\n\nsich, dass die Passiva die Aktiva bei weitem überstiegen und nicht ausreichen-\n\n 317\n\nde liquide Mittel kurzfristig verfügbar waren, um alle Verbindlichkeiten zu tilgen.\n\n 318\n\nDem Beklagten ist es auch nicht gelungen, sich insoweit zu entlasten.\n\n 319\n\nGemäß § 64 Abs. 2 hat der Beklagte als Geschäftsführer der insolventen Ge-\n\n 320\n\nsellschaft die Zahlungen zu ersetzen, die er nach Eintritt der Zahlungsunfähig-\n\n 321\n\nkeit und Überschuldung geleistet hat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bzgl.\n\n 322\n\nder Zahlungen, die der Insolvenzanfechtung unterliegen und Gegenstand der\n\n 323\n\nVerfahren vor dem Landgericht Bielefeld und dem Landgericht Zwickau sind,\n\n 324\n\nder Kläger nur Zahlung Zug um Zug gegen Abtretung seiner Forderungen ver-\n\n 325\n\nlangen kann (§ 255 BGB).\n\n 326\n\nDer Insolvenzanfechtung unterliegen derzeit Forderungen in Höhe von insge-\n\n 327\n\nsamt 179.973,56 DM (= 92.019,02 € ). Insoweit war hier eine Zug-um-Zug-\n\n 328\n\nVerurteilung auszusprechen. Wegen der weiteren Forderung in Höhe von\n\n 329\n\n995.103,12 DM (= 508.788,15 € ) war der Beklagte unbedingt zu verurteilen.\n\n 330\n\nSoweit der Beklagte sich darauf beruft, dass zumindest die Konkursquote ab-\n\n 331\n\nzuziehen sei, teilt die Kammer diese Auffassung nicht. Nach der Entscheidung\n\n 332\n\ndes Bundesgerichtshofes vom 08.01.2001 (WM 2001, 317) ist der Geschäfts-\n\n 333\n\nführer nämlich verpflichtet, die von ihm gezahlten Beträge ungekürzt zu erstat-\n\n 334\n\nten. Der Beklagte ist danach gehalten, seinen Gegenanspruch, der sich nach\n\n 335\n\nRang und Höhe mit dem Betrag deckt, den der begünstigte Gesellschaftsgläu-\n\n 336\n\nbiger im Insolvenzverfahren erhalten hätte, nach Erstattung an die Masse ge-\n\n 337\n\ngen den Insolvenzverwalter zu verfolgen.\n\n 338\n\nDie Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO, die Entscheidung über die vorläu-\n\n 339\n\nfige Vollstreckbarkeit hat ihre Grundlage in § 709 ZPO.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/295619","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2002-10-31/8-o-565-01","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 255","ref_norm":"255","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 17","ref_norm":"17","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 709","ref_norm":"709","n":1},{"jurabk":"GmbHG","ref":"§ 64","ref_norm":"64","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 19","ref_norm":"19","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/295619","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/295619","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-dortmund/2002-10-31/8-o-565-01","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/295619","retrieved":"2026-07-09 03:17:53.277984+00:00"}}