{"status":"available","doknr":"NRWE-lgs/aachen/lg_aachen/j2022/11_O_264_21_Urteil_20220504","ecli":"ECLI:DE:LGAC:2022:0504.11O264.21.00","court":"Landgericht Aachen","senate":"11. Zivilkammer","decided":"2022-05-04","aktenzeichen":"11 O 264/21","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"Tatbestand: \n\n\r\n\nDie Beklagte zu 1) ist Rechtsnachfolgerin der M.)''.\n\n\r\n\nAm 01.04.2017 erwarb die Klägerseite ein Wohnmobil Fiat Carthago C-Line 5.0, Fahrzeug-Ident.-Nr. N01, Motorart: 2,3 Liter, zum Kaufpreis von 106.450,00 €.\n\n\r\n\nAusweislich der CoC-Bescheinigung ist die Beklagte zu 2) Herstellerin des Basisfahrzeuges. Es ist ein Motor der Fiat Chrysler Automobiles N.V. verbaut.\n\n\r\n\r\n\nDie Klägerseite behauptet, dass die Beklagte zu 2) bei den Dieselmotoren minderwertige Hardware verbaut und eine Manipulationssoftware verwendet habe, die zu einem nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechendem Emissionsverhalten und zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch führe.\n\n\r\n\nDie Beklagten zu 1) habe den mit dieser rechtswidrigen Motorsteuerungssoftware manipulierten Motor des streitgegenständlichen Fahrzeugs entwickelt und u. a. in dem streitgegenständlichen Fahrzeug in den Verkehr gebracht. Durch die Software seien gesetzeswidrig Emissionsminderungsstrategien in der Abgasbehandlung erfolgt. Die Software sei nach den Spezifikationen der Beklagten zu 1) und der Beklagten zu 2) erstellt worden. Die jeweiligen Vorstandsebenen der Beklagten seien darüber informiert gewesen.\n\n\r\n\nDas streitgegenständliche Fahrzeug halte aufgrund dessen die gesetzlich vorgeschriebenen Abgaswerte im Straßenbetrieb nicht ein. Auf einem Prüfstand würden dagegen geringere Stickoxidwerte (NOx) erzielt, um die gesetzlichen NOxGrenzwerte einzuhalten, was ohne die rechtswidrige Software zur Motorsteuerung nicht möglich sei. Die Beklagte zu 1) habe mithilfe dieser gefälschten Abgasmessungen das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sowie die italienischen Zulassungsbehörden getäuscht und sich die EU-Typgenehmigung erschlichen.\n\n\r\n\r\n\nFolgende unzulässige Abschalteinrichtungen im streitgegenständlichen Wohnmobil mit NSK-Katalysator seien vorhanden:\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nein Timer, welcher dafür sorge, dass sich die Abgasreinigung nach 22 Minuten ausschalte\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nein Thermofenster, welches jedoch - anders als beim Thermofenster, welches der BGH-Entscheidung zugrunde lag - zwischen einer Prüfsituation und dem Realbetrieb bei sonst identischen Umgebungstemperaturen unterscheide und aufgrund eines eingebauten Korrekturfaktors dafür sorge, dass die Abgasreinigung ausschließlich in der Prüfsituation und nicht auch im Realbetrieb erfolge\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nein anderer Timer, welcher beim Auftreten diverser Störgrößen (Bremse, Geschwindigkeit und Drehmoment) die Abgasreinigung nach 4 Minuten ausschalte. Diese Störgrößen würden für die Software auf das Verlassen der Prüfsituation und auf eine Fahrt im Normalbetrieb hindeuten, sodass die Abgasreinigung auch dann eingestellt werde\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nManipulation des OBD-Systems, da beim Überschreiten der zulässigen Abgaswerte ein Warnsignal aufleuchte, was beweise, dass das Herunterfahren der Abgasreinigung vertuscht werden sollte, dies wiederum sei ein eindeutiges Zeichen für den hier vorhandenen Täuschungsvorsatz der Beklagten zu 1) und zu 2)\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\r\n\nEiner Bewertung der Abschalteinrichtungen als unzulässig stehe nicht entgegen, dass das Kraftfahrtbundesamt eine Typgenehmigung für das Fahrzeug erteilt habe. Der frühere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sowie dessen Vorgänger Alexander Dobrindt hätten eine Typengenehmigung für Wohn- und Reisemobile der Beklagten ermöglicht, trotz Kenntnis von der illegalen Abschalteinrichtung. Das KBA habe bereits 2016 gewusst, dass im Fiat-Ducato-Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut worden sei. Das KBA habe die Typengenehmigung erst auf das Intervenieren des Bundesverkehrsministeriums hin erteilt.\n\n\r\n\nDen in Deutschland lebenden Inhabern von Fahrzeugen mit dem klägerischen Motortyp drohe ein von Seiten des Kraftfahrtbundesamts angeordneter Rückruf. Sollte eine Teilnahme am Rückruf verweigert werden, drohe eine Betriebsuntersagung. Der\n\n\r\n\nUmstand, dass es (noch) keinen offiziellen Rückruf bzw. kein „freiwilliges“ SoftwareUpdate gibt, könne die Beklagten nicht entlasten.\n\n\r\n\nSoweit das streitgegenständliche Fahrzeug zurückgerufen werde, seien bei einer Änderung des Emissionsverhaltens des Fahrzeugs u. a. folgenden Nachteile möglich aufgrund der Nachbesserung:\n\n\r\n\n- Mehrverbrauch von Kraftstoff - Minderleistung - Höherer Partikelausstoß - Verkürzung der Lebenszeit des Dieselpartikelfilters - durch höhere Temperaturen oder höheren Druck Lebenszeitverkürzung des Motors und sonstiger Teile wie z.B. des Turbo - Minderwert des Fahrzeugs - Höhere Geräuschentwicklung - Lebenszeitverkürzung\n\n\r\n\r\n\nDie Beklagte zu 1) habe Kenntnis von der Unzulässigkeit der Abschalteinrichtungen gehabt und dennoch keine Bemühungen gemacht, die Käufer darüber aufzuklären, obwohl - wovon man bei einer gesamten Übertragung des operativen Geschäfts auf die Beklagte zu 1) ausgehen müsse - sämtliches Wissen darüber auf sie übergegangen sei.\n\n\r\n\nDie Beklagte zu 2) habe das streitgegenständliche Basisfahrzeug hergestellt sowie den verbauten Motor jedenfalls mitentwickelt.\n\n\r\n\r\n\nDer Kläger behauptet, das Fahrzeug habe am 24.03.2022 eine Laufleistung von\n\n\r\n\n39.601 Kilometern gehabt.\n\n\r\n\r\n\r\n\nDie Klägerseite hat zunächst - bezogen nur auf die Beklagte zu 1) - beantragt:\n\n\r\n\nEs wird festgestellt, dass die Beklagtenpartei verpflichtet ist, dem Kläger\n\n\r\n\nSchadensersatz zu leisten für Schäden, die aus der Manipulation des Fahrzeugs des Modells Chic C-Line I 5,0 L des Herstellers Carthago mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) N01 durch die Beklagtenpartei resultieren.\n\n\r\n\r\n\nSodann hat die Klägerseite mit Schriftsatz vom 21.10.2021 die Klage auf die Beklagte zu 2) erweitert und beantragt:\n\n\r\n\n1. Es wird festgestellt, dass die Beklagten verpflichtet sind, der Klägerpartei Schadensersatz zu bezahlen für Schäden, die daraus resultieren, dass die Beklagten in dem Fahrzeug des Modells Chic C-Line I 5,0 L des Herstellers\n\n\r\n\nCarthago mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) N01\n\n\r\n\na) unzulässige Abschalteinrichtungen wie z.B. - in Gestalt einer Funktion, welche durch Bestimmung der Außentemperatur die Parameter der Abgasrückführung so verändert, dass die Abgasrückführung nur innerhalb eines Temperaturrahmens zwischen 20C und 30C und nur auf dem Prüfstand optimal funktioniert, während unterhalb 20C bis 5C sowie außerhalb der NEFZ-Prüfsituation eine stufenweise Abrampung der Abgasrückführungsrate bis hin zur kompletten Reduktion auf Null erfolgt (sog. Thermofenster),\n\n\r\n\n-in Gestalt einer Abschaltlogik, welche die Abgasrückführungsrate nach 22 Minuten nach dem Motorstart und dem Beginn des NEFZ-Modus auf Null reduziert,\n\n\r\n\n-in Gestalt einer Hysterese, welche alle 10 Sekunden nach dem Auftreten einer oder mehrerer der nachfolgenden Störgrößen sucht, sodass gegebenenfalls nach 15 Sekunden oder nach einer Häufigkeit von 5 Mal oder mehr die Abgasreinigung eingestellt wird, wobei es sich bei diesen\n\n\r\n\nStörgrößen um\n\n\r\n\n-einen Lenkwinkel größer als 30, -eine Geschwindigkeit an der Hinterachse größer als 3,9 km/h,\n\n\r\n\n-eine Gaspedal-Stellung größer als 80,00049% handelt oder\n\n\r\n\n-in Gestalt eines weiteren Timers, welcher nach 4 Minuten nach Auftreten einer oder mehrerer der nachfolgenden Störgrößen die Abgasreinigung einstellt, wobei es sich bei diesen Störgrößen um\n\n\r\n\n-ein Drehmoment über 34 kW (höher als 300/340 Nm),\n\n\r\n\n-eine Geschwindigkeit, welche die für den NEFZ-Zyklus typische Geschwindigkeit überschreitet und auf ein Verlassen der Prüfsituation hindeutet, -einen Bremsvorgang, welcher öfter als 20 Mal erfolgt, handelt,\n\n\r\n\n-in Gestalt noch zusätzlicher Timer-Strategien, welche durch das Einbringen von Zeitpuffer sicherstellen sollen, dass die Abgasreinigung nicht vorschnell trotz andauernder Prüfsituation abgeschaltet wird,\n\n\r\n\n-in Gestalt eines AGR-Kennfeldes, welches sicherstellen soll, dass die\n\n\r\n\nAbgasreinigung im Straßenverkehr auch innerhalb des o.g. Thermofensters ausgeschaltet wird, verbaut haben, mit ihrer Billigung oder auf ihre Anweisung hin verbaut wurden und hierdurch die Emissionswerte auf dem\n\n\r\n\nRollenprüfstand, welcher stets 1180 Sekunden dauert, innerhalb eines Temperaturrahmens zwischen 20°C und 30°C stattfindet, mit einer vorgeschriebenen Standzeit von 25% und einer Antriebsleistung von maximal 34 kW bzw. einer Geschwindigkeit bis maximal 120 km/h erfolgt, reduziert werden.\n\n\r\n\nb) ein On-Board-Diagnosesystem einsetzen, welches dahingehend programmiert war, die Erhöhung der Emissionswerte infolge der Abschaltung der Abgasrückführungsrate entgegen der bestehenden gesetzlichen Überwachungspflicht in Bezug auf die abgasbeeinflussenden Systeme nicht anzuzeigen.\n\n\r\n\r\n\nMit Schriftsatz vom 29.10.2021 hat die Klägerseite zudem hilfsweise für den Fall, dass die Feststellungsanträge unzulässig sein sollten, beantragt:\n\n\r\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Beklagtenparteien werden verurteilt, der Klägerpartei einen Betrag bezüglich des Fahrzeugs des Modells Chic C-Line I 5,0 L des Herstellers Carthago mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) N01, dessen Höhe in das Ermessen des Gerichts gestellt wird, jedoch mindestens 26.612,50 € betragen muss, zu bezahlen nebst Zinsen in Höhe von 5%-Punkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEs wird festgestellt, dass die Beklagtenparteien verpflichtet sind, der Klägerpartei weiteren Schadensersatz, der über diesen Betrag hinausgeht, zu bezahlen für Schäden, die aus der Manipulation des Fahrzeugs des Modells Chic C-Line I 5,0 L des Herstellers Carthago mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) N01 durch die Beklagtenparteien resultieren.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Beklagtenparteien werden verurteilt, die Klagepartei von den durch die Beauftragung der Prozessbevollmächtigten der Klagepartei entstandenen vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten in Höhe von jeweils\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\n3.962,70 € freizustellen.\n\n\r\n\r\n\nAm 20.01.2022 - 3 Tage vor der auf den 24.01.2022 anberaumten Verhandlung - hat die Klägerseite sodann hilfsweise für den Fall, dass der Feststellungsantrag unzulässig sein sollte, beantragt:\n\n\r\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Beklagten werden verurteilt, an die Klägerpartei € 137.612,79 nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5%-Punkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu bezahlen, abzüglich einer in das Ermessen des Gerichts gestellten Nutzungsentschädigung für die Nutzung des Fahrzeugs des Modells Chic C-Line I 5,0 L des Herstellers Carthago mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) N01 Zug-um-Zug gegen Rückgabe und Rückübereignung des vorgenannten Fahrzeuges.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEs wird festgestellt, dass die Beklagten verpflichtet sind, der Klägerpartei darüber hinaus Schadensersatz zu leisten für weitere Schäden, die der Klagepartei dadurch entstanden sind oder entstehen werden, dass in das in Klageantrag Ziff. 1 genannte Fahrzeug eine unzulässige\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nAbschalteinrichtung eingebaut wurde.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEs wird feststellt, dass die Beklagten sich mit der Annahme des in Klageantrag Ziffer 1 genannten Fahrzeugs im Verzug befinden.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Beklagten werden verurteilt, die Klägerpartei von den durch die\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nBeauftragung der Prozessbevollmächtigten der Klägerpartei entstandenen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten in Höhe von € 3.962,70 freizustellen.\n\n\r\n\r\n\nZum Termin zur mündlichen Verhandlung am 24.01.2022 ist für die Beklagten niemand erschienen. Aufgrund der kurzfristigen Änderung der Klageanträge wurde die Verhandlung vertagt auf den 25.03.2022.\n\n\r\n\r\n\nEinen Tag vor der mündlichen Verhandlung, am 24.03.2022, hat die Klägerseite\n\n\r\n\nsodann wiederum einen Schriftsatz eingereicht, mit dem die\n\n\r\n\nHilfsanträge geändert werden sollten.\n\n\r\n\nHilfsweise für den Fall, dass der Feststellungsantrag unzulässig sein sollte, wird nunmehr beantragt:\n\n\r\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Beklagten werden verurteilt, an die Klägerpartei € 137.612,79 nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5%-Punkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu bezahlen, abzüglich einer in das Ermessen des Gerichts gestellten Nutzungsentschädigung für die Nutzung des Fahrzeugs des Modells Chic C-Line I 5,0 L des Herstellers Carthago mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) N01 Zug-um-Zug gegen Rückgabe und Rückübereignung des vorgenannten Fahrzeuges.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEs wird festgestellt, dass die Beklagten verpflichtet sind, der Klägerpartei darüber hinaus Schadensersatz zu leisten für weitere Schäden, die der Klagepartei dadurch entstanden sind oder entstehen werden, dass in das in Klageantrag Ziff. 1 genannte Fahrzeug eine unzulässige\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nAbschalteinrichtung eingebaut wurde.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEs wird feststellt, dass die Beklagten sich mit der Annahme des in Klageantrag Ziffer 1 genannten Fahrzeugs im Verzug befinden.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Beklagten werden verurteilt, die Klägerpartei von den durch die\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nBeauftragung der Prozessbevollmächtigten der Klägerpartei entstandenen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten in Höhe von € 3.962,50 freizustellen.\n\n\r\n\r\n\nDie Beklagten beantragen:\n\n\r\n\nDie Klage wird abgewiesen.\n\n\r\n\r\n\nDie Beklagte zu 1) bestreitet ihre Passivlegitimation. Sie sei bis zu einer kürzlich erfolgten Umstrukturierung die (reine) Holdinggesellschaft der FCA-Gruppe gewesen und nunmehr die (reine) Holdinggesellschaft der Stellantis-Gruppe, die aus der Fusion der FCA-Gruppe mit der PSA-Gruppe im Januar 2021 hervorgegangen sei. Die Holdinggesellschaft der PSA-Gruppe FCA N.V. sei auf die Beklagte verschmolzen worden und in diesem Zusammenhang umfirmiert. Die Beklagte zu 1) sei keine produzierende Gesellschaft (gewesen). Sie sei eine reine Finanzholding.\n\n\r\n\r\n\nDie Beklagte zu 2) behauptet, dass in dem streitgegenständlichen Fahrzeug keine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz komme. Die unstreitig erteilte italienische Typgenehmigung belege, dass die relevanten NOx-Werte eingehalten würden.\n\n\r\n\nEntgegen der Behauptungen der Klägerseite drohe weder ein Rückruf noch eine Betriebsuntersagung oder sonstige Maßnahmen seitens der Zulassungsbehörden.\n\n\r\n\nNicht in allen Fahrzeugen der Beklagten seien Steuergeräte der Fa. Bosch eingebaut.\n\n\r\n\nJedenfalls aber komme es nach den zum relevanten Zeitpunkt geltenden Vorschriften allein darauf an, ob das Fahrzeug im Prüfstand die geltenden jeweiligen Stickoxidwerte einhalte. Auf die Emissionen im Realbetrieb komme es nicht an.\n\n\r\n\r\n\nHinsichtlich des weiteren Sach- und Streitstandes wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.\n\n\r\n\nDer Kläger hat Klage zunächst zum unzuständigen Landgericht Bielefeld erhoben. Auf Antrag des Klägers hat da Landgericht Bielefeld den Rechtsstreit am 09.07.2021 an das Landgericht Aachen verwiesen.\n\n\r\n\nDie Klage ist der Beklagten zu 1) am 30.04.2021 und der Beklagten zu 2) am\n\n\r\n\n04.11.2021 zugestellt worden.\n\n\r\n\r\n\r\n\nEntscheidungsgründe: \n\n\r\n\nDie zulässige Klage hat in der Sache keinen Erfolg.\n\n\r\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Klage ist - nach Verweisung an das örtlich zuständige Gericht - zulässig.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDas erkennende Gericht ist gem. Art 7 Nr. 2 VO (EU) Nr. 1215/2012 (“Brüssel-Ia“) zur Entscheidung über den streitgegenständlichen Anspruch berufen. Wenn eine unerlaubte Handlung oder wenn Ansprüche aus einer solchen Handlung den Gegenstand des Verfahrens bilden, kann nach dieser Vorschrift eine Person, die ihren Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats hat, vor dem Gericht des Ortes, an dem das schädigende Ereignis eingetreten ist oder einzutreten droht, verklagt werden. Eingetreten ist das schädigende Ereignis nach Ansicht des EuGH sowohl am Handlungs- als auch am Erfolgsort. Der Geschädigte hat grundsätzlich die Wahl, an welchem Ort er klagt (MüKoZPO/Gottwald, 5. Aufl. 2017, Brüssel Ia-VO Art. 7 Rn. 54). Nach dem - insoweit für die Zulässigkeit einer Sachentscheidung maßgeblichen -\n\n\r\n\nVortrag der Klagepartei ist eine Handlung der Beklagten im Inland nicht gegeben. Der Erfolgsort liegt indes im Inland. Der EuGH qualifiziert den Ort als Erfolgsort, an dem „die schädigenden Auswirkungen des haftungsauslösenden Ereignisses zu Lasten des Betroffenen eintreten“ (NJW 1995, 1881, 1882, Rn. 28). Der Belegenheitsort des klägerischen Vermögens lag zum Zeitpunkt des Kaufs im Zuständigkeitsbezirk des Landgerichts Aachen.\n\n\r\n\r\n\nSoweit die Klägerseite erneut unmittelbar vor dem Termin der nündlichen Verhandlung \"neue\" Klageanträge eingereicht hat, konnte über diese dennoch verhandelt werden, da sie inhaltsgleich mit den bereits gestellten Anträge sind.\n\n\r\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Klage ist jedoch unbegründet.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\n1. Der Kläger hat einen Schadensersatzanspruch gegen die Beklagte zu 1) aus § 826 BGB nicht hinreichend dargelegt und unter Beweis gestellt.\n\n\r\n\nSelbst wenn die Behauptungen des Klägers zum Einbau verbotener\n\n\r\n\nAbschalteinrichtungen in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht als wahr unterstellt werden, hat der Kläger ein vorsätzliches sittenwidriges Handeln gerade durch die Beklagte zu 1) und die für diese handelnden Personen im Sinne von § 31 BGB nicht substantiiert dargelegt und unter Beweis gestellt (ebenso LG Freiburg, Urteil vom 17. Juni 2021 - 1 O 358/20 -, BeckRS 2021, 14677).\n\n\r\n\na) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs setzt die Haftung einer juristischen Person aus § 826 BGB in Verbindung mit § 31 BGB voraus, dass einer ihrer verfassungsmäßig berufenen Vertreter im Sinne des § 31 BGB den objektiven und subjektiven Tatbestand des § 826 BGB persönlich verwirklicht hat. Über eine Wissenszusammenrechnung führt kein Weg zu dem für das Merkmal der\n\n\r\n\nSittenwidrigkeit im Sinne des § 826 BGB erforderlichen moralischen Unwerturteil. So wie sich jene die Verwerflichkeit begründende bewusste Täuschung nicht dadurch konstruieren lässt, dass die im Hause der juristischen Person vorhandenen kognitiven Elemente \"mosaikartig\" zusammengesetzt werden, weil eine solche Konstruktion dem personalen Charakter der Schadensersatzpflicht gemäß § 826 BGB nicht gerecht würde, so lässt sie sich erst recht nicht mit einer Wissenszurechnung über die Grenzen rechtlich selbständiger (Konzern-)Gesellschaften hinaus begründen (vgl. zuletzt BGH, Urteil vom 08. März 2021 - VI ZR 505/19 -, Rn. 23, juris mwN.). Dabei trägt im Grundsatz derjenige, der einen Anspruch aus § 826 BGB geltend macht, die volle\n\n\r\n\nDarlegungs- und Beweislast für die anspruchsbegründenden Tatsachen. Bei der\n\n\r\n\nInanspruchnahme einer juristischen Person hat der Anspruchsteller dementsprechend auch darzulegen und zu beweisen, dass ein verfassungsmäßig berufener Vertreter (§ 31 BGB) die objektiven und subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen des § 826 BGB verwirklicht hat (vgl. BGH, Urteil vom 08. März 2021 - VI ZR 505/19 -, Rn. 25, juris). Zwar kann eine sekundäre Darlegungslast der beklagten juristischen Person in\n\n\r\n\nBetracht kommen. Das setzt aber voraus, dass das (unstreitige oder nachgewiesene) Parteivorbringen hinreichende Anhaltspunkte enthält, die einen solchen Schluss nahelegen (vgl. BGH, Urteil vom 08. März 2021 - VI ZR 505/19 -, Rn. 28, juris).\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDiesen Maßstäben genügt das Vorbringen des Klägers nicht.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nSelbst wenn die Behauptungen der Klägerseite zur Konzernstruktur der Beklagten als wahr unterstellt werden, ist ihr Vorbringen unschlüssig und enthält keine Anhaltspunkte, die der Beklagten zu 1) eine sekundäre Darlegungslast auferlegen könnten.\n\n\r\n\nEs ist unstreitig, dass die Beklagte weder Herstellerin des Basisfahrzeugs oder seines Motors ist, noch diesen in Verkehr gebracht hat. Sie zeichnet sich auch unstreitig nicht verantwortlich für die Beantragung der Typgenehmigung. Unstreitig ist hierfür jeweils allein die Beklagte zu 2) verantwortlich. Eine eigene Handlung des Vorstands der Beklagten zu 1) oder ihrer verfassungsmäßigen Vertreter im Zusammenhang mit der Herstellung des Motors oder seines Inverkehrbringens behauptet der Kläger bereits nicht. Insbesondere behauptet der Kläger keine Handlung, die für einen Schaden des Klägers hätte ursächlich werden können.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDass die Beklagte zu 1) als Finanzholding der Mutterkonzern der Beklagten zu 2) ist, genügt nach der Konzeption des deutschen Deliktsrechts nicht. Nur wer tatsächlich den Haftungstatbestand in objektiver und subjektiver Hinsicht selbst oder durch Organe oder Repräsentanten erfüllt, haftet. Unerheblich ist daher, ob die Beklagte als Mutterkonzern die Konzernleitungsmacht über Planung, Organisation und Kontrolle der Beklagten zu 2) gehabt habe. Denn das allein besagt nichts darüber, inwieweit die handelnden Personen der Beklagten zu 1) für vorgeworfene deliktische Handlungen verantwortlich waren, von ihr wussten und sie billigten.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDer Kläger hat auch einen Schadensersatzanspruch nach § 831 Abs. 1 BGB nicht hinreichend dargelegt und unter Beweis gestellt.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nNach § 831 Abs. 1 BGB haftet der Geschäftsherr für einen Verrichtungsgehilfen, wenn er sich bezüglich dessen Auswahl und Überwachung nicht entlasten kann, und der Verrichtungsgehilfe in Ausübung der Verrichtung in objektiver und subjektiver Hinsicht den Tatbestand einer unerlaubten Handlung verwirklicht hat Verrichtungsgehilfe im Sinne von § 831 BGB ist, wer von den Weisungen seines Geschäftsherrn abhängig ist. Ihm muss von einem anderen, in dessen Einflussbereich er allgemein oder im konkreten Fall und zu dem er in einer gewissen Abhängigkeit steht, eine Tätigkeit übertragen worden sein. Das Weisungsrecht des Geschäftsherrn braucht zwar nicht ins Einzelne zu gehen. Entscheidend ist aber, dass die Tätigkeit in einer organisatorisch abhängigen Stellung vorgenommen wird und der Geschäftsherr die Tätigkeit des Handelnden jederzeit beschränken oder entziehen oder nach Zeit und Umfang bestimmen kann. Die Qualifikation als Verrichtungsgehilfe setzt mithin Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit voraus. Wer verfassungsmäßiger Vertreter nach § 31 BGB ist, kann dagegen nicht Verrichtungsgehilfe sein (vgl. BGH, Urteil vom 08. März 2021 - VI ZR 505/19 -, Rn. 34, juris).\n\n\r\n\nNach diesen Maßstäben kommt eine Haftung namentlich nicht bezeichneter Personen nach § 831 Abs. 1 BGB nicht in Betracht.\n\n\r\n\nDer Kläger behauptet nämlich schon keine unerlaubte Handlung durch konkrete Personen in Ausübung einer von der Beklagten beauftragten Verrichtung.\n\n\r\n\r\n\n2. Auch eine Haftung der Beklagten zu 2) ist vorliegend nicht gegeben.\n\n\r\n\nNach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu § 826 BGB ist sittenwidrig ein Verhalten, das nach seinem Gesamtcharakter, der durch umfassende Würdigung von Inhalt, Beweggrund und Zweck zu ermitteln ist, gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden verstößt (vgl. BGH Urteil vom 19.07.2004 - II ZR 217/03; BGH Urteil vom 20.11.2012 - VI ZR 268/11; BGH Urteil vom 15.10.2013 - VI ZR 12/12; BGH Urteil vom 07.05.2019 - VI ZR 512/17; BGH Urteil vom 25.05.2020 - VI ZR 252/19; BGH Urteil vom 30.07.2020 - VI ZR 5/20). Dafür genügt es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Allgemeinen nicht, dass der Handelnde vertragliche Pflichten oder das Gesetz verletzt oder bei einem anderen einen Vermögensschaden hervorruft. Vielmehr muss eine besondere Verwerflichkeit seines Verhaltens hinzutreten, die sich aus dem verfolgten Ziel, den eingesetzten Mitteln, der zutage tretenden Gesinnung oder den eingetretenen Folgen ergeben kann (vgl. BGH Urteil vom 19.07.2004 - II ZR 217/03; BGH Urteil vom 19.10.1987 - II ZR 9/87; BGH Urteil vom 15.10.2013 - VI ZR 124/12; BGH Urteil vom 07.05.2019 - VI ZR 512/17; BGH Urteil vom 25.05.2020 - VI ZR 252/19, BGH Urteil vom 30.07.2020 - VI ZR 5/20). Sittenwidrig ist dabei, wenn ein Fahrzeughersteller basierend auf einer grundlegenden strategischen Entscheidung im eigenen Kosten- und Gewinninteresse die Motorsteuerungssoftware in von ihm hergestellten Dieselfahrzeugen bewusst und gewollt so programmiert, dass die gesetzlichen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand eingehalten, im normalen Fahrbetrieb hingegen überschritten wurden, und damit das Kraftfahrtbundesamt zwecks Erlangung der Typengenehmigung bewusst und gewollt getäuscht und die mit dieser Software ausgestatteten Fahrzeuge unter bewusster Ausnutzung der Arglosigkeit der Erwerber, die die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben als selbstverständlich voraussetzten, millionenfach in den Verkehr gebracht hat (BGH Urteil vom 17.12.2020 VI ZR 739/20).\n\n\r\n\nIm Hinblick auf die Sittenwidrigkeit des Verhaltens eines Fahrzeugherstellers im\n\n\r\n\nZusammenhang mit dem Inverkehrbringen eines mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung versehenen Fahrzeugs hat der Bundesgerichtshof Kriterien herausgearbeitet, um ein sittenwidriges Verhalten des Fahrzeugherstellers zu begründen. Dabei sieht es der Bundesgerichtshof als erforderlich an, dass das deutsche Kraftfahrtbundesamt im Zusammenhang mit dem der Betriebszulassung des betroffenen Fahrzeugs zugrundeliegenden Typengenehmigungsverfahren getäuscht worden ist (BGH, Urteil vom 25. Mai 2020 - VI ZR 252/19; LG Freiburg (Breisgau), Urteil vom 26. Februar 2021 - 14 O 333/20).\n\n\r\n\nVorliegend lag der Typengenehmigung keine Entscheidung des deutschen\n\n\r\n\nKraftfahrtbundesamtes zugrunde. Vielmehr beruht die Typengenehmigung auf einer Entscheidung einer italienischen Behörde, an die das Kraftfahrtbundesamt gebunden ist. Mitgliedsstaaten sind auf dem Gebiet der Abgasemissionen an eine von einem anderen Mitgliedsstaat erteilte Typengenehmigungen gebunden und daher auch nicht berechtigt, auf dem vorbezeichneten Gebiet zusätzliche nationale Bescheinigungen zu verlangen oder die Betriebsgenehmigung von weiteren Voraussetzungen abhängig zu machen (vgl. EuGH Urteil vom 29.05.1997 - C-329/95). Eine Täuschung dieser italienischen Behörde hat der Kläger indes nicht hinreichend substantiiert dargelegt. Die Behauptungen des Klägers sind nicht geeignet, eine Sittenwidrigkeit herzuleiten. Die Ausführungen des Klägers sind pauschal gehalten und betreffen nicht immer das streitgegenständliche Fahrzeug.\n\n\r\n\nEine Strategieentscheidung der Beklagten dergestalt, im eigenen Kosten- und\n\n\r\n\nGewinninteresse durch bewusste und gewollte Täuschung der italienischen\n\n\r\n\nTypengenehmigungsbehörde systematisch, langjährig und im großen Umfang Fahrzeuge mit Motoren mit unzulässigen Abschalteinrichtungen in den Verkehr zu bringen, ist von dem Kläger jedenfalls nicht substantiiert vorgetragen worden.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung durch die Beklagten kann nicht in der Verwendung einer Abgasrückführung gesehen werden.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDer Kläger hat diesbezüglich nicht vorgetragen, warum es sich um eine illegale Abschalteinrichtung handeln sollte. Der Kläger hat lediglich ausgeführt, dass Teile der Abgaskontrollanlage außer Betrieb gesetzt würden, wenn das Fahrzeug erkenne, dass es länger im Normalbetrieb auf der Straße fahre. Wie das Fahrzeug diesen Umstand erkennen soll und dass die Beklagten durch den Einbau des Systems die zuständige Typengenehmigungsbehörde täuschen wollten, hat der Kläger indes nicht hinreichend substantiiert vorgetragen.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung durch die Beklagten kann ebenfalls nicht in der Verwendung eines Thermofensters gesehen werden.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nVorliegend ist - unabhängig von der Frage, ob es sich bei dem streitgegenständlichen Thermofenster überhaupt um eine unzulässige Abschalteinrichtung handelt und in welchen Temperaturbereichen diese zum Einsatz kommt - jedenfalls nicht von einer vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung auszugehen.\n\n\r\n\nBei der Verwendung der in der Motorreihe EA189 genutzten Umschaltlogik, welche allein dem Zweck diente, die Emissionswerte der Fahrzeuge auf dem Prüfstand zu beeinflussen, kann eine sittenwidrige Schädigung angenommen werden. Bei der Verwendung eines Thermofensters stellt sich die Lage indes anders dar (vgl. OLG Köln, Urteil vom 11.04.2019, S.20). Denn diese dient nicht der manipulativen\n\n\r\n\nÜberlistung der Typengenehmigungsbehörde bei Erlangung der erforderlichen Typengenehmigung. Der Einsatz der Thermofenster-Software zielt nämlich bereits nicht auf die Abweichungen der Werte des Prüf- zu denen des Fahrbetriebs ab, sondern ist unabhängig von der Frage aktiv, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand oder im normalen Fahrbetrieb befindet und wird - zumindest auch - mit dem Motor- bzw. Bauteilschutz gerechtfertigt. Die Software arbeitet somit in beiden Fahrsituationen grundsätzlich gleich. In solchen Fällen ist bei der Verwendung eines Thermofensters der Vorwurf einer vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung gegenüber der Beklagten nur dann gerechtfertigt, wenn zu einem unterstellten Verstoß gegen die Verordnung 715/2007/EG weitere Umstände hinzutreten, die das Verhalten der für die Beklagten handelnden Personen besonders verwerflich erscheinen lassen. Insoweit setzt die Annahme von Sittenwidrigkeit jedenfalls voraus, dass die handelnden Personen bei der Entwicklung und/oder Verwendung der temperaturabhängigen Steuerung des Emissionskontrollsystems in dem Bewusstsein handelten, eine unzulässige Abschalteinrichtung zu verwenden, und den darin liegenden Gesetzesverstoß billigend in Kauf nahmen (BGH, Beschluss vom 19.01.2021, VI ZR 433/19). Fehlt es hieran, ist bereits der objektive Tatbestand der Sittenwidrigkeit nicht erfüllt. Es kann nicht ohne weiteres unterstellt werden, dass die Handelnden beziehungsweise Verantwortlichen bei den Beklagten in dem Bewusstsein gehandelt haben, möglicherweise eine unzulässige Abschalteinrichtung zu verwenden. Vielmehr muss in dieser Situation, selbst wenn hinsichtlich des Thermofensters von einer objektiven unzulässigen Abschalteinrichtung auszugehen sein sollte, eine möglicherweise falsche, aber dennoch vertretbare Gesetzesauslegung und - anwendung durch die Organe der Beklagten in Betracht gezogen werden (OLG Köln, Beschluss vom 04.07.2019 - 3 U 148/18; OLG Stuttgart, Urteil vom 30.07.2019 - 10 U 134/19).\n\n\r\n\nVorliegend fehlt es an konkreten Anhaltspunkten dafür, dass die Beklagte zu 2) davon ausging, dass es sich bei dem in dem streitgegenständlichen Fahrzeug verwendeten Thermofenster um eine unzulässige Abschalteinrichtung gehandelt hat und sie damit eine Schädigung des Klägers gekannt bzw. vorausgesehen und in ihren Willen aufgenommen, jedenfalls aber für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen hätte. Anhaltspunkte hierfür hat der Kläger weder vorgetragen, noch sind sie sonst ersichtlich. Es genügt insoweit nicht, wenn die relevanten Tatumstände lediglich objektiv erkennbar waren und der Handelnde sie hätte kennen können oder kennen müssen oder sie sich ihm sogar hätten aufdrängen müssen; in einer solchen Situation ist lediglich ein Fahrlässigkeitsvorwurf gerechtfertigt (vgl. OLG Köln Urteil vom 09.08.2019 - 1 U 36/19; OLG Köln Beschluss vom 04.07.2019 - 3 U 148/18; OLG Stuttgart Urteil vom 30.07.2019 - 10 U 134/19).\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nAuch in der vom Kläger vorgetragenen zeitgesteuerten Abschalteinrichtung - unterstellt, eine solche läge vor - kann keine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung gesehen werden.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nEine zeitgesteuerte Abschalteinrichtung dient auch nicht der manipulativen Überlistung der Typengenehmigungsbehörde. Auch sie unterscheidet sich von der in der Motorreihe EA189 genutzten Umschaltlogik, dahingehend, dass sie unabhängig davon aktiv ist, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand oder im normalen Fahrbetrieb auf der Straße befindet. Der Einsatz der Software zielt bereits nicht auf die Abweichungen der Werte des Prüf- zu denen des Fahrbetriebs ab.\n\n\r\n\nDem Vortrag des Klägers sind zudem keine objektiven Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass das streitgegenständliche Fahrzeug tatsächlich mit einer zeitgesteuerten Abschalteinrichtung ausgestattet ist.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nZudem ist - unabhängig von dem Vorliegen einer Abschalteinrichtung - klägerseits nicht ansatzweise dargetan, dass die zuständige italienische Zulassungsbehörde durch die Beklagte zu 2) über relevante Umstände getäuscht wurde. Vielmehr indiziert der Hinweis auf ein von der EU-Kommission im Hinblick auf italienische Typengenehmigungen angestrengtes, gegen den EU-Mitgliedsstaat Italien gerichtetes\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nVertragsverletzungsverfahren eine weite Auslegung der italienischen\n\n\r\n\nTypengenehmigungsbehörden im Hinblick auf die nach Art. 5 Abs. 2 S. 2 VO Nr. 715/2007 ausnahmsweise zulässigen Abschalteinrichtungen.\n\n\r\n\nDie weite Auslegung und damit eine im Vergleich zum Kraftfahrtbundesamt großzügigere Annahme von zulässigen Abschalteinrichtungen durch die italienischen Behörden wird auch durch den Schlussantrag der Generalanwältin beim EuGH vom 30.04.2020 im Verfahren C-693/18 indiziert, wonach die von der italienischen Regierung vertretene weite Auslegung der Ausnahmetatbestände des Art. 5 Abs. 2 S. 2 VO Nr. 715/2007 im Hinblick auf die Ziele der Verordnung Nr. 715/2007 und insbesondere jenes des Umweltschutzes und der Verbesserung der Luftqualität innerhalb der Union keineswegs zu rechtfertigen sei (“Meines Erachtens ist daher die weite Auslegung der italienischen Regierung zurückzuweisen, wonach der Begriff „Beschädigung“ derart ausgedehnt werden müsse, dass er die Abnutzung, den Effizienzverlust oder den Wertverlust des Fahrzeugs aufgrund des Verschleißes und der allmählichen Verschmutzung seines Motors erfasse“; EuGH, Schlussanträge des Generalanwalts/der Generalanwältin vom 30.04.2020, C-693/18, Celex-Nr. 62018CC0693).\n\n\r\n\nEine Sittenwidrigkeit der Beklagtenpartei im Zusammenhang mit dem Inverkehrbringen des Motors des Klägerfahrzeugs lässt sich auch nicht daraus herleiten, dass nach der Entscheidung des EuGH in der Rechtssache C-693/18 vom 17.12.2020 nunmehr eine enge Auslegung der im Hinblick auf die Zulässigkeit von Abschalteinrichtungen in Art. 5 Abs. 2 lit a der VO (EG) 715/2007 getroffenen Regelungen rechtsverbindlich festgestellt worden ist (“Folglich ist eine die Wirkung des Emissionskontrollsystems verringernde Abschalteinrichtung gemäß Art. 5 Abs. 2 Buchst. a der Verordnung Nr. 715/2007 zulässig, wenn sie es ermöglicht, den Motor vor plötzlichen und außergewöhnlichen Schäden zu schützen. (...) Da Art. 5 Abs. 2 Buchst. a der Verordnung Nr. 715/2007 eine Ausnahme vom Verbot der Verwendung von Abschalteinrichtungen darstellt, die die Wirkung von Emissionskontrollsystemen verringern, ist er eng auszulegen“; EuGH Urt. v. 17.12.2020 - C-693/18, BeckRS 2020, 35477, beck-online).\n\n\r\n\nEs ist nämlich nicht ersichtlich, dass die Entscheidung des EuGH vom 17.12.2020 im\n\n\r\n\nVerfahren C-693/18 konkrete Auswirkungen auf die Typengenehmigung des Klägerfahrzeugs hat.\n\n\r\n\nVielmehr bemängelt die Klagepartei, dass die zuständige\n\n\r\n\nTypengenehmigungsbehörde in Italien nichts unternehme und weder die\n\n\r\n\nTypengenehmigung ändere noch einen Rückruf anordne und die Europäische Kommission am 17.05.2017 beschlossen habe, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien einzuleiten, weil das Land seine Verpflichtungen im Rahmen der EUTypgenehmigungsvorschrift für Kraftfahrzeuge im Fall der Beklagtenpartei nicht eingehalten hat.\n\n\r\n\nDie Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens auf EU-Ebene ist aber nicht dazu geeignet, in irgendeiner Weise den Vorwurf vorsätzlichen sittenwidrigen Verhaltens der Beklagtenpartei nach dem deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch zu begründen.\n\n\r\n\nVielmehr stellt sich die im vorliegenden Fall maßgebliche Streitfrage, nämlich die Auslegung der italienischen Typengenehmigungsbehörde im Hinblick auf die Zulässigkeit respektive Unzulässigkeit von Abschalteinrichtungen vor dem Hintergrund der in Art. 5 Absatz 2 VO (EG) Nr. 715/2007 statuierten Voraussetzungen primär als Streitfrage um die von Italien als einem EU-Mitgliedsstaat zu bewerkstelligende ordnungsgemäße Umsetzung und Anwendung von EU-Recht dar, deren Beantwortung und Implikationen einem - wie im vorliegenden Fall - vor einem deutschen Gericht zwischen einer natürlichen Person und einer juristischen Person geführten zivilrechtlichen Streitigkeit wegen der nach dem EU-Recht geltenden Warenverkehrsfreiheit (Art. 34 AEUV) letztlich enthoben ist (vgl. LG Freiburg (Breisgau), Urteil vom 26. Februar 2021 - 14 O 333/20 -, juris).\n\n\r\n\r\n\nIII. Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO, die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 709 ZPO.\n\n\r\n\nDer Streitwert wird auf 106.450,00 EUR festgesetzt.\n\n\r\n\nRechtsbehelfsbelehrung: \n\n\r\n\nA) Gegen dieses Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung für jeden zulässig, der durch dieses Urteil in seinen Rechten benachteiligt ist,\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nwenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 600,00 EUR übersteigt oder\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nwenn die Berufung in dem Urteil durch das Landgericht zugelassen worden ist.\n\n\r\n\n\r\n\n\r\n\nDie Berufung muss innerhalb einer Notfrist von einem Monat nach Zustellung dieses Urteils schriftlich bei dem Oberlandesgericht Köln, Reichenspergerplatz 1, eingegangen sein. Die Berufungsschrift muss die Bezeichnung des Urteils (Datum des Urteils, Geschäftsnummer und Parteien) gegen das die Berufung gerichtet wird, sowie die Erklärung, dass gegen dieses Urteil Berufung eingelegt werde, enthalten.\n\n\r\n\nDie Berufung ist, sofern nicht bereits in der Berufungsschrift erfolgt, binnen zwei Monaten nach Zustellung dieses Urteils schriftlich gegenüber dem Oberlandesgericht Köln zu begründen.\n\n\r\n\nDie Parteien müssen sich vor dem Oberlandesgericht Köln durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen, insbesondere müssen die Berufungs- und die Berufungsbegründungsschrift von einem solchen unterzeichnet sein.\n\n\r\n\nMit der Berufungsschrift soll eine Ausfertigung oder beglaubigte Abschrift des angefochtenen Urteils vorgelegt werden.\n\n\r\n\nB) Gegen die Streitwertfestsetzung ist die Beschwerde an das Landgericht Aachen statthaft, wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 200,00 EUR übersteigt oder das Landgericht die Beschwerde zugelassen hat. Die Beschwerde ist spätestens innerhalb von sechs Monaten, nachdem die Entscheidung in der Hauptsache\n\n\r\n\nRechtskraft erlangt oder das Verfahren sich anderweitig erledigt hat, bei dem\n\n\r\n\nLandgericht Aachen, Adalbertsteinweg 92, schriftlich in deutscher Sprache oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle einzulegen. Die Beschwerde kann auch zur Niederschrift der Geschäftsstelle eines jeden Amtsgerichtes abgegeben werden. Ist der Streitwert später als einen Monat vor Ablauf dieser Frist festgesetzt worden, so kann die Beschwerde noch innerhalb eines Monats nach Zustellung oder formloser Mitteilung des Festsetzungsbeschlusses eingelegt werden.\n\n\r\n\nHinweis zum elektronischen Rechtsverkehr:\n\n\r\n\nDie Einlegung ist auch durch Übertragung eines elektronischen Dokuments an die elektronische Poststelle des Gerichts möglich. Das elektronische Dokument muss für die Bearbeitung durch das Gericht geeignet und mit einer qualifizierten elektronischen Signatur der verantwortenden Person versehen sein oder von der verantwortenden Person signiert und auf einem sicheren Übermittlungsweg gemäß § 130a ZPO nach näherer Maßgabe der Verordnung über die technischen Rahmenbedingungen des elektronischen Rechtsverkehrs und über das besondere elektronische Behördenpostfach (BGBl. 2017 I, S. 3803) eingereicht werden. Auf die Pflicht zur elektronischen Einreichung durch professionelle Einreicher/innen ab dem 01.01.2022 durch das Gesetz zum Ausbau des elektronischen Rechtsverkehrs mit den Gerichten vom 10. Oktober 2013, das Gesetz zur Einführung der elektronischen Akte in der Justiz und zur weiteren Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs vom 5. Juli 2017 und das Gesetz zum Ausbau des elektronischen Rechtsverkehrs\n\n\r\n\nmit den Gerichten und zur Änderung weiterer Vorschriften vom 05.10.2021 wird hingewiesen.\n\n\r\n\nWeitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite www.justiz.de.\n\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\nO.\n\n\r\n\r\n\r\n\r\n\nBeglaubigt\n\n\r\n\nUrkundsbeamter/in der Geschäftsstelle\n\n\r\n\nLandgericht Aachen\n\n\r\n\n\r\n\r\n\nVerkündet am 04.05.2022\n\n\r\n\r\n\nY. 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