{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerwG:2023:060723B10AV7.23.0","court":"Bundesverwaltungsgericht","senate":"10. Senat","decided":"2023-07-06","aktenzeichen":"10 AV 7.23","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BESCHLUSS\n\nBVerwG 10 AV 7.23\n5 F 48/22\n\nIn der Verwaltungsstreitsache\n\nhat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts\nam 6. Juli 2023\ndurch die Vizepräsidentin des Bundesverwaltungsgerichts Dr. Rublack und\ndie Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Schemmer und Dr. Günther\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird\nabgelehnt.\n\nECLI:DE:BVerwG:2023:060723B10AV7.23.0\n\nGründe:\n\nI\n\n1 Der Antragsteller beantragt die Bewilligung von Prozesskostenhilfe für ein Verfahren zur Bestimmung der gerichtlichen Zuständigkeit für seine auf Einsicht in\ngerichtliche Geschäftsverteilungspläne bei dem Oberlandesgericht Hamm gerichtete Klage. Das Verwaltungsgericht Arnsberg hat den Rechtsweg zu den Verwaltungsgerichten für die Klage mit Beschluss vom 21. November 2022 für unzulässig erklärt und den Rechtsstreit gemäß § 173 Satz 1 VwGO i. V. m. § 17a\nAbs. 2 Satz 1 GVG an das Oberlandesgericht Hamm verwiesen. Den Antrag des\nKlägers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für ein beabsichtigtes Beschwerdeverfahren gegen die Verweisung hat das Oberverwaltungsgericht mit Beschluss vom 23. Januar 2023 wegen fehlender Erfolgsaussicht abgelehnt. Mit\nBeschluss vom 27. März 2023 hat das Oberverwaltungsgericht das Verfahren\nhinsichtlich der begehrten Prozesskostenhilfe für einen Antrag auf Bestimmung\nder gerichtlichen Zuständigkeit nach § 83 Satz 1 VwGO i. V. m. § 17a Abs. 2 GVG\nan das Bundesverwaltungsgericht verwiesen.\n\nII\n\n2 Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe wird abgelehnt.\n\n3 Gemäß § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO i. V. m. § 166 Abs. 1 Satz 1 VwGO erhält eine Partei Prozesskostenhilfe, wenn sie nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen\nVerhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in\nRaten aufbringen kann, und wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet und nicht mutwillig erscheint. Hier fehlt der\nbeabsichtigten Rechtsverfolgung – dem Antrag auf Bestimmung des zuständigen Gerichts – aus den nachfolgenden Gründen die hinreichende Aussicht auf\nErfolg:\n\n4 Die Voraussetzungen für eine Zuständigkeitsbestimmung nach § 53 Abs. 1 und\nAbs. 3 VwGO sind nicht erfüllt.\n\n5 Ein Fall des hier einzig in Betracht kommenden Erfordernisses für eine Zuständigkeitsbestimmung in entsprechender Anwendung von § 53 Abs. 1 Nr. 5, Abs. 3\nSatz 1 VwGO liegt nicht vor. Zwar ist danach das Bundesverwaltungsgericht zur\nEntscheidung eines negativen Kompetenzkonflikts zwischen einem Verwaltungsgericht und einem Gericht einer anderen Gerichtsbarkeit zuständig, sofern\nes als oberstes Bundesgericht eines der betroffenen Gerichtszweige zuerst angegangen wird (vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 21. März 2022 - 9 AV 1.22 - Buchholz 300 § 17a GVG Nr. 43 Rn. 6 und vom 16. Juni 2021 - 6 AV 1.21, 6 AV 2.21 -\nNVwZ-RR 2021, 740 Rn. 5 m. w. N.). Ein solcher negativer Kompetenzkonflikt\nist im vorliegenden Verfahren aber nicht gegeben. Die Zuständigkeit aus § 53\nAbs. 1 Nr. 5 VwGO zur Bestimmung des zuständigen Gerichts setzt voraus, dass\nverschiedene Gerichte, von denen eines für den Rechtsstreit zuständig ist, sich\nrechtskräftig für unzuständig erklärt haben. So ist eine Zuständigkeitsbestimmung im Interesse einer funktionierenden Rechtspflege und der Rechtssicherheit geboten, wenn es in einem Verfahren zu Zweifeln über die Bindungswirkung einer – bereits erfolgten – Verweisung kommt und deshalb keines der in\nFrage kommenden Gerichte bereit ist, die Sache zu bearbeiten (vgl. BVerwG,\nBeschluss vom 16. Juni 2021 - 6 AV 1.21, 6 AV 2.21 - a. a. O. Rn. 5). § 53 VwGO\nverleiht dem Bundesverwaltungsgericht jedoch keine Zuständigkeit, um die\nRechtmäßigkeit und die Bindungswirkung der Verweisung eines Verfahrens an\nein anderes Gericht zu überprüfen, ohne dass ein negativer Kompetenzkonflikt\nvorliegt.\n\n6 Das Oberlandesgericht Hamm hat die Bindungswirkung der – vom Oberverwaltungsgericht im Verfahren über Prozesskostenhilfe für eine Beschwerde für\nrechtmäßig gehaltenen – Verweisung bislang nicht infrage gestellt. Es fehlt deshalb schon an der Voraussetzung für die Zuständigkeitsbestimmung nach § 53\nAbs. 1 Nr. 5 und Abs. 3 Satz 1 VwGO, dass sich verschiedene Gerichte rechtskräftig für den Rechtsstreit für unzuständig erklärt haben.\n\nDr. Rublack Dr. Schemmer Dr. Günther","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2023-07-06/10-av-7-23","cited_norms":[{"jurabk":"GVG","ref":"§ 17a","ref_norm":"17a","n":3},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 53","ref_norm":"53","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 83","ref_norm":"83","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 166","ref_norm":"166","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 173","ref_norm":"173","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2023-07-06/10-av-7-23","retrieved":"2026-10-24 07:34:03.934820+00:00"},"card":{"id":"bverwg/2023-07-06/10-av-7-23","court":"BVerwG","court_id":"bverwg","court_as_stated":"Bundesverwaltungsgericht","panel":"10. 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