{"status":"available","doknr":"BVERWG-020112B10B43110","ecli":"ECLI:DE:BVerwG:2012:020112B10B43.11.0","court":"Bundesverwaltungsgericht","senate":"10. Senat","decided":"2012-01-02","aktenzeichen":"10 B 43.11","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERWALTUNGSGERICHT\n\nBESCHLUSS\n\nBVerwG 10 B 43.11\nVGH A 2 S 1296/11\n\nIn der Verwaltungsstreitsache\n\nhat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts\nam 2. Januar 2012\ndurch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Berlit,\nden Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Dörig\nund die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Beck\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung\nder Revision in dem Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 18. Oktober 2011 wird verworfen.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.\n\nGründe:\n\n1 Die Beschwerde des Klägers ist unzulässig. Sie legt den allein geltend gemachten Zulassungsgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 132\nAbs. 2 Nr. 1 VwGO) nicht in einer Weise dar, die den Anforderungen des § 133\nAbs. 3 Satz 3 VwGO genügt.\n\n2 Die Zulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache\nsetzt voraus, dass eine klärungsfähige und klärungsbedürftige Frage des revisiblen Rechts aufgeworfen wird. Solch eine Frage lässt sich der Beschwerde\nnicht entnehmen. Vielmehr wendet sich die Beschwerde gegen die aus ihrer\nSicht fehlerhafte Anwendung der für die Auslegung des unionsrechtlichen Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG maßgeblichen Voraussetzungen auf den konkreten Einzelfall. Denn sie rügt zunächst, dass das Berufungsgericht die Frage offengelassen hat, ob im Irak die „richtig erkannt(en)“\nVoraussetzungen für einen innerstaatlichen bewaffneten Konflikt vorliegen, weil\nes jedenfalls für die Person des Klägers eine erhebliche individuelle Gefahr für\ndessen Leib oder Leben verneint habe. Und sie wendet sich dagegen, dass die\nGefahrenprognose des Gerichts in Bezug auf die von § 60 Abs. 7 Satz 2\nAufenthG geschützten Rechtsgüter unzureichend sei. Klärungsbedürftige\n\nRechtsfragen zur Auslegung des § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG bezeichnet die\nBeschwerde hingegen nicht.\n\n3 Sofern das Vorbringen, das Berufungsgericht habe die Frage des Gefährdungsgrades für Zivilpersonen in der Heimatprovinz des Klägers durch weitere\ngutachterliche Auskünfte klären müssen, auf einen Verfahrensmangel der unzureichenden Sachaufklärung (§ 86 Abs. 1 VwGO) abzielen sollte, wäre dieser\njedenfalls nicht ausreichend dargelegt. Denn die Beschwerde führt selbst mehrere Erkenntnismittel an, die das Berufungsgericht für seine Prognoseentscheidung herangezogen hat. Sie benennt jedoch weder weitere konkrete Auskunftsstellen noch gibt sie Gründe dafür an, dass diese über genauere, neuere\noder abweichende Erkenntnisse verfügten. Zudem legt sie nicht dar, dass der\nanwaltlich vertretene Kläger bereits im Verfahren vor dem Tatsachengericht auf\ndie Vornahme der Sachverhaltsaufklärung, deren Unterbleiben nunmehr gerügt\nwird, hingewirkt hat oder dass sich dem Gericht die bezeichneten Ermittlungen\nauch ohne ein solches Hinwirken hätten aufdrängen müssen.\n\n4 Auch ein Begründungsmangel nach § 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO lässt sich der\nBeschwerde nicht schlüssig entnehmen. Sie räumt selbst ein, dass das Berufungsgericht die Gesamtzahl der Opfer von bewaffneten Auseinandersetzungen\nermittelt hat. Warum diese nicht - wie erfolgt (UA S. 14 -16) - in Relation zur\nGesamtbevölkerung in der Region, sondern in Relation zur „turkmenischen Gesamtbevölkerung“ hätten gesetzt werden sollen, lässt sich der Beschwerde\nnicht entnehmen. Ebenso wenig geht die Beschwerde darauf ein, dass sich das\nBerufungsgericht mit der turkmenischen Volkszugehörigkeit des Klägers bereits\neingehend bei Prüfung der Flüchtlingseigenschaft befasst und eine daran anknüpfende Gruppenverfolgung verneint hat.\n\n5 Von einer weiteren Begründung der Entscheidung sieht der Senat ab (§ 133\nAbs. 5 Satz 2 Halbs. 2 VwGO).\n\n6 Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. Gerichtskosten werden\ngemäß § 83b AsylVfG nicht erhoben. Der Gegenstandswert ergibt sich aus § 30\nSatz 1 RVG.\n\nProf. Dr. Berlit Prof. Dr. Dörig Beck","source":"ce-bverwg","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.10809039","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2012-01-02/10-b-43-11","cited_norms":[{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 60","ref_norm":"60","n":3},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":2},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 83b","ref_norm":"83b","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 86","ref_norm":"86","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 108","ref_norm":"108","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 132","ref_norm":"132","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 30","ref_norm":"30","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.10809039","attribution":{"source":"Bundesverwaltungsgericht","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.10809039","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. 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