{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerwG:2011:190711B10B10.11.0","court":"Bundesverwaltungsgericht","senate":"10. Senat","decided":"2011-07-19","aktenzeichen":"10 B 10.11","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERWALTUNGSGERICHT\n\nBESCHLUSS\n\nBVerwG 10 B 10.11, 10 PKH 4.11\nVGH 13a B 10.30247\n\nIn der Verwaltungsstreitsache\n\nhat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts\nam 19. Juli 2011\ndurch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Berlit,\nden Richter am Bundesverwaltungsgericht Richter und\ndie Richterin am Bundesverwaltungsgericht Fricke\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts wird abgelehnt.\n\nDie Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung\nder Revision in dem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 14. Dezember 2010 wird verworfen.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.\n\nGründe:\n\n1 Dem Kläger kann die beantragte Prozesskostenhilfe nicht bewilligt werden, weil\ndie beabsichtigte Rechtsverfolgung aus den nachstehenden Gründen keine\nAussicht auf Erfolg bietet (§ 166 VwGO i.V.m. § 114 ZPO).\n\n2 Die Beschwerde des Klägers ist unzulässig. Sie legt den geltend gemachten\nZulassungsgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 132\nAbs. 2 Nr. 1 VwGO) nicht in einer den Anforderungen des § 133 Abs. 3 Satz 3\nVwGO genügenden Weise dar.\n\n3 Die Zulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache\n(§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) setzt voraus, dass eine klärungsfähige und klärungsbedürftige Frage des revisiblen Rechts aufgeworfen wird. Eine solche\nlässt sich der Beschwerde nicht entnehmen. Die von ihr aufgeworfenen Fragen,\n\n„ob Sunniten im Irak bzw. in Bagdad einer Gruppenverfolgung unterliegen oder nicht“ (zu § 60 Abs. 1 AufenthG)\n\nund\n\n„ob Sunniten im Irak einer erheblichen individuellen Gefahr für Leib und Leben im Rahmen eines innerstaatlichen\nbewaffneten Konflikts ausgesetzt sind oder nicht“ (zu § 60\nAbs. 7 Satz 2 AufenthG)\n\nbetreffen in erster Linie die den Tatsachengerichten vorbehaltene Klärung und\nWürdigung der tatsächlichen Verhältnisse im Irak. Dem verschließt sich letztlich\nauch die Beschwerde nicht, wenn sie ausführt, dass die jeweilige Frage „für den\nvorliegenden Fall entscheidungserheblich ist und noch nicht obergerichtlich entschieden wurde“ und sie „sich in einer Vielzahl von Asylverfahren von Sunniten\naus dem Irak gleichermaßen auswirken und [...] daher verallgemeinerungsfähig“\nseien. Das Revisionsgericht darf aber von sich aus keine Tatsachen ermitteln;\nes hat - auf der Grundlage der vom Berufungsgericht getroffenen tatsächlichen\nFeststellungen - Fragen des revisiblen Rechts zu klären (vgl. § 137 Abs. 2\nVwGO) (Beschluss vom 30. Juni 2009 - BVerwG 10 B 49.08 - juris Rn. 2 f.). Der\nKläger verkennt, dass sich der herangezogene Revisionszulassungsgrund von\ndem Berufungszulassungsgrund der „grundsätzlichen Bedeutung“ (§ 78 Abs. 3\nNr. 1 AsylVfG) unterscheidet, der in Asylrechtsstreitigkeiten auch solche Fälle\numfasst, in denen sich die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache allein\naus den verallgemeinerungsfähigen Auswirkungen ergibt, die die in der Berufungsentscheidung zu erwartende Klärung von Tatsachenfragen haben wird\n(Urteil vom 31. Juli 1984 - BVerwG 9 C 46.84 - BVerwGE 70, 24 Leitsatz 1\n= Buchholz 402.25 § 32 AsylVfG Nr. 4). Grundsätzlicher Klärung bedürftige\nRechtsfragen zur Auslegung des § 60 Abs. 1 oder Abs. 7 Satz 2 AufenthG bezeichnet die Beschwerde weder ausdrücklich noch sinngemäß.\n\n4 Soweit die Beschwerde der Würdigung der Verfolgungssituation im Irak durch\ndas Berufungsgericht u.a. als unzutreffend, „nicht richtig“ oder „nicht vertretbar“\nentgegentritt, betrifft dieses Vorbringen die einzelfallbezogene Rechtsanwendung des Berufungsgericht, die grundsätzlich dem materiellen Recht zuzuordnen ist, und lässt nicht erkennen, dass auch eine Verfahrenrüge hätte erhoben\nwerden sollen, die jedenfalls nicht ausreichend dargelegt wäre.\n\n5 Der Senat sieht von einer weiteren Begründung der Entscheidung ab (§ 133\nAbs. 5 Satz 2 Halbs. 2 VwGO).\n\n6 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO. Gerichtskosten werden gemäß § 83b AsylVfG nicht erhoben. Der Gegenstandswert ergibt sich aus\n§ 30 Satz 1 RVG.\n\nProf. Dr. Berlit Richter Fricke","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2011-07-19/10-b-10-11","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 132","ref_norm":"132","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":2},{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 60","ref_norm":"60","n":2},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 83b","ref_norm":"83b","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 137","ref_norm":"137","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 166","ref_norm":"166","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 30","ref_norm":"30","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2011-07-19/10-b-10-11","retrieved":"2026-10-24 07:33:40.083724+00:00"},"card":{"id":"bverwg/2011-07-19/10-b-10-11","court":"BVerwG","court_id":"bverwg","court_as_stated":"Bundesverwaltungsgericht","panel":"10. 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